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Interviews & Artikel

LEGENDARY SHACK SHAKERS

Der dunkle Süden

Wenn ein abgemagerter US-Südstaaten-Dämon in bayrischer Lederhose über die Bühne wirbelt und zu teuflischen Psycho-Blues-Rhythmen einen Exorzismus nach dem anderen vollführt, dann kann es sich nur um einen Auftritt von einem gewissen Colonel J.D. Wilkes beziehungsweise den LEGENDARY SHACK*SHAKERS handeln. Ihr großartiges neues Album "Swampblood" entführt einen auf eine Reise durch düstere Sumpflandschaften auf der Suche nach Erlösung.

Du lebst seit einiger Zeit im westlichen Kentucky in der Nähe eines Sumpfgebietes. Wie viel Zeit verbringst du so im Durchschnitt mit Spaziergängen durch den Sumpf?


Ja, ich lebe am Rande eines Überschwemmungsgebietes im westlichen Kentucky. Und da ich kein Schlauchboot besitze, verbringe ich tatsächlich sehr viel Zeit im Sumpf, da sich der Hof vor meinem Haus bei jedem Gewitter in einen Sumpf verwandelt. Da gibt es haufenweise Frösche, Bussarde, Schlamm, Morast und jede Menge anderer Dinge, die einem als Inspirationsquelle dienen können, wenn man eine "Swamp"-Platte aufnehmen will.

Wie oft begegnest du verlorenen Blues-Seelen im Sumpf?


In diesem Gebiet gibt es jede Menge alter Seelen. Banjospieler und Blues-Gitarristen wie Eddie Pennington, Scottie Henson und Layne Hendrickson. Vor einiger Zeit lebte hier in Paducah auch ein alter schwarzer Gitarrist namens "Elvis", er hatte nur einen Lungenflügel. Er hat früher immer mit Sonny Terry bei der Fischgrillerei gejammt, ich glaube, er ist mittlerweile gestorben. Aber wenn dir nach mehr Beweisen für die Existenz dieser alten Seelen in meiner Heimat ist, dann schau dir meinen Film "Seven Signs" an!

In welcher Hinsicht ist euer neues Album "Swampblood" eine Rückkehr zu euren Wurzeln?

Es sind organische, auf dem Blues basierende Songs mit sehr viel Banjo und Mundharmonika. In dieser Hinsicht ist es sehr ähnlich wie unser erstes echtes Album, "Cockadoodledon't", aber auf "Swampblood" geht es weniger um Polka- und Gypsy-Musik, sondern mehr um die Musik, die mir meine Heimatstadt offenbart hat.

Du hast eben deinen Dokumentarfilm "Seven Signs" erwähnt, der versucht, dem Geheimnis des amerikanischen Südens auf die Spur zu kommen. Wie kam es dazu?

Ich habe mich mit einem Kamerateam auf den Weg gemacht, um ähnlichen Fragen nachzugehen, wie du sie mir auch gerade gestellt hast: Wo verbergen sich diese alten Seelen? Wer sind diese alten Legenden? Existieren sie eigentlich noch? Und die Antwort lautet: Ja ... Aber sie sind in großer Gefahr, endgültig vom Erdboden zu verschwinden, weil sich die Stadtlandschaften des so genannten "New South" immer weiter ausbreiten.

Wenn es um den amerikanischen Süden geht, hört man oft den Begriff "Dixieland", den wir Europäer zwar irgendwie einordnen können, aber so genau weiß im Endeffekt keiner, was das eigentlich bedeutet. Was bedeutet "Dixie" für dich?

Das ist das Gebiet direkt südlich der so genannten Mason/Dixon-Linie. Unsere Seite der Linie trägt den Spitznamen "Dixie". Es ist zunächst ein geografischer Begriff. Über die Jahre sind da allerdings politische Konnotationen dazugekommen, vor allem im Zusammenhang mit Themen wie dem Bürgerkrieg. Für mich ist "Dixie" ein wunderschöner Begriff, mit dem ich Kunst, Musik und Literatur verbinde. Außerdem ist es der Geburtsort des Blues, Jazz, Rock'n'Roll, Hillbilly und natürlich der Dixieland-Musik. Dieses Gebiet hat Menschen wie William Faulkner, Flannery O'Connor, Harper Lee, Cormac McCarthy und andere große Schriftsteller hervorgebracht.

Was ist die dunkle Seite des amerikanischen Südens?


Hier im Süden gibt es ethnische, politische, religiöse und soziale Spannungen, wie überall auf der Welt. Jedoch ist die Art und Weise, wie mit diesen Konflikten hier umgegangen wird, eine ganz Eigene. Deshalb gibt es hier auch ganz besondere künstlerische Ausdrucksformen. Der Süden war - und ist - eine der wenigen Gegenden in den USA, wo sich das Ideal des "Melting Pot" tatsächlich im realen Leben abspielt. Bei aller Liebe, der Norden ist einfach viel mehr durch Ghettos und Eliten geprägt. Aber durch die landwirtschaftlichen und klimatischen Realitäten des Südens stehen Schwarze und Weiße, fromme Menschen und ungehobelte Rowdys in gleicher Weise nebeneinander unter der glühenden Sommersonne. Natürlich gab hier Probleme, aber eben auch große Ideen und Erfindungen. Scheinbar ist Fortschritt nur da möglich, wo Gegensätzlichkeit und Vielseitigkeit zugelassen werden und die daraus resultierenden Widrigkeiten dann auch einen eigenen Charakter entfalten können. Und in diesem Spannungsfeld entsteht dann Kunst.

Was für Platten sammelst du persönlich, und aus welchem Grund?


Mich interessiert alles aus der Vorkriegszeit beziehungsweise alles, was sich ummittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg abgespielt und in irgendeiner Form mit indigener Kultur zu tun hat, egal in welchem Winkel der Vereinigten Staaten. Von Western Swing über die String-Bands der Appalachen bis zu Delta Blues. Die Menschen waren zu dieser Zeit noch mit der Erde verbunden. Sie standen mit beiden Beinen auf dem Boden. Die Menschen damals wurden im Dreck geboren, aber ihre Seelen waren strahlend und lebendig. Die Realität war hart, das Leben die Hölle, aber die Musik entfachte ein spirituelles Feuer. Ich will Musik sammeln, die sich in der Nähe des Bodensatzes abspielt, Sachen, die so klingen, als wären sie mit einer rostigen Sense herausgeschnitten worden. Musik aus einer Zeit vor der Entstehung gigantischer Einkaufszentren und vor Metrosexualität.

Wie passen Southern Gothic, Punk und Blues für dich zusammen? Warum kombinierst du gerade diese Musikstile?

Das ist Musik, die aus Schmerz und Furcht geboren wurde. Das sind packende, spannende Genres, die aber nicht zu sehr ins Anschauliche und Blutrünstige abdriften. Diese Musik hat viel gemeinsam mit der charismatischen Religion der Pfingstbewegungen. Wenn man sich völlig verschwitzt am Boden herumwälzt und dann erschöpft, aber glücklich nach Hause geht, dann ist das meine Musik.

Was assoziierst du mit dem Wort "Lederhosen"?


Die sind ein stolzes Symbol der Working Class. Das ist ein Kleidungsstück, das ich sowohl wegen des komischen Effekts trug als auch wegen des Stolzes, den die Lederhose ausstrahlt. Ich wollte den einfachen, traditionellen und volkstümlichen Kleidungsstil meiner Vorfahren nachempfinden, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass ich damit auf der Bühne lächerlich wirken könnte. Meine dünnen Beine sehen einfach grotesk aus. Wahrscheinlich bin ich auf der Bühne mutiger als im echten Leben. Aber hoffentlich lernen die Leute dadurch, dass auch so ein dürrer, schmächtiger Typ wie ich ohne Furcht und voller Stolz sein kann. Vielleicht denken sie sogar, dass er in seinen magischen Lederhosen durch die Luft fliegen kann.

Robert Buchmann

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #76 (Februar/März 2008)

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