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Interviews & Artikel

DWARVES

The Wizzard Of Osnabrück

The Wizzard Of Osnabrück

Die DWARVES sind seit 1986 so etwas wie eine Institution, was sowohl exzessive Liveshows als auch experimentelle Songs angeht. Gestartet als Garage-Punk-Band, entwickelten sie sich Anfang der Neunziger zu Schockrockern mit aggressivem Bühnengebahren und dann weiter zu einer Band, die jegliche musikalischen Grenzen sprengt. Anfang August waren sie wieder einmal in Deutschland unterwegs, und auf der Fahrt von Berlin nach Hamburg konnte ich Sänger Blag The Ripper ans Telefon bekommen ...

Die DWARVES gibt es mittlerweile seit über zwanzig Jahren. Was hat sich deiner Meinung nach in dieser Zeit am meisten verändert?


Punkrock ist heutzutage sehr vorhersehbar und langweilig geworden. Die alten Bands werden immer schlechter und die jungen Bands sind wirklich total ahnungslos. Es ist im Grunde nicht viel übrig. Außer den DWARVES, die einzige Band, die großartig angefangen hat und immer noch besser und besser wird, die sich entwickelt, interessanter wird, die Turntables, experimentelle Musik, HipHop, Garage und Surf zu einer kranken Version von klassischem Rock'n'Roll verschmilzt, während die anderen Bands aussehen wie alberne, müde Menschen.


Woran, meinst du, liegt das?

Ich habe keine Ahnung! Ich möchte mich zur Ruhe setzen, ich werde alt, ich möchte in Rente gehen ... Aber ich kann nicht! Wie kann ich Rock jetzt verlassen? Jedes Mal, wenn ich ein neues Album mache, bringt das den kompletten Prozess um ein oder zwei Jahrhunderte nach vorne. Wie könnte ich da abspringen? Wie könnten wir da abspringen? Hewhocannotbenamed, die ganze Bande, The fresh Prince of Darkness ... es ist einfach eine kranke Truppe. Hewhocannotbenamed ist eine Ikone des Rock. Wir haben einen neuen Drummer, wie heißt der noch gleich? Ja, Gregory Pecker. Und natürlich kann man Andy Christ nicht vergessen. Vater Andy Christ. Wen aus der Band findest du am süßesten?


Ach, ihr seid alle total süß.

Das ist eine sehr diplomatische Antwort. Du bist wie Angela Merkel.


Danke. Du hast mit Nick Olivieri zusammen eine Akustik-Tour gespielt. Wie war das und wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Also, wir haben das zusammen in Amerika gemacht und die Leute mochten es, sie fanden es gut. Nick spielte seine normalen Songs einfach "unplugged", während ich diese lustigen Songs mache. Wenn wir zusammen sind, spielt er DWARVES-Songs und ich singe oder so, wir haben einfach viel Spaß zusammen. Bis er zum Psycho wird und jemanden attackiert, hehe. Wir kennen uns ja schon lange, er hat auf einigen DWARVES-Alben gespielt, ich hab ihm geholfen, seinen eigenen Sound zu finden.


Warum habt ihr euch dazu entschlossen, die Tour unplugged zu machen, statt mit euren Bands gemeinsam auf Tour zu gehen?

Die DWARVES waren das Jahr davor noch auf Tour, also konnten wir nicht schon wieder zusammen auf Tour gehen. Und Nick war sowieso unterwegs und erzählte mir, dass er ein paar Akustik-Konzerte geplant hat und ich hab ihn dann gefragt, ob wir das nicht, so wie in Los Angeles, zusammen machen wollen.


Haben die DWARVES-Fans sich in den letzten zwanzig Jahren verändert? Habt ihr generell immer noch die gleichen Fans wie früher?

Unsere Fans sind meistens ziemlich dumme Typen. Aber da hin und wieder auch mal eine gut aussehende Frau im Publikum auftaucht, ist es die ganze Sache wert. Außerdem verschrecken wir die Leute nicht mehr so, wie wir es früher getan haben. Jetzt kommen sie eigentlich gerade deshalb, um Ärger mit uns zu kriegen, das ist also eine ganz andere Sache als früher. In unseren frühen Tagen kamen wir hauptsächlich, um die versammelten Massen zu erschüttern. Jetzt ist es mehr eine Art religiöse Hingabe, die sie uns entgegenbringen. Wir sind der Messias des Rock, wir sind wie Jesus am Mikrofon.


Hast du, als du die Band gegründet hast, gedacht, dass du 2007 immer noch auf der Bühne stehen wirst?

Nein! Meine Güte, nein. Ich wollte jetzt eigentlich schon tot sein. Ich wollte, dass die Band als eine Legende weiterlebt, während ich als Leiche verschimmele.


Was hättest du damals gedacht, wie die Band 2007 aussehen könnte?

Ich hätte gerne ein paar besser aussehende Bandmitglieder gehabt, weil dann einfach mehr Frauen zu den Shows kommen.


Verliert man den Bezug zur Realität, wenn man bei den DWARVES spielt?

Realität? Nein, ich bin komplett desinteressiert an der Realität. Sie ist sowieso ein vollkommen überbewertetes Konzept. Ich mag Mythologie. Die DWARVES sind mythologisch sehr aktiv. Und die Realität? Was soll ich sagen, mein Leben ist wie ein Pornofilm. Nur mit einem besseren Soundtrack. Ich hab ein Buch geschrieben, "Nina", darin geht es eigentlich nur um verdorbene Mädels und darum, was sie den ganzen Tag so tun. Das kommt meiner Realität schon sehr nahe.


Wird dieser Rock'n'Roll-Lifestyle nicht irgendwann langweilig?

Weißt du, ich denke, wenn Leute sich langweilen, dann liegt das daran, dass sie eigentlich selbst langweilig sind. Ich habe eine riesige Anzahl von Plänen und Ideen in meinem Gehirn, mir ist also eigentlich nie langweilig, egal wo ich gerade bin.


Hältst du die DWARVES oft für eine unterschätzte oder falsch verstandene Band?

Die DWARVES sind komplett unterbewertet! Ich mache alle fünf Jahre ein neues Album und keinen interessiert es, und wenn das nächste Album rauskommt, erzählen sie mir, wie brillant doch das letzte Album war. Denn schließlich kriegen sie mit, wie gut das Album ist, aber sie erkennen gute Alben erst fünf Jahre später ... Als ich "Blood, Guts And Pussy" gemacht hab, hat es niemandem gefallen und keiner hat es gekauft. Als dann "Young And Good Looking" herauskam, fragten sie, warum ich nicht noch mal so was wie "Blood, Guts And Pussy" mache und so weiter. Die DWARVES sind ihrer Zeit irgendwie immer fünf Jahre voraus.


Hast du jemals darüber nachgedacht, die Band aufzulösen?

Ja, darüber denke ich jeden Tag nach. Aber wie bekommt man sonst mit über 40 noch Sex?


Was gibt es sonst noch, das dich in dieser Band hält?

Es macht einfach Spaß, Dinge zu schaffen und mit Menschen zu kommunizieren. Wenn die Fans während einer Show mitsingen, fühle ich mich immer, als ob ich einen kleinen Platz in ihrem Gehirn gemietet hätte. Und sie geben mir so viel zurück. Es ist interessant, sich mit anderen Menschen und deren Vorstellung von der Welt auseinanderzusetzen sowie die Welt mit deren Augen zu sehen.


Du hast die Musik der DWARVES mal als "echte amerikanische Musik" bezeichnet. Warum? Was ist so amerikanisch an den DWARVES?

Das ist eine gute Frage. Das ist so eine Art, Musik zu spielen, die fast schon indigen ist. Es ist diese Kombination von Blues und Country und Rock'n'Roll, die einfach schwer zu kopieren ist. Und das ist genau das, was es so interessant macht, denn Bands in anderen Ländern machen wiederum ihr eigenes Ding daraus, und so bekommt man viele Variationen davon. Das macht Spaß. Aber die DWARVES sind in diesem Sinne einfach eine klassische Rock'n'Roll-Band.


Von welchen Bands wurdest du am meisten beeinflusst?

Ich habe immer sehr alte Musik gehört. Sachen wie Cab Calloway, THE MILLS BROTHERS und die ANDREWS SISTERS. Als ich ein Teenager war, habe ich viel Punkrock gehört, ich möchte Bands wie BLACK FLAG, die MISFITS und die REPLACEMENTS, die habe ich mir oft live angeschaut. Ich habe außerdem immer schon Rockabilly gemocht, habe viel Elvis und Jerry Lee Lewis gehört. Sechziger-Jahre-Punkbands waren außerdem ein großer Einfluss für die DWARVES, Sachen wie THE CHOCOLATE WATCHBAND, die SEEDS, diese Art von Bands waren sehr wichtig für die DWARVES, wir sind im Grunde von 80 Jahren amerikanischer Musikgeschichte beeinflusst. Ich mag aber auch die BEATLES und die großen Popsongs der 60er, einfach alles Mögliche. Das ist es auch, was die DWARVES zu so einer eigenartigen Verschmelzung verschiedener Musikrichtungen macht. Ich nehme gerade ein Album mit einer russischen Sängerin auf, wir nennen es "Candy Now", da verwenden wir auch so merkwürdigen Retro-Kram, es gibt viele altmodische Songs, viel 50er und 60er Jahre und vieles ist sogar noch älter, seltsame Country-Klänge.


Und weshalb hast du dich dann dafür entschieden, Punkrock zu machen?

Ich glaube, das liegt daran, dass Punkrock einfach das war, was gerade passierte, als ich 14 war. Das war neu und aufregend für mich, das war mein Weg, mich auszudrücken. Ich denke, wenn ich fünf Jahre jünger gewesen wäre, wäre ich wahrscheinlich beim HipHop gelandet, weil ich mich eigentlich sehr für Texte und das gesprochene Wort interessiere. Aber man arrangiert sich halt immer mit dem, was man gerade in dem Moment hat. Hardcore ist jetzt eine Art amerikanischer Volksmusik, aber damals war das alles neu, es gab dort keine alten Leute, also vereinfachte man alles in dieser Form.


Gibt es bei so vielen musikalischen Einflüssen überhaupt einen Lieblingssong, der dir peinlich ist?

Oh ja, ich mag Disko-Platten sehr, und die sind alle ziemlich peinlich. Und ich mag diese Bubblegum-Popsongs wie "Yummy yummy yummy I got love in my tummy".


Hast du schon mal selber einen Song geschrieben, den du im Nachhinein peinlich fandest?

Es gibt einige Songs, bei denen mir die Art, wie sie produziert sind, im Nachhinein peinlich ist, bei denen einfach Fehler gemacht wurden. Aber ansonsten ... Einige Songs sind vielleicht stupide, aber am Ende sind sie auch Musik und ich bereue sie nicht. Außerdem ist es immer besser, etwas zu bereuen, was man getan hat, als etwas, das man nicht getan hat.


Was haben wir in Zukunft von den DWARVES zu erwarten?

Ich weiß es nicht. Wir haben mit "The Dwarves Must Die" das ultimative Album gemacht und mit "F.E.F.U" das ultimative Video. Vielleicht bewegen wir jetzt wieder rückwärts und machen ein super Punk-Album oder so, mal sehen. Aber wir werden in zwei Jahren ins Vaterland zurückkehren und hoffentlich auch hier Festivals spielen.


Wann gibt es ein neues Album?

Wahrscheinlich in einem Jahr. Aber haltet Ausschau nach dem "Candy Now"-Album, das wird vorher rauskommen und das wird lustig und vollkommen anders. Das ist das Schöne an den DWARVES: man bekommt immer vollkommen unterschiedliche Sachen. Wir machen dies, wir machen das, dann sterben wir, dann steigen wir wieder von den Toten empor ... Wir sind wie Christus!

Nadine Maas

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #74 (Oktober/November 2007)

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