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Interviews & Artikel

WEDNESDAY 13

Auf Geisterjagd mit dem Schockrocker

Ein echter Horrorfan lebt für seine Leidenschaft. Reisen zu Horror-Conventions oder Originalschauplätzen von Filmdrehs sind das Normalste der Welt für echte Grusel-Nerds. Einer davon ist Wednesday 13. Von oben bis unten mit Horror-Charakteren tätowiert, macht der Sänger der FRANKENSTEIN DRAG QUEENS, der MURDERDOLLS und seiner erfolgreichen eigenen Band WEDNESDAY 13 keinen Hehl aus seiner Leidenschaft für das Übernatürliche. Echte Geister allerdings sind Herrn Dreizehn auch noch nicht untergekommen. Dem sollte Abhilfe geschaffen werden, denn eine echte Geisterjagd stand auf Wednesdays Tourprogramm. Mitten in der Nacht wollte sich der Sänger in das von Geistern heimgesuchte Oxford Castle in England wagen, nur begleitet von einem erfahrenen Geisterjäger und einigen wackeren Journalisten. Vorher jedoch gelang es uns, W13 einige Antworten zu seinem aktuellen Longplayer "Skeletons" zu entlocken, der passend zum Anlass des Treffens etwas ernster ausgefallen ist als die reinen Horror-Trash-Werke der Vergangenheit.


"Ich habe ‚Skeletons‘ in einer Zeit geschrieben, in der ich kontinuierlich betrunken war. Ich hab mich in mein Zimmer gesetzt, Jack Daniels und Cola getrunken und bis fünf Uhr früh Songideen aufgenommen. Morgens wusste ich nicht mehr, was ich komponiert hatte, und war beim Abhören sehr überrascht von den ernsten Texten. Die Worte waren ehrlich und spontan und kamen von tief in mir. Vielleicht gerade, weil ich sie durch den Alkohol quasi unbewusst aufgenommen habe", erinnert Wednesday sich. Doch das war auch das einzige Positive an den Unmengen an Alkohol, wie der Sänger zugibt. Nach einem Gespräch mit dem seit 25 Jahren trockenen Alice Cooper reifte sein Entschluss, sich ganz vom Feuerwasser zu verabschieden. "Ich fühlte mich immer mehr so, als würde ich in ein tiefes, schwarzes Loch fallen und wurde immer unkontrollierter. Meine Texte zu lesen, machte mir auch irgendwie Angst. Das Album hat mich also quasi gerettet." Auch auf die Konzerte wirkt sich die neue Nüchternheit positiv aus, realisiert der Sänger heute, und gibt zu, sich vorher mehr auf die Party nach der Show gefreut zu haben, als auf den Gig selbst.

Nach dem ungewöhnlichen Aufnahmeprozess war es ein langer Weg, bis "Skeletons" schließlich das Licht der Welt erblickte. Man sprach mit verschiedenen Labels und schließlich war mehr als ein halbes Jahr ins Land gezogen, bis die neuen Songs endlich die Fans erreichten: "Die Stücke sind trotzdem neu für mich und natürlich habe ich mich daran längst nicht satt gehört", erklärt das Dreadlock-Monster, "es gab allerdings einige Business-Entscheidungen zu treffen, bis das Album erscheinen konnte. Unter anderem die, dass ‚Skeletons‘ in den USA nicht mehr in normalen Plattenläden erscheint, sondern nur noch in der Szene-Shop-Kette ‚Hot Topic‘. Im Prinzip mache ich jetzt alles selbst, denn Labels werden immer unwichtiger, während der Vertrieb immer wichtiger wird. So ist das Album in ganz Amerika für sieben bis neun Dollar erhältlich und ich behalte alle Rechte, anstatt dass ein Label Geld macht, und die Kids - wie früher - bis zu 18 Dollar für die CD bezahlen."

Eine sicherlich kluge, wenn auch langwierige Entscheidung, die in Europa allerdings nicht durchzusetzen war. Hier ist Wednesday neuerdings Label-Kollege alter Hair-Metal Bands wie TWISTED SISTER, WASP oder den Glam-Rockern HANOI ROCKS: "Meine größten Einflüsse sind KISS und Alice Cooper", erläutert W13, "Ich passe also ganz gut dahin. Außerdem lassen Demolition Records mir die Möglichkeit, jedes Jahr ein Album zu veröffentlichen, genau wie es diese Bands in den 70ern auch gemacht haben, anstatt eine CD alle drei Jahre."

Und trotz aller neuer Ernsthaftigkeit auf seinem Werk, gibt es auch bei Wednesday schließlich weiterhin die Party-Kracher, die den Geist von KISS, Alice Cooper oder TWISTED SISTER atmen: "Natürlich liebe ich weiterhin den humorvollen Aspekt von Horror, ich bin ja jetzt kein komplett anderer Mensch. Stücke wie "All American massacre", "Scream baby scream" oder "Not another teenage anthem" sind genau solche Grusel- und Splatter-Tracks, wie auf den vorherigen Alben", freut sich der Sänger, der auch in Zukunft definitiv nicht zum depressiven Düster-Rocker mutiert. Im Gegenteil, Wednesday sieht es sogar ganz positiv, dass "Skeletones" ein viel härteres und aggressiveres Album ist, als seine Vorgänger "Fang Bang" und "Transylvania 90210" und er freut sich auf die Shows, bei denen er Material jeder Scheibe spielen und sowohl die wilde als auch die ernsthafte Seite seiner Musik ausleben kann. Wie üblich, werden dabei die zahlreichen Look-Alikes im Publikum erwartet, die Wednesday gleichen wie ein Ei dem anderen.

Mittlerweile gibt es in England sogar eine Band namens THE TEXAS DRAG QUEEN MASSACRE, die wie eine Kopie von W13s Truppe wirkt und genauso klingt. "Sie behaupten allerdings, dass sie nicht von WEDNESDAY 13 oder meiner alten Band THE FRANKENSTEIN DRAG QUEENS FROM PLANET 13 beeinflusst sind", lacht der Sänger, aber freut sich ansonsten über Bands, die durch ihn inspiriert wurden: "Ich war doch genauso als Kid. Ich hörte Alice und KISS und wollte so werden wie sie. Und wenn das anderen so mit mir geht, dann ist das toll. Wenn dir einer sagt: ‚Hey, ich habe jetzt meine eigene Band und wir spielen Horror-Rock, weil ich jahrelang deine Musik gehört habe‘, dann kann man da doch nicht böse sein".

Die MISFITS allerdings - obwohl dieser Vergleich immer wieder kommt - waren laut W13 nie eine Inspiration. Im Gegenteil, der Rocker aus Arizona beschäftigte sich erstmals richtig mit der Band, als seine eigenen ersten Songs in der Presse mit dem New-Jersey-Vierer verglichen wurden. "Ich hörte ‚Halloween‘ und hasste den Song. Doch ein paar Jahre später habe ich ein neueres Album der MISFITS angetestet und war beeindruckt. Danach checkte ich noch mal die Danzig-Ära-Songs an und fand auch die plötzlich richtig geil. Da waren meine Drag-Queen-Zeiten allerdings schon Geschichte, so dass mein Sound definitiv nicht von den MISFITS beeinflusst wurde." Wer richtig hinhört, wird wirklich schwer Gemeinsamkeiten zwischen WEDNESDAY 13 und den MISFITS finden, einmal abgesehen von einer Vorliebe für Horror.

Da liegt der Alice Cooper-Vergleich schon eher auf der Hand. Sogar auf Tour durften W13 und seine Truppe den Schock-Oldie begleiten: "Das war eine riesige Ehre. Witzig war allerdings auch, dass wir als Band vor einem total anderen Publikum gespielt haben als sonst. Sie waren viel älter als unsere Fans. Und ich hab mich totgelacht, dass ein Typ wie Alice Cooper sich auf der Bühne hängen lässt, Babys tötet und andere Gruseleffekte einbaut, aber wir einfach nur unsere Show gemacht haben und die Leute waren trotzdem total schockiert. Einfach, weil wir so sind, wie wir sind. Das ist uns noch nie passiert. Und wir haben echt viele neue Fans seitdem."

Doch der Erfolg auf der Bühne wird laut dem Bandleader noch dadurch in den Schatten gestellt, dass er sein Idol wirklich als Mensch kennen lernen konnte, man zusammen Essen ging, über verschiedenste Themen diskutierte und Wednesday sogar viele Tips vom Meister persönlich bekam. "Der Typ ist doppelt so alt wie ich", erzählt W13 beeindruckt, "er begeistert noch immer die Leute, er klingt super auf der Bühne und ich sagte ihm, ich hoffe, dass ich in seinem Alter an dem Punkt bin, an dem er ist."

Heute, nach dem Weggang des ersten W13-Line-ups mit Piggy, Kidkid und Ghastly, hat Wednesdays Band keine feste Konstellation mehr. Immer wieder kommen und gehen Gitarristen, Drummer und Bassisten. Zu oft gab es Eifersüchteleien und kreative Differenzen, so dass W13 nun alleiniger Bandleader und Interviewpartner ist - und natürlich als Einziger der Band in den Genuss einer Horror-Tour kommt ...

Anlässlich der bevorstehenden Geistertour, blüht der Horror-Rocker richtig auf, denn eine ähnliche Tour am Tag zuvor führte W13 in ein Feuerwehrhaus in Sheffield, dass angeblich von Geistern heimgesucht wird, aber eine einzige Enttäuschung darstellte. "Das Schloss in Oxford ist wenigstens eine echte Festung, erbaut im Jahr 1071, in der wirklich Leute starben und die später als Gefängnis genutzt wurde", freut sich Wednesday, "Vielleicht werden wir ja wirklich von einem Geist überrascht ..."

Der Wille, sich auf übernatürliche Phänomene einzulassen, war also bei allen Beteiligten durchaus gegeben, auch wenn sich das Oxford Castle als runderneuertes Gemäuer mitten im Stadtzentrum entpuppt und somit immerhin von Außen kaum echten Gruselfaktor bot. Als kleine Gruppe, nur mit Taschenlampen ausgestattet und angeleitet von erprobten Geisterjägern, stellte sich allerdings auch schnell die entsprechende Stimmung ein. Stockdunkle Räume, teilweise mit Wachsfiguren ausgestattet, taten ihr Übrigens, um irgendwann leichtes Unwohlsein aufkommen zu lassen und die Möglichkeit von Erscheinungen nicht mehr auszuschließen. Sogar der erfahrene Gruselrocker sah das ähnlich und spürte hier und da einen unerklärlichen kalten Hauch und die ganze Gruppe glaubte Geräusche zu hören, die objektiv nicht zu erklären waren.

Stunden nach Mitternacht allerdings war die Luft wirklich raus und das anschließende Gläserrücken entlockte den meisten Anwesenden nur noch ein Gähnen, auch wenn es stilecht in der gruseligen und düsteren Krypta des Oxford Castles stattfand, wo schon einige Menschen das Zeitliche gesegnet hatten. Wednesday selbst allerdings ließ sich nicht entmutigen und versuchte bis zum unspektakulären Ende zusammen mit drei Mitstreitern, das Glas zum Wandern zu bewegen. Doch trotz der Tatsache, dass kein Geist seine Aufwartung machte, zieht der Horrorfan ein positives Fazit: "Es war wirklich eindrucksvoll und manche Dinge auch ziemlich gruselig. Aber an Geister glaube ich trotzdem weiterhin nicht ..."

Thorsten Wilms

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #80 (Oktober/November 2008)

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