Interviews & Artikel : DIE ÄRZTE :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

DIE ÄRZTE

Es gibt zwei wirklich herausragende Gründe, warum wir die ÄRZTE nach knapp 1 1/2 Jahren wieder im Heft haben. Der erste ist überhebliche partnerschaftsbezogene Profilierungssucht meinerseites, weil ich Ina in einem Anfall von aufgeblasenem Großkotz versprochen hatte sie mitzunehmen, damit sie ihren Idolen der ersten Stunde endlich einmal persönlich ihre Lobpreisung aussprechen kann, und sich nicht immer an der Bühnenabsperrung mit "Ich will euch alle!" oder "Bela, du Süsser!" zum Kasper machen muss.
Der zweite ist der, dass ich mich nach jahrzehntelanger Weigerung so langsam mit Gedanken abfinde, es hier vielleicht doch mit der besten Band der Welt zu tun zu haben. Verdammt, ich hasse riesige unpersönliche Hallen und trotzdem haben es die ÄRZTE an diesem Sonntag in der Turbinenhalle Oberhausen geschafft, mich 2 1/2 Stunden zu unterhalten, was andere, durchaus fantastische Bands nicht einmal 60 Minuten lang schaffen. Die ÄRZTE sind ein Phänomen und haben überdies auf ihrem aktuellen Album "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer!" mit "Wie es geht" ein Lied geschrieben, dass ich schon jetzt zu meinen Allzeit-Favoriten zählen kann. Und weil die ÄRZTE weitaus mehr zu erzählen haben, als der Großteil anderer Bands, die sich selbst viel zu ernst nehmen und die Welt mit den ewig gleichen Phrasen immer wieder langweilen, gibt die beste Band nicht nur heute, sondern auch in der nächsten Ausgabe ihren ganz persönlichen Senf zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens.

Wartet ... ich hab´s gleich ... mal eben gucken .... ich hab hier das alte Gerät vom Chef, weil er seines irgendwie selbst braucht...


Bela: Ha, wir haben gestern in Ostfriesland gespielt und da kamen zwei Typen zum Interview, die hatten zwei Minidiscplayer. Und die haben nur mich interviewt. Wir sassen da, und die stellen die beiden Minidiscplayer auf. Einen bei sich und einen bei mir. Ich frag die: "Sagt mal, warum macht ihr das? Ist das für zwei Sendungen?" Das sollte halt für irgendeine ostfriesische Hard´n´Heavy-Radiosendung sein. "Nee" meint der eine, "das ist jetzt nur für eine Sendung." Und ich frag die warum die dann zwei Minidiscplayer brauchen. "Naja" meinten die, "der eine ist für die Fragen, der andere für die Antworten" Haha... Ich hab´ die noch dreimal gefragt, wie sie das meinen. "Wie wir das gesagt haben" meinten die nur, "einen für die Fragen, einen für die Antworten" Hehe...
Farin: Ostfriesland!
Bela: Das erklärt einiges!

Macht ihr auf solch einer Tour eigentlich Unterschiede was Interviewanfragen anbelangt? Dass ihr sagt, wir haben eh schon Stress genug, wir nehmen jetzt nur bestimmte Magazine, die mit der höchsten Auflage oder nach welchen Kriterien auch immer.

Farin: Überhaupt nicht! Wir machen grundsätzlich auf Tour bevorzugt Fanzines und Schülerzeitungen. Die "Großen", sag ich jetzt mal, machen wir auf den ganz normalen Presserunden, wenn wir eine neue Platte rausbringen.
Bela: Das macht halt auch Sinn. Wenn wir jetzt nach Emden kommen, dann ist da dieser kleine Radiosender, der keine Kohle hat um extra Leute zu irgendeiner Pressekonferenz nach Berlin zu schicken. Wir wiederum können auch nicht unzählige Leute einfliegen lassen, für die Hotels klarmachen usw... Wenn wir auf Tour dann zu den Leuten fahren, machen wir es halt mit denen, die das nicht finanzieren können. Dann sind wir auch mehr an der Basis und das macht dann auch definitiv mehr Sinn.
Farin: Und meistens sind die dann auch entspannter als die Großen. Den Großen reicht das wieder alles nicht, die haben dann wieder irgendwas aufgebaut, da musst du dich hinstellen und ach ... das nervt.
Bela: Die Fragen bei den Schülerzeitungen sind auch meistens besser. Die müssen ja auch kritisch sein. Und dann kommen Fragen wie "Warum seid ihr so kommerziell geworden?" "Ihr macht ja nur noch Musik für 10-jährige!" Oder "Ich find das nicht gut, dass ihr in der BRAVO seid" Hey, wir sind doch gar nicht mehr in der BRAVO!!! "Ach so ... das find ich ja gut!" Die sind klasse. Das macht viel mehr Spass!

Eure Presserunde zu "Runter mit den Spendierhosen, Unsichtbarer" war ja unglaublich! Hab´ ich das Fernsehen angemacht...

Farin: ... warin wir da, oder???

Und im Radio das gleiche...

Bela: Bei "Männer sind Schweine" waren die Leute zuerst dankbar, weil sie Celine Dion nicht mehr so oft hören mussten. Nach einer Woche hat sich das Blatt wieder gewendet und sie haben sich über jedes Lied danach gefreut.

Was ist denn anstrengender - 2 Wochen Presse oder 2 Monate Tour?

Farin: Also für mich definitiv die Promogeschichte. Du musst bei jedem Satz aufpassen was du sagst. Auf der Bühne kannst du Scheisse erzählen, das ist völlig ok.
Bela: Gestern die Jungs aus Emden hatten wohl kurz zuvor RAMMSTEIN interviewt. Einer von RAMMSTEIN meinte wohl, dass ihnen das schlechte Image bei Interviews immer zugute käme. Dann könnten sie auch mal nichts sagen oder den Interviewer aus der Garderobe treten. Und er würde nicht die ÄRZTE beneiden, die immer lustig und nett sein müssten.
Farin: Ja, so ist das! Der Fluch des Nettseins! Sollen wir das nicht ändern und heute anfangen?!

Nicht heute! Erzählt mir lieber wie es ist, nach längerer Zeit wieder auf ausgedehnter Tour zu sein und wie...

Farin: Warte mal, so lange ist das auch nicht her, oder Bela?
Bela: Nee, so zwei Jahre vielleicht. Oder mehr? Wir hatten ja auch noch die Geheimkonzerte und die Clubshows.
Farin: Und die Festivals? Auf jeden Fall ist der Sound besser geworden. Überhaupt die ganze Technik.
Bela: Stimmt, man muss schon sagen, dass der Sound in den grösseren Hallen oft um einiges besser ist als der in den Clubs.
Farin: Dafür machen die kleinen Konzerte oft mehr Spass.
Bela: Deswegen halten wir einige Konzerte ja auch oft künstlich klein. Wir haben z.B. lieber 5x hintereinander in Hamburg in den Docks gespielt, als einmal in der Sporthalle.
Farin: Obwohl, wenn du dann zum fünften Mal in die Halle kommst suchst du schon die Stechuhr. Und irgendwann weiss man gar nicht mehr was man den Leuten erzählen soll. "Hey ihr, wart ihr gestern schon da?" "Jaaaaa!!!!" Da gibt´s natürlich die Hardcorefans die du fünfmal hintereinander an jedem Abend in den ersten zwei Reihen siehst. Unglaublich!

Trotzdem haben gerade diese wirklich richtig kleinen Konzerte schon ihre ganz besondere Atmosphäre. Selbst die Hosen fand ich gar nicht mal schlecht, als sie vor knapp zwei Jahren in einer kleinen Kneipe in Düsseldorf spielten.

Bela: Das Thema hatten wir vorhin schon mal kurz untereinander. Ich glaube, die Hosen haben längst den Schritt zum Stadionrock gemacht, einen Schritt den wir z.B. noch gar nicht vollzogen haben. Wir spielen eigentlich erst dieses Jahr so richtig grosse Dinger. Bei den Hosen ist die Diskrepanz zu einer kleinen Show einfach grösser und ich denke, dass sich die Jungs bei einem kleinen Konzert einfach wohler fühlen, wenn es um nichts geht. Ich glaube, dass Campino 24 Stunden am Tag darauf bedacht ist was er tut, wie er geht, wie er aussieht. Er ist 180% Rockstar. Ich meine, er ist natürlich auch der Frontmann, was bei uns in dem Sinne gar nicht so gegeben ist. Bei uns verteilt sich die Aufmerksamkeit auf drei Personen und das ist auch ganz gut so. Ausserdem hat man sicherlich selbst noch Einfluss darauf, wie man in der Öffentlichkeit steht. Was das Fernsehen angeht halten wir uns, mal abgesehen von MTV und Viva, sehr zurück. Insofern haben wir da noch ein bisschen Freiraum.

Bereiten sich DIE ÄRZTE eigentlich noch großartig auf solch eine Tour vor?

Farin: Ich weiss nicht, ob du es mitgekriegt hast, aber wir haben im Internet eine Probe übertragen bei der sich die Leute Stücke wünschen durften und wir haben die dann gespielt, was jetzt allerdings nicht notwenigerweise Stücke sind, die wir auch im Set haben. Viele davon hatten wir glaub ich noch nie live gespielt und das war sehr amüsant, bis nach fünf Sekunden die T-Online-Server zusammenbrachen. Wir hatten nie damit gerechnet, dass sich soviele Leute zuschalten würden. Aber wir bereiten uns schon intensiver auf solch eine Tour vor. Wir suchen die Songs aus und proben so etwa zehn Tage das Set ein.

Und das zwischen den Liedern? Ich meine, es ist ja nicht so, dass ihr nicht gerne redet. Für mich hat ein ÄRZTE-Konzert ja schon fast Kabarettcharakter. Ist das, was ihr in den Pausen zwischen den Songs von euch gebt ,nicht vielleicht doch zumindest teilweise einstudiert oder tatsächlich komplett improvisiert?

Farin: Komplett immer! 100%!! Was natürlich auch mal richtig in die Hose gehen kann.
Bela: Siehe gestern.
Farin: Jau, gestern hab ich uns fast um Kopf und Kragen gequatscht. Ich hab die ganze Zeit nur über Emden hergezogen, über Landwirtschaft, Maul- und Klauenseuche und ...
Bela: ... "Wir scheissen auf die Landwirtschaft" und solche Geschichten.
Farin: Richtig böse!
Bela: Und da waren so ein paar Bauern im Publikum die sind echt ausgerastet. Und einer war dabei, der wollte ihn killen. Der wollte Farin echt alle machen. Zum Glück kam der nicht an ihn ran. Die haben das halt nicht verstanden. Weisst du, es gibt bestimmte Parts während des Konzerts, diesmal sogar noch mehr als bisher, in denen wir versuchen immer etwas anderes zu machen. Am Ende eines Songs kommen wir z.B. immer aus einer anderen Stadt, das ist in dem Fall "Leichenhalle" vom neuen Album, und müssen auch dementsprechend einen Song aus dieser Stadt singen. Und gestern in Emden war das "Born in the USA".
Farin: Und auf einmal gingen die Fäuste hoch. Dat kannten se. Das war hart. Das war echt hart.
Bela: Die gingen wirklich ab wie Sau. Jeder Punkrocker, jede Vokuhila, jeder der da war...
Farin:"... war plötzlich aus´m Stall ... hehe ...
Bela: Und bei einem Song ...
Farin: Jetzt verrat doch nicht alles!
Bela: Nee nee. Auf jeden Fall gibt es einen Song, da gab es selbst bei jeder Probe einen anderen Text. Und jetzt natürlich bei jedem Konzert genau das gleiche. Das ist halt so ein Spiel zwischen den ersten drei Reihen und uns. Wenn wir versuchen Sachen aufzuschnappen und uns immer selber wundern, was für einen Schwachsinn wir daraus machen. Bei einem weiteren Song stehen nur die ersten beiden Strophen und die restlichen drei oder vier sind dann auch wieder improvisiert. Das gehört einfach dazu. Das ist genau die Sache, die uns Spass macht und so ändert sich das Programm auch jeden Abend. 1998 z.B., kurz nach der gemeinsamen Tour mit KISS, hat Rodrigo jeden Abend KISS-Ansagen gemacht und Paul Stanley imitiert. Das war die ersten zwanzig Mal wirklich verdammt lustig...
Farin: ... aber nach dem 40x hat es echt genervt.

Die Tour mit KISS - einer von den Träumen die irgendwann in Erfüllung gehn?

Bela: Für Rod und mich sicherlich, für Farin eher nicht. Für mich war es schon die Maxime! Wir spielen diesen Sommer das erste Mal mit MOTÖRHEAD in Dänemark. Und das find ich richtig groß. Wir hätten eigentlich zwei Gigs mit AEROSMITH gehabt, die leider ... also eigentlich zum Glück ... wir waren da eigentlich nie so scharf drauf ... auf die US-Rock-Kacke ... auf jeden Fall fallen die aus und da sind wir auch gar nicht so traurig drüber. Jetzt spielen wir zum ersten mal mit MOTÖRHEAD und da erübrigt sich wohl die Frage, was besser ist.

Was ist mit dir, Farin? Gibt es für Dich eine Band wo du sagst "Verdammt, mit denen will ich noch irgendwann mal zusammen auf der Bühne stehen?"

Farin: Nee, ich glaube, ich bin da anders strukturiert. Ich guck mir gerne ´ne Band an, aber das heisst nicht, dass ich auf derselben Bühne stehen möchte wie die. Also die Bands, die ich gut finde, da möchte ich weder davor noch danach noch mit denen zusammen auf der Bühne stehen wollen. FAITH NO MORE z.B., die es aber ohnehin nicht mehr gibt. Wir haben aber einmal ein Konzert gehabt - da haben wir neulich noch drüber gesprochen - bei dem hab ich mich ein bisschen komisch gefühlt. Wir haben mal mit DAMNED in der Schweiz zusammengespielt. Weisst du, THE DAMNED hab ich früher als Punker immer total verehrt und dann haben wir auf diesem Festival plötzlich nach denen gespielt. Ich meine, das hat schon Sinn gemacht, weil die da kaum einer kannte, aber das war schon ein verdammt komisches Gefühl. Da standen meine alten Helden und ich musste jetzt plötzlich nach denen auf die Bühne. Das hat irgendwie nicht gepasst.
Bela: Das war echt hart. Vor allem waren da auch viele mit bunten Haaren. Die kamen schon zum Soundcheck, der war da halt öffentlich. DAMNED hat die nachher einen Scheiss interessiert, und als wir gespielt haben sind die total ausgerastet. Einen Abend vorher hat übrigens Henry Rollins als Headliner gespielt. Und kurz vor Ende des Auftritts hat der Manager dann angekündigt, dass der Backstagebereich frei sein sollte, wenn Rollins von der Bühne kommt. Wir sollten dann alle rausgehen, nur Dave Vanian, der DAMNED-Sänger, meinte dann "Tell Henry that Dave is sitting here. I´m not moving my ass!" Das hat er auch nicht gemacht. Fand ich cool. Der ist ja nun nicht grad ein Riese, der Kerl.
Farin: Wobei die eigentlich sogar noch Schiss vor ihm hatten, hatte mir Vanian vorher noch erzählt, weil die damals wohl mit denen durch Amerika getourt sind und die Rollins immer total verarscht haben. Zu dem Zeitpunkt war er wohl noch nicht so breit.
Bela: Wir haben übrigens versucht ALL für den zweiten Teil dieser Tour zu bekommen. Aber deren neues Album kommt erst im Herbst und weil die erst mit dem neuen Album auf Tour kommen wollten...
Farin: ... muss ich wohl doch nochmal zu einem Hosen-Konzert gehn.

Hosen?!?

Farin: So geht das Gerücht. Angeblich sollen ALL jetzt mit den Hosen auf Tour gehen.
Bela: Das ist komischerweise immer so, dass die Bands, für die wir uns interessieren, nachher immer mit den Hosen auf Tour sind. Mit SOCIAL DISTORTION war es ja genauso. Scheisse!

Genau! Ende Teil I!!!

Tom van Laak

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #43 (Juni/Juli/August 2001)

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