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Interviews & Artikel

STRIKE ANYWHERE

Seit zehn Jahren unterwegs in Sachen Menschlichkeit

Zweieinhalb Jahre sind vergangen seit „Dead FM“, dem letzten Album von STRIKE ANYWHERE. Da müsste doch bald mal ein neuer Longplayer anstehen, oder? Wir waren neugierig und schnappten uns auf der letzten Tour, die STRIKE ANYWHERE im Vorprogramm von RISE AGAINST bestritten,-Sänger Thomas Barnett, um ihn über den Stand der Dinge zu befragen.

Als ich heute nach Berlin gefahren bin, hatte ich die schlimmsten Befürchtungen. Das Konzert wurde von einem 1.500-Leute-Saal in eine 3.000er-Halle verlegt. Ist das der Preis für den Support-Deal bei RISE AGAINST?

Ja, ist es wirklich. Aber weißt du, RISE AGAINST gehen damit sehr bescheiden um. Sie sind aufgeregt und vor allem sehr überrascht. Und so geht es uns auch. Das ist schon toll, denn eigentlich sind wir ja Shows in dieser Größenordnung – außer auf Festivals – wirklich nicht gewohnt. Heute Abend war es wundervoll. Wir haben uns voll akzeptiert gefühlt, obwohl uns bestimmt die meisten Leute überhaupt nicht kannten. Wir wollten niemanden zu Tode langweilen und haben dann auch nicht zu lange gespielt, aber die Verbindung zwischen Band und Publikum war total klasse. Normalerweise spielen wir ja in Jugendzentren oder in kleinen Punk-Schuppen. Da sind dann meist Leute anwesend, die unsere Texte besser kennen als wir selbst. Hier ist potenziell die neue Generation einer Gegenkultur anwesend, die herkommt, um sich RISE AGAINST anzusehen, und wir freuen uns sehr, da ein Teil von zu sein. Da sehe ich schon eine Chance, den Leuten Ideen in ihr Bewusstsein zu pflanzen.

Siehst du über die Jahre einen Unterschied bei den Leuten, die zu euren Konzerten kommen?

Das hängt schon sehr stark davon ab, welche Art Shows wir spielen. Wenn wir unsere eigenen Shows spielen, kommen natürlich hauptsächlich unsere Freunde und Leute, die uns schon kennen. Wir sehen da auch neue Gesichter, aber im tieferen Punk-Untergrund – wo wir ja eigentlich herkommen – trifft man seltener neue Leute. RISE AGAINST-Fans sind nicht nur zum Party machen hier. Klar, die springen schon umher und so weiter, aber da geht noch etwas in ihrem Bewusstsein vor, was aktiviert werden will. Ich glaube, dass man auch bei einer Show wie dieser radikale Ideen verbreiten kann, und dass die Show für die Kids mehr ist, als bloß Stagediven.

Denkst du, dass ihr hier das richtige Publikum für eure Ideen findet?

Weißt du, jedes Publikum ist eigentlich das richtige Publikum. Bei einem Punk-Konzert im Kato oder Wild At Heart weiß man doch, wie’s abläuft, und eigentlich feiert man doch nur seine eigene kleine Gemeinde. Wir haben als Vorbereitung auf diese Tour eine Woche in kleinen Clubs gespielt. Unter anderem auch in Prag im 007 Club, was ein wirklich superkleiner Untergrundschuppen ist, und da haben wir dann unsere neuen Songs vor lauter Aktivistengruppen und einer internationalen Punkrock-Gemeinde ausprobiert. Aber diese Kids hier, die meisten Leute hier wissen bestimmt nichts von dieser Szene. Aber heute Abend haben wir wieder auf solche Gigs hingewiesen und so können wir dazu beitragen, solche Sachen zu verbreiten. Das tun wir nun schon in den ganzen zehn Jahren unserer Bandgeschichte.

Macht sich der mit dem letzten Album erfolgte Wechsel von Jade Tree zu Fat Wreck dabei irgendwie bemerkbar?

Nein, das glaube ich eigentlich nicht. In manchen Städten ist es so, dass immer nur die Hardcore-Kids kommen, während es in anderen Städten nur die Punks sind. Das ist über die Jahre organisch so gewachsen und wir können das gar nicht so genau zurückverfolgen. Unsere Platten unterscheiden sich ja auch nur geringfügig voneinander und wir haben uns bestimmt nicht so sehr verändert, wie manche andere Band. Wir waren eigentlich immer beim gleichen Label, bis man uns sagte, sie könnten nichts mehr für uns tun und wir sollten doch woanders hingehen. Der Markt ist sehr hart geworden, insbesondere durch die zunehmende digitale Verbreitung der Musik. Auf der einen Seite finden wir es toll, wenn unsere Songs in Ländern gehört werden können, in denen es niemals die Hoffnung gibt, dass Tonträger dort überhaupt verbreitet werden können. Leute in Südostasien und in Südamerika kommen so in Kontakt mit unserer Musik, ohne unsere Platten kaufen zu müssen, und das ist schön. Zur gleichen Zeit bleiben aber mehr und mehr Labels auf der Strecke, sogar die besten Labels, die von den besten Typen geleitet werden, haben es immer schwerer. Es wird halt immer härter und es gibt nicht mehr diese Untergrundkultur, die in sich selbst bestehen kann.

Was habt ihr vor, wenn ihr wieder zu Hause seid?

Wir haben ja heute Abend schon zwei neue Stücke gespielt und wenn wir wieder zu Hause sind, gehen wir ins Studio und beginnen mit der Arbeit an der neuen Platte, die dann hoffentlich irgendwann im September oder Oktober 2009 erscheinen wird. Wir haben parallel seit einem Jahr am neuen Album gearbeitet und eigentlich sind die Songs alle fertig. Aber meistens kommen die besten Ideen ganz am Ende und manchmal sogar erst kurz, bevor es ins Studio geht. So ging es uns beispielsweise mit „Sedation“ vom „Dead FM“-Album. Den Song haben wir wirklich erst am Tag vor dem Beginn der Aufnahmen geschrieben.

Eine Frage muss ich dir natürlich noch stellen. Amerika hat jetzt einen neuen Präsidenten. Seid ihr zur Wahl gegangen?

Ja, sind wir. STRIKE ANYWHERE besteht zwar fünf unterschiedliche Charaktere, aber in diesem Punkt waren wir uns einig. Wir wissen natürlich, dass ein neuer Präsident alleine keine wirklichen Veränderungen bringen kann, weil die wahre Macht nicht vom Präsidentenbüro ausgeht. Es sind ja immer die großen Wirtschaftskonzerne, die die Geschichte für lange Zeiten bestimmen. Und das Wahlsystem in Amerika – mit all diesen Wahlmännern – ist furchtbar undurchsichtig und kompliziert. Aber: Wir haben am Vorabend der Wahl bei uns zu Hause eine Show gespielt und da sind unglaubliche Dinge passiert. Wir kommen ja aus dem tiefsten Süden, mit seiner Geschichte der Sklaverei, und in dieser Nacht sind plötzlich alle Menschen durchgedreht und tanzend raus auf die Straße gerannt. Weiße, Schwarze, Latinos. Totaler Wahnsinn. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben nicht gesehen. Natürlich ist unser politisches Zwei-Parteien-System totale Scheiße, es gibt immer noch Kriege und soziale Ungerechtigkeiten und natürlich ist Obama nicht der Messias, aber es ist immerhin gut, dass wir jetzt einen intelligenten Präsidenten haben, der vielleicht auch nicht bösartig ist. Veränderungen können nur durch die Menschen kommen, aber jetzt interessieren sich plötzlich Leute für Politik, die seit Ewigkeiten nicht zur Wahl gegangen sind. Sie nehmen wieder am politischen Leben teil und auch wenn Obama versagt, haben wir alle gewonnen, denn viele Menschen wollen wieder partizipieren.

Christoph Lampert

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #83 (April/Mai 2009)

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