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Interviews & Artikel

LIARS

Zurück zum Song

Als die LIARS 2001 mit ihrem Debütalbum "They Threw Us All In A Trench And Put A Monument On Top" auftauchten, wurden sie vorschnell dem Hype um den NYC-(No-)Wave zugeschrieben. Zwei Alben später war klar: Sie sind viel zu sperrig, experimentell und schlau, um mit belanglosen Gitarrenbands in eine Schublade gesteckt zu werden. Stattdessen knüpften sie zusammen mit Bands wie ONEIDA, PARTS & LABOR, BLACK DICE etc. an das Erbe von SUICIDE, SWANS oder EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN an und fügten dem doch etwas sehr Eigenes hinzu. Wenn sie nun statt ellenlanger kryptischer Zeilen mit einem selbstbetitelten Album aufwahrten - was gemeinhin auch gerne als kreative Kapitulation gewertet wird -, scheint dabei vor allem eine Rückbesinnung auf den Song durch, der dem Hörer, statt vor Konzeptalben mit ellenlangen Titeln und Fragen zu stellen, in erster Linie die Musik gibt. Musik, die rein gar nichts mehr mit bestimmten Städten, vielmehr mit Orten der Jugend und Räumen des puren Klangs zu tun hat. Es ist einfach Popmusik. Ich unterhielt mich mit Sänger Angus Andrew in seiner (ehemaligen?) Wohnung in Berlin-Mitte. Denn während Gitarrist Aaron Hemphill und Schlagzeuger Julian Gross wieder nach L.A. zurückgekehrt sind, kann Angus sich scheinbar nicht so recht entscheiden, ob L.A., New York oder Berlin ...



Was ist das für ein T-Shirt? "Revolution Girl Style Now"?

Das ist Kathleen Hanna von BIKINI KILL.

Oh, ich weiß eine witzige Geschichte zu BIKINI KILL. Ich war auf einer Show von ihnen in L.A. und Kathleen Hanna wurde die ganze Zeit vom Publikum doof angemacht, die ganzen Punks haben ihr immer dumme Sachen zugerufen und die Situation wurde immer unangenehmer. Und schließlich meinte sie zu einem der Typen im Publikum: "Okay, ich gebe auf. Komm auf die Bühne und ich gebe dir das Mikro und du kannst vor allen Leuten sagen, was immer du willst." Und der Typ denkt sich: "Cool" und geht auf die Bühne und Kathleen drischt ihm das Mikro voll auf den Kopf und er geht zu Boden. Das war großartig.


Du drischt ja zumindest gerne das Mikrofon auf den Boden ...

Ja, verdammt, das muss ich mir abgewöhnen, das wird langsam richtig teuer!


Bevor ihr eure letzte Platte "Drum's Not Dead" herausgebracht habt, hattet ihr die Songs vorher schon häufig live gespielt. Das habt ihr dieses Mal nicht gemacht?

Nein, wir haben die Songs bisher ja nicht einmal richtig zusammen gespielt. Wir haben die ganze Zeit mit dem Schreiben der Songs zugebracht. Bei "Drum's Not Dead" haben wir ein bisschen was aufgenommen, sind dann auf Tour, dann haben wir weiter aufgenommen und so fort, das lief viel mehr wie bei einer typischen Band ab. Aber dieses Mal hat jeder für sich die Sachen geschrieben und dann haben wir uns erst im Studio getroffen, um sie zusammen zu spielen. Wir haben vorher alles nur hin und her geschickt.


Das neue Album ist zum ersten Mal kein Konzeptalbum geworden. Warum?

Uns war es immer sehr wichtig, dass ein Album als Ganzes angesehen wurde und als Ganzes Sinn machte. Das sollte den Hörern auch helfen, einen Zugang zu finden. Aber teilweise schien das Konzept auch die Musik zu überlagern und zu verdrängen. Und es schien, als würden wir die Hörer zwingen, in eine bestimmte Richtung zu denken. Das kam uns in vielfacher Hinsicht falsch vor. Es ist besser, die Musik einfach den Leuten zu überlassen, damit sie selbst etwas damit anfangen und hineintragen können. Aber ich würde auch nicht sagen, dass wir nie wieder ein Konzeptalbum machen werden, denn mir gefällt diese Arbeitsweise sehr gut, weil man sich wirklich auf eine Sache konzentrieren muss und richtig tief gehend damit auseinandersetzen kann. Aber dieses Mal wollten wir dem Hörer eine Auszeit geben.


Sollte das selbstbetitelte Album zu einer Neudefinition der LIARS führen?

Nein, nicht wirklich. In der Vergangenheit waren wir berüchtigt dafür, lange Song- und Albumtitel zu haben. Das wollten wir dieses Mal vermeiden und die Musik für sich alleine sprechen lassen. Aber wir mussten uns natürlich für irgendeinen Titel entscheiden, also nahmen wir den, der am unaufdringlichsten ist. Alle anderen Titel, die uns in den Sinn kamen, hätten die Leute von der Musik abgelenkt.


Das neue Album verbindet zugleich alle eure typischen Elemente mit sehr viel Neuem und es ist ungewohnt poppig.

Als wir mit dem Album anfingen, sprachen wir über Songs und darüber, wie ein einzelner Song auf jemanden wirken kann. Und wir fragten uns, warum ein Song so viele verschieden Leute erreichen kann. Ich habe das Gefühl, dass der Begriff "Popsong" stigmatisiert ist, aber wenn man es sich mal genauer anschaut, muss man zugeben, dass ein Popsong etwas ist, was viele verschiedene Leute verbindet. Das muss kein Top-40-Hit sein, aber es kann etwas sein, das allen gefällt. Die Frage ist: Warum gefällt es so vielen Leuten? Ein Song ist nicht einfach ein Popsong, er wird zu einem Popsong. Wir waren einfach daran interessiert, wie ein Song funktioniert. Das war quasi das Experiment bei diesem Album, das herauszufinden und sich auf einzelne Songs zu konzentrieren. Auf gewisse Weise ist das Album dadurch wesentlich experimenteller als die davor, weil wir an diese Arbeitsweise überhaupt nicht gewöhnt waren. Für mich war es bisher immer völlig abwegig, eine simple Akkordfolge, die es vielleicht auch schon einmal gab, zu schreiben. Für mich ist es viel abgefahrener, einen Bluessong zu schreiben, als einfach ein Noise-Stück zu machen.


Im LIARS-Kosmos ist es experimenteller, nicht schräg zu sein?

Ja, vielleicht. Aber wir haben nicht mehr so viel herumprobiert wie bei "Drum's Not Dead". Dieses Mal haben wir eher die ganze Idee der LIARS hinterfragt. Normalerweise haben wir einfach ein lautes Gitarrenriff gehabt und dieses Mal haben wir bis zu neun Gitarrenspuren übereinander gelegt. In jedem Song stecken tonnenweise Elemente, so haben wir bisher nicht gearbeitet. Das war für uns also schon mal eine Art Experiment. Und wir hatten förmlich einen Narren gefressen an verschiedenen Formen von Reverbs.


Ihr habt mit Gareth Jones aufgenommen.

Nein, er hat es nur gemixt. Er hat auch schon "Drum's Not Dead" gemixt. Er ist derjenige, der DEPECHE MODE produziert hat, ERASURE, er ist eine Koryphäe im Pop. Wir arbeiten einfach gut zusammen und er war genau der Richtige für diese Art Songs. Die Alben, die er aufgenommen hat, waren ein wichtiger Einfluss für uns. DEPECHE MODE haben verdammt gute Hymnen geschrieben. Sie haben so viele Leute erreicht. Man kann viel von ihnen abschauen.


Was waren sonst eure Einflüsse bei dieser Platte?

Ich glaube, es gab keine bestimmten Einflüsse, es kamen einfach alle Arten von Musik zusammen, die uns unser ganzes Leben lang begleitet haben. Eine Zeit lang habe ich fast nur Drum & Bass gehört, das taucht bestimmt auch irgendwie auf. Oder die FLAMING LIPS haben mich eine Weile total begeistert. Ich glaube, man kann bei diesem Album wirklich in fast jedem Moment sagen, wo was herkommt. Und mir gefällt besonders, dass die Hörer das auch erkennen können, viel mehr als bei den anderen Alben.


Als ich das Album das erste Mal gehört habe, kamen mir auch unter anderem wegen des Sounds so typische 80er-Jahre-Wave-Sachen wie SIOUXSIE AND THE BANSHEES in den Sinn.

Ja, es steckt so viel Verschiedenes drin. Es gibt einfach so viel gute Musik, von der man sich beeinflussen lassen kann, JESUS AND MARY CHAIN zum Beispiel, aber auch ALICE IN CHAINS, GUNS N' ROSES, das war alles wichtig für uns. Genauso aber auch Michael Jackson und Prince.


Prince passt sehr gut, weil du noch höher singst als bisher ...

Ja, verdammt, meine Eier, haha ... Ich hab mir auch Gedanken darüber gemacht, wie hoch ich singen soll. Es gibt so viele Leute, die so coole, tiefe Stimmen haben, und ich finde die total super. Als Kind stand ich total auf tiefen Gesang, sogar auf so abgrundtiefes Gegrunze. Aber meine Stimme gibt das einfach nicht her.


Vielleicht liegt es an den Popelementen, aber das Album klingt auch sehr fröhlich.

Das soll auch so sein, es ist sehr fröhlich und optimistisch. Und vielleicht trägt der hohe Gesang auch ein bisschen zu diesem Eindruck bei.


Ich hab gelesen, dass du dich zum ersten Mal als Songwriter begriffen hast.

Ja, das liegt daran, das wir eben zum ersten Mal versucht haben, etwas zu schreiben, das wie etwas Anderes klingt. Das mag sich komisch anhören, aber meine bisherige Definition von Musik war, dass man kein Musiker sein muss, sondern bloß eine Idee braucht und dann anfängt mit Sound herumzuspielen. Das war jedenfalls meine Herangehensweise bei den anderen Alben. Es war das erste Mal, dass sich die Sachen wie richtige Songs angehört haben, wie Songs, die ich auch schon gehört haben könnte. Und da dachte ich mir: "Wow, ich kann tatsächlich Songs schreiben!" Zum ersten Mal kam es mir so vor, dass, wenn ich einen bestimmten Ton spielen wollen würde, ich tatsächlich wüsste, wie das geht.


Wie wichtig sind dir die Texte bei diesem Album?

Ich würde sagen, sie sind genauso wichtig, wie bei den anderen Alben, nur dass die Themen jetzt andere sind, sie sind allgemeiner. Es sind Songs, die von "Teenage Angst" oder Liebe und so handeln, und nicht mehr von Hexen im Harz. Es geht um Dinge, die wir alle kennen. Die Texte tragen bei uns eher dazu bei, eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, als wirklich etwas zu vermitteln.


Beim letzten Album habt ihr alle in Berlin gewohnt, jetzt seid ihr wieder nach L.A. gezogen. Haben die Städte einen bestimmten Einfluss auf eure Musik?

Nein, wir sind einfach nach L.A., weil Aaron und Julian dort geboren sind und ihre Familien dort leben. Es war ein bisschen wie eine Reise in die Vergangenheit, weil Aaron mich an Orte führte, wo er als Kind war, und er erzählte mir, welche Musik er zu der Zeit gehört hat, und wir sind an den Strand, wo er früher jeden Tag surfen war. Es war ganz anders als Berlin, wo ich total isoliert war. Ich habe viel schneller ein Gefühl für die Stadt entwickelt.


Gibt es noch eine Verbindung zu New York?

Ich hab immer noch Kontakt zu all den Leuten. Aber in Zeiten des Internets spielen die Idee einer Szene oder eine bestimmte Stadt viel weniger eine Rolle. Es kommt nicht mehr darauf an, wo du herkommst.

Chris Wilpert

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #74 (Oktober/November 2007)

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