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Interviews & Artikel

COCK SPARRER

Always true to themselves

In meinem Musikbuch im Musikunterricht Anfang der Neunziger waren zwei oder drei Seiten dem Punkrock gewidmet. Als Quasi-Erfinder oder zumindest bedeutendste Vertreter waren dort die SEX PISTOLS genannt. Nun ist ja nichts sinnloser, als sich darüber zu streiten, wer denn nun eines Morgens aus dem Bett aufsprang und rief: „Heureka, heute erfinde ich Punkrock!“ Klar ist aber auch, wenn es nach mir ginge, hätten COCK SPARRER an dieser Stelle in meinem Schulbuch gestanden.

Als sich 1972 im East End von London ein paar von Fußball und Musik begeisterte Jungs, die gemeinsam zur Schule gingen, zusammentaten, um statt Hausaufgaben zu machen die SMALL FACES zu covern, dachten sie mit Sicherheit nicht daran, dass sie im Jahr 2007 immer noch miteinander Musik machen würden, und das in der gleichen Besetzung wie damals. Von der Schülerband zum ersten Album dauerte es zwar noch bis 1982, aber dafür ist „Shock Troops“ für mich und viele andere das Punkrock-Album schlechthin. Und auch der Nachfolger „Runnin’ Riot In 1984“ ist ein absoluter Klassiker, der seinesgleichen sucht. Nachdem es 1997 nach dem Erscheinen von „Two Monkeys“ hieß, das sei nun das Abschiedsalbum, hatte ich aufgrund meiner späten Geburt nicht viel Hoffnung, COCK SPARRER je live zu sehen. Plötzlich hieß es dann aber, dass sie im November 2007 ein Konzert in Wolverhampton spielen würden. Dass dies dann auch gleichzeitig die Record-Release-Party des neuen Albums „Here We Stand“ werden würde, hätte sicher ein halbes Jahr zuvor niemand für möglich gehalten. In Wolverhampton hatte ich kurz Gelegenheit mit Schlagzeuger Steve Bruce zu sprechen und ein Interview sagte er erfreulicherweise sofort zu. Im Dezember beantwortete er mir dann per Mail einige Fragen zum neuen Album, was der Name COCK SPARRER wirklich bedeutet und warum nach all den Jahren immer noch Faschos zu den Shows kommen, die es einfach nicht kapieren.

Steve, ich dachte eigentlich, „Two Monkeys“ hätte euer endgültig letztes Album sein sollen. Und selbst, als ich letztes Frühjahr Karten für das Konzert in Wolverhampton gekauft hatte, wusste ich noch nichts davon, dass das gleichzeitig auch eure Record-Release-Party werden würde. War das schon länger geplant?

Nachdem wir 2000 in den USA gespielt hatten, wurde uns ein guter Deal für ein neues Album angeboten. Wir fingen an, wieder Songs zu schreiben, aber nach einigen Monaten war Steve Burgess, der den größten Teil des Materials schreibt, nicht glücklich damit. Wir dachten alle, dass die Songs nicht gut genug sind, und so legten wir das Projekt wieder ad acta. Dann trafen wir und im Sommer 2005 mit Lars von RANCID, der uns sagte, er habe großes Interesse daran, mit uns zu arbeiten, falls wir doch noch mal etwas aufnehmen wollen. Im November 2006 waren Steve Burgess und ich dann in Spanien, und nach einem sehr feuchtfröhlichen Abend entschieden wir uns, doch noch mal ein Album zu machen. Von der Idee bis zur Veröffentlichung der Platte dauerte es also genau ein Jahr.

Ihr seid für mich eine der wenigen alten britischen Punkbands, die es schaffen, Songs zu schreiben, die sich ein 15-Jähriger genauso anhören kann wie ein 45-Jähriger. Wie macht ihr das?

Danke. Ich denke, das ist unsere Ehrlichkeit. Wir schreiben nur über Sachen, von denen wir auch Ahnung haben. Diesmal war es vor allem hilfreich, dass wir uns jeden Tag mit den Songs beschäftigt haben. Wir hatten uns alle entschieden, dass wir keine Idee, keinen Song, kein Riff aufgeben wollten, bis nicht alle es gehört und eine Gelegenheit hatten, daran zu arbeiten. So wurden auch ständig Tapes und CDs mit Ideen untereinander rumgereicht, bis wir überhaupt die Songs geprobt haben. Von da an ging es nur noch darum, dass die Song echte „Sparrer-Songs“ sein mussten: schnell, melodiös und spaßig.


Das neue Album heißt ja „Here We Stand“. Also, wo steht ihr denn nun genau?

Das bedeutet nur, das sind wir. Wir sind nicht jung und nicht hübsch, aber immer noch da und wir machen immer noch das, was wir lieben. Wenn du es besser machen willst, dann mach es!

Welche Bands haben dich früher beeinflusst und welche heute?

THE SMALL FACES, THE HEAVY METAL KIDS, THE RAMONES ... ich könnte hier ewig weiter machen! Ich liebe RANCID dafür, dass sie ihren Punk-Wurzeln immer treu geblieben sind, so wie wir es auch auf dem neuen Album versucht haben. Ich bewundere Charlie Harper von den UK SUBS dafür, dass er einfach für immer weitermacht, und jeden, der einen Iro trägt. Ich wünschte, ich hätte einen gehabt, als ich jung war, jetzt hab ich leider nicht mehr genug Haare.

Zu den größten Mythen über COCK SPARRER zählt ja, dass ihr fast in den Händen von Malcolm McLaren gelandet wäret. Warum kam es nicht dazu und was hältst du heute von ihm?

Für mich war er damals schon ein Idiot und er hat in den letzten 30 Jahren nichts gemacht, das meine Meinung geändert hätte. Einige Sachen sollten einfach nicht sein, und zum Glück war mit ihm zusammenzuarbeiten eine davon.

Wie ist das denn nun wirklich mit der Bedeutung eures Namens? Kann es sein, dass „Cock Sparrow“ ein Cockney-Rhyming-Slang oder ein umgangssprachlicher Ausdruck für Kumpel ist?

Es ist einfach umgangssprachlich für Kumpel, du hast es erfasst.

Nachdem ich eure DVD gesehen habe, hatte ich ja nicht viel Hoffnung, dass ich euch noch mal live zu Gesicht bekomme. War das so ein RAMONES-Ding, die hatten ja zum Ende hin jedes Jahr eine Abschiedstour?

Wir wussten es wirklich nicht, aber nachdem wir uns entschieden hatten, das Album zu machen, hatte irgendwie jeder in der Band auch wieder Lust auf mehr. Wir spielen in April in Wien und im August in Blackpool, und wir denken noch über ein paar andere Angebote nach. Wir haben nie endgültig gesagt „Das war’s jetzt“, aber in unserem Alter denkt man dann immer irgendwie, das könnte es dann jetzt gewesen sein.


Bei dem Konzert in Wolverhampton waren ja viele Leute aus ganz Europa, aus allen Teilen Deutschlands, aus Katalonien, Tschechien und so weiter. Ist das ein schönes Gefühl oder manchmal eher beängstigend, zu wissen, dass alle diese Leute nur wegen euch gekommen sind?

Es ist eine Mischung aus beidem. Es ist sehr schmeichelhaft und es ist ein riesige Ehre, in so einer Position zu sein, und wir sind jedem ehrlich dankbar, der seine Kohle zusammenkratzt, nur um uns zu sehen. Dadurch werden unsere Shows zu genialen Events. Aber wir scheißen uns immer noch ein, bevor wir auf die Bühne gehen.

Das Konzert war wirklich genial, aber leider wurde meine gute Stimmung dadurch getrübt, dass bei „England belongs to me“ ein paar Idioten ganz hinten in der Ecke auf dem Balkon den Nazi-Gruß gemacht haben. Was hältst du von sowas?

Was will man machen? Wir sind keine Nazis und wir sind auch keine Kommunisten, Frauenhasser, Nationalisten, Chauvinisten oder all der andere Mist, der uns über die Jahre vorgeworfen wurde. Worum es in „England belongs to me“ geht - und England kann man durch das Land ersetzen, in dem man selbst lebt -, ist, dass das Land dir gehört und nicht den Reichen, der Monarchie oder den Politikern. Lieb es, sei auf es stolz und versuche, das zu ändern, was falsch läuft. Und wenn du zu unseren Shows kommst, lass deine Politik gefälligst zu Hause.

Wie ist es, so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern die Zeilen von „England belongs to me“ singen zu hören?

Es ist genial! Die meisten Leute kapieren, worum es in dem Lied wirklich geht, und singen mit, um Spaß zu haben. Wir können es nach wie vor nicht glauben, welche Reaktionen wir bekommen.

Claudia Luck

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #76 (Februar/März 2008)

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TOM HOLLISTON

TOM HOLLISTON ist schon seit einiger Zeit als Solo-Künstler unterwegs. Eingefleischte werden ihn sicher von Punkbands wie NOMEANSNO, HANSON BROTHERS oder SHOWBUSINESS GIANTS kennen. Toms Begeisterung für die Absurditäten des Daseins kommen in seinen ... mehr