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Interviews & Artikel

REFUSED

Ob der REFUSED-Stil jetzt "The Shape Of Punk To Come" wird, daran kann man sicher zweifeln, sowohl vom musikalischen her als auch vom Drumherum, nicht jedoch daran, dass das neue Album mit zum Besten gehört, was in den letzten Monaten erschienen ist. Eigentlich fand ich die Band bis zu diesem Album eher weniger interessant, denn klar, sie waren zwar Repräsentanten jener Seite des New School-Hardcores, die weniger alte SLAYER-Riffs verpunkte, als vielmehr versuchte durch leicht abgeänderte Songstrukturen und bis dahin nicht gekannte Rhythmen und Dynamik etwas frischen Wind in die Szene zu bringen, doch so richtig überzeugend fand ich das nicht. Um so mehr war ich dann vom aktuellen Album überrascht, das völlig zurecht in den höchsten Tönen gelobt wird. Und um es nochmal deutlich zu sagen: die Platte hat wirklich nix mit Crossover jener Sorte zu tun, wie er allenthalben zu hören ist und zurecht in diesem Heft abgelehnt wird. Vielmehr vermengen REFUSED verschiedene Einflüsse mit ihrem Sound und bleiben dabei jedoch immer sie selbst, klingen nicht bei jedem Part wie eine andere Band. Wann findet man schon mal ein Album, bei dem vom Layout über die Musik bis zu den Texten alles passt? Eben, und die logische Konsequenz war, dass ein Interview mit ihnen geführt werden musste. So sass ich dann eines Abends im REFUSED-Tourbus und stellte Sänger Dennis einige Fragen, ausserdem konnte ich es mir nicht verkneifen, selbst noch meinen Senf hinzu zu geben (mein Beitrag zum Kapitel "Unser Heft soll persönlicher werden", hehe).

Zuerst die Business-Questions - wie läufts mit der Tour? Ich meine, die anderen Bands mit denen ihr spielt, also NO FUN AT ALL, LIBERATOR und die HIVES, unterscheiden sich ja doch ziemlich von euch.

Bis jetzt läuft´s ganz gut. Es ist zwar nicht unser normales Publikum, aber dafür läuft´s recht anständig. Wir spielen immer nach LIBERATOR, die die Menge immer zum ausflippen kriegen. Es sind halt immer jede Menge Leute im Publikum, die noch nie was von REFUSED gehört haben und auch bisher mit der Musikrichtung, die wir spielen, noch nicht in Kontakt gekommen sind.

Also nicht das typische Hardcore-Publikum?

Nee, aber das ist auch gut so, so erreichen wir viele Leute, die sich sonst nie REFUSED ansehen würden. Und wir scheinen auch ganz gut anzukommen, die Leute tanzen - es könnte echt schlimmer sein.

Euer neues Album ist ja auf Burning Heart erschienen, während die ersten zwei Alben auf We Bite waren. Da stellt sich natürlich die Frage, warum?

Ganz einfach, weil die We Bite-Leute die schlimmsten Abzocker sind, die es seit Menschengedenken gibt. Es war und ist einfach unmöglich mit denen weiter zu arbeiten. Wir hatten eigentlich auch gar keinen Deal mit We Bite, sondern waren bei einem Label namens Startracks in Schweden unter Vertrag, der dann auch mit dem letzten Album dann auslief. Und so suchten wir also nach einem neuen Label und hatten dann auch jede Menge Angebote von den ganzen Majors, die uns ständig anriefen und nervten. Auf so was hatten wir aber keinen Bock, und da kam uns Burning Heart gerade recht. Sie haben einen guten Vertrieb, sie kümmern sich um ihre Bands und sind trotz ihrer Größe independent.

Auf der neuen Platte sind ja auch jede Menge Techno-Einsprengsel. Ist denn jeder von euch ein Fan dieses Musikstils oder nur Jon, der Gitarrist, der für die Samples und den Kram zuständig ist?

Nun, wir tanzen alle gern und interessieren uns für Dance Music. Ich für meinen Teil hör das Zeugs nicht so oft, aber ich weiß es zu schätzen. Jon dagegen ist da ein richtiger Freak, und so hat es sich natürlich angeboten die Sachen in die neuen Songs einzubauen. Es ist echt nichts konstruiertes, sondern hat sich einfach ganz natürlich entwickelt. Jon ist auch wirklich gut in dem was er macht, nicht nur die Sachen für REFUSED, sondern auch seine eigenen Stücke, mit denen er auch öfters in Clubs auftritt. Wir werden auch irgendwann eine EP rausbringen, auf der dann ein paar Techno-Remixes und Drum & Bass-Stücke von uns drauf sein werden. Weisst du, es ist einfach cool, solche Sachen zu machen.

Mit dem neuen Album erinnert ihr mich ein wenig an NATION OF ULLYSSES, so von wegen der revolutionären Texte und der Anzüge, die ihr auf den Photos tragt. Ausserdem geht der vierte Song ziemlich in die FUGAZI-Ecke. Sind das Einflüsse für euch?

Die Dischord-Bands oder die ganze Washington D.C.-Szene sind einfach gut, und NATION OF ULLYSSES sind eine meiner Lieblingsbands. I fuckin love the NATION OF ULLYSSES. Ich würde jetzt nicht sagen, daß NATION OF ULLYSSES an sich der grösste Einfluss für REFUSED waren, aber die politischen Ansichten die sie hatten, sind die, über die ich auch viel gelesen habe, und ich weiss wovon sie sprachen. Wir haben also eine ähnliche Denkweise und Einstellung, dies ist mit ein Grund warum ich NATION OF ULLYSSES so mag.

Und wie gefallen dir THE MAKE-UP?

Die sind genauso grossartig. Ich buche auch deren Skandinavien Tour, die im April stattfindet und wenn wir in einer Woche mit dieser Tour fertig sind, werden wir auch einige Gigs mit ihnen zusammen spielen.

Hört sich an, als ob REFUSED euer Fulltime-Job ist, oder macht ihr noch irgendwas anderes nebenbei, z.B. studieren?

Nö, wir machen eigentlich nichts anderes als REFUSED-Mitglieder zu sein, klar haben wir noch andere Interessen und nicht nur die Band im Kopf, aber es ist nicht so, dass wir jetzt regelmässig arbeiten. Ich arbeite nebenbei noch ein bisschen für Desperate Fight Records und buche wie gesagt auch noch von Zeit zu Zeit Shows, aber REFUSED nimmt doch relativ viel Zeit in Anspruch. Unsere Planung sieht auch so aus, dass wir bis Anfang nächsten Jahres eigentlich ständig auf Tour sein werden. Weisst du, alles hat seinen Ort und seine Zeit, und zur Zeit ist unsere Aufgabe ständig mit REFUSED unterwegs zu sein, verrückt und kreativ sein zu können und mit den Leuten über Musik und Politik zu reden.

Im Booklet der CD fordert ihr, dass wir uns "Kunst" zurückholen sollten, in dem Sinne, sie nicht irgendwelchen Galeristen oder der Oberschicht generell zu überlassen. Wie willst du das erreichen, wenn ich mir so die normale Hardcore-Szene anschaue?

Weisst du, ich spreche da auch gar nicht die normale Hardcore-Szene an. Ich meine viel mehr die Möglichkeit, dir deine eigene Kunst zu kreieren, und viele Punk/Harcore-Kids haben überhaupt keinen Plan davon, weil sie es für unmöglich halten ihre eigene Kunst zu kreieren, auch weil es in der Szene kaum künstlerischen Ausdruck gibt. Viele spielen in Bands, gehen zu Konzerten und das wars dann für sie - so rein zum Selbstzweck. Es gibt keine künstlerischen und kreativen Betätigungsfelder und auch keine Kreativität. Klar, in einer Punkrock-Band zu spielen oder was für die Szene zu machen ist irgendwie Kunst, ab2er trotzdem würde ich sagen, dass die Punkrock-Szene nicht sehr an Kunst interessiert ist. Ich denke halt, daß wir unsere eigene Kreativität zurückholen müssen, auch dass sich viele Leute Kunst von der finanziellen Seite her nicht leisten können. Zur Zeit ist das nur ein Thema für die Oberschicht, die gebildet ist und sich damit auskennt. Wir müssen versuchen Kunst und Kreativität wieder für den normalen Menschen zugänglich zu machen, dass sie ihre eigene Kunst und kreativen Gedanken verwirklichen können. Uns geht es darum Kreativität zurückzuholen und das machen zu können, was man wirklich tun will, ohne dass man sich von den Restriktionen der Punkrockszene, des Kapitalismus oder der von der Bourgeoisie geprägten Gesellschaft einschränken lässt. Was wir erreichen wollen ist, den Leuten zu zeigen, dass die Möglichkeit besteht sich ausserhalb der festgesetzten Normen zu bewegen und leben.

Denkst du, dass das die Leute verstehen, wenn ihr heute abend spielt?

Naja, eher nicht. Vielleicht verstehen es ein paar, aber uns geht es mehr darum den Leuten ein Gefühl zu vermitteln, was eigentlich abgeht, wenn sie sich die Platte zulegen oder zu unseren Konzerten kommen. Mir ging es am Anfang auch so, als ich angefangen habe Bücher über situationistische Politik zu lesen, oder auch das Manifest von NATION OF ULYSSES. Ich hab´s gelesen und es hat für mich Sinn gemacht, aber ich wusste wirklich nicht wovon sie sprachen. Verstehst du, ich hab´s gelesen und mir gedacht: "Das ist grossartig, aber von was verdammt noch mal reden die da?". Das ist es auch, was wir an Reaktionen von den Leuten erwarten, wenn sie sich die Platte besorgen, das Booklet durchlesen, die Musik hören oder uns live sehen. Die Leute sollen von den Konzerten ein paar neue Ideen mit nach Hause nehmen und vielleicht darüber nachdenken, was wir gerade gemacht haben, und warum. Genauso mit der neuen Platte, wenn die Leute sie das erste mal hören und danach den Kopf schütteln und sich fragen, was das verdammt noch mal soll, dann haben wir unser Ziel erreicht. Unsere generelle Intention ist die Leute herauszufordern, sie anzuregen kreativer zu sein, sie dazu zu bringen, Teil der Musik und der Show zu sein und nicht nur zu konsumieren. Wir wollen von diesem Producer-Consumer-Verhältnis wegkommen und die Leute zum Denken anregen. Ich denke nicht, dass die Leute nach dem Gig auf dem Nachhauseweg wegen uns irgendwelche Parolen an die Wände schmieren werden, aber sie gehen nach Hause mit ein paar neuen Gedanken im Gepäck, wenn sie auch etwas abstrakt sein mögen.

Seid ihr wirklich so gefährlich für die schwedische Regierung, wie ihr im Booklet behauptet? Ihr schreibt da, der schwedische Geheimdienst zapfe eure Telefonleitungen an und die Umea-Cops brächen in eure Wohnungen ein. Oder war das einfach ein Witz? (Anm.: So steht´s in den Liner-Notes zu "REFUSED are fucking dead", wo die Jungs mit denen abrechnen, die behaupten, das Image von REFUSED als §young revolutinaries§ wäre nur Show und in echt wären die Jungs nichts anderes als verwöhnte kleine Kids mit dem reichen Daddy im Rücken.)

Beides, das ist sowohl ein Witz wie auch nicht. Wenn du dir die Line- Notes zu "REFUSED are fucking dead, that's what the answering machine said" anschaust, das ist ein Zitat aus einem BORN AGAINST-Song. Wir haben uns da ein bisschen bei deren Textgut bedient. Aber es stimmt schon, unsere Telefone wurden oder werden abgehört, die Umea Cops führen Akten über uns, die wissen immer genau, wo wir uns in Schweden aufhalten, wann wir irgendwo einen Gig haben, oder sie versuchen zumindest es zu wissen. In den Akten stehen dann so Sachen wie, "Zu diesem Zeitpunkt stand der REFUSED-Van vor dem Vegans House in Vänisborg" und ähnliches. Also die versuchen wirklich uns immer auf den Fersen zu bleiben, was für mich nichts anderes als ein Kompliment dafür ist, dass wir ein wenig aktiv sind. Aber natürlich sind die Liner-Notes zu dem Song schon eher humorvoll gemeint.

Neulich kam im deutschen Fernsehen auch ein Bericht über die Szene in Umea, vor allem über die grosse Anzahl der Veganer in der Gegend und ihre Aktionen gegen Fleischfresser und Pelzträger.

Yeah, Veganismus ist bei uns ziemlich verbreitet, und du kannst überall ohne Probleme vegane Lebensmittel, es gibt da wirklich viele Vegetarier und Veganer, was natürlich ziemlich cool ist.

Mich hat ziemlich verwundert, dass ihr bei "Protest Song ´68" ein Zitat von Henry Miller verwendet habt. Klar seid ihr keine dieser typischen Straight Edge-Bands, aber trotzdem finde ich das sehr ungewöhnlich.

Und du denkst, dass Henry Miller hauptsächlich Porno-Stories geschrieben hat?

Nö, ich bin zwar kein so grosser Kenner seiner Werke, aber er schrieb recht offen über Sex und Drogen und deswegen war ich überrascht ein Zitat von ihm in einem Lied von euch zu finden.

Hm, ich denke, dass er ein guter Schriftsteller war und das Zitat, das wir verwendet haben, passt an der Stelle hervorragend. Gute Musik oder Kunst wissen wir einfach zu schätzen, auch wenn sie nicht Political Correctness-Masstäben genügt. Wir lesen alle ziemlich gern Bücher aus dem Bereich der Beat-Literatur wie z.B. Kerouac, der ja oft vom Leben auf der Strasse oder durchgezechten Nächten erzählt, und das ist nun mal oft nicht besonders p.c. Vor allem unser Drummer hängt ständig über solchen Büchern. Aber nochmals zu Henry Miller, er hat einige wirklich abgefahrene Sex-Stories geschrieben, woran ja nichts falsch ist, hehe.

Klar, ich war eben nur ein bisschen überrascht. Im Moment kommen aus Skandinavien ja einige coole Punk'n'Roll-Kapellen, die auch richtig gross zu werden scheinen, wie z.B. TURBONEGRO, HELLACOPTERS oder GLUECIFER. Gibts da irgendwelche Connections, oder sind das zwei völlig verschiedene Szenen?

Die BACKYARD BABIES nicht zu vergessen. Klar, wir sind mit den HELLACOPTERS befreundet, vor allem mit Lars und Dregan, der ja bei beiden Bands Gitarre spielt. Sie sind einfach nette Kerle, auch wenn wir mit ihnen noch nie zusammen gespielt haben. Dafür haben wir schon mit THE ENTOMBED getourt. Es ist jetzt nicht so, dass ich die Jungs jedesmal anrufe, wenn ich in Stockholm bin, aber wenn die HELLACOPTERS in Umea spielen oder wir in Stockholm, dann hängen wir schon zusammen herum. Schweden ist aber auch zu klein, um sich nicht über den Weg zu laufen. Du triffst ständig Leute, die in irgendwelchen Rock-Bands spielen, daher kommt es auch, dass wir sogar schon mit den CARDIGANS gespielt haben. Wir kennen sogar solche Leute und hängen mit ihnen rum, und das nur, weil das Land so klein ist, hehe.

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass aus Schweden so viele gute Bands kommen, oder auch dass es so viele gute Sportler gibt, und das bei der relativ geringen Einwohnerzahl. Auf mich macht das immer den Eindruck, als ob in Schweden jeder entweder ein Musiker oder ein Sportler geworden ist.

Ich denke, dass das zum Teil mit an den Community Music Schools liegt, wo du kostenlos ein Instrument lernen kannst. Die Lehrer an diesen Schulen sind auch recht fähig. In den letzten Jahren wurde es eigentlich schon richtig zur Tradition, dass jede Menge guter Musik aus Schweden kam, was natürlich allen Bands hilft. Wenn jetzt die HELLACOPTERS richtig durchstarten freut uns das natürlich. Es ist so, wenn die Szene sich gut entwickelt und einige Bands gross rauskommen und so auch Aufmerksamkeit auf andere Bands erwecken, hilft uns das allen. Das ist eine sehr gesunde Beziehung.

Gutes Schlusswort, da können sich andere Szenen was von abschneiden. Danke fürs Interview.

Was Dennis im Interview gesagt hat, nämlich dass die meisten Leute bestimmt nicht zu den Konzerten der Volvo- bzw. Suedepalooza-Tour gekommen sind, um darauf zu achten, was die Band zu sagen hat, bestätigte sich dann recht eindrucksvoll. REFUSED fingen mit ihrem "Party Programm" an und die 14-18jährigen fingen an wie von der Tarantel gestochen herumzupogen, zu stagediven oder sonst irgendwie auszuflippen. Ist ja auch nicht verkehrt, man war ja selbst mal jung (kleiner Scherz). Trotzdem war es lustig mit anzusehen, wie Jungrevolutionäre, passend gekleidet mit dem Merchandise der Subversionscombo THUMB, ständig auf die Monitorboxen kletterten, um von dort aus wieder auf die Altersgenossen herab zu segeln. Natürlich war es egal, ob die Band, die da auf der Bühne stand, jetzt eher brachial oder ein bisschen entspannter zu Werke ging. Kann es sein, dass ich da einen Trend verpasst habe und es gar nicht darum geht, irgendwie mit der Musik mitzugehen, sondern die Anzahl der Dives entscheidend ist, ob sich nun der Konzertbesuch gelohnt hat oder nicht?

So ein Konzertbefund wäre ja auch gar nicht das dümmste, so könnte man konkret bestimmen ob sich die 20 Tacken Eintritt gelohnt haben oder nicht. Man könnte mit der Formel Setdauer durch Anzahl der Dives multipliziert mit dem Faktor Eintrittspreis einen exakten Wert bekommen, der Aussage darüber gibt, wie das Konzert denn nun war. Nehmen wir als Beispiel REFUSED: Setdauer 45 min., 15 Dives, 20 DM Eintritt. Heraus kommen würde der Wert 60. Nun wäre es zu überlegen, wie man diesen Wert skaliert. Ich plädiere dafür, den Wert 60 mit dem Attribut "gut" auszustatten. Weiter rufe ich die Ox-Leserschaft auf, ihre Vorschläge einzubringen, welcher Wert mit welchem Attribut auszustatten ist, vielleicht spendiert Joachim als Belohnung ja sogar ´ne CD. Postkarten mit dem Kennwort "Konzertbewertung" bitte an die bekannte Adresse.

Diese Idee in aller Konsequenz weiter gesponnen, würde bedeuten, dass man keine Konzertreviews mehr schreiben bräuchte, sondern einfach den Wert dem Konzert(bericht) zuordnet, z.B. AVAIL 85 oder PEARL JAM 0,002. Das liest sich jetzt vielleicht ein bisschen zynisch, und ist es wohl auch. Aber hey - wenn nun mal so blöde Blagen auch auf den Konzerten rumhängen, dann ist das ja wohl nicht meine Schuld. Zugegebenermassen, es ist in der heutigen Zeit (jaja, Pathos, ich weiss) aber auch verdammt schwierig sich als Teenager nicht zum Depp zu machen. Vor jedem Jugendlichen, der heute nicht diese schrecklichen Plateaumonstergebilde oder hippen Skaterlatschen an den Füssen trägt, habe ich fast schon Hochachtung. Ebenso klar ist, dass jene Altersgruppe sich auch über "die Älteren" lustig macht. Würde Thomas Kerpen in seiner braunen Schweinswildlederjacke auf so einem Konzert auftauchen, was er natürlich nicht tut, würden einige Teenager auch hinter vorgehaltener Hand zu tuscheln beginnen. Also kommt mir nicht mit "Aber die armen Kids...".

So, jetzt mal wieder zurück zum Konzert. Fast vergessen hätte ich, dass das "Ansagendiving" eingeführt wurde, mal sehen, ob sich dieser Trend auch bei den Rock am Ring-Festivals durchsetzen kann, wo sicherlich ein Teil des Publikums schon mal war, natürlich nur im Alterna-Tent, was natürlich schwer genug werden wird, da die dort auftretenden Bands eigentlich gar nichts zu sagen haben. Was man den "Kids" zugute halten kann, ist dass sie bei allen Bands ihr Bestes gaben und so das typische Vorband-Hauptact-Schema kaum zum Vorschein kam. So gesehen haben es die Bands vielleicht genossen, vor so einer euphorischen Meute aufzutreten, auch wenn REFUSED schon ein bisschen genervt aussahen, dass sie an diesem Abend nur "just another band" waren. Trotz allem waren sie aber wirklich gut, auch wenn der Sound eher bescheiden war und die Effekte von der Platte live teilweise fehlten. Und da die Jungs jetzt ja ewig und zwei Tage auf Tour sein werden, solltet ihr euch die Schweden ruhig mal anschauen.

David Häussinger

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #31 (II 1998)

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