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Interviews & Artikel

ROCKET FROM THE CRYPT

In einer Welt, in der Musik oft nur noch als Hintergrund-Lala zu Trendsport-Videos wahrgenommen wird und wo sich junge Bands von schlauen Plattenlabels bereitwillig jedes Image und Outfit verpassen lassen, Hauptsache man kommt voran, da tut es gut, mit Leuten des Kalibers ROCKET FROM THE CRYPT zu tun zu haben. Hier steht die Musik im Vordergrund, seit zehn Jahren schon, und mit dem neuen Album "Group Sounds" auf Vagrant Records haben die Südkalifornier um Frontmann Speedo jetzt eine neue Phase in ihrer Karriere eingeleitet. Ich unterhielt mich Ende Januar mit dem Herrn, der gelegentlich auch unter seinem richtigen Namen John Reis firmiert - nur unterbrochen durch seine Versuche, seine im Hintergrund tobenden und fauchenden Katzen unter Kontrolle zu halten...

Wie kommt´s, dass eure neue Platte nach mehreren beim Major Interscope auf dem Independent-Label Vagrant erschienen ist?


"Wir haben mit einer ganzen Reihe von Labels gesprochen und Vagrant waren einfach das beste. Wir waren nach den ersten Platten auf Headhunter rund fünf Jahre bei Interscope, doch leider ging unser Verhältnis zu denen zum Schluss völlig den Bach runter. Wir wussten schon seit einer Weile, dass wir bei denen keine Priorität geniessen, und damit hätten wir auch umgehen können, aber das lief dann letzten Endes so, dass wir nicht mal mehr irgendwen telefonisch erreichen konnten, um zu besprechen, wann die neue Platte erscheinen soll. Das war völlig beschissen, uns waren die Hände gebunden. Es war total frustrierend und wir haben sie schliesslich gebeten, den Vertrag mit uns aufzulösen, was letztendlich ein Jahr gedauert hat. Schliesslich ließen sie uns gehen und wir waren richtig aufgeregt, denn plötzlich hatten wir unsere Freiheit wieder, konnten alles machen, was wir wollten. Wir unterhielten uns dann mit einer ganzen Reihe von Labels, auch mit anderen Majors, aber wir merkten sehr schnell, dass die Majors alle gleich sind und wir uns nicht sicher sein konnten, nochmal von vorne bis hinten gefickt zu werden."

Also gingt ihr zu Vagrant.

"Ja, sie waren von allen Labels am interessiertesten, sie waren die coolsten Leute und wir denken, dass sie auch in der Lage sind, für uns den besten Job zu machen. Und was auch noch ein wichtiger Aspekt ist: mit Vagrant machen wir nach dem Major-Deal nicht eine Stufe weiter unten weiter, auch wenn die natürlich viel kleiner sind als Interscope. Im Gegenteil: bei Vagrant arbeiten letztendlich mehr Leute für uns als bei Interscope, wo zwar 100 Leute im Büro saßen, aber nur ein oder zwei für uns tätig waren. Bei Vagrant dagegen stehen alle acht Leute, die dort arbeiten, hinter uns."

Nachdem Anfang der Neunziger der Trend dahin ging, dass mehr und mehr Bands aus unserer Szene bei Majors unterschrieben, habe ich seit zwei, drei Jahren das Gefühl, als habe sich der Trend umgekehrt, wobei sich gerade die größeren unter den Indie-Labels so weit professionalisiert haben, dass sie einer Band mindestens genauso viel bieten können wie ein Major.

"Das mag wohl so sein. Für uns war damals, als wir zu Interscope gingen, wichtig, dass wir mit deren weltweiter Vertriebsstruktur mehr Platten verkaufen würden. Und ja, das funktionierte auch, aber vor allem stand für uns im Vordergrund, endlich von unserer Musik leben zu können und nicht mehr blöde Nebenjobs annehmen zu müssen. Wir wollten nur noch Rock´n´Roll, vom morgens bis abends, wir wollten auf Tour gehen können so viel wir wollen. Unsere Vorstellung war, dass das Geld von Interscope es uns ermöglichen würde, uns völlig auf die Band zu konzentrieren, statt sie nur als wichtige Nebensache betreiben zu können. Eine Weile funktionierte das, aber dann fing es an schlechter zu laufen. Weisst du, die Majors arbeiten eben so, dass sie sehr viel Geld für dich ausgeben, und die wenigsten Bands schaffen es, dieses Geld wieder zu erwirtschaften. Wenn dieser Betrag dann eine bestimmte Höhe erreicht hat, machen sie für dich keinen Finger mehr krumm. Super frustrierend war etwa, dass die einfach nicht in der Lage sind, eine Sache auch mal etwas kleiner anzugehen. Etwa ein Poster: die wissen nicht, wie man sowas günstig macht, sondern die haben für die Posterproduktion eine Standardprozedur, die sie durchziehen, ganz gleich, ob das für eine Newcomerband oder für einen Top Act ist. So kostet dann das Poster zehnmal so viel wie nötig, was natürlich auf dem Ausgabenkonto der Band verbucht wird. Oder wir schlagen ihnen vor, eine Single mit ein paar alten Songs zu machen - und was machen die? Wollen die Single, die nur so als Geschenk für unsere Fans gedacht ist, mit hunderten von Promo-Copys an alle Radiostationen und Magazine verschicken, was bedeutet, dass damit von Anfang kein Geld verdient werden kann. Alles läuft völlig bürokratisch, und wenn eine Band nicht in ihre Maschinerie reinpasst, wissen sie nicht mehr, wie sie mit ihr umgehen sollen."

Das klingt ja grausam.

"Ist es auch, und ich bin darüber hinaus überzeugt, dass die Majors permanent nur abgezockt werden. Wenn die etwa ein Poster machen, zahlen die einfach grundsätzlich schon mehr als wenn ein kleines Label was bei dieser Druckerei machen lässt. Das frustrierende daran war, dass wir ja nicht blöd waren, als wir den Vertrag unterschrieben haben. Wir hatten einen sehr guten Vertrag mit Interscope, wir dachten, wir hätten die besseren Karten, aber bald lernten wir, dass der Vertrag, an dem ich, unser Anwalt und der des Labels monatelang gearbeitet hatten, wegen dem ich mich mit dem obersten Labelboss getroffen hatte, nicht mal sein Papier wert war. Die hatten zwar letztendlich alles unterschrieben, was uns wichtig war, doch schon nach ein paar Monaten merkten wir, dass der Vertrag überhaupt keine Bedeutung hatte, dass wir den genauso gut wegwerfen könnten. Das Spielchen ist ganz einfach: die haben das Sagen, und wenn du ein Problem mit ihnen hast, glaubst du etwa, du könntest es dir leisten, gegen sie vor Gericht zu gehen? Und so stellte sich heraus, dass die Zeit bei Interscope für uns verlorene Jahre waren."

Euer erster Release auf Vagrant war die Split-7" mit den GET-UP KIDS - was mich überrascht hat, denn ich denke, die GET-UP KIDS haben ein ganz anderes Publikum als ihr.

"Das stimmt, und ich glaube, es gibt auf der ganzen Welt gerade mal drei Leute, die beide Bands mögen, inklusive mir. Die Split-Single hat sich so ergeben, dass wir ein paar Shows mit den GET-UP KIDS gespielt haben und die Jungs einfach sympathisch fanden. Sie waren auch ein wichtiger Grund für unseren Wechsel zu Vagrant, denn wir haben gesehen, was Vagrant für sie getan hat, wie gut es für sie läuft - und dass wir uns ein Label wünschen würden, das mit uns so arbeitet. Die Split-7" ist nun eine Chance, mit unserer Musik auch mal Leute zu erreichen, die uns bislang nicht kannten. Das Cover ist cool, unser Song passt gut zu dem der GET-UP KIDS, und es ist unser erstes Lebenszeichen seit langem. Ausserdem haben ROCKET FROM THE CRYPT und die GET-UP KIDS mehr gemeinsam, als die meisten Leute denken."

Das würde ich auch so sehen: ich habe den Eindruck, dass es sich um Leute handelt, die völlig in ihrer Musik aufgehen, die gerne experimentieren und einen hohen Anspruch an ihre Arbeit stellen.

"Genau. Auch wenn das Resultat ein anderes ist, so ist sich unsere Mentalität sehr ähnlich. Und wenn man die beiden Bands mal aus etwas größerer Entfernung betrachtet, sind die Unterschiede noch viel kleiner: wir sind alle nur weisse Jungs aus den Vorstädten, die ihre Musik spielen."

Derek Hess hat zu euch das Cover-Artwork der aktuellen Ox-Ausgabe entworfen - dein Kommentar?

"Ich war begeistert, als ich deine eMail bekommen habe, in dem du mir davon erzählt hast. Ich finde es großartig, denn Derek Hess hat bislang noch nie was für uns gemacht, und so freut mich das ganz besonders, denn ich mag seine Arbeiten sehr und auch die Art, wie er versucht den Namen oder die Idee der jeweiligen Band in ein Bild umzusetzen.

Derek Hess kommt aus Cleveland, aus Cleveland kamen auch PERE UBU, und die hatten eine Vorgängerband namens ROCKET FROM THE TOMB - und dass deren Name fast so klingt wie ROCKET FROM THE CRYPT ist doch kein Zufall, oder?

"Haha, nein. ROCKET FROM THE TOMB ist in der Tat eine Vorgängerband von PERE UBU. Sie waren zwar noch nicht so gut wie PERE UBU, aber doch eine erstaunliche Band. Zu Lebzeiten haben sie keine Platte veröffentlicht, und alles was ich von ihnen besitze sind Liveaufnahmen und Aufnahmen aus einer Radio-Show, die Jahre später veröffentlicht wurden."

Und welche Rolle hat deren Name bei der Wahl eures Bandnamens gespielt?

"Nun, die Ähnlichkeit ist ja nicht zu leugnen. Weisst du, es fällt mir sehr schwer zu erklären, wie RFTC damals entstanden sind, und es ist auch nicht einfach zu verstehen. Wir waren damals, das war 1990, eine sehr ernsthafte Band mit ganz exakten Vorstellungen davon, was wir wollen und was wir nicht wollen. Wir haben uns damals ganz fest vorgenommen, niemals auf einer Bühne zu spielen, sondern immer nur auf gleicher Höhe mit dem Publikum. Und damals waren wir eigentlich auch nur eine Partyband, die sich in Tijuana in Mexiko gegründet hatte. Dort spielten wir unsere ersten Konzerte und Partys, später dann auch in San Diego, sofern es den beiden mexikanischen Mitgliedern der Band möglich war, sich irgendwie in die USA zu schmuggeln. Wir waren eine Band zum Spass haben, eine Band, die die Leute animieren sollte, bei diesem Konzert oder dieser Party so viel Spaß wie möglich zu haben und viel zu tanzen. Das war unser einziges Ziel, und wir verschwendeten keinen Gedanken an sowas wie auf Tour zu gehen oder daran, mal vor richtig vielen Leuten auf einer großen Bühne zu stehen, und das am Ende auch noch tausende Kilometer von unserer Heimatstadt entfernt. All das muss ich vorausschicken, wenn ich unseren Namen erklären soll: wir dachten nie daran, dass wir mehr als nur eine Partyband sein würden, die vor 150 guten Freunden spielt. Und ich habe damals keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich womöglich mal einem Journalisten auf der anderen Seite der Welt erklären muss, was wir da tun und was es mit dem Namen auf sich hat. Das muss man wissen, um verstehen zu können, was es mit ROCKET FROM THE CRYPT auf sich hat."

Und wie ging es damals für die kleine Partyband weiter?

"Die Sache entwickelte dann ihre Eigendynamik: wir gingen plötzlich auf Tour und nahmen Platten auf - und wir dachten überhaupt nicht mehr über unseren Namen nach, denn er ist das, was er ist: einfach ein Name. Wenn du eine neue Band kennenlernst und ihren Namen das erste Mal hörst, dann machst du dir noch darüber Gedanken, doch sobald du mit ihr vertraut bist, spielt er keine Rolle mehr, du denkst nicht mehr über seine mögliche Bedeutung nach, sondern assoziierst ihn mit dieser Band. Du sezierst ihn nicht, du stellst keine weiteren Vermutungen mehr darüber an. So ging es auch uns, wir haben quasi "vergessen", dass wir diesen Namen haben, den wir bei einer Band aus Cleveland, die es in den Siebzigern mal gab und deren Musik wir mögen, abgekupfert haben. Und dann fingen plötzlich Leute an, uns über diese Band Fragen zu stellen, und wir fingen an zu erklären, dass wir alle diese Band lieben und unser Name als Hommage an sie gedacht ist, als Hommage an die Geburtsjahre des Punkrock, an sein kreatives Potential."

Apropos früher Punkrock: du bist ein großer Fan von THE PACK, die Ende der Siebziger in München aktiv waren. Wie kam das denn?

"Das war ein Zufall, und ihr Album hat eine unglaubliche Produktion. Ich liebe diese Band. Die Platte habe ich mir nur deshalb gekauft, weil mir das Artwork so gut gefiel, das war ein reiner Glückstreffer, denn ehrlich gesagt gehe ich beim Plattenkaufen ungern ein Risiko ein: die Dinger sind teuer, ich kann es mir nicht leisten, etwas auf gut Glück zu kaufen. In diesem Fall war es ein sehr glücklicher Zufall. Eine andere deutsche Band, die mir auch sehr gut gefällt, sind übrigens PVC."

Ihr habt einen neuen Schlagzeuger: Mario Rubalcaba, der vorher bei BLACK HEART PROCESSION gespielt hat. Mich hat das überrascht, denn deren düsterer Sound ist doch was ganz anderes als euer furioser Rock´n´Roll. Wie kam´s dazu?

"Wer Mario von seiner Arbeit mit BLACK HEART PROCESSION kennt ist zu Recht überrascht, aber man muss wissen, dass er auch bei CLIKITAT IKATOWI gespielt hat, und dann ist die Entfernung nicht mehr ganz so groß, auch wenn ein großer musikalischer Unterschied zu ROCKET FROM THE CRYPT besteht. Hier in der Ecke jedenfalls waren CI ziemlich beliebt und sind heute beinahe schon legendär, was ich nachvollziehen kann, denn sie waren eine aussergewöhnliche Band. Mario war die treibende Kraft in dieser Band, mit seinem ganz eigenen Stil am Schlagzeug - er war wie ein Oktopus auf Amphetamin: Er spielt unglaublich schnell und haut unglaublich drauf beim Trommeln. Zudem ist er ein sehr kreativer Kopf, und ich habe bislang niemanden getroffen, der so spielt wie er, er ist sehr unkonventionell."

Oktopus ist dabei eine sehr interessante Bezeichnung für jemanden, der nur einen Arm hat.

"Naja, er ist halt ein einarmiger Oktopus. Jedenfalls hat Mario von Anfang an viel an neuen Ideen eingebracht. Sein Musikgeschmack deckt sich zu einem guten Teil mit meinem, und auch wenn das jetzt nicht genau trifft, was ich eigentlich meine, so muss ich trotzdem sagen, dass ROCKET FROM THE CRYPT durch ihn wieder "punkiger" klingen, rauher. Unser Sound ist jetzt offener, man kann die einzelnen Elemente besser erkennen als früher, als Adam noch trommelte. Und auch wenn er nur einen Arm hat, so haut Mario doch genauso hart drauf wie Adam - und der ist definitiv der am härtesten draufhauende Schlagzeuger der Welt. Du kannst dir sicher vorstellen, wie schwer es war, einen angemessenen Ersatz zu finden, jemanden, der die gleiche Menge Energie in die Band einbringt. Wir hatten zuvor 15 Leute ausprobiert, die aus allen Teilen der Welt kamen, die gute Referenzen hatten und denen wir den Job zutrauten. Doch so richtig passte keiner von denen, wir waren frustriert, dass wir keinen neuen Drummer finden konnten und hatten schon beinahe aufgegeben, als JC 200 mit der Idee ankam, es doch mal mit Mario zu versuchen. Jay spielte zu dieser Zeit auch bei BLACK HEART PROCESSION, und er meinte, wir sollten uns mal überraschen lassen. Mario wohnte zu der Zeit aber in Chicago und wir hatten keine Lust auf einen Schlagzeuger, der ein paar Flugstunden von uns entfernt lebt. Mario kam trotzdem vorbei, wir probten zusammen, und vom ersten Song an war ich begeistert. Er flog nach Chicago zurück, um sich mit seiner Freundin zu beraten, und eine Woche später rief er mich dann an und sagte, er werde nach San Diego ziehen, um bei uns zu trommeln. Und seitdem ist wieder alles phantastisch bei RFTC."

Du meinst, ihr hattet nach dem Ende eures Deals mit Interscope eine ziemlich schlechte Phase.

"Ja, das war schlimm. Da waren wir froh, aus unserem Knebelvertrag raus zu sein und wieder richtig Gas geben zu können - und dann lässt dich dein Schlagzeuger sitzen und du kannst immer noch nichts machen. Fuck! Das war echt beschissen."

Aber da hast du dich ja in letzter Zeit auch mit zwei anderen Bands getröstet: zum einen die HOT SNAKES, zum anderen die SULTANS. Kläre uns doch mal auf, was es damit auf sich hat. Übrigens erinnert mich die HOT SNAKES-Platte total an die WIPERS.

"Ha, mich auch! Ein paar der Songs sind schon ziemlich offensichtlich bei den WIPERS abgeschaut, das gebe ich offen zu. Sowieso sind die WIPERS eine meiner absoluten Lieblingsbands."

Schön - meine nämlich auch.

"Und weisst du, selbst auf den späteren Platten, ja auch beim letzten, finden sich mindestens zwei oder drei gute Songs. Gestört hat mich bei "The Power In One" eigentlich nur, dass Greg Sage da mit etwas zu viel Echo gearbeitet hat, das nicht "echt", sondern irgendwie digital klingt. Ich hätte mir gewünscht, dass die Platte etwas rauher klingt, eben wie die frühen Sachen. Ich liebe die WIPERS, und in der Tat hört man das bei den HOT SNAKES. Ich kenne Rick schon seit einer Ewigkeit: wir haben zusammen bei PITCHFORK und DRIVE LIKE JEHU gespielt, und auch davor schon waren wir gute Freunde. Wir ergänzen uns sehr gut, wenn wir zusammen Musik machen, und das Ergebnis ist dabei immer mehr als die Summe der Einzelteile. Als ich die HOT SNAKES ins Leben rief, dachte ich anfangs gar nicht daran Rick mit einzubeziehen, es war nur ein Studioprojekt von mir und Jason von DELTA 72. Er ist ein guter Freund, aber er wohnt in Philadelphia, so dass von Anfang an klar war, dass es keine "richtige" Band werden kann. Er kam nach San Diego, wir nahmen 20 Songs auf, und als wir dann den Gesang aufnehmen wollten, stellten wir fest, dass die Musik dadurch nicht besser wurde. Instrumental klang es einfach besser. Also ließen wir es dabei erstmal bewenden und ich schickte das Tape der Aufnahmen Rick, weil ich dachte, er würde gut dazu passen. Er war begeistert und dabei. Ich meine, wir waren seinerzeit sehr gerne in DRIVE LIKE JEHU, aber irgendwann nervte uns dann doch, dass die Songs alle so lang und kompliziert waren. Rick ist eigentlich eher ein Rock´n´Roller, und als er dann bei den HOT SNAKES dabei war, war die Sache plötzlich rund: sein Gesang passte perfekt. Dazu kommt noch, dass er mit der beste Texter überhaupt ist. Er schreibt völlig einzigartige Texte, aus einer aussergewöhnlichen Perspektive, und seit er dabei ist sind die HOT SNAKES eine Band: wir touren und es sieht so aus, als ob wir demnächst wieder aufnehmen werden."

Dann gibt´s da noch eine Band neben RFTC: die SULTANS.

"Ja, und unsere Platte ist auch gerade raus, auf Swami Recordings, meinem Label. Ich habe aber keinen richtigen Vertrieb, ich schalte keine Anzeigen und eine Website habe ich auch nicht, so dass es für die Leute nicht gerade leicht ist, an meine Sachen ranzukommen. Wie bei den HOT SNAKES - da ist das Album auf Sympathy For The Record Industry erschienen - läuft das mit den SULTANS eben so nebenher. Musikalisch ist es einfach nur Rock´n´Roll. Wir haben nur mit einem 8-Spur-Gerät aufgenommen, mit dem Ziel, die Vibes umzusetzen, die wir vom Hören der "Killed By Death"-Compilations bekommen, von Bands wie den MISFITS und den REAL KIDS. Wir wollen da zeitlosen, klassischen Rock´n´Roll spielen, und so klingt auch die Platte. Wir sind ein Trio, schon allein deshalb, um ganz unkompliziert auf Partys spielen zu können - und wir haben auch schon auf einem Highschool Dance gespielt sowie in einem Bowling Center. Es macht einfach Spaß an Orten zu spielen, die für uns irgendwie für die "Unschuld des Rock´n´Roll" stehen."

Wer ausser dir ist in der Band?

"Andy von RFTC spielt Gitarre, und Tony, ein guter Freund, spielt Schlagzeug und singt, und ich spiele Bass und singe."

Gibt´s Pläne, nach dem Release des Albums mal wieder mit RFTC nach Europa zu kommen?

"Ja, aber erst, wenn das Album in Europa veröffentlicht ist. Vagrant ist unser Label für die USA, und in Europa waren wir bislang auf Elemental, dem Label unseres Freundes Rick. Er macht Elemental aber nicht mehr, zumindest nicht unter dem Namen, und so weit ich weiss wird der Nachfolger Himalayan Records heissen. Das Problem ist, er ist derzeit in Indien, im Himalaya, und ich habe seit einer Weile nicht mit ihm gesprochen, so dass ich nicht genau weiss, wie seine Pläne mit uns sind. Fest steht nur, dass wir die neue Platte wieder bei ihm machen werden - und dass sie in Europa später erscheinen wird als in den USA, wo der Release-Date Anfang März ist. Als Belohnung für unsere europäischen Fans werden dafür vier Bonus-Songs enthalten sein."

Speedo, ich danke dir für das Interview.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #42 (März/April/Mai 2001)

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