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Interviews & Artikel

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE

Stören, verstören und zerstören

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE ist ein Bandname, der aufmerken lässt. Unlängst hat die Krefelder Band, die ihre Musik als "Grindpunk" beziehungsweise "Popgrind" bezeichnet, ihr neues Album "Rauchen und Yoga" veröffentlicht und damit wieder einmal bewiesen, dass ihre Musik das hält, was der Bandname verspricht. Nachdem der Plan fehlschlug, persönlich ein Interview mit der Band zu machen, beantwortete Sänger Markus Maria Hoff aka Bony meine Fragen per Mail ...


Angeblich habt ihr auf "Rauchen und Yoga" Sachen gemacht habt, die ihr vorher nicht gemacht beziehungsweise euch nicht dazu getraut habt. Was sind das für Sachen und warum habt ihr euch vorher nicht getraut?

Wir haben diesmal verstärkt auf Samples zurückgegriffen und unbeabsichtigt zwei bis drei Nummern geschrieben, die sogar eine geordnete Songstruktur aufweisen. Da wir die Platte quasi im Proberaum aufgenommen haben, hatten wir nahezu unbegrenzt Zeit. Man konnte Sachen hinzufügen, drüber schlafen und hinterher wieder löschen oder eben auch drin lassen. Früher, in einem gemieteten Studio haben wir oft Sachen vorzeitig weggeschmissen, von denen wir dachten, sie klängen in ein paar Monaten vielleicht albern. Das waren die Sachen, die wir uns damals nicht getraut haben. Diesmal gab es keinen Zeitdruck und wir konnten selbst bestimmen, wann die Aufnahmen abgeschlossen sind.

Gibt es musikalisch/textlich überhaupt Dinge, die ihr bei JAKA nicht machen könnt?

Metalcore-lastige Allerweltsstampfer mit Heldentenor-Refrain wird es nie von uns geben, das weiß ich mit Sicherheit. Möglich ist musikalisch aber alles, solange es nicht schon tausendmal vorher kopiert wurde. Zur textlichen Entwicklung kann ich weniger sagen, da ich die Texte nicht schreibe. Schenkelklopfer- und Bierzelthumor werden aber nach wie vor Tabu sein.

Ich habe auch gelesen, "Rauchen und Yoga" sei das erste Album, mit dem alle in der Band zufrieden sind. Stimmt das? Warum wart ihr mit den vorherigen Alben unzufrieden?

Unzufrieden ist der falsche Ausdruck. Nur eben nicht zu 100 Prozent zufrieden. Manchmal waren es unausgereifte Songs, mal die etwas schlaffe Produktion. Auf "Hardcore aus der Ersten Welt" sind zum Beispiel prima Songs wie "Abflussbestattung", "Es lernt sich von selbst", "Verpackt in Plastik" oder "8.0", aber auch Songs wie "Du warst mein Ritalin" oder "Chemie", die vor dem Einspielen besser noch mal hätten bearbeitet werden sollen. Auch der Gitarrensound von "Hardcore ..." ist viel zu lieblich. Trotzdem gibt es Leute, die sie für unsere beste Platte und "... Ritalin" für einen unserer besten Songs halten.

Eure Texte werden ja nach dem Collagen-Prinzip gebildet. Funktioniert das Songwriting auch nach diesem Prinzip?

Sechzig Prozent der Songs entstehen nach dem Collagen-Prinzip, das heißt, wir schreiben bei Christof oder Klaus am PC Songs, schmeißen sie weg, kramen dann Parts davon wieder hervor und kombinieren sie mit anderen weggeschmissenen Parts oder neuen Ideen. Wir haben uns aber auch angewöhnt, ganze Songs im Proberaum zu erjammen. Das sind dann auch meist die, die man nicht wegschmeißen muss.

Eure Betrachtungsweise von Musik scheint akademisch geprägt zu sein, habt ihr studiert oder entsteht dieser Eindruck einfach durch eine eingehende Beschäftigung mit Musik?

Ja, scheiß Studenten-Metal! Ganz im Ernst: Christof und ich haben noch nicht mal ein richtiges Abitur. Martin ist Schreiner, Rene Landschaftsgärtner und Marco arbeitet in irgendeiner Fabrik. Der Einzige, der von uns so etwas wie ein Diplom hat, ist Klaus ... und der ist schon recht lange arbeitslos. Wer Texte wie "Zieh die Jacke falschrum an", "Scheiße, der Lehrer" oder "Eruiert" aufmerksam liest, wird schnell zu dem Schluss kommen, dass wir alles Akademische ablehnen. Viele Bands und Veranstalter sind enttäuscht, wenn sie uns das erste Mal live erleben. Die denken, wir essen Salat, trinken Salbeitee und pflegen gehobene Konversation. Und dann kommen da sechs Arschprolls, die den ganzen Tag sexistische Witze reißen ,wie die Löcher saufen und dauernd fragen, wo der nächste McDrive ist.

Woraus resultiert eure musikalische Vielfalt? Ist es schwierig, diese live umzusetzen, oder achtet ihr im Studio darauf, dass sich Songs live spielen lassen?

Die musikalische Vielfalt ist nur vorgegaukelt. Wir halten uns nur nicht an das übliche Strophe/Refrain/Strophe/Refrain-Schema. Deshalb meint der vom konventionellen Songwriting verwöhnte Hörer, etwas Ungewöhnliches oder gar Neues vernommen zu haben, wenn er JAKA hört. Eigentlich ist alles, was wir im Studio einspielen, auch live reproduzierbar, wenn wir wollen. Wir sind nur manchmal sehr faul. Wir picken uns vor der Veröffentlichung eines neuem Albums meist fünf bis sechs Songs von eben jenem heraus und proben sie, bis sie live vorzeigbar sind. Eine Ausnahme bildet vielleicht "Steig aus" vom neuen Album, das ist eher so eine Spielerei von Christof und Robert, die ich uns live nicht zutrauen würde.

Warum, meint ihr, missverstehen einige Leute die Beobachtungen, die in euren Texten ausgedrückt werden, als Humor?

Die sind wahrscheinlich vom Bandnamen geblendet und denken: "Geil, die singen über Tittenvergrößerungen, Fettabsaugungen, dämliche Teenager und Musikvortäuschungen, hihi" - und merken gar nicht, dass dies alles Dinge sind, die um sie herum wirklich passieren.

Wo liegen musikalisch/textlich eure Einflüsse, was hat euch bewogen, Texte auf Deutsch zu schreiben? Seht ihr euch da überhaupt in einer bestimmten Tradition?

Ich kann nur mutmaßen, da ich erst seit 2003 dabei bin: Da JAKA am Anfang ein Zwei-Mann-Projekt war, in welchem Christof, der kaum Englisch spricht, die Texte schrieb, wurde wohl aus der Not eine Tugend gemacht. Der erste JAKA-Text "Aus dem Mark der Nebenniere" wurde ja einfach eins zu eins aus dem Spiegel abgeschrieben. Als das dann passte, war der weitere Pfad bereits vorgegeben. Des Weiteren ist es eine viel schönere Herausforderung, deutsch zu texten, als zum abertausendsten Mal zu sagen, man sei "lonely", voller "hate" und alles ist "dark".

Wie hat euch der Grindcore entdeckt?

Er war auf der Durchreise und musste nach einer Zugentgleisung 1998 in Krefeld Zwischenstation machen. Er marschierte in ein Studentenwohnheim und traf dort Christof und Klaus. Sie haben die ganze Nacht gesoffen und sind seitdem Freunde.

Da ihr eine gesellschaftskritische Band seid, gibt es Bands aus dem Genre, mit denen ihr nicht spielen würdet, etwa Gore-/Porngrind-Bands, oder findet ihr solche Bands eher lustig, albern, ironisch und nicht ernst zu nehmen?

Wir haben auf Festivals schon mit Bands gespielt, die ich, wenn ich selber Konzerte buche, niemals mit ins Billing nehmen würde. Aber prinzipiell ist mir das egal, solange es keine Fascho-Idioten sind. Darüberhinaus erinnere ich mich an ein Festival an der polnischen Grenze. Wir waren die einzige Fleischband in einem Billing voller Vegancore-Bübchen. Das war auch schlimm.

"Wir wollen vor allem stören, verstören und zerstören", sagst du im OsnaMetal-Interview. Habt ihr schon mal über eine Art virales Marketing nachgedacht?JAKA bei "The Dome" oder der "Bravo Super Show"?
Denn die Leute, die euch sowieso hören, werden ja nicht zu sehr verstört ...


Wir stören lieber auf Heavy-Metal-Open-Airs. Da sind auch genug Leute, die mit dem, was wir machen, völlig überfordert sind, da wir nicht genretypisch aussehen und keinen mittelalterlich angefolkten Black Metal spielen. Bei "The Dome" treten wir nicht auf. Wir fahren da nur vorbei, fressen das Catering auf und stecken Detlef D! Soost einen Finger in den Po.

Gibt es Musiker, mit denen ihr gerne mal arbeiten würdet?

Große Namen fallen mir da spontan keine ein. Wir bewundern eher Leute aus unserem Umfeld und laden die dann zu uns ins Studio ein.

Geht ihr arbeiten oder würdet ihr euch wünschen, von eurer Musik leben zu können, oder würde euch dann eventuell der thematische Input aus sozialer/gesellschaftlicher Umwelt fehlen?

Ja, bis auf Klaus gehen wir alle arbeiten. Den Wunsch, von JAKA leben zu können, haben wir nicht. Wir machen JAKA, weil wir Lust dazu haben. Es darf auf keinen Fall zu einem Job verkommen, den man lustlos erledigt. Dann würden wir sehr bald anfangen, uns über Geld zu streiten und der Grundgedanke der Band wäre futsch. Bitte nicht falsch verstehen: Wenn ab und zu mal ein paar Euro dabei hängen bleiben, ist das prima. Aber dabei soll es dann auch bleiben.

Was tut ihr privat, damit die Welt besser wird? Oder wollt ihr gar nicht, dass die Welt besser wird?

Ich fahre kein Auto und in meiner Wohnung brennt immer nur Licht in dem Zimmer, in dem ich mich gerade aufhalte. Um ehrlich zu sein, tue ich das nicht nur des geringeren CO2-Ausstoßes wegen, sondern auch aus finanziellen Gründen und weil ich gar keinen Führerschein habe. Die Welt an sich ist gar nicht so schlecht. Es gibt halt nette Menschen und Arschlöcher, manchmal auch nette Arschlöcher. Aber das war schon immer so, wird auch so bleiben, und darum wird die Welt in Zukunft weder besser noch schlechter.

Was steht bei euch 2008 an?

Konzerte, eine DVD, wahrscheinlich ein Besuch in den USA, im Sommer Festivals, ein 10-Jahre-JAKA-Jubiläum und dann fangen wir mal mit der nächsten CD an.

Und zu welcher Musik tanzt ihr?

Wenn wir wirklich tanzen, sind wir meist so hacke, dass wir uns an die Musik am nächsten Tag selten erinnern können. Im Tourbus laufen zur Zeit Songs folgender Künstler: RUMMELSNUFF, PORNOHEFT, MARDUK, DIE ASOZIALEN SUPERHELDEN, ASIFLASH, TRAGEDY, EISENVATER, Frank Zappa und Funny van Dannen.

Nadine Maas

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #77 (April/Mai 2008)

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