Interviews & Artikel : SKA PACK - VOL. 4 :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

SKA PACK - VOL. 4

Conquering Ruler, Rat Race, Pork Pie: Ska-Labels aus Deutschland

In dieser Ausgabe möchte ich mich drei deutschen Labels widmen, denn die Rubrik "Ska Pack" soll nicht nur eine reine Plattform für Ska-Bands sein, sondern sich auch für die Leute der Ska-Szene im Hintergrund interessieren, vor oder hinter der Bühne, die sich darum kümmern, dass wir hierzulande von Zeit zu Zeit neue Bands zu hören oder zu sehen bekommen, als Plattform dienen.


Noch ziemlich frisch riechen die 7"-Vinyl-Pressungen von Conquering Ruler Records (CRR). Das Skinhead-Reggae-Label wurde im Frühjahr 2006 in einem kleinen Dorf bei München von Michael Schmitt gegründet, der zwischen 2003 und 2007 das Conquerer-Fanzine herausgegeben hat.

Mittlerweile agiert Michael mit Unterstützung seiner Freundin Sandra von München-Haidhausen aus. Beide studieren noch, Michael Geodäsie und Geoinformation, Sandra Kommunikationsdesign. Das Label ist ein Hobby, ein Plus-Minus-Null-Geschäft. Die musikalischen Vorlieben liegen beim Rocksteady, "wie er 1968 auf Jamaika seinen Höhepunkt erlebt hat, aber auch klassischer Skinhead-Reggae, etwas Roots-Reggae und guter Original-Ska", fernab der modernen Interpretation, die man gerne unter derselben Schublade feilbietet. Aber auch Soul, Glamrock, Punkrock, Oi!, Britpop werden gerne gehört. Die Labelvorbilder sind klar. "Einmal das nicht mehr existente Black Pearl-Label aus Deutschland, das in den 90ern zahlreiche sehr gute Bands aus den Bereichen Ska, Reggae, Soul und Britpop auf 7"-Vinyl veröffentlicht hat, und zweitens das spanische Label Liquidator, das seit Jahren die Creme de la Creme der spanischen und internationalen Early Reggae-Szene veröffentlicht und stets Wert auf Vinyl legt."

Das erste 7"-Vinyl machte Michael mit den EXPLORERSZ aus Frankreich, die unter dem Pseudonym THE BALDHEADS eine Single unter die Leute bringen wollten. Weitere folgten. "Zur Zeit besteht eine fruchtbare Zusammenarbeit mit THE UPSESSIONS aus Amsterdam und King Django aus New Jersey." Außerdem ist eine Produktion mit den LOS GRANADIANS aus Spanien im Gespräch. Bisher veröffentlichten CRR lediglich 7"-Vinyl. In Zukunft soll es aber auch EPs oder LPs geben. "Vinyl first!", auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass es irgendwann auch mal eine Compilation auf CD gibt. "Primäres Veröffentlichungsmedium bleibt die klassische Schallplatte. Antrieb ist die Liebe zu Musik und Vinyl, wie auch der Wille, authentischen Rocksteady und Early Reggae weiterleben zu lassen." Und wer pflegt nicht gerne Kontakte zu Bands, die man selbst großartig findet?!

Bereits etwas länger im Geschäft ist das Label Rat Race Records (RRR), gegründet im Jahr 2000 in Lübeck von Marc Metzler. Im letzten Jahr ist man nach Hamburg gezogen und seitdem wird Marc tatkräftig von seiner Frau Ulrike unterstützt. "Die Entstehung von RRR ist auch mit meiner Mitarbeit am Zoff-Fanzine zu sehen." Labelmachen gleich Fanzinemachen, so sieht es Marc, der ansonsten seine Zeit mit seinem Sohn beim Fußballspielen verbringt und seine Brötchen bei einem Kinovermarkter verdient. "Das ermöglicht mir den finanziellen Freiraum, Geld ins Label zu stecken." Marcs bevorzugte Musik ist Uptempo-Ska und Artverwandtes. Orientierung für RRR fand er bei den Labels 2Tone und Pork Pie. "Von Pork Pie stammt meine erste Ska-Platte ‚Ska, Ska, Skandal Nr. 1‘."

Die ersten Produktionen auf RRR waren SCHWARZ AUF WEISS, DAS KARTELL, AREA 52 und THE AMPHETAMEANIES, die soeben eine neue 4-Song-EP mit dem Titel "Goodbye Boyfriend" veröffentlicht haben. Die letzten Veröffentlichungen waren mit HAMMERHAI, Joe Viterbo und Stanley Head alias Jonny Belinda. Neben dem Debütalbum der AMPHETAMEANIES verkaufte sich vor allem der CD-Sampler zum sechsjährigen Bestehen des Rosslauer Ska-Festivals mit am besten, auch wenn Marc am liebsten Vinyl veröffentlicht. Für Marc waren und sind aber alle Platten auf RRR wichtig. Schließlich arbeitet er nur für Bands, für die er "brennt", deren Musik ihn berührt und wo auch das menschliche Miteinander stimmt. Mit einigen wenigen Ausnahmen kennt er die Bands schon sehr lange persönlich. All die positiven Erfahrungen müssen über die Jahre überwogen haben, denn: "Labelmachen bedeutet auch viel drögen Verwaltungskram. So steht bei mir demnächst eine Betriebsprüfung der Künstlersozialkasse an, bei der ich die Buchführung der letzten fünf Jahre offen legen muss. Dazu kommt Päckchen packen, Rechnungen anmahnen und GEMA-Meldungen schreiben. Kompensiert wird das alles durch das Kennenlernen vieler toller Menschen, die zu Freunden geworden sind. In meinem Berufsalltag bewegt sich nichts ohne finanzielle Anreize. Da ist es für mich umso wichtiger zu sehen, dass Dinge auch aus Begeisterung, Glaube und Spaß an der Sache entstehen. Zudem ist es ein großartiges Gefühl, nach wochen- oder monatelanger Arbeit und Planung endlich die fertige Platte in den Händen zu halten und zu sehen, ob meine Faszination von anderen geteilt wird und was daraus weiter entstehen kann." Wie zum Beispiel die anstehende Zusammenarbeit mit dem deutschen Ska-Dinosaurier Pork Pie. In Kooperation mit Pork Pie, genauer gesagt dem neu gegründeten Sublabel Flat Daddy Records, wird RRR Mitte August das neue Album von NO LIFE LOST auf Vinyl präsentieren, während Flat Daddy Records die CD-Version produzieren wird.

Womit wir jetzt beim wahrscheinlich wichtigsten deutschen Ska-Label Pork Pie angelangt sind. 1989 von Matthias "Matzge" Bröckel in Berlin gegründet, gibt die erste Veröffentlichung, der Sampler "Ska, Ska., Skandal Nr. 1", einen Überblick über die damals aktiven deutschen Ska-Bands, die vielleicht ohne diesen Sampler nur einem elitären Kreis echter Hardliner dieses Genres vorbehalten geblieben wären. Durch diese Zusammenstellung erhielten Bands wie EL BOSSO & DIE PING PONGS, NO SPORTS, THE BUSTERS oder SKAOS eine Reichweite, die Ska aus Deutschland international zu dem verhalf, was er heute in der Club- und Festivalszene ist. "‚Ska, Ska, Skandal Nr. 1‘ ist inzwischen die meist verkaufte Platte auf Pork Pie und hat weltweit Kultstatus erreicht", berichtet mir Matzge und fügt hinzu: "Selbst japanische Rudeboys, die jünger sind als das Pork Pie-Label selbst, kennen die Bands vom ersten Skandal-Sampler." Neben dem Label betreibt Matzge noch den Musikverlag Fab Squad Publishing, "der sich um die Promotion und sonstige Belange von Bands kümmert", um damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

"Das erste so genannte ‚One-Artist-Album‘ war ‚Catchthisbeat‘ von SKAOS. Dann kamen Bands wie BAD MANNERS, THE TOASTERS, THE BUSTERS, EL BOSSO & DIE PING PONGS und viele andere. SKAOS haben bis zum heutigen Tag alle Alben auf Pork Pie veröffentlicht. Mit allen genannten Bands ist Pork Pie auch nach wie vor gut befreundet, das heißt, wir würden jederzeit auch wieder zusammenarbeiten, wenn es sich ergeben würde." Neben dem "Ska, Ska, Skandal"-Sampler soll vor allem das internationale Pendant "United Colours Of Ska" nicht vergessen werden. "Es gibt eben auch eine neue Generation von Bands, mit denen wir aktuell arbeiten. Zum Beispiel THE VALKYRIANS aus Finnland oder DALLAX aus Japan. Dazu gesellen sich deutsche Bands, deren Musik inzwischen sozusagen zu einem ‚guten Tröpfchen‘ gereift ist, wie beispielsweise YELLOW UMBRELLA oder BENUTS." Heute wie damals entscheidet der persönliche Geschmack von Matzge, ob er eine Band ins Labelprogramm aufnimmt oder nicht. "Ich möchte auf Pork Pie nur Sachen rausbringen, von denen ich wirklich überzeugt bin. Darüber hinaus soll Pork Pie ein Label sein, das sich bewusst auf Ska beschränkt, so dass die Leute eine Art Orientierung haben."

Nun steht aber Matzge nicht nur auf Ska und andere Arten von "Street Music". Deshalb hat er seit nicht allzu langer Zeit ein neues Label am Start, das sich anderer Musik widmet, die seiner Meinung nach wert ist, gehört zu werden. "Flat Daddy Records ist einfach etwas breiter angelegt, was das musikalische Spektrum anbelangt, um solchen Bands gerecht zu werden, bei denen Ska nur einen Teilbereich ihrer Musik abdeckt." Und deshalb wird die neue CD von den Hamburgern NO LIFE LOST bei Flat Daddy Records veröffentlicht. Zur Labelpolitik grundsätzlich merkt Matzge an: "Wir versuchen immer ein Maximum an Qualität zu bringen. So werden Sampler wie ‚United Colors Of Ska 4.0‘ oder der ‚Skandal‘-Fußballsampler mit erheblichem Aufwand produziert. Monatelange Recherche, keine Resteverwertung von ausgelutschten Songs, exklusive Neuaufnahmen, aufwändige Covers und Booklets, teures Mastering, um die unterschiedlichen Sounds besser anzugleichen", das alles steht hinter Pork Pie.

Und Matzge weiß sich auch für all die Mühen ausreichend zu belohnen. "Es gibt immer wieder erstaunlich tolle Bands und natürlich großartige Konzerte und Partys. Außerdem macht es immer wieder Spaß, sich für die Promotion neue Ideen auszudenken. So zum Beispiel die Geschichte mit dem Noisy Cooking. Da haben DALLAX vor der eigentlichen Show ein japanisches Sechs-Gänge-Menü vom Feinsten gezaubert, nachzusehen unter noisycooking.de." Und wem das immer noch nicht reicht, dem sei gesagt: "Wir haben ja nix anderes gelernt." Für das große Jubiläum im kommenden Jahr, das 20-jährige von Pork Pie, ist Matzge bereits am Planen. Mal sehen, was er sich für diesen denkwürdigen Anlass an unterhaltsamen Promotionideen überlegen wird. Wenn es soweit ist, werden wir uns ein weiteres Mal mit ihm in Verbindung setzen.

Im nächsten Ox stelle ich euch drei wichtige deutsche Ska-Festivals vor. Ausführliches wird es geben zum Potsdamer Ska-Festival, dem Ska-Festival in Rosslau sowie dem Riverside Stomp Open Air-Festival in Mainz.

Simon Brunner

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #79 (August/September 2008)

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