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Interviews & Artikel

DISFEAR

Wir brauchen eine wärmere Welt!

Ich werde oft gefragt, wann ich eine Band "gut" finde. "Wenn sie mich berührt", antworte ich für gewöhnlich. So geschehen beim neuesten Output der schwedischen DISFEAR, die seit 1989 den Hardcore-Untergrund unsicher machen und sich vom alten DIS-Sound zu einem treibend rockenden Powerhouse zwischen MOTÖRHEAD und ENTOMBED zu Deathrock-Zeiten entwickelt haben, wobei eine gehörige Prise Crust für die nötige Brutalität sorgt. Hinzu kommt eine hervorragende Gesellschaftsanalyse, die treffender nicht sein könnte und aus der Feder von Tomas Lindberg stammt, in der Metal-Gemeinde wahrscheinlich als AT THE GATES- und LOCK-UP-Schreihals bekannt, unter Punks wohl eher als Ex-SKITSYSTEM- und noch THE GREAT DECEIVER-Frontmann. Es wurde also Zeit, mal mit ihm einige Gedanken über das aktuelle Album "Live The Storm" auszutauschen.



D wie DICTIONARY.

Wenn ich im Online-Wörterbuch nach DISFEAR suche, erhalte ich als Antwort: "Kein Eintrag". Im angeschlossenem Forum wird aber auf eine gleichnamige Band verwiesen und der Tip gegeben, diese einfach mal zu fragen. Wie sieht es also aus? Ist der Name einfach eine weitere Verbeugung vor den allmächtigen DISCHARGE? Passt das eigentlich noch zu eurer Musik, die sich doch weit vom DIS-Sound der Anfangstage entfernt hat?

Ja, der Name stammt in der Tat aus den Anfangstagen der Band. Und es stimmt, er hat keine bestimmte Bedeutung. Ich war damals noch nicht dabei, aber, soweit ich weiß, ist er natürlich durch die alten schwedischen und UK-DIS-Bands inspiriert. Der Sound der Band hat sich im Laufe der Zeit schon verändert, aber es war nie ein Bruch da, so haben wir den Namen einfach gelassen, da er im Hardcore-Underground ja auch etabliert ist.



I wie INFLUENCES

Nach "Misanthropic Generation" ist Uffe Cederlund von ENTOMBED zu euch gestoßen. Wie groß ist eigentlich sein Einfluss auf die Band? "Live The Storm" klingt schon etwas nach dem fantastischen ENTOMBED-Album "Too Ride, Shoot Straigth And Speak The Truth." Oder gehe ich zu weit?

Jeder bei DISFEAR hat irgendwie Einfluss auf die musikalische Richtung der Band. Dass Mr Ulf jetzt dabei ist, war wirklich für uns alle inspirierend und hat den Sound deutlich erweitert. Wir haben aber trotzdem versucht, der groben Richtung der Band treu zu bleiben, aber die größten Veränderungen sind sicher sein großartiges Gitarrenspiel und sein Sound. Aber auch wenn er einige der Songs jetzt geschrieben hat, finde ich nicht, dass "Live The Storm" so sehr der "To Ride"-Scheibe ähnelt, die ich übrigens auch sehr schätze.



S wie SOUL

Als ich das erste Mal "Live The Storm" hörte, war ich begeistert. Aber erst nach dem Lesen der Texte hat mich die Platte wirklich berührt. Die Texte sind hochpolitisch, sehr präzise und treffen in puncto "Gesellschaft" mein Gefühl sehr gut. In meinem Leben gab es immer wieder Songs, die für meine Art zu leben und zu denken direkt verantwortlich sind, zum Beispiel "No more pain" von EMBRACE mit Ian MacKaye. Ist dir eigentlich klar, welche Macht Songtexte haben können? Oder hast du auch mal Angst, dass Leute Aussagen wie "Free from all the norms" auch missverstehen können?

Erst mal vielen Dank für die netten Worte, weil mir meine Texte sehr wichtig sind. Ich glaube schon, dass ich in einer Position bin, in der ich Menschen inspirieren kann, gegen die Dinge, die in der Welt falsch laufen, vorzugehen. Ich würde mich selbst verraten, wenn ich das nicht tun würde. Die Texte sind sehr politisch gehalten, aber ich wollte diesmal mehr Denkanstöße geben als auf "Misanthropic Generation", wo die Texte doch sehr nihilistisch und düster waren. Was ich mache, ist, dass ich von einem Thema oder Gefühl, das die Musik des Songs bei mir auslöst, ausgehe und dann nach Lösungen suche, die menschlich und sozialistisch sind. Ich glaube nicht, dass das wirklich falsch zu verstehen ist oder irgendwer deshalb gewalttätig wird; es geht mir am meisten um die Wahrnehmung der Probleme und den persönlichen Denkanstoß für den Hörer.



F wie FICTION

Du kritisierst ja zu Recht viele soziale Missstände. Wie würde denn deine Welt aussehen, wenn du sie gestalten dürftest?

Was wir brauchen, ist eine wärmere Welt, in der menschliche Werte wie Solidarität eine echte Bedeutung haben. Grundsätzlich natürlich die Abschaffung des kapitalistischen Übels und der Konsumgesellschaft, hehe. Generell geht es darum, die richtigen Fragen den richtigen Leuten zu stellen, den wirklichen Führern, den multinationalen Managern, und von ihnen die grundsätzlichen Menschenrechte einzufordern. Zumindest mal als Anfang ...



E wie EXHAUSTION

DISFEAR gibt es seit 1989. Ihr habt alle damals in verschiedenen Bands angefangen, und wenn mich nicht alles täuscht, tourt ihr auch heute noch im Van und schlaft auf dem Fußboden bei Freunden und nicht im Nightliner und in Hotels. Seid ihr schon mal an dem Punkt gewesen, alles hinzuschmeißen?

Für uns ist das der Weg, den wir gehen wollen. Es ist ein großer Spaß und echt. Es geht natürlich auch darum, dass wir an den D.I.Y.-Hardcore-Untergrund glauben. So haben wir alles unter Kontrolle und das letzte Wort. Wir haben natürlich Menschen, die zum Beispiel das Booking für uns übernehmen, aber das sind alles alte Freunde, auf deren Fußböden wir zum Teil auch schon geschlafen haben, hehe. Im Ernst, diese Art zu touren macht unglaublich viel Spaß und schlägt eine Nightliner-Tour um Längen.



A wie AMERICA

DISFEAR waren gerade auf einer ausgedehnten US-Tour. Seid ihr in Amerika mittlerweile größer als in Europa? Welchen Rolle spielt denn da euer Relapse-Deal?

Bei Relapse zu unterschreiben, hat sich als eine gute Idee herausgestellt. Wenn du mich fragst, haben sich für uns viele Türen geöffnet und wir mussten trotzdem nicht alle Brücken hinter uns abbrechen. Bei einem Label wie Relapse können Bands wie DISFEAR immer noch die Dinge so machen, wie wir sie uns vorstellen, sie haben Verständnis für unseren D.I.Y.-Ansatz. Wir haben viel in Amerika getourt und es scheint sich bezahlt zu machen. Ich glaube, wir haben in Europa immer noch eine große Anhängerschaft und wir werden im Herbst wieder dort unterwegs sein. Wir sind sehr glücklich mit dem, was wir als Band erreicht haben. Und wie wir es erreicht haben. Großartige Zeiten und große Möglichkeiten, die sich uns eröffnet haben.



R wie REVOLUTION

Auf "Live The Storm" geht es viel um Revolution und Veränderungen. Glaubst du wirklich daran? Wenn ich mich umschaue und all die Menschen sehe, die mit Arbeit und Glotze zufrieden sind und sich einen Scheißdreck um andere kümmern, bin ich da nicht so zuversichtlich.

Es geht darum, nie aufzugeben, oder? Das ist zumindest das Konzept des Albums. Egal, wie düster und bedrückend die Welt ist, es gibt doch immer irgendwo Hoffnung. Vielleicht muss es alles erst noch schlimmer kommen, bevor die Menschen reagieren. Aber wenn wir jetzt aufgeben würden, gäbe es für mich überhaupt keinen Grund weiterzumachen. Ich könnte nie einer der Zombies werden, die du beschreibst, und Politik ist mir einfach sehr wichtig. Doch, ich glaube, dass wir Veränderungen erreichen können.

Ollie Fröhlich

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #79 (August/September 2008)

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