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Interviews & Artikel

MR. IRISH BASTARD

Wegbereiter in Abwesenheit

Eindeutiger Name, Instrumentierung und Optik ebenso. Auf den ersten Blick scheint alles klar: Folkpunk irischer Prägung mit bekannten Melodien und Texten über Guinness. Doch weit gefehlt! Natürlich spielen MR. IRISH BASTARD folkigen Punk der Marke POGUES und vor allem mit allerhand Klischees, an den entscheidenden Stellen sind sie aber nicht so typisch, wie vermutet. Der Traditionen bewusst, ist es für die Dame und die Herren wichtig, sich durch diese nicht selber zu beschränken und den Blick nach vorn zu wahren und über den eigenen Tellerrand zu schauen. Auf die tolle Debüt-EP "St. Marys School Of Drinking" folgte Anfang dieses Jahres der erste Longplayer "Bastard Brootherhood", wieder auf dem bandeigenen Label Reedo. Auf diesem zeigt die Band ihre ganze Klasse, begeistert durch mitreißende Songs auf internationalem Niveau, der Daumen zeigt durchweg steil nach oben. Allerhöchste Zeit also, hinter die Kulissen zu blicken und der Band auf den Zahn zu fühlen. Die gemeinsame Shamrock Clash Tour mit FIDDLER'S GREEN und BLOOD OR WHISKEY bot den passenden Rahmen, um mir ein umfassendes Bild zu verschaffen. Zwischen Soundcheck und Nightliner entwickelte sich ein angenehmes Gespräch mit der kompletten Band, die um ihre Stärken weiß und Spaß mit Tiefgründigkeit vereint.


Ein kurzer Lagebericht zur aktuellen Tour bitte.

Die Stimmung ist super und alles läuft sehr gut. Dummer Ivo ist erst seit vier Gigs dabei und hat sich schon super rein gefunden. Er bringt neuen Drive mit und wir haben hier echt Spaß! Es ist der Hammer, wir sind noch nicht lange dabei und fahren schon mit dem Nightliner übers Land - das war immer unser Traum. Geht Schlag auf Schlag zurzeit, wir wissen das aber einzuordnen. Wir geben stets unser Bestes und es ist toll, wenn die Leute deine Texte mitsingen und zu deiner Musik abfeiern. Na, und hier auf der Tour herrscht tolle Stimmung unter den Bands, wir klauen uns gegenseitig das Bier, treiben Späße und genießen on the road die Leichtigkeit des Seins. Abends feiern wir dann alle auf der Bühne, kein Problem mit so guten Sparringpartnern. Es war eine gemeinsame Idee mit der Tour, wir Bands hatten ähnliche Vorstellungen. Heute haben wir versucht, den Kopf mal frei zu bekommen, waren shoppen, laufen und duschen! Jetzt freuen wir uns auf den Gig, waren ja noch nie hier ...

Wer ist bei euch "Irish" und wer der "Bastard"? Wie kommt man im Westfälischen auf die Idee, das Erbe der POGUES anzutreten und mehr als nur den lokalen Pub zu rocken?

"Irish" bin ich aufgrund meiner irischen Eltern, die nach Deutschland emigriert sind und ich bin auch der "Bastard". Wer mich aber kennt, weiß, dass ich ganz nett bin, haha! Mir wurde natürlich durch meine Eltern die keltische Kultur in die Wiege gelegt, bei den anderen gibt es, außer der Liebe zur Musik und den leckeren Getränken, keine großen Bezüge zur Insel. Unser Name steht für eine gewisse Dualität, ist ein Pseudonym. Die Probleme, die es auch in Irland gibt, wirken aus der Ferne betrachtet anders. So spielen wir mit unserem Bandnamen schon in gewisser Weise mit der irischen Kultur. Angefangen hat das alles schon vor 17 Jahren, als wir eher zufällig Punk und Folk mischten, und waren schon, bevor das Genre richtig startete, dem Sound der POGUES nahe. Das Ganze dauerte aber nur kurz, erst seit drei Jahren gibt es uns als "richtige" Band. MIB wurde als Punkband gestartet, wir hatten immer die Clubs und das jeweilige Publikum im Auge, eine Pub-Band sind wir nicht! Wir hatten anfangs großes Glück, als die LEVELLERS uns auf eine Sechs-Länder-Tour mitnahmen, das war der Hammer und hat echt geholfen. Ein Glücksfall ist auch die Freundschaft zu FIDDLER'S GREEN, wir pushen uns gegenseitig, und sind natürlich in deren Fahrwasser unterwegs ...

Die punkige Variante irischer Volksweisen ist wieder up to date. Eure Eindrücke hierzu, welche Rolle spielt ihr dabei, welche spielen gewisse Klischees?

Einerseits hast du die Originale wie die POGUES, andererseits gibt es zig Bands, die nur Kopie von der Kopie sind. Zum Beispiel die DROPKICK MURPHYS, die halt Traditionals verrocken. Alles super, aber wer braucht schon zehn Bands, die das Gleiche tun? Da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Wir bedienen schon die Klischees, haben richtig Spaß daran. Es gibt aber mehr Themen, als immer nur über das nächste Bier zu singen. Man ist ja auch Künstler! Wir haben den Anspruch, mit neuen, aktuellen Themen unsere Szene voranzubringen. Die Originale hatten ihre Zeit und Themen und wir, als legitime Erben, sollten schauen, was um uns herum passiert! Wir spielen in einer winzigen Nische, welche Rolle wir darin ausfüllen, müssen andere entscheiden: die Leute auf Konzerten, die Internetgemeinde und die schreibende Zunft.

Klar, Sounds der POGUES und der bekannten Bands aus Boston haben den Weg in euren gefunden, welche weiteren führten zum "Bastard-Sound"?

Es ist bei uns so, dass jeder andere musikalische Faves hat, die sich dann auch irgendwo im Sound wiederfinden. Wir haben immer so Phasen - im Tourbus laufen gerade 1980er-Sachen, auch mal PANTERA oder NEW MODEL ARMY. Ich hab da immer ein gewisses Bild vor meinem inneren Auge, erinnere mich an früher. Wenn ich SOCIAL DISTORTION höre, denke ich immer: Wow, dieses Feeling! So lässt sich sicher einiges in unserem Sound wiederfinden. Es ist aber nicht so, dass wir sagen, so muss das jetzt klingen. Es kommt eher von selbst. Durch unsere Instrumente ist der Sound ein wenig vorgegeben, es soll sich auch jeder einbringen. Viele Bands scheuen auch Kategorien. Zwar wissen die Leute dann, was sie bekommen, andererseits beschränkt man sich aber auch in seiner künstlerischen Freiheit, vor allem, wenn man versucht, genau dem Genre-Sound zu entsprechen. Oftmals hilft es aber schon, um auf den Weg zu kommen - man erkennt aber schnell, dass es über das eigene Genre hinaus weit mehr zu entdecken gibt!

Ihr bewegt euch innerhalb einer überschaubaren Szene. Wie sind die Kontakte, Erfahrungen innerhalb dieser, wie mit "szenefremden" Bands? Gibt es Überschneidungen zu anderen Projekten?

Wir probieren bei neuen Songs auch immer Neues aus, wechseln den Produzenten, versuchen, andere Instrumente einzubauen, und fragen befreundete Musiker an. Es ist so, dass wir von Anfang an mit Musikerkollegen zusammen gearbeitet haben, etwa FIDDLER'S GREEN. Neben unserer Band hat keiner andere Projekte laufen, der Focus liegt ganz klar auf MIB. Mit dem Genre ist es so, dass den meisten Celtic-Rock-Bands die Eier fehlen, der Mut, mal etwas Neues auszuprobieren. Sei es nur, Songs zu covern, die nicht schon zigmal nachgespielt worden sind. Vor ernsten Themen schrecken viele zurück, das Genre zensiert sich selber. Aber gerade mit Blick auf aktuelle Geschehnisse können wir es schaffen, relevant zu bleiben!

Obwohl ihr traditionelle, handgemachte Musik spielt, nutzt ihr die modernen Möglichkeiten zur Selbstdarstellung konsequent aus. Ein Widerspruch, Mittel zum Zweck oder Begeisterung für das Neue?

Also, Irland ist ein durchaus modernes Land, im Kern traditionell, aber fortschrittlich und liberal in vielen Dingen. Das Land hat es geschafft, wieder auf die Beine zu kommen, und bietet mehr als grüne Wiesen. Natürlich gibt es dunkle, aber auch lichte Momente - schau dir Dublin an: pulsierend und dynamisch. Im Musikbusiness gibt es neue Realitäten, die konservativen Musiklabels befinden sich in einer Art Leichenstarre, die Musik hat sich an ihnen vorbei entwickelt. Die neuen Medien und Plattformen sind die Freiheitserklärung für jeden Musiker! Bei MySpace hoffe ich einfach, dass Herr Murdoch richtig bluten musste, um alles zu finanzieren. Mit Reedo haben wir unser eigenes Label, und Rough Trade als Vertriebspartner. Es ist für uns wichtig, dass wir überall verfügbar sind, also auch via Amazon und über Download-Portale. Noch wichtiger aber ist, live richtig zu rocken! Wir wollen die Musik nach vorne bringen, uns nicht selber beschränken, weil wer meint, dies wäre erlaubt und das nicht! Klar, an den POGUES kommen wir nicht vorbei, aber wir leben heute, nicht gestern und mit neuen Möglichkeiten.

Wo hilft euch der Punk-Spirit, wovor schützt er euch etwa bei bandspezifischen Entscheidungen? D.I.Y. scheint immer häufiger die Antwort auf das aktuelle Szenegeschehen zu sein. Punk lebt also 2008 aktiv weiter, auch für euch?

Punk ist nicht tot, riecht nur so ... Der Begriff ist nicht mehr zeitgemäß, es sind die Ideale, die für uns gelten. D.I.Y. ist für mich Punk. Wir haben uns auch erst durch Punk gegründet. Die Nahrungskette im Business steht Kopf. Früher war es super, auf einem Label zu sein, heute muss man sich das schon genau überlegen. Nachher war es sowieso falsch und die Presse zerreißt einen - toll! Kein Wunder also, dass viele versuchen, unabhängig zu sein. Ein Label bedeutet gewisse Sicherheit, aber auch enge Strukturen, die nicht ohne weiteres durchbrochen werden können. Ich finde es legitim, dass man als Künstler angemessen entlohnt werden sollte. Wir haben auch überlegt, auf Vinyl zu veröffentlichen, aber wir fragen uns, ob das wirklich jemand kauft, wir müssen ja überleben. "Nice to have", aber für uns momentan leider zu teuer.

Nun, was liegt euch noch am Herzen, wohin soll die Reise mit der Band mal hingehen, die grüne Insel wollt ihr doch sicher entern, oder?

Ich frage mich, ob in Irland wirklich jemand auf uns wartet. Da spielen jeden Abend genügend Bands, wer will da eine deutsche POGUES-Kopie hören? Nimm mal FLOGGING MOLLY, die waren da auch, vergleichsweise viel gerissen haben die aber nicht. Interessanter wäre es für uns, als Blaskappelle in Bayern aufzuspielen, haha. Es ist oft der Charme des Fremden und die Bilder, die dadurch hervorgerufen werden, Fernweh und so ... Die Amis sind immer ganz heiß auf irisch klingende Bands, denken dabei an das "alte Europa", haha. Auch ist nicht jeder Ire so wie in den Liedern, klar einige Klischees passen, aber es gibt da eben mehr als Pubs! Wir spielen überall, wo man uns hören und sehen will. Der Focus liegt auf Europa, wir kommen von hier, wir sind hier näher dran.

Lars Weigelt

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #79 (August/September 2008)

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