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Interviews & Artikel

PONYS

Auf den Hund gekommen

Mit "Turn The Lights Out" haben die PONYS aus Chicago nach "Laced With Romance" und "Celebration Castle" auf In The Red ihr neues Album via Matador veröffentlicht. Eine gute Entscheidung gerade unter dem Aspekt, dass diverse Majors hinter der Garagerock, Seventies-Punk und Wave-Punk auf sehr eigenwillige und charmante Weise kombinierenden Formation her waren. Ich sprach mit Sänger und Gitarrist Jared Gummere, der Rest der Band - Melissa Elias (Jareds Freundin, Bass und Gesang), Brian Case (Gitarre) und Nathan Jerde (Drums) - musste zu Hause bleiben.





Jared, du bist das erste Mal in Deutschland, deine Band hat es nie hierher geschafft. Wie kommt's?


Das habe ich unseren europäischen Tourbooker auch gefragt, und der sagte, es sei keiner an uns interessiert.



Das ist doch eine Lüge!

Na ja, mit dem neuen Album sollte es jetzt wohl klappen, denke ich.



Viele US-Bands spielen regelmäßig in London, schaffen es aber nie aufs Festland. Die sehen London wohl immer noch als Nabel der Popwelt an.

Mag sein, ich würde lieber in Deutschland spielen. London ist mir viel zu ernst, zu businessmäßig. Da macht Hamburg einen viel relaxteren Eindruck auf mich. Und wie ich höre, wird man überall anderswo auch besser behandelt als in London, wo sie dich aus dem Club rausschmeißen, kaum dass der Auftritt vorüber ist.



In dem Interview, das ich bei eurer letzten Platte mit Melissa führte, erzählte sie noch, wie glücklich ihr mit In The Red wärt und dass es keinen Grund gebe, das Label zu wechseln. Jetzt seid ihr auf Matador.

Wir waren auch glücklich, aber wir kamen an den Punkt, wo wir wissen wollten, was es sonst noch für Labels gibt, was sonst noch möglich ist. Hätte das mit Matador nicht geklappt, wären wir jetzt sicher noch auf Larrys Label glücklich. Und er sagte uns auch, wir hätten weiterhin seine Unterstützung.



Seit eurem Beitrag zur "Maybe Chicago"-Compilation auf Criminal IQ im Jahre 2003 ging es für euch beständig aufwärts, mit jedem Release fandet ihr mehr Fans. Wie habt ihr das selbst erlebt?

Also für uns selbst hat sich eigentlich nichts verändert. Wir versuchen einfach, gute Platten zu machen und Spaß zu haben, mehr ist da nicht. Ich denke, wir haben mit der neuen Platte so richtig zu unserem Sound gefunden. Als "Laced With Romance" erschien, unser erstes Album von 2004, hörten wir von allen Seiten, dass dieser Song wie TELEVISION klänge, jener wie VELVET UNDERGROUND, und so weiter. Die neue Platte klingt für mich aber einfach nur nach den PONYS.



Aber gefallen euch denn die Vergleiche, die ihr zu hören bekommt?

Ach, ich versuche, die einfach nicht zu beachten. Immerhin sind es alles gute Bands, also kann ich mich nicht beklagen. Außer vielleicht über THE CURE, ich war nie ein großer Fan von denen. Klar, die waren okay, als ich noch jünger war und die Mädchen, von denen ich was wollte, standen auf die, aber das war's auch schon. Und sowieso ist alles besser, als mit einer Band wie GREEN DAY oder so verglichen zu werden.



Oder FALL OUT BOY.

Lass uns nicht über die reden ...



Warum?

Weil die auch aus Chicago sind. Und ich mich bei jedem dafür entschuldige, dass die aus der gleichen Stadt kommen wie wir.



Kommt ihr denn aus einer bestimmten Szene in Chicago?

Eigentlich nicht. Und diese ganze Szene um Bands wie TORTOISE und so, die ist ja auch nicht mehr so aktiv wie früher. Die Musikszene hat sehr fließende Übergänge, man unterstützt sich gegenseitig. Ich mag sowieso die verschiedensten Musikstile, bin meist auf den Konzerten der Bands von Freunden. Obwohl Chicago so eine große Stadt ist, ist die Musikszene recht klein und überschaubar, und vor allem kann man als Band dort noch recht gut überleben: Die Mieten sind bezahlbar, die Proberäume auch, und man findet einen Parkplatz für seinen Bandbus und riskiert nicht allzu viele Strafzettel.



Lebt ihr mittlerweile von der Band?

Ja, die Zeit der miesen Nebenjobs ist weitgehend vorbei. Auf den Touren letztes Jahr haben wir genug verdient, um irgendwie die "Trockenzeit" zu Hause in Chicago zu überstehen, und das war angenehm: Du stehst morgens auf, machst ein bisschen Büroarbeit für die Band, machst eine Pause, arbeitest noch mal etwas, machst ein Nickerchen, gehst ein Bier trinken ... Das ist angenehm, haha. Nein, momentan können wir uns nicht beklagen. Aber ich kenne das auch anders: Ich bin sehr jung zu Hause ausgezogen und musste immer viel arbeiten, habe echt eine Menge Scheißjobs gemacht. Eine Weile war ich Hausmeister, das war beschissen, hatte einen Job in einem Lager, schleppte Kisten mit Kühlschränken durch die Gegend und so, doch die letzten zehn Jahre bin ich mit Hunden anderer Leute spazieren gegangen.



Du warst Dogwalker?

Haha, ja! Ich habe die Hunde von reichen Leuten zur Hundeschule gebracht, habe sie im Park ihr Geschäft verrichten lassen und so weiter.



Und, hasst du Hunde jetzt?

Nein, ich liebe Hunde, ich habe selbst welche, und wenn ich jetzt zwischendurch mal Zeit habe, mache ich den Job auch noch. Melissa und ich haben auch selbst zwei Hunde, einen - aufgepasst! - Deutschen Schäferhund und einen Pitbull, der ist unsere Alarmanlage, haha.



Und die Hunde nehmt ihr auch mit auf Tour oder was?

Nein, die kann ich bei meiner ehemaligen Arbeitsstelle unterbringen. Das kostet nichts, das kann ich abarbeiten, das ist praktisch.



Ihr habt ein gutes Händchen, was die Auswahl der Produzenten anbelangt: Erst Jim Diamond, dann Steve Albini, und jetzt John Agnello.

Ach, das war alles ganz einfach, nur scheinbar findet das der Rest der Welt total sensationell, die wollen wissen, wie wir es geschafft haben, mit Steve Albini zu arbeiten. Na, ganz einfach: Ich habe ihn angerufen und gefragt, ob er an dem und dem Tag Zeit hat, er sagte ja und das war's.



Vielleicht mögen die ja auch deine Band.

Ach, ich weiß nicht. Steve schon, ja, aber bei den anderen weiß ich nicht. John Agnello wollte erst die ersten beiden Alben hören, und wir nahmen auch noch zu Hause ein Demo mit den neuen Songs auf. John gefiel das wohl, er wollte mit uns arbeiten, und er ist auch ein netter Typ, man konnte sehr gut mit ihm arbeiten und er verbreitet eine sehr angenehme, positive Atmosphäre im Studio. Das ist wichtig, denn wir gehen uns auch mal ziemlich auf die Nerven, aber er hat das gut im Griff gehabt, wir gingen abends noch zusammen was trinken, und er hatte natürlich eine Menge Geschichten zu erzählen.



Nun haben diese Produzenten alle ihre eigene Handschrift. Würdest du sagen, die merkt man euren Alben jeweils an?

Nein, die haben schon jeder eine andere Herangehensweise. Wenn du mir blind eine von Jim Diamond produzierte Platte vorspielst und dazu zwei, drei andere, dann wäre ich, denke ich, in der Lage, die Platte zu erkennen. Es war gut für uns, jedes Mal mit einem anderen Produzenten zu arbeiten, denn sonst macht man womöglich jedes Mal die gleiche Platte. So ändern sich bei jedem Album nicht nur Sound und die Struktur, sondern auch die Produktion.



Eure neue Platte ist in positiver Weise nicht mehr so Garage-mäßig wie die erste, sondern eher "indierockig", finde ich. Und reifer.

Für mich ist das alles Rock'n'Roll ...



Ich bin Musikjournalist, ich muss so was sagen.

Ich weiß, ich weiß. Und ich lerne momentan noch, meine Musik zu beschreiben. Aber ja, wir sind etwas gereift, es gibt die Band ja schon seit bald sieben Jahren. Das sind unsere Songs, die haben wir aufgenommen, so sind wir, das ist alles.



Auf meiner Vorab-CD sind vierzehn Songs enthalten, auf der Tracklist stehen aber nur zwölf. Was ist das Geheimnis?

Ich schätze, das sind die beiden B-Seiten-Tracks, die deshalb B-Seiten sind, weil sie mir nicht so gut gefallen. Auf dem US-Album sind jedenfalls nur zwölf Songs. Das Album kommt übrigens auch auf Vinyl, ob es allerdings eine 7" geben wird, weiß ich nicht. Aber ich mag 7"s sehr gern!



Kennst du eigentlich irgendwelche deutschen Bands?

Ja, BBQ und King Khan. Aber das sind ja eigentlich Kanadier. Sonst fällt mir aber niemand aus Deutschland ein. Sag doch mal ein paar Namen.



Na, RAMMSTEIN und KRAFTWERK werden da immer gerne genommen.

Nee, die kenne ich beide nicht ... Vielleicht sollten wir besser über was anderes reden, haha.



Dann sprechen wir mal über eure Lieblingsbands.

Also meine absoluten Favoriten sind die CRAMPS. Und ich mag die COUNTRY TEASERS, obwohl die eigentlich wie THE FALL klingen. Mir gefallen sie aber einfach besser als THE FALL. Die COUNTRY TEASERS haben echt ziemlich vulgäre Texte, und sie sind eine exzellente Live-Band, ich verpasse keines ihrer Konzerte. Und dann sind da noch VELVET UNDERGROUND, ohne die ich nicht leben kann, "White Light White Heat" ist mein Favorit, trotz der miesen Produktion.



Was ist mit SONIC YOUTH?

Die mag ich auch sehr, aber sie sind nicht in meinen Top Five.



Und die PIXIES?

Hmmmm, so ein bisschen mag ich die ja, aber die BREEDERS fand ich immer besser. Als die damals so groß waren, interessierten mich die PIXIES nicht besonders, doch heute finde ich ihre Platten ganz interessant. Ich bin 29, und damals war ich in der Highschool, mich interessierte nur Punk und Rock'n'Roll aus den Fünfzigern und Sechzigern.



Was magst du am Touren, was nicht?

Ohne diese Band wäre ich niemals so viel herumgekommen, und auch wenn man die Welt meist nur durch die Fenster des Tourbusses sieht, ist das schon interessant. Eher nicht so toll ist, dass man mit seinen Bandkollegen jeden Tag acht Stunden ins Auto eingesperrt ist, das kann schon nerven.



Seid ihr denn eine demokratische Band oder hat da einer das Sagen?

Ich schätze, ich sage, wo's langgeht. Melissa und ich kümmern uns um den ganzen Businesskram, Nathan ist mit Brian für das Artwork zuständig, und Brian kümmert sich auch um das Equipment. Jeder hat seinen Job, wir machen alles selbst und brauchen keinen Manager. Ich habe keine Lust, jemanden für so was zu bezahlen. Und so weiß ich auch, dass alles so läuft, wie wir das wollen. Matador haben sich beim Album überhaupt nicht eingemischt - und das ist gut.

Jared, besten Dank für das Interview.


Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #71 (April/Mai 2007)

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