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Interviews & Artikel

TIGHT FINKS

Punk-Hop Schwyz

Auch im ausklingenden Jahr 2008 lebt der "Spirit Of '77" weiter, soviel steht fest! Nicht ganz unschuldig daran sind zweifelsohne die schweizerischen TIGHT FINKS, die locker beweisen, dass guter klassischer Punkrock weder Rockstar-Allüren noch Pro-Tools braucht - eher gutes Songwriting und Charakter! Davon haben die Songs der drei Eidgenossen eine Menge, bisher vier kurzweilige Alben untermauern dies, allen voran das aktuelle Werk auf Subversiv Records: "A Handful Of Cheap Tricks". Eingängig, kompakt und schön straight kommen die Songs daher, die durch ihre Folk-, Pop- und R'n'R-Elemente nur allzu gerne über den Punkrock-Tellerrand schielen. Musik ist das eine, die Menschen dahinter mir persönlich noch viel wichtiger! Keine Frage, allerhöchste Zeit, über die steilen Flanken der Schweizer Berge zu schauen und die drei kurz vor ihrer gemeinsamen Tour mit den ADICTS zum Interview zu bitten. Avarel (Drums/Vocals), Jamous T.B. (Guitar/Vocals) und Bix (Bass/Vocals) bilden also diese kleine "Drei-Akkorde-Hitmaschine", sind zudem angenehme (Z)Eidgenossen und ständig auf der Suche nach dem perfekten Punkrock-Song. Wer also auch 2008 nicht ohne klassischen Punk kann, Musik ohne "Cheap Tricks" will, sollte folgende Zeilen genau studieren. Wer denkt, dass nach 1978 sowieso keine guten Punkrock-Songs mehr geschrieben wurden, erst recht!



Bevor wir zum neuen Album kommen: Wie fühlt es sich für euch an, für die ADICTS zu eröffnen? Schon von der Affinität zu zuckersüßen Melodien her, gibt es ja eine Verbindung untereinander - auch menschlich?

Avarel: Wir wurden in der Vergangenheit oft mit den ADICTS verglichen. Zweifelsfrei haben wir viel von ihnen gelernt und sie hie und da hemmungslos bestohlen. Mit ihrer Musik, die auf mich immer sehr konstruktiv und fröhlich wirkt, haben sie sich im riesigen Punk-Genre eine eigene Nische geschaffen. Mit ihnen unterwegs zu sein, ist für uns, wie könnte es anderes sein, eine große Ehre. Ihre Musik reflektiert unbestritten die Charaktere, die hinter der Band stecken, überlegte, aber fröhliche Leute. Das gefällt mir! Wir hatten das Glück, sie zweimal zu treffen, und beide Male entstanden daraus lustige, angeregte und bereichernde Abende. Ich hoffe, dass unsere gemeinsame Woche all das noch verstärken wird. In welcher Hinsicht auch immer.



Wie viel "Spirit Of '77" steckt denn, über die Musik hinaus, in euch? In welcher Tradition, Bands, Outfit und vor allem inhaltlich, seht ihr euch da?

Bix: Sicher eine ganze Menge: das fängt bei unseren Plattensammlungen, und in puncto Outfit sind wir eigentlich auch im Alltag so unterwegs, wie man uns von Fotos und Konzerten her kennt - was uns hier in der Schweiz auch des Öfteren schiefe Blicke beschert. Vieles in unserem Leben ist den Ur-Punk-Ideen, den berühmten drei Buchstaben D.I.Y. verpflichtet, kurz: "Spirit Of '77" - ja, gerne. Ewiggestrige, zurückgebliebene Nostalgiker - nein, danke!



So, nun aber zu den "Cheap Tricks"! Was ist dabei neu, was bewährt und vor allem: seid ihr zufrieden damit?

Avarel: Neu sind die zwölf Lieder, was aber so nicht stimmt, denn zwei davon haben wir ja im letzten Jahr auf einer 7" veröffentlicht. Und bevor du jetzt fragst; ja, wir haben die beiden Lieder nur des Geldes wegen nochmals auf die Platte geknallt - das ist auch ein neuer, sehr billiger Trick! Aber der scheint zu funktionieren ... Ein weiteres Novum sind sicherlich die vielen Gastmusiker, die uns behilflich waren und zum reichhaltigen Instrumentarium beigetragen haben. Einmal mehr bewährt hat sich, sämtliche Kompositionen und Arrangements ganz alleine zu bewerkstelligen, sowie unser Tontechniker, Simon Cattin, der uns seit "You And ..." 2002 begleitet. Durchaus lassen sich einige schöne Momente auf der Platte finden. All diejenigen Sachen, die wir an den Songs bereits heute wieder ändern würden, sollen Ansporn genug sein, um das Nachfolgewerk zu ermöglichen.



Wie seht ihr selbst die neuen Songs, die weit mehr als das Herunterspielen bewährter '77er-Sounds sind? Interessant wird die Sache durch die Instrumentierung und der Offenheit für andere Musikstile - wolltet ihr schon immer in die Richtung?

Avarel: Nirgendwo sonst wird die eigene Kreativität so gefordert und gefördert wie in diesem Genre. Das muss Punk dürfen, aber auch sollen! Für viele stellt '77er Punkrock etwas Absolutes dar, das gewissen Regeln unterworfen ist - ein Widerspruch in sich! Für uns ist er vielmehr ein Garant für sämtliche Narrenfreiheiten. Zugegeben, ich bin anfällig für Pomp und Pop. Wenn die beiden anderen nicht wären, würde ich ohne schlechtes Gewissen unsere Lieder noch mehr aufbauschen und schminken. Zu guter Letzt haben wir unseren Songs das Gesicht gegeben, welches ihr Charakter verlangt, sie dementsprechend instrumentiert und als Punk angeboten. Während der letzten 13 Jahre sind wir halt auch gereift und haben schließlich das getan, wonach uns war. Man darf nicht vergessen, dass Punk auch schon über 30 ist und es wäre doch nichts als fragwürdig, wenn er sich innerhalb dieser Zeit nicht weiterentwickelt hätte? Das ist meine persönliche Erwartung an ihn und unser eigenes Schaffen.



Ich muss gestehen, dass ich euch erst im Zuge des neuen Outputs entdeckt habe, so muss ich es wohl formulieren, denn wie es scheint, sind die Schweizer Berge für Punk-Acts schwer zu überwinden, oder wie ist euer Eindruck?

Bix: Gerade bei unserem kleinen Orchester hättest du schon häufiger Gelegenheit, Konzerte auf deutschem Boden oder auch in 16 weiteren Ländern Europas zu besuchen, also nix mit hohen Bergen! Das Problem der meisten Bands hier ist eher, dass sie es entweder gar nicht erst versuchen oder dann aber große Mühe haben, Kontakte ins Ausland zu knüpfen, was ja jedoch auch in Deutschland und überall sonst ein Problem ist.



Welche Schätze gibt es im "Swiss Underground" derzeit zu heben?

Eigentlich gibt es eine ganze Menge guter Bands mit "internationalem Potenzial", wie etwa THE JACKETS, THE GOGO GHOULS, THE FUCKADIES oder THE BUDGET BOOZERS aus der Garagen-Ecke, UNHOLD oder BLOWN für die Freunde der härteren Gangart und für die Cowgirls und -boys sicher SLAM & HOWIE und ZENO TORNADO & THE BONEY GOOGLE BROTHERS.



"Muss es denn gerade Punkrock sein?" Wie steht euer persönliches Umfeld zur Band? Thema: erwachsen werden und/oder Flucht aus dem Alltag.

Bix: Ja, es muss Punkrock sein, ganz sicher nicht ausschließlich, aber bei jedem von uns war Punk der Initialzünder, um das zu werden, was er heute ist. Unser Umfeld ist mit uns erwachsen geworden, weiß, wie viel uns die Band, die Musik und das Musikmachen bedeuten, und hat uns deshalb auch immer in allem unterstützt. Eine Flucht aus dem Alltag ist es vielleicht in dem Sinne, dass wir alle dank der Musik ein Leben gewählt haben, welches uns vor einem grauen Alltag in irgendeinem Büro verschont, dies mit allen Vor- und Nachteilen, die ein solches Leben mit sich bringt. Wobei die Vorteile meiner Meinung nach haushoch überwiegen!



Was wollt ihr mit den TIGHT FINKS noch erreichen, was habt ihr schon erreicht?

Avarel: Die Band hat es mir ermöglicht, im Kleinen das zu erleben, was die ROLLING STONES tagtäglich erleben. Ob es erstrebenswert ist, kann ich nicht sagen, aber ich möchte diesen Weg weitergehen.

Jamous: Ich konnte viele Länder und Clubs sehen, viele coole Leute treffen - das ist doch eigentlich schon mal ganz genial. Eine Hoffnung wäre definitiv, mit der Musik ein bisschen mehr Geld zu verdienen, damit die Proberaummiete, die Ersatzsaiten und all die Trommelstöcke durch die Band bezahlt werden könnten. Das wäre fein ...

Lars Weigelt

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #80 (Oktober/November 2008)

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