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Interviews & Artikel

ONYAS

Aussies - gotta love ´em! Kaum zu glauben, welch kapitales Eigentor die Briten seinerzeit geschossen haben, als sie sich entschlossen, das Heer der daheim straffällig Gewordenen in eine Schaluppe zu setzen und damit mal kurz schwipp-schwupp-Kartoffelsupp´ ans andere Ende der Welt zu schippern. Denn während man sich im Mutterland Gitarren bereits seit geraumer Zeit nur noch umhängt, um anschließend über sie drüberzuheulen, haben die Sprösslinge der einst Deportierten während der vergangenen zwei Jahrzehnte auf der südlichen Halbkugel in geradezu beängstigender Konstanz ganz mächtig die Schwarte krachen lassen. Bestes Beispiel: THE ONYAS - they rock, they roll, they´re outta control!!! Und zudem sind sie schon seit langer Zeit überfällig für ein Interview. Besagte Nachlässigkeit wurde daher umgehend korrigiert, als der sich aus Richie (Bass), John (Gitarre/Gesang) und Jordan (Schlagzeug) zusammensetzende "fearsome beersome threesome" zum dritten Mal gemeinsam mit den COSMIC PSYCHOS in Deutschland einfiel, um "Oz-Fest" zu zelebrieren. Ich sprach erst mit Basser Richie, dann mit Sänger und Gitarrist John.

Erzähl mal ein bißchen von den Anfängen der Band. Das erste, was ich von euch mitbekommen habe, war glaube ich die "Beer Gut"-7".

Die Band existiert seit 1991. Unsere erste Veröffentlichung war eine Split-7" mit BIG BONGIN´ BABY mit jeweils drei Songs von beiden Bands. Davon haben wir im Dezember 1993 300 Stück pressen lassen, die allerdings sehr schnell weg waren, weil wir sie größtenteils gegen Bier getauscht haben. Danach kam dann der Kontakt mit Au-Go-Go zustande, die anschließend einige 7"es und eine LP von uns veröffentlicht haben, und den Rest kennst du ja.

Und ihr spielt immer noch in der Besetzung zusammen, mit der ihr angefangen habt?

Genau. Zwischendurch hat noch ein High School-Buddy von mir für anderthalb Jahre Gitarre gespielt, aber der ist dann ausgestiegen, um Psychologie zu studieren. Ich hab´ übrigens zusammen mit ihm Psychologie in Brisbane studiert, hatte davon allerdings nach drei Jahren die Schnauze voll, wohingegen er das Studium durchgezogen hat. Seitdem sind wir zu dritt und mein Freund, der Diplom-Psychologe, kommt immer mit uns auf Tour und kümmert sich um das Merchandise.

Dann müßtet ihr doch eigentlich Freejazz oder Emo mit wirklich profunder Lyrik zum Besten geben, anstatt über "Beer guts" zu singen.

Das ist wahrscheinlich die gängige Fehlvorstellung, die die Leute von Psychologen haben. Mein Freund z.B. legt viel mehr Wert auf Einstellung als auf irgendwelches pseudointellektuelles Geschwätz. Dessen Motto ist: "Whatever you think or whatever you feel, if you don´t say it or do it, you might as well shut up and die." Und das ist auch die Philosophie der ONYAS. Und falls das beinhalten sollte, ein absolut misogynistischer Arsch zu sein, dann ist das immer noch besser als sich das Rückgrat zu verdrehen und sich als jemand zu geben, der man in Wirklichkeit nicht ist. Wenn du keine Beziehung zu Jazz hast und Jazz deinen Schwanz nicht hart macht, dann vergiß den Scheiß und spiel einfach Punkrock. Ansonsten verschwendest du nur deine Zeit damit, dir den Kopf darüber zu zerbrechen, wie du etwas möglichst Profundes kreieren kannst, anstatt einfach instinktiv zu handeln.

Was wollt ihr eigentlich machen, jetzt wo STRUTTER auf der Bildfläche erschienen sind und das mit eurem Spruch "Every band in Brisbane sucks including yours" nicht mehr hinhaut?

BIG BONGIN´ BABY, die für mich beste australische Band, kamen ja auch aus Brisbane, aber die existieren mittlerweile nicht mehr. Aber abgesehen von denen und STRUTTER bleibt es dabei: every other band from Brisbane took it fuckin´ fair out the ass!

Evil Dick von STRUTTER hat gesagt, sie hätten unheimliche Probleme, in Australien Auftrittsgelegenheiten zu bekommen, weil die Leute sie wie die Pest hassen würden.

STRUTTER dürften mittlerweile wohl beinahe überall Auftrittsverbot haben. Wir standen damals auch kurz davor, aber das beweist mal wieder, wie heuchlerisch die Szene in Brisbane ist. Unsere Einstellung ist über die Jahre hinweg eigentlich immer dieselbe geblieben, aber als wir auf einmal in Melbourne etwas populärer wurden und anschließend die Gelegenheit bekamen, in Europa zu touren, begannen die Leute in Brisbane, ihre Einstellung uns gegenüber zu ändern. Auf einmal hieß es, wir seien überheblich und würden die Leute wie Dreck behandeln. Und die Leute, die einen vorher wirklich gemocht hatten, meinten auf einmal, die ONYAS seien bestenfalls o.k., immerhin würden die Menschen in Europa die Band mögen. In Australien bist du nichts, solange du nicht außerhalb von Australien, insbesondere in den USA, anerkannt wirst. Sobald das geschieht, nehmen die Leute zur Kenntnis, daß einige ihrer "local boys" im Ausland gut ankommen und deshalb wohl zwangsläufig ganz o.k. sein müssen. Und anschließend kommen dann all diese ahnungslosen Musikjournalisten aus ihren Löchern gekrochen und erzählen all diesen Mist, wie großartig die Band ist und daß sie das selbstverständlich vom ersten Tag an gewußt hätten.

Das liegt wohl in der Natur von Musik-Journalisten. Dabei habe ich gerade bei euch den Eindruck, daß es euch ziemlich egal ist, ob ihr nun in Europa oder Australien seid, solange es nur ein paar Biere und eine Möglichkeit zu spielen gibt.

Ich bin jedesmal überrascht, daß soviele Leute einen Club wie diesen hier aufsuchen, um eine Band wie uns zu sehen und man vom Veranstalter dann auch noch Bier und eine Mahlzeit bekommt. In Brisbane kannst du froh sein, wenn du pro Abend ein Bier bekommst. Aber letztendlich ist das auch völlig egal, wenn man bedenkt, daß all die großartigen Brisbane-Punkbands in den Siebzigern wie die LEFTOVERS und RAZAR noch nicht einmal Pubs finden konnten, die für sie eine Show gebucht hätten. Die mußten eine Sporthalle und eine PA mieten, Bier organisieren und anschließend darauf hoffen, daß sie genug Tickets an Freunde verkaufen würden, um ohne große Verluste aus der Sache herauszukommen. Meistens rückte dann auch noch die Polizei an und nahm alle fest, bevor die Band überhaupt angefangen hatte. Solchen Mist mußten wir nie mitmachen, jetzt wo Punk hoffähig geworden ist.

Und jetzt zahlen alle horrende Preise für die RAZAR- und LEFTOVERS-Singles.

Ich hatte mal ´ne RAZAR-7", aber die hab´ ich dummerweise getauscht. Die "Task Force"-EP mit Cover hat man damals in Plattenläden in Brisbane sehr häufig für $20 und die andere EP für $10 gesehen. Die standen dann da für sechs Monate rum, wurden verkauft und in der nächsten Woche waren wieder neue da. Und jetzt werden die Dinger auf einmal in Amerika für $150 gehandelt.

Wie ist eigentlich euer Kontakt nach Spanien zu LOS ASS-DRAGGERS und LOS PERROS zustandegekommen?

Als wir das erste Mal in Europa waren, haben wir zwei Wochen mit den COSMIC PSYCHOS gespielt und sind dann alleine zwei Wochen durch Spanien getourt, wo wir auch mit LOS ASS-DRAGGERS und LOS PERROS gespielt haben. Nach dem Ende der Tour sind John und Jordan dann nach London gefahren und ich bin noch ein paar Wochen bei Bratto in Oviedo geblieben. Als LOS PERROS dann nach Bilbao gefahren sind, um ihr Album aufzunehmen, bin ich einfach mit ins Studio gegangen. Der Sänger von LOS PERROS ist übrigens zum Totlachen. Der Typ ist der englischen Sprache nicht besonders mächtig und wenn er sich mit dir unterhält, dann kommt dabei immer so eine Art "Spanglish" raus. Deswegen hab´ ich dann ein paar Texte für ihn geschrieben und "I got a right" gesungen, weil sie den Song unbedingt aufnehmen wollten. "Motherfuckin´ motherfucker" hatten wir ja bereits gecovert, aber LOS PERROS kannten den Song noch nicht. Ich hab´ ihnen dann noch gesagt: "Jungs, wenn ihr ungefähr zwei Monate nach uns den Song aufnehmt und dann auch noch veröffentlicht, dann seid ihr echt lahmarschig." Aber das war denen völlig egal.

Das lag wahrscheinlich an dem "Mofo". Leute, die der englischen Sprache nicht besonders mächtig sind, benutzen ja mit wachsender Begeisterung four-letter-words.

Genau. Sämtliche Songs, in denen irgendwann das Wort "fuck" vorkam, wollten die sofort covern.

Wo wir gerade von "Motherfuckin´ motherfucker" sprechen, was ist eigentlich aus den Sessions mit Dave Thomas von BORED geworden?

Wir haben einige Male mit ihm geprobt und einen Song namens "Dirty Frank" geschrieben, den wir aber noch nicht aufgenommen haben. Wir haben vor, unser neues Album Anfang nächsten Jahres in Melbourne aufzunehmen und es von Dave produzieren zu lassen. Die "Six!"-CD, die jetzt gerade auf Au-Go-Go erschienen ist, haben wir ja bereits im letzten Oktober aufgenommen. Wahrscheinlich werden uns einige Leute ans Bein pinkeln, weil die CD nur 18 Minuten lang ist, aber das ist deren Problem. Das Ding ist qualitativ gut und ich für meinen Teil habe nach 18 Minuten auch genug. Außerdem war "Blood, Guts And Pussy" nur elf Minuten lang.

Lieber eine Handvoll guter Songs als eine 50-Minuten-CD mit 30 Minuten Schrott drauf. Erklär mir doch nochmal, worum es bei "High Tide" geht. Du hattest da was erzählt von den chinesischen Schwimmerinnen, die bei der WM in Perth des Dopings überführt worden sind.

Wir hatten damals nur die Musik zu "High Tide" fertig und mußten uns kurzfristig einen Text ausdenken, damit der Song noch rechtzeitig für eure "Weird, Waxed & Wired"-Compilation fertig wurde. Während wir im Studio waren, liefen in Perth die Schwimmweltmeisterschaften und da John als Schwimmtrainer arbeitet, guckt der sich sowas immer an. Als die Sache mit dem Doping aufflog, hat er sich davon inspirieren lassen und während der Aufnahmen willkürlich irgendetwas zu dem Thema ins Mikro gebrüllt. Du weißt schon: swimming, drugs, high tide, ha ha, very funny! Wir hatten den Song zwar schon einen Monat lang live gespielt, aber du weißt ja, wie das live mit den Texten funktioniert. Bei zwei, drei Zeilen ist man sich einig und ansonsten wird irgendetwas gegrölt, was sich gut anhört.

Mir ist aufgefallen, daß ihr abgesehen von BORED ziemlich ausgefallene Bands wie THE BIZ und CHORDS covert.

Das liegt daran, daß mir zwar der klassische 60´s-Punk größtenteils sehr gut gefällt, ich mir andererseits aber auch nichts langweiligeres vorstellen könnte, als z.B. einen SONICS-Song zu covern. Die SONICS waren absolut fantastisch, aber mittlerweile ist jeder gottverdammte einzelne Song von sämtlichen ihrer Alben von irgendeiner Band gecovert worden. Die CHORDS haben wir gecovert, weil John und ich vor den ONYAS in verschiedenen Mod Bands gespielt haben. Wir haben damals schon Bands wie THE JAM gecovert, weshalb also nicht auch die CHORDS? Klingt zwar gay as fuck, aber was soll´s? Das Live-Album der CHORDS, auf dem sie versuchen, wie eine Spätsiebziger-Version von THE WHO zu klingen, finde ich nach wie vor großartig. THE BIZ haben wir für den "Oh Canaduh!"-Sampler gecovert. Eigentlich wollten wir "Tits on the beach" von RUDE NORTON aufnehmen, aber irgendwie hat das nicht hingehauen.

"Tits on the beach, I like to squeeze ´em... "

Genau, hehe. Und für "Motherfuckin´ motherfucker" haben wir uns aufgrund des ganzen Theaters entschieden, das in Melbourne um die lokale R´n´R-Szene genacht wird und wie die Leute sich dort als Nabel der australischen Musikwelt betrachten. Wir haben uns gedacht, wenn wir drei Dickheads aus Brisbane ankommen und Melbournes R´n´R-Götter BORED covern und deren Song zugrunde richten, dann wird uns in Zukunft wenigstens niemand mehr ernst nehmen können.

Ist das mit der musikalischen Cliquenbildung in Australien wirklich so schlimm?

Es gibt definitiv so etwas wie eine "Melbourne attitude to R´n´R", die sich z.B. sehr stark von der Einstellung der Leute in Sydney unterscheidet. Sydney hat immer noch unter den Spätfolgen solch mieser 80er-Bands wie den SCREAMING TRIBESMEN zu leiden, die damals den klassischen Detroit-Rock zu fürchterlichem cherry-assed cock-strutting Shit verhunzt haben. Und in Melbourne mutierten damals sämtliche R´n´R-Bands zu drittklassigen Grunge-Bands, weil man allgemein der Ansicht war, Melbourne könne sich zu Australiens Seattle entwickeln. Adelaide und Brisbane galten immer schon ein wenig als Außenseiter. Brisbane hat seit dem Ende der Siebziger mit Ausnahme einer Handvoll guter Singles eigentlich nichts Nennenswertes mehr hervorgebracht.

Wie zum Teufel bekommt man eigentlich eine P.O. Box mit der schönen Nummer 666?

Wenn du wie ich in einem kleinen Vorort wohnst, in dem keiner auf die Idee kommen würde, sich so ein Ding zuzulegen, ist das kein Problem. Ich bin einfach zum nächsten Postamt gefahren und hab´ gefragt, ob sie mir eine P.O. Box 666 geben könnten. Und wenn sie keine gehabt hätten, wäre ich einfach zum nächsten gefahren.

Wie geht´s für euch von hieraus weiter?

Wir spielen noch ein paar Shows zusammen mit den COSMIC PSYCHOS in Deutschland und danach geht´s nach Skandinavien, wo wir mit den NEW BOMB TURKS und den TURPENTINES spielen werden. Da freuen wir uns alle schon sehr drauf. Die NEW BOMB TURKS sind ja in letzter Zeit wegen ihres Wechsels zu Epitaph und der stilistischen Veränderungen vielfach als Sellouts beschimpft worden. Mir gefallen ihre Platten immer noch und es ist mir scheißegal, auf welchem Label sie veröffentlicht werden. Nach den Shows in Skandinavien fahren wir dann noch nach Utrecht, was so etwas wie unsere Heimat fern der Heimat ist, und da werden wir dann eine Woche lang Pot rauchen, wie Gemüse rumhängen und uns mit Videospielen beschäftigen. Anschließend geht´s dann direkt nach Neuseeland, wo wir drei Shows zusammen mit den HELLACOPTERS spielen werden.

Australische Bands verfügen ja vielfach auch über einen sehr massiven, rockigen Sound, aber bei denen denkt man zuerst immer an Detroit und die STOOGES, wohingegen ich bei Bands wie den HELLACOPTERS und BACKYARD BABIES immer an Heavy Metal und Glam denke.

Bands wie BORED oder die POWDER MONKEYS klangen zum Teil aber auch sehr heavy. Wie ich gehört habe, sind die HELLACOPTERS sehr große Fans des australischen Punkrocks. Hoffentlich werden daher einige Leute, die meinen, die Musik gehe in Richtung ihrer einheimischen Lieblingsbands, bei den Konzerten auftauchen. Was die Musik der HELLACOPTERS angeht, werde ich mir die drei Shows in Neuseeland angucken und mir dann meine eigene Meinung bilden.

(Zu diesem Zeitpunkt verabschiedet sich Richie in Richtung Abendessen und John setzt das Gespräch fort.)

Richie und ich denken gegenwärtig darüber nach, von Brisbane nach Melbourne umzuziehen, weil das der einzige Ort in Australien ist, an dem es eine Handvoll guter Clubs gibt, in denen man auftreten kann, ohne letztendlich draufzahlen zu müssen. Gegenwärtig geht nämlich sämtliches Geld, das wir bei unseren Shows verdienen, für Flugtickets drauf, da die Entfernungen zwischen den Städten in Australien so immens groß sind. Eine Band wie wir kann auf einer Australien-Tour ohnehin nur 12 bis 15 Shows spielen. In Brisbane gibt es zwar ein paar ganz nette Leute und man kann dort gut surfen, aber ansonsten ist die Stadt einfach arschlangweilig und demoralisierend. In Adelaide sind die meisten Leute rund um die Uhr stoned, weil dort Marihuana zwar nicht legal ist, man aber, wenn man erwischt wird, so bestraft wird, als hätte man falsch geparkt. In Sydney gab es Ende der 80er LUBRICATED GOAT, KING SNAKE ROOST und all die Bands, in denen Tex Perkins spielte, aber jetzt ist die Stadt einfach tot. Bei dem Umzug nach Melbourne steht auch nicht so sehr das Geld im Vordergrund, aber wenn wir soetwas wie diese Europa-Tour durchziehen wollen, dann müssen wir die auch irgendwie finanzieren. Ich habe auch nicht vor, von der Musik zu leben. Das würde mich wahnsinnig machen. Die Sache ist für mich mehr ein Hobby und genau deshalb macht sie mir auch nach wie vor Spaß. Wenn du die Musik zum Beruf machst, wird sie über kurz oder lang zu dieser bescheuerten Zirkusveranstaltung, die sie ja ohnehin schon ist. Für die Organisation dieser Tour haben wir z.B. drei Monate gebraucht und jetzt spielen wir sieben Wochen, haben unseren Spaß, aber dann habe ich auch von der ganzen Sache die Schnauze voll und will wieder etwas anderes machen.

Wie sieht das denn in den USA aus? Das müßte doch eigentlich ein ganz gutes Pflaster für euch sein.

Wir sind erst einmal dort gewesen. Wir haben ein paar Shows in Texas mit SUGAR SHACK und den LORD HIGH FIXERS gespielt.

Und wie ist Tim Kerr so?

Der Typ ist unglaublich. Leider habe ich mich nur ca. 10 Minuten mit ihm unterhalten können. Er ist einfach dieser 50-jährige Kerl mit Dreadlocks, der schon in all diesen großartigen Bands gespielt hat und völlig verrückt ist. Top bloke! Die Show mit den LORD HIGH FIXERS in Austin war unglaublich. Danach sind wir dann nach Los Angeles gefahren, wo wir uns mit Katon von Junk Records getroffen haben. Er hat uns Tickets für die SUPERSUCKERS-Show im "House Of Blues" in Hollywood besorgt. Wir haben dann $75 für ein Taxi nach Hollywood bezahlt, haben die SUPERSUCKERS gefragt, ob sie mit uns in Kansas City spielen wollen, sind anschließend zum Sunset Blvd. gegangen, wo Richie mitten auf die Kreuzung geschissen hat, und sind danach wieder für $75 mit dem Taxi nach Hause gefahren. Das war ein Klassiker - 150 Dollar rausgehauen, nur um eine Show zu organisieren.

Norbert Johannknecht

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #33 (IV 1998)

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