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Interviews & Artikel

TERRORGRUPPE

Die TERRORGRUPPE hat mal wieder ein neues Album gemacht, und weil´s immer nett ist, mit den Berliner Aggropoppern zu plaudern, traf ich mich im Frühjahr mit Archie, Jacho und Zip in einem Essener Café, als diese auf dem Weg von Köln nach Berlin kurz hier Station machten. Bier gab´s nicht, dafür tranken alle artig Kaffee und Tee.

So, diese Maxi-CD ist also eure neue Single. Und wo ist die Vinylversion???

Zip: Gibt´s nicht, aber das Album kommt als Vinyl.

Jacho: Ausserdem müssen wir ja wieder Singletracks für die nächste Compilation sammeln, nachdem wir auf "Nonstopaggropop" alles verbraten haben.

Und die LP ist wieder auf Teenage Rebel?

Zip: Nee, auch auf Alternation, denn das mit Teenage Rebel kam zustande, weil Metronom kein Vinyl machen wollten. Metronom gibt´s nicht mehr.

Jacho: Rüdiger ist darüber gar nicht glücklich, der hätte das gerne wieder gemacht, und wir auch, aber tja, was soll´n wir machen? Und der hätte sicher auch mehr Vinyl verkauft als die Intercord. Aber manchmal ist man halt an die Weisungen der Plattenfirma gebunden.

Das glaube ich doch glatt... Dann war es wohl auch die Weisung der Plattenfirma, sich an dieser unglaublich superbeschissenen Compilation "Neue deutsche Härte" (siehe Reviews Ox #30) zu beteiligen, wo solch tolle Bands wie die SCHWEISSER, RINDERWAHNSINN oder RICHTHOFEN zu finden sind?

Jacho: Da hat man uns beschissen! Da waren zuerst ganz andere Bands im Gespräch, also haben wir zugesagt, und hinterher kam dann das dabei raus. Da ärgern wir uns sehr drüber.

Zip: Der Sampler ist wirklich Scheisse!

Jacho: Wir haben uns jetzt auch erstmal ´nen Samplerstop verordnet, machen nur noch was für Leute, die wir gut kennen.

Klasse fand ich den Sticker "100% faschofrei" auf der CD - schon peinlich, wenn man sowas betonen muss...

Archie: Beim ersten Teil hatten die da wohl ein Problem mit einer Band, daher kam das. Aber wir wollten auf den Sampler, weil da RAMMSTEIN draufsein sollten. Wir dachten uns, das wäre cool, wenn so ein RAMMSTEIN-Prollfan mal TERRORGRUPPE zu hören bekommt.

Damit kann man ja alles entschuldigen.

Zip: Naja, aber es war echt so, dass da andere Bands drauf sein sollten.

Ja, und, wie läuft´s sonst so? Ihr seid ja doch ziemlich omnipräsent, wenn ich das mal so sagen darf. Ist die TERRORGRUPPE das supererfolgreiche Megading?

Archie: Nee, isses nicht. Es läuft so vor sich hin, es läuft gut vor sich hin und wir haben unseren Spass damit. Dass wir öfter in der Presse und in den Medien auftauchen hat damit zu tun, dass wir die Band schon lange nicht mehr als Hobbyding sehen und uns mehr darum kümmern.

Ihr seid auch ständig auf Tour, nicht nur hierzulande, sondern auch im Ausland.

Jacho: Ja, letztes Jahr waren wir in Polen, Tschechien, Frankreich, Ungarn, Spanien und in den USA. In Deutschland haben wir beinahe zu wenig gespielt, und dieses Jahr machen wir auch nur zwei oder drei kürzere Touren.

Bei euch fällt mir auf, wie professionell, um nicht zu sagen kommerziell ihr an die ganze Sache rangeht. Ihr spielt auf grossen Festivals, habt ´ne grosse Plattenfirma im Rücken, seid überall in der Presse. Trotzdem habt ihr euch noch eure Undergroundwurzeln bewahrt.

Archie: Dafür gibt´s gute Gründe: wir haben mit unseren früheren Bands genug Fehler gemacht und lassen die jetzt lieber weg. Wir lassen uns jetzt nicht mehr verarschen von irgendwelchen Leuten nach dem Schema "Die Band ist doof, die will nur ihre Musik machen und sonst interessiert die gar nichts". Das finde ich doof, und in der Vergangenheit hat uns so eine Haltung nichts gebracht. Du musst einfach deinen Wert kennen, und wir wissen eben, wo der Hase langläuft.

Zip: Und es ist ja auch so, dass eine Band wie DACKELBLUT, um mal ein Beispiel zu nennen, andere Leute erreichen will als wir.

Nämlich nicht die Teenies.

Zip: Na klar, die Kids sind wichtig. Es macht viel mehr Spass, wenn vor der Bühne nur so 16- bis 20jährige dabei sind. Die machen noch Action, die stehen nicht nur faul rum, trinken ihr Bier und wippen mit dem Fuss.

Archie: Ausserdem ziehen die sich die Texte wirklich noch konzentriert rein und nehmen das als Lebenshilfe oder sowas auf. Das ist schon wichtig, denn bei all dem Spass, den wir verbreiten, ist da schon auch noch was dahinter und meistens verstehen die das auch - manchmal aber auch nicht wie bei "Die Gesellschaft ist schuld, dass ich so bin", hehe.

Beim Hören der neuen Platte fiel mir auf, dass da nichts wirklich Neues passiert. Euer erstes und das zweite Album, da war das irgendwie neu und witzig. Die Scheibe jetzt ist absolut in Ordnung, aber man kennt das alles schon irgendwie.

Archie: Das ist eine Sache, die nicht nur bei uns so ist, das findest du bei jeder Band, die mal ein paar Jahre dabei ist. Irgendwann wirst du da einfach für gewisse Leute langweiliger, aber für uns selbst ist die neue Platte aber total zufriedenstellend, wir sind soweit vorangegangen, wie wir gehen wollten. Wir hätten sicher noch weiter gehen können, aber dann hätten wir wohl unsere klare Linie verlassen, die ausschliesslich wir selbst uns gesetzt haben. Wir wissen schon sehr genau, was wir wollen und machen. Ich bin schliesslich lang genug dabei um zu erkennen, wann eine Band sinnlos wird.

Gut Ding will Weile haben - mit der Platte hier habt ihr euch ja ziemlich Zeit gelassen, und aufgenommen wurde sie letzten Herbst in Spanien.

Archie: Wir haben uns bewusst lange Zeit gelassen, und bis wir die Songs alle geschrieben hatten, ging gut ein Jahr vorbei.

Jacho: Aufgenommen haben wir südlich von Valencia in den Casa Pepe-Studios. Uwe Hoffmann, unser Produzent, hat sich da niedergelassen, und das ist sehr gut. Zum einen ist es dort ein bisschen billiger aufzunehmen als in Deutschland, zum anderen ist es wärmer und man kommt einfach raus aus dem Alltagstrott. Du hängst da rum, nimmst auf, fährst mal zum Strand oder wirfst dich in den Swimming Pool. Das ist super relaxt dort.

Archie: Bei "Melodien für Milliarden" war ich nach dem einen Monat Studio komplett urlaubsreif, da musste ich erstmal wegfahren und konnte nicht mehr.

Zip: Wir haben damals in Berlin aufgenommen, da kam ständig jemand im Studio vorbei, und abends gehste dann doch noch einen trinken, das ist voll der Doppelstress. In Spanien war das anders, da war ich nach den Aufnahmen richtig relaxt.

Jacho: Wir hatten auch das Gefühl, viel mehr Zeit zu haben, probierten viel mehr aus.

Stimmt schon, die Platte ist irgendwie lockerer und poppiger.

Archie: Eben. Wir hören alle ganz gerne Pop, also populäre, eher einfach gestrickte Musik, die aber doch ihren Reiz hat. Popmusik ist zum Beispiel "6060842" - die B 52s waren doch ´ne astreine Popband.

Jacho: Oder BLONDIE, JOE JACKSON, ELVIS COSTELLO - das ist gute Popmusik und sowas höre ich derzeit ziemlich viel.

Archie: Bei ´nem schönen Popsong hat man ausserdem die Möglichkeit, arrangement- und soundmässig schön rumzubasteln, was gar nicht so unpunkig ist. Ich finde nämlich, dass Punkrock viel näher an Popmusik dran ist als an Heavy Metal.

Zip: THE CLASH waren dafür immer ein gutes Beispiel, finde ich. Punkrock ist letztendlich halt Popmusik mit lauten Gitarren.

Archie: Eben Aggropop, wie wir das für uns so erfunden haben.

Auf der neuen Platte ist mit "Ich wär´ so gerne homosexuell" ein Song enthalten, der in ziemlich deutlicher Sprache mit dem Thema Homosexualität umgeht.

Archie: Ja - kennst du das, wenn deine Freunde, wenn du mal besonders wimpig bist, dich manchmal als Schwuchtel bezeichnen? Dass Leute, die die man als sehr tolerant und "alternativ" einschätzt, plötzlich mit solch dreisten Schimpfwörtern ankommen, die mehr oder weniger aus dem Zweiten Wetkrieg kommen? Das nervt, das ist Panne!

Zip: Diese Alltagsschimpfwörter, dieses gedankenlos dahergesagte "Na, du alte Schwuchtel!" oder "Ist ja ganz schön schwules Wetter heute", darum geht´s. Und im Prinzip haben wir den Song nicht gemacht, um aufzuklären oder uns was von der Seele zu reden, sondern um Leute zu ärgern, die damit ein Problem haben. Denn wenn man mal ehrlich ist, hat jeder schon mal so einen Gedanken oder einen Traum gehabt.

Jacho: Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Teenager so einen "schwulen" Traum hatte und dann aufwachte und völlig erschüttert war, gar nicht wusste, was jetzt mit mir los ist.

Archie: Und seltsamerweise sind wir mit dem Thema mal wieder ganz up-to-date, denn es gibt jetzt gleich drei oder vier Filme, die sich mit dem Thema beschäftigen. Seltsamerweise gibt´s bei Punkbands sehr wenige Texte, die sich mit dem Thema beschäftigen, von den von mir sehr geschätzten PANSY DIVISION mal abgesehen...

...und dem weniger tollen "I don´t wanna be a homosexual" der SLOPPY SECONDS.

Archie: PANSY DIVISION waren ehrlich gesagt die Hauptinspiration für diesen Song, wobei die Amis allgemein ein Riesenproblem mit Schimpfwörten à la "fag" haben.

Jacho: Die Musik bei dem Songs nennen wir übrigens nicht Punk, nicht Streetpunk, sondern Christopher Street-Punk.

Sehr schön - textlich und musikalisch - finde ich auch "Fünf Kilo". Was hat´s denn damit auf sich?

Archie: Da geht´s ums Schmuggeln, und wir machen uns eben immer sehr viele Gedanken über die Drogenpolitik. Wir haben ja auch alle schon ´ne ganze Menge persönlicher Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Ich habe immer wieder mal versucht Texte à la "Leute, nehmt keine Drogen" zu machen, aber das fand ich hinterher wieder langweilig, zu plump. Die Idee mit dem Text kam dann von Jacho, und ich wollte schon immer mal so ein Dixie-Lied machen, und just zu diesem Zeitpunkt kam der "Comedian Harmonists"-Film raus, wir lagen also mal wieder voll im Trend.

Im September sind Bundestagswahlen, da muss ich mich doch zum Abschluss noch erkundigen, was ihr da so vorhabt.

Jacho: Also ich werde mich in den Berliner Vorstand der APPD wählen lassen. Nach dem Achtungserfolg in Hamburg will die APPD nämlich jetzt auch bundesweit antreten, und da können wir natürlich nicht fehlen. In der heissen Wahlkampfphase werden wir im September dann auch noch mit zwei anderen Bands unter dem Motto "Gehirnwäsche ´98" auf Wahlkampftour gehen.

Ihr hättet aber doch auch gut zu Christoph Schlingensiefs Aktionsbündnis "Chance 2000" gepasst.

Jacho: Nee, denn der hat ein falsches Weltbild, der will was gegen die Arbeitslosigkeit tun. Dabei ist die ja sogar das Ziel, die ist gut - das Problem ist der damit einhergehende Geldmangel, und daran müssen wir arbeiten: Nicht arbeiten und trotzdem Geld haben, das ist das Ziel - wer geht schon gerne arbeiten?

Niemand - und damit zurück ins Studio. Vielen Dank!

Joachim Hiller

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #31 (II 1998)

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