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Interviews & Artikel

NO TE VA GUSTAR

Nicht was du denkst

Wenn man hört oder liest, eine Person oder Band XY bedürfe keiner Vorstellung, dann ist das meist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich wären solche Ausführungen, die man sich ja angeblich nur der Zeitersparnis halber schenkt, so einfach auch gar nicht zu bewerkstelligen. Sobald sie einen gewissen Status erreicht hat, wird eine Band zu einem Phänomen, das in ein paar raschen Worten nicht auf den Punkt zu bringen ist. Wie aber ein solches Phänomen angemessen erklären, das in unseren Breitengraden (noch) keines ist? NO TE VA GUSTAR sind die erfolgreichste Band Uruguays und das kann man den Uruguayern nur hoch anrechnen. Hierzulande heißt es dann „man hört NO TE VA GUSTAR ihre Herkunft an“, als ob der durchschnittliche Journalist genug über ihre Heimat wüsste, um das beurteilen zu können. Oder man erklärt, NO TE VA GUSTAR seien eine der besten Mestizo-Bands, als könnte „Mestizo“ nicht alles und nichts bedeuten. Mancher wird auch argumentativ ganz altmodisch und NO TE VA GUSTAR sind dann eben „heißblütig“ oder „haben den Rhythmus im Blut“. Tatsächlich ist ihr aktuelles Album „Todos Es Tan Inflamable“ sehr verkopft und komplex. Wir reden von zurückhaltender, lakonischer Rockmusik, kontrapunktiert von sehr gezielt platzierten Bläsern und Soundspielereien. Besonders gefällt gerade an der Produktion der aktuellen Scheibe, wie jeder einzelnen Note genug Platz gelassen wird. Kaum einer, der unbefangen an die Platte herangeht und sich ein wenig Zeit für sie nimmt, dürfte enttäuscht werden. Aber hier soll genug sein der Vorrede, die folgenden Selbstauskünfte sind einer kompetenten Einführung oder Vertiefung sicher weit dienlicher.

Als ich neulich ein Interview mit LA VELA PUERCA geführt habe, meinten sie über NO TE VA GUSTAR, ihr wäret ein wenig softer und besonders beliebt unter jüngeren Mädchen. Würdest du das so stehen lassen?

Ach was, das haben sie gesagt? Ich weiß nicht, ob wir softer sind. Ich würde da eher behaupten, wir haben einen größeres Spektrum an musikalischen Facetten. Wir leben von der Kraft, die uns die Musik übermittelt, und nicht von purer Energie an sich. Und ja, sehr zu unserer Freude sind wir bei Mädchen jeden Alters beliebt ...

Wie würdest du denn im Gegenzug LA VELA PUERCA beschreiben?

Ich glaube, sie haben als Ska-Punk-Rock-Band angefangen und waren zu diesem Zeitpunkt sehr beeinflusst von der spanischen Punk-Szene. Später entwickelten sie sich in eine individuellere Richtung. Sehr spannend finde ich den Pop-Anteil auf ihrem letzten Album.

Und jetzt also endlich: Wie würdest du eure eigene Musik einem völlig Unbedarften gegenüber charakterisieren?

Ich glaube, du würdest den Kern der Sache nicht verfehlen, wenn du es einfach „Rock“ nennst. Aber wie schon erwähnt, finden auch viele andere Stile einen Platz bei uns. Wir fassen es gerne mit der Bezeichnung „Rock/Reggae“ zusammen.

Inwiefern seid ihr mit eurer aktuellen Platte diesem Stil treu geblieben beziehungsweise habt etwas Neues versucht?

Nun, die Produktion ist dieses Mal auf jeden Fall sehr gelungen und wir haben es fertig bekommen, die Songs genau so klingen zu lassen, wie wir es geplant hatten. Das ist nicht selten ziemlich schwierig und wir sind sehr glücklich mit den Resultaten. Insgesamt könnte man die Platte wohl als "reifer" beschreiben.

Wenn man sich ansieht, wie das Album in der deutschen Presse ankam, fällt auf, dass viele der Rezensenten ganz selbstverständlich davon ausgingen, dass sie es mit fröhlicher Tanzmusik zu tun bekämen, und überrascht waren, als sie auf etwas ganz anderes stießen. Habt ihr oft mit solchen falschen Erwartungshaltungen zu kämpfen? Und gibt es einen Unterschied zwischen Uruguay und Europa in Hinblick darauf, wie eure nachdenklicheren Stücke ankommen?

In unserem Fall ist mir das noch gar nicht so sehr aufgefallen, aber ich denke, du sprichst da etwas Richtiges an. In Europa erwarten die Leute von einer Latin-Rock-Band, dass sie gefälligst fröhliche Tanzmusik zu spielen haben, als ob es das Einzige wäre, zu dem eine lateinamerikanische Band in der Lage sei. Ich glaube, es gibt falsche Vorstellungen davon, was Latin-Rock ist. Wie ich das begreife, war es so, dass es eine ganze Reihe mittelmäßiger Bands gab, die von dem Mestizo-Hype profitieren wollten und so dazu beitrugen, dieses falsche Bild zu zeichnen. Man hat eine sehr eingeschränkte Sicht, wenn man Latin-Rock auf Party und Tequila reduziert. Nimm zum Beispiel das erste Manu Chao-Album. Dort wirst du einige wundervolle, langsame und reflektierte Songs finden. Aber das tut der Tatsache keinen Abbruch, dass wir gerne in Europa spielen, und im Grunde ist es doch auch zweitrangig, woher du kommst.


Ihr spielt häufig für Menschen, die des Spanischen nicht mächtig sind. Auch wenn Musik in gewissem Maße für sich selbst spricht, sind Texte doch wichtig, um die Botschaft zu konkretisieren. Habt ihr manchmal Bedenken, jemand könnte in euer Band Dinge verkörpert sehen, um die es euch gar nicht geht?

Ja, die Gefahr droht immer. Aber ich würde das ins Positive wenden. Musik ist nun einmal ohnehin subjektiv und dann ist es doch begrüßenswert, wenn Leute in die Lieder ihre eigenen Bedeutungen hineinlegen.

Vielleicht könntest du trotzdem einen eurer Songs, dessen Botschaft dir besonders am Herzen liegt, auswählen und den Inhalt grob darstellen.

Ein Song auf der aktuellen Platte, der mit wichtig ist, heißt „Ilegal“ und handelt von Wahlfreiheit und der Notwendigkeit eines Abtreibungsgesetzes in unserem Land. Es ist nicht so, dass wir das Thema völlig einseitig betrachten würden, aber wir denken, dass eine Legalisierung von Abtreibungen wenigstens insofern dringend nötig ist, damit Frauen keine lebensbedrohlichen Risiken in illegalen Abtreibungskliniken mehr auf sich nehmen müssten.

Hierzulande bekommt der Durchschnittsbürger nicht viel mit von Uruguay, seinen Einwohnern und der dortigen Politik. Musik wie eure ist da oft der einzige Zugang überhaupt. Fühlt ihr euch wohl dabei, dass Uruguay und NO TE VA GUSTAR in so engen Zusammenhang gebracht werden?

Ja, damit haben wir keinerlei Probleme. Wir mögen unser Land.

Wie hätten wohl die Themenschwerpunkte dieses Interviews ausgesehen, wenn du von einem heimischen Journalisten befragt worden wärest?

Es wäre sicher noch mehr von Politik und gesellschaftlichen Fragen die Rede gewesen.

Eine andere Sache, die ich von LA VELA PUERCA erfahren habe, ist, dass ihr die einzige andere Band in Uruguay seid, die von ihrer Musik leben kann. Ergeben sich für dich Probleme aus dem Spannungsfeld zwischen künstlerischen und beruflichen Aspekten deines Musikerlebens?

Nein, ich denke, so etwas gibt es für mich nicht. Wir leben sowohl von der Musik als auch für die Musik. Wir verstehen Musik nicht als Beruf, sondern als einen „way of life“ und fühlen uns sehr wohl damit.

Ferdinand Praxl

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #77 (April/Mai 2008)

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