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Interviews & Artikel

CONVERGE

Eine Herzensangelegenheit

Ich gebe es zu: So richtig ins Herz geschlossen habe ich die Wahnsinnigen aus Boston erst mit ihrem Album "You Fail Me" 2005, und erst danach "Jane Doe" oder "Petitioning The Empty Sky" wirklich entdeckt. Dennoch würde ich mir niemals anmaßen, die Musik der Band wirklich verstanden zu haben. Darum geht es aber auch nicht - CONVERGE gibt es seit 1991 und fast jede Platte, die die Band bisher gemacht hat, hat den Weg in meinen Plattenschrank gefunden, weil sie mich mit ihrem perfekten Chaos ganz einfach treffen, meiner inneren Wut Ausdruck verleihen, mich da packen, wo es für jeden ums Überleben geht - am offenen Herzen. Dabei investieren Jacob Bannon (Vocals), Kurt Ballou (Gitarre), Ben Koller (Drums) und Nate Newton (Bass) immer ganz viel eigenes Herzblut, halten sich dabei nur an die eigenen Regeln und schaffen einen Sound, der einzigartig ist. Kurz: CONVERGE sind Gefühl pur. Mit "No Heroes" gehen CONVERGE diesen Weg meisterhaft weiter und schreiben ein neues Stück Bandgeschichte. Heldentum lehnt die Band, wie der Albumtitel verrät, allerdings ab, sie hält derartige Vergötterung für falsch und schädlich. Da die Band leider zurzeit nicht auf Tour ist und Frontmann Bannon E-Mail-Interviews bevorzugt, habe ich ihm einige Fragen zur Band, seiner Person und dem neuen Album auf diesem Wege gestellt.



Ich habe nach eurem Release von "You Fail Me" gelesen, dass du dieses Album als die beste CONVERGE-Platte bisher bezeichnest. Kannst du erklären, wie du das gemeint hast, und wie zufrieden bist du demnach mit "No Heroes"? Was sagst du den Leuten, die eure neuen Platten immer noch an eurem "Jane Doe"-Album messen?


Ich denke, das ist alles ziemliches Klischeedenken. Als Band und als Künstler versuchen wir, CONVERGE immer mehr zu perfektionieren. Mit dieser Haltung versuchen wir stetig, unsere Musik weiterzuentwickeln und Musik zu erschaffen, die uns und den Menschen, die unsere Musik mögen, etwas bedeutet. Irgendwelche Albumvergleiche interessieren mich nicht. Das überlasse ich getrost den Kritikern. Mein Anliegen ist es, als Künstler weiterzukommen.



Jetzt mal eine wahrscheinlich ganz einfache Frage: Warum machen CONVERGE die Musik, die sie machen? Warum habt ihr euch für diese Art Musik und Sound entschieden?

Die Frage ist tatsächlich ganz einfach zu beantworten. Wir sind Fans aggressiver Musik. Als wir angefangen haben, Musik zu machen, haben wir einfach versucht, diesen Anspruch, den wir als Hörer an Musik hatten, in unserem eigenen Schaffen umzusetzen. Du machst eben einfach das, was du magst. Mit diesem Anspruch sind wir nun über 15 Jahre gewachsen. Viele haben versucht, uns zu klassifizieren oder in eine Schublade zu stecken, aber wir sind einfach, was wir sind, und machen, was wir lieben.



Habt ihr denn musikalische Vorbilder und gibt es Bands, die euren Sound beeinflusst haben?

Was den Kern unserer Musik betrifft, so haben wir auf jeden Fall musikalische Vorbilder. Bands wie ENTOMBED, THE ACCÜSED, STARKWEATHER, NEGATIVE APPROACH, GODFLESH, RORSCHACH, UNIVERSAL ORDER OR ARMAGEDDON, LED ZEPPELIN. Wenn du dich mit dieser Musik auskennst und sie verstehst, dann verstehst du auch CONVERGE.



Kannst du mir was zur Entstehung von "No Heroes" erzählen?

"No Heroes" ist im Gegensatz zu "You Fail Me" verdammt schnell fertig geworden. Während wir für Letzteres Jahre investiert haben, um Material zu sammeln, und alles bis zum Aufnehmen extrem überarbeitet wurde, haben wir für "No Heroes" viel weniger Zeit gebraucht. Es hat nur drei Monate gedauert, die Songs einzuspielen und alle unsere Ideen umzusetzen, und einen Song, "Heartache", hatten wir diesmal schon in roher Form ein Jahr vor der Arbeit an "No Heroes" fertig. Insgesamt liefen die Aufnahmen extrem glatt. Des Weiteren haben wir diesmal auf jegliche Hilfe von Außen verzichtet und wirklich alles in Eigenregie aufgenommen und produziert. Ich finde, das kann man auch durchaus hören. "No Heroes" hat eine Tiefe, Energie und Intensität, wie wir sie, meiner Meinung nach, nie zuvor auf einem Album hatten.



Der Albumtitel "No Heroes" ist ja als eine Art Statement zu verstehen, dass Menschen für ihre Selbstverwirklichung nicht Idolen oder Helden nacheifern sollten und speziell ihr als Personen und Band ebenfalls nicht diesen Status habt. Ist es nicht aber so, dass jeder, der auf einer Bühne steht oder anderweitig künstlerisch tätig ist, automatisch zu einer Art Held für andere Menschen werden kann? Wenn dieses Schaffen einen positiven Einfluss auf das eigene Handeln hat, kann das doch nicht falsch sein, oder wie siehst du das?

Ich denke, die Menschen sollten das Schaffen anderer ruhig anerkennen und schätzen, aber es nicht verehren und sich anhand dessen irgendwelche Idole schaffen. Als wir anfingen, uns an der Hardcore-Szene zu beteiligen, haben wir Bands auf der gleichen Ebene unterstützt, und wenn du auf der Bühne warst und das Publikum gesehen hast, war es so, als würdest du in den Spiegel schauen - die Bands und diejenigen, die sie unterstützen, waren eins. Heute geben sich viele Leute in der Szene völlig teilnahmslos und nehmen eine Hierarchiebildung, die von kreativen Marketingstrategen entwickelt wurde, einfach billigend in Kauf. Hardcore und die Gemeinschaft von einst wurde von dieser Mentalität durchsetzt. Wir sehen uns als Antithese zu diesem Ansatz nach dem Prinzip: "Substance over stardom, heart over hollow!"



Bei dem Song "Grim heart/black rose" singst du ja zum ersten Mal, also brüllst nicht nur. Wie kam denn die Idee zustande?

Die erste Hälfte von "Grim heart ..." hat Jonah Jenkins, der ehemalige Sänger von ONLY LIVING WITNESS und MILTOWN und jetzt von RAW RADAR WAR, gesungen, die andere Hälfte singe ich. Als wir das Demo aufnahmen und ich noch etwas am Text arbeitete, habe ich mir nur seinen Gesang angehört und für mich mitgesungen. So kam ich auf die Idee, den Song zu zweit zu singen und in zwei Parts aufzuteilen. Jonah und die anderen Jungs fanden die Idee gut und so ist das rausgekommen. Inzwischen ist "Grim heart ..." einer meiner Lieblingssongs.



Kannst du was zur Entstehung von Deathwish Records erzählen? Was war die Intention, das Label zu gründen, und warum sind CONVERGE von Deathwish erst zu Equal Vision und nun zu Epitaph gewechselt?

Deathwish habe ich 2000 mit meinem engen Freund Tre McCarthy gegründet. Wir wollten unser eigenes Label, vor allem um selbstständig das machen zu können, was wir wollten, ohne uns auf andere angewiesen zu sein, das heißt vor allem Unabhängigkeit von finanziellen und richtunggebenden Vorstellungen irgendwelcher anderer Labelchefs. Inzwischen haben wir 60 Titel herausgebracht - von HOPE CONSPIRACY, MODERN LIFE IS WAR, BLACKLISTED, CURSED und vielen anderen. Was CONVERGE betrifft, so haben wir einige Sachen auch auf Deathwish rausgebracht. Beispiele dafür sind die Wiederveröffentlichung von "Unloved And Weeded Out", welches 1995 erstmals auf Tres erstem Label rauskam und unsere DVD "Long Road Home". Im letzten Jahr haben wir begonnen über Epitaph unsere Alben auch als Vinyl zu veröffentlichen, aber mit Epitaph arbeiten wir schon seit 2004 zusammen und das ist eine tolle Erfahrung für uns. Der Weggang von Equal Vision war für uns essentiell, da zwischen uns und dem Label nicht mehr die gute Atmosphäre bestand wie zu Beginn unserer Zusammenarbeit 1997. Wir brauchten ein Label, das uns als Band besser versteht und Brett und Nick von Epitaph tun das vor allem auf musikalischer Ebene. Bisher sind wir sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit.



Kannst du dir vorstellen, je mit CONVERGE aufzuhören?

Wir werden so lange weitermachen, so lange wir etwas zu sagen haben.



Du bist sehr stark tätowiert. Wann hast du damit angefangen und entwickelst du die Vorlagen dafür selbst?

Damit angefangen habe ich mit 15 und sie sind alle von vielen verschiedenen großartigen Tätowierern, zum Beispiel Mike und Don Lussier, Adam Barton, Grez, Thomas Hooper, Jef Whitehead. Was die Vorlagen angeht, so sind die Sachen sozusagen in kreativer Zusammenarbeit mit den Tätowierern entstanden.



Du gestaltest die Albencover von CONVERGE selbst, entwirfst Grafiken und malst auch. Zeichnest du noch viel mit der Hand oder schon alles am Computer? Was hältst du von dem Begriff "Low Art", mit dem Künstler wie du, Derek Hess oder Aaron Horkey kategorisiert werden?

Einen Großteil meiner Sachen zeichne ich immer noch mit der Hand, aber einige meiner letzten Sachen sind auch rein digital entstanden. Das geht schneller und manchmal ist man am Rechner einfach flexibler. Aber ich arbeite gern mit verschiedenen Medien und lege mich nicht wirklich fest. Was solche Genrebezeichnungen wie Low Art angeht - da kümmere ich mich nicht drum, da Genres oder Kategorien noch nie etwas Positives gebracht haben. Ich bin nur ein Künstler, das ist alles. Weil meine Arbeit sich mit Musik, visueller Kunst und Schreiben beschäftigt, könnte man das wohl noch am besten "Life Art" nennen, da das alles ist, was mein Leben ausmacht.



Arbeitest du auch noch nebenbei in einem ganz normalen Job, oder reichen das Label, CONVERGE und deine Kunst zum Leben?

Meinen Lebensunterhalt bestreite ich in erster Linie durch künstlerische Auftragsarbeiten. Von Deathwish bekomme ich kein Geld und die Band muss eher Geld ausgeben, wenn wir auf Tour gehen, als dass wir welches daran verdienen würden. Zudem ist ja auch das ganze Equipment nicht billig.



Was für Musik hörst du privat?

Zu Hause höre ich eigentlich kaum Musik. Meistens höre ich bei der Arbeit Musik, aber das ist es dann auch. In letzter Zeit höre ich am liebsten Bands wie HOLOCAUST, DIAMOND HEAD, LED ZEPPELIN, JESU und HAMMERS OF MISFORTUNE.

Carsten Hanke

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #70 (Februar/März 2007)

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