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Interviews & Artikel

FEHLFARBEN

Voller Bauch groovet nicht

Als die 1979 in Düsseldorf gegründeten und 2002 wiedervereinten FEHLFARBEN vor fünf Jahren ihr Album "Knietief im Dispo" veröffentlichten, ging das einher mit einem kleinen NDW-Revival und diversen Feierlichkeiten und Ausstellungen zu 25 Jahren Punk. Fünf Jahre später beweisen Peter Hein und Co. mit dem neuen Album "Handbuch für die Welt", dass sie auch unter "Normalbedingungen" funktionieren, dass sie keine Nostalgietruppe sind, sondern ein angesichts deutschsprachigen Popkultur-Wildwuchses unverzichtbares Korrektiv. Aus diesem Grund traf ich mich dem Ex-Düsseldorfer und Ex-Xerox-Mitarbeiter Hein alias Janie J. Jones zum gemeinsamen Begutachten des neuen Julien Temple-Films "Joe Strummer - The Future Is Unwritten" nebst anschließendem Interview.

Was machst du derzeit?


Bald wieder arbeiten gehen.


Wie, hast du einen neuen Job?

Nee, wir gehen auf Tour. Was Ordentliches bekomme ich in Deutschland nicht mehr.


Ist das deine schreckliche Erkenntnis?

Schrecklich ist das nicht, aber realistisch.


Fakt ist jedenfalls, dass eines seit deinem Abgang bei Xerox nicht mehr stimmt: Der Verweis auf deine geheimnisvolle Anstellung bei jenem Kopiererhersteller, der in fast jedem Text über die FEHLFARBEN und deine Person auftaucht.

Ja, das werde ich nicht los. Und theoretisch ist das neue Album das erste, wo sich diese Geschichte inhaltlich hätte auswirken können. Aber ich glaube, man merkt keinen Unterschied, auch wenn es für mich eine Zäsur war. Textlich hatte ich mich ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr damit befasst, das letzte Lied war "X 9200" mit MITTAGSPAUSE. Und ich kann auch nicht behaupten, dass mich meine Kollegen inspiriert hätten. Da ich jetzt ja keine Kollegen mehr habe, wäre mir das sicher aufgefallen. Aber der Job hat natürlich gut geholfen, immer die Miete zu bezahlen, man hatte immer was zu essen, aber nicht viel Zeit. Jetzt ist es umgekehrt, wobei ich jetzt erstaunlicherweise auch nicht so viel Zeit habe. Man fragt mich immer, was ich eigentlich mache, und das weiß ich zwar auch nicht, aber Zeit habe ich keine. Und darüber jammern, dass man arm ist, das bringt ja auch nichts, das ist man ja oft auch schon, wenn man noch verdient. Der einzige Text, der das Thema betrifft, den habe ich nicht weiterentwickelt.


War der zu jammerig?

Nee, das Stück an sich war zu blöd.


Trotzdem ist aber doch mit dem Ende deines Xerox-Jobs doch auch ein prägendes Element deiner Vita weggefallen, schließlich will es die Legende, dass du einst auf eine Karriere mit den FEHLFARBEN zugunsten deines Jobs verzichtet hast.

Ja, aber das habe ich dir ja auch schon mal erzählt, dass das alles so nicht gestimmt hat. Es hatte sich damals eben so ergeben, es gab nie den Punkt, wo ich sagte: "Ich will arbeiten, statt in der Band zu sein". Der Punkt war, dass ich seinerzeit eine große Tour nicht mitmachen konnte, darüber dann mit den anderen so im Clinch lag, dass ich alles hinwarf. Und im Laufe der Jahre hat es sich dann nie ergeben, dass jemand so viel Geld zur Verfügung gestellt hätte, um Plattenmachen und Konzertespielen zum alleinigen Lebensinhalt machen zu können. Das hatte sich dann einfach erledigt. Was ich jetzt mache, erleben andere Leute zwischen 16 und 25: Jedes Konzert mitnehmen, nicht wissen, wo die Kohle herkommt, haha.


Ist das so lustig, wie du das gerade erzählst?

Nicht wirklich, aber wie man weiß, kann nur aus solchen Umständen große Kunst wachsen, haha. Ein voller Bauch groovet nicht.


Neben Xerox war ein wichtiger Bestandteil des Mythos' ja auch immer Düsseldorf. Nun bist du aber vor einigen Monaten zu deiner Freundin nach Wien gezogen.

Ja, und das ist schon was ganz anderes. Aber ehrlich gesagt ist das so ein typischer Fall von "Was schert mich mein Geschwätz von gestern?". Das hat aber eben rein private Gründe, da galt es Wein, Weib und Gesang zu verbinden.


Und wie man sieht und hört, funktionieren die FEHLFARBEN auch ohne Düsseldorf.

Das ist aber eben auch wieder so ein Gerücht, was die Beziehung der FEHLFARBEN zu Düsseldorf anbelangt. Mit-Gründungsmitglied Thomas kommt aus Solingen, wir haben bei dessen Eltern im Keller unsere ersten Stücke geschrieben. Der Fenstermacher kam aus Düsseldorf, ja, aber die anderen aus Wuppertal und so, ich war der einzige andere aus Düsseldorf. Wir haben immer in Solingen oder Wuppertal geprobt, nie in Düsseldorf.


Gibt es Altbier in Wien?

Gibt es wahrscheinlich, aber das muss frisch gezapft sein, aus der Flasche kann ich das nicht trinken. Außerdem schmeckt das Wiener Bier auch lecker, und erst der Wein ...


Aber in Düsseldorf kannte dich jeder, in Wien bist du ein Nobody.

Nicht ganz. Aber es ist schon ein anderes Umfeld, da habe ich Bekannte eher über meine Freundin und kenne ansonsten Leute aus Clubs wie dem Chelsea, wo wir früher schon mal gespielt haben. Na ja, und dass man mich in Düsseldorf in zwei, drei Kneipen kannte, ist ja auch nicht so das Ding. Wer weiß, vielleicht wird man ja auch irgendwann mal seriös ...


Man könnte meinen, so manche Zeile aus "Geteilte Welt" bezöge sich auf deinen Umzug.

Überhaupt nicht! Das ist alles von Thomas, an dem Text habe ich gar nichts geändert. Als ich das eingesungen habe, stand das mit Wien auch noch gar nicht zur Debatte. Ich kann halt einfach gut so tun, als ob mich ein Text betrifft, haha.


Ist denn zumindest der Opener "Anders geblieben" autobiografisch?

Ja, da geht es um Fortuna Düsseldorf. Und um MITTAGSPAUSE.


Ich habe den Eindruck, dass da aber auch durchaus aktuell politisch kommentiert wird, etwa in Richtung Globalisierungskritik.

Aber das macht man ja immer, dass man aufgreift, was gerade so in der Luft liegt, und ab und zu ein paar Sachen, die man meint, auch sagt, und das mit Sachen, die eher lustig sind, verknüpft. Und da kann man sich dann als Hörer auch immer mehr dabei denken als wir selbst als Macher. Wenn man will. Oft ist so ein Lied in der "Herstellung" viel einfacher, als es nachher nach außen hin wirkt. Und da ist eben auch etwas Selbstverarschung enthalten. Aber man kann ja trotzdem gegen Sachen sein.


Du sagtest eben, dass einige Lieder nicht von dir sind.

Ja, das sind drei oder vier auf dem neuen Album, und ausgerechnet dazu haben mir in den letzten Tagen Leute in Interviews Fragen gestellt. Aber es ist schon so, dass ich bei allen Texten die Endredaktion mache. Da habe ich auch schon mal eine Zettelsammlung, die ich dann mit meinen Worten zu einem fertigen Text ergänze. Ich nehme dafür dann zwar keine Credits in Anspruch, aber da vermisst manchmal schon jemand ein entscheidendes Wort, weil ich den Text beim Singen anders eingeschliffen habe. Also das, was die Leute sonst mit mir machen, mache ich da mit anderen, haha.


Du standest letztes Jahr in Berlin beim Konzert der MONKS mit auf der Bühne, auf dem Tribute-Sampler warst du dabei, und jetzt gibt es "We do wie du" auf dem neuen FEHLFARBEN-Album.

Als damals dieser MONKS-Tribute-Sampler konzipiert wurde, haben die auch bei uns angefragt, was ich eigentlich gar nicht verstanden hatte. Aber ich kannte die MONKS, fand die Idee okay, und so machten wir da mit, wobei mir klar war, dass bei dieser Band Werktreue angesagt ist und Verfremdung nichts bringt. Und so nahmen wir das Lied für den Sampler auf. Die Version, die jetzt auf dem Album zu finden ist, ist aber eine andere. Der Auftritt in Berlin zusammen mit Mark E Smith und Schorsch Kamerun war auch echt lustig, drei echte MONKS waren noch dabei, und das sind so freundliche ältere Herren, die sehr gut losrockten. Punk darf man bei denen ja nicht sagen, denn Malcolm MacLaren hat sich was anderes dabei gedacht, aber es war schon geil. Wobei ich sagen muss, dass ich die MONKS auch erst spät durch ein Reissue des Albums kennen gelernt habe, das gab es mal für 6,99 oder so bei 2001. Bis dahin kannte ich die nur von Fotos her, weil ich die in einem Buch über deutschen Beat gesehen hatte mit ihren Kutten und Mönchstonsuren.


Wenn wir schon von alten Bands reden: Wie hast du als großer CLASH-Fan - dein Aliasname Janie J. Jones kommt ja nicht von ungefähr - den Tod von Joe Strummer wahrgenommen?

Das kam sehr überraschend. Und wie wir im Film gesehen haben, war sein Tod ja nicht mal dem Rock'n'Roll-Leben geschuldet, sondern einem Herzfehler. Ich hatte Strummers Schaffen nicht mehr so genau verfolgt, und es war schon schockierend, das hat mich auf jeden Fall mehr getroffen als seinerzeit der Tod von Sid Vicious. Dass jemand aus der Familie stirbt, das ist ja normal, aber solche Leute wie Strummer doch nicht! Das ist irgendwie anders. Ohne irgendwelchen Onkels zu nahe zu treten: Die haben nichts mit meinem Leben zu tun, die beeinflussen einen nicht. Seine Verwandten hat man sich ja nicht ausgesucht, genauso wie seine Klassenkameraden, weshalb es völlig uninteressant ist, was die heute machen - keine Ahnung, ob ich überhaupt noch welche habe. Aber in Kreisen, denen man selbst aktiv beitritt, da ist das schon anders, da macht einem so ein Todesfall mehr aus.


So um die 50, das ist ja auch ein komisches Alter für Rock'n'Roller.

Klar, das ist auch in kreativer Hinsicht ein komisches Alter, das merken wir ja auch. Noch zehn Jahre mehr, dann bist du schon wieder so ein Johnny Cash, ein alter Sack, der zum einen überhaupt noch lebt und zum anderen immer schon wichtig war. Und zehn, fünfzehn Jahre zurück ist es so, dass die Nachfolgergeneration dich gerade nicht wahrnimmt. Jetzt dagegen steckt man so richtig in einer Lücke, wo so recht keiner mehr was von dir wissen will. Zumindest in kommerzieller Hinsicht und von ein paar löblichen Ausnahmen mal abgesehen. Es ist auf jeden Fall eine komische Zeit, und bei vielen Musikern wirkt sich da dann wohl auch körperlich die Vergangenheit etwas aus, wo viele Schindluder getrieben haben mit ihrem Körper. Und selbst wenn man sich dann zurückhält, nützt das nicht mehr viel. Keith Richards hat mal gesagt, er fühle sich nur krank, wenn er keine Drogen nimmt - wahrscheinlich muss man das also, wenn man mal angefangen hat, einfach durchhalten. Keith sieht ja jetzt besser aus als vor 20 Jahren. Ja ... Aber nicht dass das jetzt so aufgefasst wird, als wolle ich die Jugend verderben.


Wie aktiv sind denn FEHLFARBEN als Band derzeit?

So aktiv, wie es eben geht. Bei der letzten Platte wurde ja behauptet, wir hätten bei den Alben einen Zehnjahres-Rhythmus, aber das war ja nur ein dummer Zufall. Ich fände es okay, wenn man einen Zweijahres-Rhythmus hinbekommen würde. Bislang jedenfalls rechtfertigt das Ergebnis immer noch den Aufwand - rein künstlerisch, nicht finanziell. Das Plattenmachen ist immer noch okay, das Spielen auch super, und deshalb machen wir das jetzt, solange es geht. Und wichtig ist, dass wir uns gegenseitig nicht auf den Keks gehen und wir zwischendurch alle was anderes machen können. Die FEHLFARBEN allein ziehen auch nicht so viele Leute, dass wir da das ganze Jahr auf Tour gehen können.


Machst du denn irgendwas, um dich fit zu halten, bist du ein Iggy Pop-liker Asket?

Nee, ich mach gar nichts, das ist mir egal. Und so Bodenturnen à la Jagger muss ich nicht haben. Von diesem ganzen Rock'n'Roll-Tanzsport halte ich gar nichts, und Campino ist mir auch schon zu sportlich trainiert. Ich war eben noch nie gut mit Klimmzügen und so. Bislang kann ich die Wampe ja noch gut kaschieren.


Sportlich zu sein ist definitiv nicht Rock'n'Roll, finde ich.

Nee, und man muss einfach komische Sachen machen, wenn man unsportlich ist, und es sieht auch besser aus, wenn man umfällt. So Bodybuilder haben im Rock'n'Roll nichts zu suchen. Wenn ich bei einem Konzert schlapp bin, dann steh ich halt blöd rum, egal.


Euer neues Album gefällt mir ausgesprochen gut, weil es wirklich sehr schön "tight" ist.

Davon kannst du fünfzig Prozent dem zuschreiben, dass wir drei Jahre länger geübt haben, als beim Album davor. Und wichtig ist auch, dass wir die Stücke alle "auf dem Platz" eingeschliffen haben. Das Zusammenspiel ist einfach wieder richtig gut. Bei der letzten Platte hatten wir nur ein paar Wochen im Proberaum, jetzt liegen hundert Konzerte dazwischen, und wenn man das nicht merkt, dann kannst du echt alle nach Hause schicken. Und eigentlich kommt das Album beinahe schon zu spät, aber es hat sich halt durch die Jubiläumsplatte "26 1/2" noch mal ein Jahr verspätet. Noch länger hätte man die neue Platte nicht liegen lassen dürfen, sonst hätte man alles neu machen müssen. Wenn man Sache zu lange liegen lässt, sind sie dann, wenn sie rauskommen, einfach nicht mehr so, wie man sie haben wollte: Technische Dinge, dein Geschmack, der allgemeine Geschmack, alles ändert sich.


Mit was für Bands messen sich die FEHLFARBEN heute?

Mit denen, die man im Radio eigentlich nicht hören möchte. Das Problem ist, dass man die dann aber doch immer hört. Das sind die Bands, die man eigentlich verhindern möchte, indem man selbst eine Platte macht. Man denkt sich, man ist eigentlich eine Alternative, aber das ist eitel gedacht und funktioniert leider nicht. Mit Leuten wie ÄRZTE, TOTEN HOSEN und Grönemeyer misst man sich gar nicht erst, die spielen in einer anderen Liga, damit hat man gar nichts zu tun. Und die ganzen Jungspunde wie BLUMFELD lösen sich einfach auf, die haben kein Stehvermögen, haha. Nur weil Verkäufe statt 50.000 nur noch 40.000 sind. Und die richtigen Jungspunde lösen sich ja erst recht auf: All unsere früheren Vorgruppen gibt's nicht mehr.



Wie sieht denn euer Publikum heutzutage aus?

Also wer bei unseren Konzerten nur die Alten sieht, ist selber einer, denn dann stehst du nur hinten. Nach vorne hin wird's jünger. Unser Publikum ist also recht gemischt, wobei wir nicht damit rechnen, dass TOKIO HOTEL-Fans zu unseren Konzerten kommen. Außer dass wir besser sind, haben wir denen aber auch nichts zu sagen - aber das behauptet jeder andere auch. Aber so ab Mitte 20 sieht man bei uns durchaus Leute im Publikum, und die befassen sich auch mit uns. Leute in unserem Alter wiederum sind eher die Ausnahme, die sind ja alle zu faul, aus dem Haus zu gehen, und Zigarrerauchen und Rotweintrinken macht in den Läden, wo wir spielen, auch keinen Spaß, und ein Foyer, um sich über Drehbücher zu unterhalten, gibt es auch nicht. Ich schätze, unser Publikum deckt sich ganz gut mit den Ox-Lesern, wobei ich vieles, was ihr schreibt, gar nicht mehr verstehe, diese ganzen jungen Bands da ...


Hat sich der Jubiläumstrubel eigentlich auf die Verkäufe von "Monarchie und Alltag" ausgewirkt?

Die sind über die letzten 15 Jahre konstant geblieben, das pendelt zwischen 1.000 und 5.000 im Jahr.


Hast du noch nie darüber nachgedacht, dich auch mal an einem Buch zu versuchen? Macht heute ja jeder, aber du hättest wenigstens was zu erzählen ...

Meine neuen Nachbarn haben mich kürzlich dazu überredet, in ihrem neugegründeten Verlag ein Elaborat zu veröffentlichen, aber ich weiß noch nicht, ob ich das rechtzeitig zusammengeschmiert bekomme. Das soll so eine Zusammenstellung von "Reisenotizen" werden, kein Roman, kein Krimi, und auch kein Buch über das Rock'n'Roll-Leben, sondern Aufsätze, wie früher in der Schule: "Berlin - Fluch oder Segen?", in der Art. Ich habe ja immer wieder mal was geschrieben, aber nie durchgängig. Und ich kann mich auch nicht hinsetzen, so als ob da etwas aus mir raus müsse, und ein paar hundert Seiten schreiben, und am Schluss will das keiner haben. Dann scheiß ich da lieber drauf. Ich mache erst dann was - das ist nicht anders als beim Stückeschreiben für die Band -, wenn mir jemand sagt, er will was haben.


Da sind die nassforschen jungen Burschen anders, denn die gehen davon aus, dass die Welt auf sie gewartet hat.

Deshalb habe ich ja etwas gewartet, und Jetzt muss ich nicht mehr unbedingt Erinnerungen aus meiner Schulzeit loswerden. Und wenn man etwas älter ist, merkt man auch, dass man letztlich immer nur die gleiche Story erzählt, wie das damals bei MITTAGSPAUSE war, und dann bei FEHLFARBEN ... Da muss man sich dann etwas bremsen und das besser gar nicht erzählen. Aber so eine Lesereise, das wäre sicher lustig, und ich hätte ja auch kein Problem, gar nichts von mir zu lesen, sondern irgendwas Lustiges von anderen. Dann könnte ich mir das Geschreibe auch sparen, haha. Ich frage mich angesichts der ganzen Bücher, Hörbücher und Lesereisen aber schon, warum es überhaupt jemand gibt, der diesen Leuten die Mittel zur Verfügung stellt, dass da Leute das hören wollen - dass die das überhaupt dürfen! Da darf so ein Kölner in seinem Dialekt Dylan vorlesen und bekommt dafür noch Sendezeit im Fernsehen - wo ist da der Zusammenhang? Oder Leute, die mal Musikvideos angesagt haben, machen jetzt Hörbücher, das verstehe ich nicht. Langer Rede kurzer Sinn: Die Deppen werden gefragt, und mich fragt einfach keiner.


Wohl weil die denken, dass auf die Frage eh nur eine gehässige Antwort kommt.

Das ist ja nicht von der Hand zu weisen. Andererseits ist man sich ja manchmal auch für nichts zu blöd. Letztlich kommt es immer auf das Was und Wie an.


Zum Schluss noch die Frage nach den aktuellen Aktivitäten von FAMILY*5.

Wir haben dieses Jahr bisher zwei Auftritte gemacht, aber ansonsten ist da derzeit nichts drin. Es gibt keinen Druck, keine Aussicht auf eine neue Platte, und Konzerttermine sind wegen der verschiedenen Aktivitäten von uns allen schwer zu koordinieren. Und solange die anderen nicht mit neuen Stücken ankommen, mache ich auch nichts.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #72 (Juni/Juli 2007)

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