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Interviews & Artikel

SUPERSUCKERS

Gepriesen seien die Götter des Rock’n’Roll

An diesem Abend, an dem die großartigen SUPERSUCKERS im Vorprogramm von NASHVILLE PUSSY im Kölner Underground spielten, ging bei der Interviewplanung einiges schief. Wir waren um sieben Uhr mit Mister Eddie Spaghetti, der das Quartett aus Tucson, Arizona seit 21 Jahren anführt, für eine Stunde vor dem Auftritt verabredet. Zu dieser Zeit gab er aber noch ein anderes Interview, so dass wir um eine halbe Stunde Wartezeit gebeten wurden, die wir mit Kioskbier vertrödelten. Man vertröstete uns dann aber auf einen Termin im Anschluss an das Konzert. Nach dem Konzert war Eddie, der sich wie gewohnt mit Cowboyhut und verspiegelter Porno-Sonnenbrille präsentierte, in Feierabendstimmung und wirkte recht „Rockstar-like“, was ich nicht erwartet hätte. Doch das legte sich nach einer Weile, so dass wir über das sehr gelungene siebte Album „Get It Together“ sprechen konnten.

Bei eurem Auftritt hat mir sehr gut gefallen, dass ihr viele Songs vom neuen Album gespielt habt. Ich habe allerdings nicht erwartet, dass ihr „Sunset on a sunday“ spielt, eine recht pop-lastige Nummer.

Das ist tatsächlich ein lupenreiner Pop-Song.

In dem Song singst du von Prokrastination. Das ist der Fachausdruck für „Auf-Morgen-Schieberei“. Darum geht es hier aber nicht, oder?

Es geht darum, etwas im Leben zu vermasseln. Ich vergleiche das im Text mit dem Gefühl, das ich früher sonntagabends hatte, wenn ich meine Hausaufgaben für Montag noch nicht fertig hatte und sie alle auf einmal machen musste. Ich frage mich heute noch, warum ich die immer das ganze Wochenende aufgeschoben habe. Der Text zieht einen Vergleich dazu, wenn man in einer Beziehung Mist baut: Ich weiß nicht, warum ich so lange warte, um mich bei dieser Frau richtig zu verhalten, und erst ein Drama daraus machen muss, anstatt mich einfach auf den Weg zu ihr zu machen, um Zeit mit ihr zu verbringen.

Eigentlich waren nach der „Paid“-EP noch weitere Minialben geplant. Stattdessen habt ihr euch für ein Album entschlossen.

Wir wollten eigentlich erst zwei, drei EPs aufnehmen und anschließend aus den besten Songs der EPs ein Album zusammenstellen. Die Plattenfirma sieht aber ein komplettes Album lieber und die Verkäufe der „Paid“-EP waren eher bescheiden. Da haben wir uns gedacht, es sei besser, sich direkt an die Arbeit an einem neuen Album zu machen.

Und das tut der Vielfalt des neuen Albums gut, da es sehr viel verschiedenes Material gibt. Wir haben Country-Tunes bei „Breaking honeys heart“, Pop bei „Sunset on a sunday“, schnellere Songs wie „I’m a fucking genius“ und Blues bei„Paid“. Die Quintessenz ist: Die SUPERSUCKERS sind nicht mehr so „punky“ wie früher. War die Kurskorrektur eine bewusste Entscheidung?

Wir wollten erwachsener werden und ein Album machen, das unser musikalisches Können reflektiert. Wir haben uns zu einer ziemlich potenten Band entwickelt und wollen diese Veränderung auf dem Album zeigen, anstatt einfach ein paar Punkrock-Songs herunterzuleiern. Das Album zeigt, wo wir im Moment stehen.

Für mich als Deutscher ist es ein wenig komplex, dass ...

Für euch Deutsche ist alles sehr komplex, haha. Ihr seid totale Analytiker.

Und auch stets beleidigend.

Sehr, sehr beleidigend! Wir Amerikaner nennen das das „Deutsche Kompliment“. Das drückt sich in etwa so aus: „Ihr seid schon sehr gut, aaaaber ...!“

Das liegt an unserer tiefsinnig philosophischen Vergangenheit. Fat Mike von NOFX deutet dies hingegen als unsere Art, Anerkennung zu zeigen.

Richtig. Eure Anerkennung verdeutlicht ihr durch eure zur Schau gestellte Sachkunde. Mittlerweile verstehen wir das. Aber am Anfang war es sehr merkwürdig, als wir nach Deutschland kamen: (Mit deutschem Akzent) „Tonight, you were very good, but I could not help me noticing: You seemed kind of stoned, maybe. You had your back to the crowd too much!“

... was mich als „Deutscher“ verwirrt, ist, wie ihr Country mit Punk-Attitüde und -Sound verbinden könnt, da das komplett andere Welten zu sein scheinen. Zumindest bei uns gilt Country eher als etwas konservativ.

Natürlich hat diese Musik diese Seite, aber es gibt immer mehr linksgerichtete Country-Musiker, man könnte besser sagen: Folk-Künstler. Musiker wie Steve Earle oder Willie Nelson, das waren sehr liberale, nach vorne denkende Menschen. An solchen Leuten orientieren wir uns und das ist die Szene, die ich meine. Nicht diese „Hey y’all“-Szene. Wir sind einfach eine Band, die von Zeit zu Zeit ein paar Country-Nummern spielt, und wir sind stolz darauf, das tun zu können.

Vor ein paar Jahren hast du ja auch „Eastbound and down“ von Jerry Reed gecovert, den Titeltrack zu dem Film „Ein ausgekochtes Schlitzohr“ mit Burt Reynolds. Bei diesem Lied kommt die Outlaw-Attitüde des Countrys wohl am besten zur Geltung. Zudem kann man auf dem neuen Album auch ein paar Zitate oder Verbeugungen Richtung Classic-Rock erkennen. „Listen up“ erinnert an KISS und in „Paid“ höre ich THIN LIZZY-Harmonien. Macht ihr das bewusst oder sind das nur Interpretationen meinerseits?

Das war bewusst. Wir empfinden Seelenverwandtschaft zu dem, was man so schön als „Classic-Rock“ bezeichnet, viel mehr als zum modernen Rock. Wir sind eines Tages aufgewacht und haben gemerkt, dass wir urplötzlich ein musikalisches Relikt geworden sind. Keine Ahnung, was passiert ist. Früher waren wir neu und topaktuell und am nächsten Tag sind wir aufgewacht und waren uncool. Das passierte so Ende der Neunziger.

Dann darf man euch bald in den Reihen des „Classic Rock“ begrüßen. Irgendwie scheint bei eurer Label-Situation der Wurm drin zu sein. So ist euer vorheriges Album „Motherfuckers Been Trippin’“ via Lunasound veröffentlicht worden. Eure Live-DVD „Live At Helldorado“ wurde auf Monster Records veröffentlicht, während das aktuelle Album in der Gewalt von Abstract liegt.

Ich wusste gar nicht, dass das so gelaufen ist. Das hat einfach damit zu tun, wer uns hier in Europa lizenziert. In den Staaten erscheint das alles auf unserem eigenen Label Mid-Fi Records.

Ich habe gelesen, dass Mid-Fi gar nicht mehr existieren soll.

Ha, da hast du was Falsches gehört.

Was sind denn alles für Bands auf dem Label?

Die SUPERSUCKERS und ... die SUPERSUCKERS ... und die SUPERSUCKERS.

Früher wart ihr die „Kings Of Indie-Punkrock“, nun seid ihr schon „The Greatest Rock’n’Roll Band in the World“. Wann habt ihr gemerkt, dass euch dieses Geschenk zuteil wurde und dass ihr diese Position auf der Erde innehabt?

Ich glaube, das passierte irgendwann Ende der Neunziger, als wir diesen Brief im Briefkasten fanden. Absender waren die Rock’n’Roll-Götter. Diese haben uns kundgetan, die größte Rock’n’Roll-Band der Welt zu werden, und dann kamen sie mit ihrem Zertifikat und einer riesigen Trophäe an.

Was darf man sich darunter vorstellen? Eine güldene Gitarre?

Genau, das ist eine gigantische goldene Gitarre, die in Flammen lodert. Das Feuer ist echt und brennt ununterbrochen, eine ewige, wunderschöne Flamme.

Auch wenn es Majestätsbeleidigung ist: Welche Band wäre würdig genug, die Trophäe von euch überreicht zu bekommen?

ZEKE!

Nicht ZEN GUERILLA, von denen du ein Shirt trägst und die du als eine deiner ewigen Lieblings-Bands beschreibst?

Nein, ZEKE sind die einzig wahren Thronfolger.

Da muss ich dich als Nächstes fragen, wie man sich als selbst ernanntes „fucking genius“ fühlt.

Ähm, eigentlich ziemlich gut.

Mehr nicht?

Nein, das war es.

Wann hast du das realisiert, ein verdammtes Genie zu sein?

Hm, so mit zwei oder drei Jahren. Das weiß ich schon seit einer langen Zeit.

Aber du hast erst jetzt den Song dazu schreiben können?

Es hat mich eine lange Zeit gekostet, dieses Gefühl in Musik zu verpacken. Das ist Teil der Geniementalität: nicht alle Asse auf einmal zu ziehen, sondern noch ein paar hinter deinem Rücken zu verstecken.

Euch gibt es nun seit 22 Jahren und ihr seid stetig präsent. Was aber motiviert die SUPERSUCKERS, weiter Musik zu machen und um die Welt zu touren?

Wir müssen das machen, denn die Leute brauchen unseren Rock’n’Roll in ihrem Leben und wir geben ihnen richtigen Rock’n’Roll. Das ist eine Bürde, die wir zu tragen haben und die wir tragen wollen. Du kannst von Glück sagen, dass wir das noch immer bereitwillig tun.

Wie lange könnt ihr die Bürde noch tragen?

Ich glaube, bis wir mindestens sechzig Jahre alt sind. Vielleicht bis siebzig. Ich sehe noch kein Ende.

Danach geht die Welt wahrscheinlich einem grausamen Schicksal entgegen.

Sie könnte eventuell aufhören, sich um ihre eigene Achse zu drehen. Wir sind auf einer göttlichen Mission.

Wie religiös sind die SUPERSUCKERS?

Wir sind bekennende Agnostiker.

Wie passt das zu euren Rock-Kreuzzügen?

Wir sind auf einer Mission der Rock’n’Roll-Götter, das ist was anderes.

So eine Art Paralleluniversum also.

Eine andere Art der Gottheit, sozusagen.

Über welche Bands könnt ihr denn eigentlich sagen, dass sie die Bürde des Rock’n’Roll weiter tragen, nachdem sich viele gute Bands wie die HELLACOPTERS oder ADAM WEST in den letzten Jahren aufgelöst haben?

THE HANGMEN, die haben das, was man braucht. ZEKE, wenn sie denn mal spielen. Das tun sie viel zu selten, was schade ist, da es meine liebste „kleine“ Band ist.

Und was ist das „große“ Pendant dazu?

AC/DC! Und MOTÖRHEAD!

Wie findest du deren neue Platten?

Ich mag sie sehr gerne. Ich war von der AC/DC-Platte richtig geschockt, wie gut die ist! Ich bin selbst von mir überrascht, wie gerne ich sie mir anhöre. Auch wenn da ein paar eigenartige Songs sind, mit denen ich nicht wirklich gerechnet habe.

Willst du abschließend noch etwas an die Leser des Ox richten?

Wenn ihr kommt, um die SUPERSUCKERS zu sehen, dann tragt bitte frische Unterwäsche! Denn wir werden eure Höschen runterrocken, und wehe, ich erwische euch dann mit dreckiger Unterwäsche!

Arndt Aldenhoven

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #83 (April/Mai 2009)

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LOS FASTIDIOS

Enrico und seine Squadra wissen einfach wie’s geht, und das schon seit 1991! Immer noch brennt die Flamme. Für die gute Sache, für die Einigkeit der Szene, für Fußball ohne Dumpfbacken, gegen braune Einfältigkeit und Engstirnigkeiten sämtlicher ... mehr