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Interviews & Artikel

AT THE DRIVE-IN

Wie es der Zufall wollte, spielten letztes Jahr POOR LITTLE MITE im Vorprogramm einer mir bis dahin unbekannten Band aus El Paso, Texas. Da man aber lokale Bands supportet und der Hauptact im Vorfeld als klasse Liveband angekündigt wurde, schaute man sich das halt mal an. Nun, ein Jahr später, habe ich AT THE DRIVE-IN schon zum vierten Mal gesehen und werde auch in Zukunft keine ihrer Shows mehr auslassen. Nur wenige Leute in diesem so verkommenen Musikbusiness haben so die Bodenhaftung behalten und konzentrieren sich derart auf das Essentielle in ihrer Musik, wie die fünf sympathischen Wüstensöhne. Anläßlich ihreres Auftritts im (zum Bersten vollgepackten) AZ Conni, Dresden am 24. März dieses Jahres sprach ich mit Cedric, dem Sänger, über ihre brandneue Platte, über Emo und Punkrock und das Schlafen auf dem Fußboden, aber lest selbst

Wie geht´s?


"Klasse, alles ist super. Ich bin froh hier zu sein, wir haben lange nicht live gespielt, da wir ein neues Album aufgenommen haben, aber nun bin ich froh hier zu sein - den dritten Tag auf dieser Tour. Am Anfang ging zwar einiges schief, so wurden Teile unseres Equipments während des Fluges verschlampt, aber der Flug war echt gut. Wir flogen mit Singapur Airlines, und da waren nicht all zu viele Fluggäste, so dass wir uns breit machen und schlafen konnten. Das war schon verrück, ziemlich luxeriös eigentlich, so mit Videospielen und Filmen..."

Wie, denkst du, ist das Wetter in Texas gerade?

"Ich war zuletzt gar nicht da, ich bin nach Kalifornien gezogen und lebe nun in Long Beach, alle außer Jim wohnen jetzt in Kalifornien. Aber wir haben neulich auf dem SXSW-Festival gespielt, und da war es verdammt heiß und feucht, und es begann auch noch fürchterlich zu regnen, was nicht so mein Fall war, kein gutes Wetter also."

Ist das Wetter hier besser?

"Es ist kälter, viel kälter. Wir flogen von Texas nach New York um unser neues Album abzumischen und von da direkt nach Frankfurt, so dass ich schon die letzten zwei, drei Monate mit dieser Kälte und dem Regen klarkommen mußte - langsam hab ich´s satt."

Stell doch mal die Band vor.

"Ja also, Jim Ward, er und ich gründeten die Band und er spielt Keyboard, singt und spielt Gitarre, die Rechtshänder-Gitarre, und er ist aus El Paso, wurde da geboren und ist da aufgewachsen und gründete die Band mit mir. Er ist eine großartige Persönlichkeit, wie ein Bruder für mich. Dann ist da Toni. Er spielt Drums und kommt aus dem Libanon, aus Beirut und ist gerade erst vor unserer letzten Tour eingebürgert worden. Er bedient auch die Sampler und Drum Machines und spielt alle Drums. Dann ist da noch Paul Inochus, er spielt Bass und ist in Los Angeles geboren. Er ist ein Mexican American und hat eine große Bedeutung für die Gruppe, da er den ganzen Papier- und Technikkram für die Band erledigt. Und dann ist da noch Omar Rodrigez, er stammt aus Puerto Rico und spielt die Linkshändergitarre und einigen anderen Krimskrams, und ist auch ein sehr wichtiger Teil der Band."

Wie habt ihr euch gefunden?

"Ich kannte Omar von Konzerten, wir waren damals alle von den alten Punkbands begeistert. Wir hörten auch zum Beispiel YOUTH OF TODAY, das war eben 1989, wir mochten YOUTH OF TODAY und MINOR THREAT und all sowas. Aber wir waren nicht so wie die regulären Hardcore-Kids die sich so Hip-Hop-mäßig kleideten, wir haben da nich so viel von mitbekommen, weil El Paso von allem zehn Stunden entfernt liegt. Wir waren eher so wie die alten Bands gekleidet, z.B. die SEX PISTOLS, wir hatten Iros, verrückt gefärbte Haare, eben irgendwie mehr Punkrock, aber ich war damals auch schon zwei Jahre straight edge, habe damals nicht geraucht und keinen Alkohol getrunken, wir waren damals nicht ganz so auf dem New York-HC-Trip, obwohl wir ihn aber manchmal ganz gerne gehört haben. Jim nannten sie damals "The Keebler", was soviel wie "klein" heißen soll, weil er damals ziemlich winzig war. Ich kenne ihn von meiner Highschool, er schrieb für unsere Highschoolzeitung und brachte die ganzen alten Punkbands aufs Cover. Paul lernte ich kennen, weil ich mit seinem Bruder in ein paar Bands gespielt habe, die mehr so in die DAG NASTY-Richtung gingen. Toni spielte in ziemlich heftigen, in die DEICIDE-Richtung gehenden Bands, und so lernten wir uns eben kennen weil sich unsere Szenen und Wege ständig kreuzten."

Wie kamst du persönlich zur Musik?

"Es begann bei mir 1989 damit, dass ich unbedingt in einer Band spielen wollte. Ich sah diesen Film, "Another State of Mind", über die SOCIAL DISTORTION-Tour, und danach wollte ich unbedingt auch spielen, und so hat es halt angefangen."

Eure erste Scheibe kam auf Flipside Records raus, und davon haben hier die wenigsten etwas mitbekommen. Wie seid ihr zu Flipside gekommen ? Hatte das was mit Blaze James zu tun?

"Mit ihm hatte es in der Tat zu tun. Blaze James war der Sänger der TVTV´S.Wir tourten damals, hatten 7"s gemacht und gingen noch unserer geregelten Arbeit nach, die wir aber dann schmissen. Dann pressten wir wie gesagt 500 Kopien unser 7" und wir wollten auf Tour gehen, waren aber noch nicht alt genug um in Clubs bleiben zu können, das geht erst ab 21 und wir waren jünger. Und so wurden das erste Konzert schon abgebrochen und letztendlich blieb es bei der einen Show. Der Drummer von MUDHONEY, Blaze und die meisten Leute, die was mit Flipside zu tun hatten, waren da. Man ließ uns da nicht rein, wir mußten draußen warten, und als wir dann endlich rein durften um zu spielen, war da niemand mehr außer vielleicht so fünf Leute. Wir waren schon etwas daneben und müde, aber wir dachten uns "Fuck it, dann spielen wir eben für uns selbst", und wir spielten, als ob es der letzte Tag wäre, den wir noch zu leben hätten. Ich denke, dass das Blaze gefallen hat, als er es sah. Er fragte uns nachher,ob er unsere Platte rausbringen könne und bot uns an auch das Booking und diesen ganzen Kram mit zu übernehmen. Nun würdest du ihn vielleicht als unseren Manager bezeichnen, aber ich mag solche Titel nicht, ich nenne ihn einfach unseren besten Freund, der für uns alles Mögliche macht."

Damals klang aber alles musikalisch noch etwas anders. Gab es denn über die Jahre Entwicklungen, was eure Musik angeht?

"Ich denke, dass wir damals live genauso wie auf all unseren anderen Platten klangen, aber der, der die Platte aufgenommen hat, machte einen schlechten Job, und die, die damals in der Band waren, hatten ziemlich mieses Equipment. Deshalb klang das dann so schlecht. Das ist aber auch eine Platte, die ich nicht so sehr mag, weil einfach eine Menge schief gegangen ist. Aber so klingt sie nunmal, obwohl ich es lieber gehabt hätte, wenn sie mehr nach "in/casino/out" oder "vaya" geklungen hätte."

Dann habt ihr zwei Platten auf Fearless veröffentlicht. Wie kommt eine eher emo-lastige Band an dieses eher für Poppunk bekannte Label?

"Das ist schwer zu sagen. Ich denke, wir waren einfach komische Kauze, wir waren einfach nicht cool genug, um auf all diesen coolen Labels wie Crank! oder DeepElm unterzukommen. Die wollten uns nicht und ich bin auch froh darüber, weil ich diese Labels absolut nicht mehr mag, da für sie das Wort Emo gleich Geld bedeutet. "Hey, aufgepasst! ...whooo... Emo ist jetzt cool !" Naja, und früher waren wir eben nicht emo genug für diese Labels, wir waren weder dies noch das, sie haben sich einen scheiß um uns geschert. Diese ganze Szene ist überhaupt so verlogen: wenn man cool genug ist, wird man gehört. Und nun plötzlich rufen sie uns an, und fragen: "Hey, können wir nicht mal dies oder jenes machen?", worauf wir nur ein "Fuck you, guys " zu erwidern haben. Die einzigen, die uns damals eine Chance gaben, waren Fearless. Vorher waren wir bei Offtime Records, das dem Drummer von HORACE PINKER gehörte, aber der schnappte am Ende etwas über, so gaben wir ihm eine Abfuhr und wechselten zu Fearless. Bob und Michelle von FearlessRecords gaben uns einfach eine Chance, obwohl wir nicht wie NOFX klangen, sie wollten einfach mal was neues, und dafür mag ich sie, sie begannen einfach verschiedene Musikstile zu sehen und nicht immer nur One-Two-Three-Punkrock."

Was habt ihr denn neben den bisher schon erwähnten Sachen noch so veröffentlicht?

"Ich hoffe, dass unsere Split-Scheibe mit SUNSHINE auf BigWheelRecreation bald kommt. Es ist eine 12", sie spielen drei Songs, wir spielen zwei Songs. Dann ist da die Split mit BURNING AIRLINES und eine Split mit AASEE LAKE, das sind Ex-BY THE GRACE OF GOD- und ENDPOINT-Leute und sie klingen eher so wie die ruhigen Stücke von JUNE OF 44, völlig anders also. Da haben wir dann auch einen unserer ruhigeren Songs mit draufgepackt. Und dann haben wir da ja eine ganz, ganz neue Platte, die im Juli rauskommen wird."

Mit welchen Bands würdest du außerdem noch gerne eine Split-Platte aufnehmen?

"Da gibt es eine Band aus New York, die nennen sich LES SAVY FAV, die sind einfach unglaublich gut. Der Sänger ist total verrückt und lustig. Sollten die jemals hier rüber kommen, und das hoffe ich, schau sie dir an! Sie sind eine dieser Bands, der bis dahin keiner Aufmerksamkeit schenkte, wenn sie sich dann aber auflösen, werden die Leute erstmal aufmerksam auf sie. Und das ist eigentlich schade, denn das passiert mit sovielen dieser Bands. Also ich würde geren eine Split mit LES SAVY FAV machen. Vielleicht aber auch mit den ETERNALS, einer Band auf Thrill Jockey, die mehr so in die TORTOISE-Richtung geht, ich mag es mit solchen Leuten zusammen zu arbeiten , weil wir auch mal etwas anderes neben unserer Heavy/Melodic-Zeug machen wollen. Übrigens hat der Sänger der ETERNALS auch das Coverartwork für die BURNING AIRLINES-Split gemacht."

Ich habe gehört, ihr habt jetzt einen Majordeal. Wie kam es dazu, und wie heißt euer neues Label überhaupt?

"Ja, das stimmt. Es heißt Digital Entertaining Networks, abgekürzt DEN, und ist brandneu. Es kommt aus dem Internetbereich. Soweit ich weiß, läuft das im Moment ganz gut, aber vielleicht sind wir auch nicht mehr lange bei ihnen, weil sie sich mit irgendwem zusammenschließen wollen, aber offiziell kann ich noch nichts zu sagen. Es handelt sich bei ihnen um zwei Typen namens Gary Gersh, früher bei Capitol Recods, and John Silva, früher bei Gold Montain, die vorher schon die BEASTIE BOYS, SONIC YOUTH oder NIRVANA manageten und die beschlossen nun mit DEN ihr eigenes Label zu gründen, und wir sind die erste Band darauf."

Ihr wart ja in dem Zuge auch mit Ross Robinson im Studio, der ja unter anderem auch schon KORN und LIMP BIZKIT produziert hat...

"Ja, und auch MACHINE HEAD und VANILLA ICE, eigentlich solche Bands, die jemand, der unsere Musik hört, wohl nie mögen würde. Aber es war echt schön mit ihm zu arbeiten, weil er von dieser Art von Musik schon lange den Kanal voll hatte. Die meisten Leute dachten, durch die Zusammenarbeit würden wir jetzt Rap oder Heavy Metal oder sowas machen, aber wir haben unseren Sound überhaupt nicht geändert. Er wollte einfach nur eine Platte machen. Es ist nämlich für ihn dasselbe, wenn Leute den Namen Ross Robinson hören, denken sie automatisch an LIMP BIZKIT, und das hasst er, will nicht nur dafür bekannt sein. Er hat auch mit SLIPKNOT und anderen Bands dieser Art gearbeitet , will aber nun davon wegkommen."

Aber LIMP BIZKIT waren No. 1 in den Staaten...

"Ja, genau. Er hat aber ihre erste Platte gemacht und erst ihre letzte wurde richtig bekannt. Aber er hasst diesen Sound, er ist ein Fan von THE CURE, er mag THE BIRTHDAY PARTY, im Moment arbeitet er mit einer Band, die eher Country-Western macht und wie NEIL YOUNG klingt. Er sah uns zusammen mit den GET UP KIDS und wollte sofort eine Platte mit uns machen, weil er unsere Energie mochte und weil wir einfach anders waren. Er wollte keinen Heavy Metal mehr machen. Erst mochten wir ihn nicht, wir dachten "Was will der Typ? Huah, KORN, sowas brauchen wir nicht!" Aber dann versuchten wir erstmal einen Song zusammen zu machen, und das klappte gut. Wieviel Punk ist das denn!? Immerhin sind wir dadurch nicht irgendwelchen Regeln gefolgt, und für mich ist es das, was Punk ausmacht! Die Leute meinen, wir sollten so bleiben wie wir sind, und immer so beschissen klingen, aber das ist uns gegenüber nicht fair. Ich möchte mir kein Limit setzen, immer nur dasselbe machen, und Ross verstand es, unsere Ärsche in Bewegung zu setzen, unser Auftreten mit einzubeziehen. Wir sind die Wände hochgegangen, haben Zeug kaputtgemacht und geschwitzt, es war eine echte Liveshow, als wir die Aufnahmen machten und genau das brauchten wir auch."

War er ein Star für euch, oder nur der nette Typ von nebenan?

"Er war einfach nur der nette Typ von nebenan. Ich wußte erst nicht, wer er war und was er gemacht hat, das wußte einzig unser Drummer. Für mich war er nur ein verrückter Typ. Als ich ihn das erste Mal traf, dachte ich nur "Wer zum Teufel ist dieser verrückte Typ?!" Wir gaben ihn einfach die Chance und es war das Richtige."

Wie wird die neue Platte heißen?

"Sie heißt "Relationship of Command". Den Titel haben wir aus einer Passage eines Mao Tse Tung-Buches entnommen, in dem es um den Geruilla-Krieg geht. Das hat aber keine tiefere politische Bedeutung. Uns beeinflußt das nur etwas, wir gehören aber weder dem rechten Flügel noch den Kommunisten an. Ich bin fasziniert von diesen Kulturen und beschäftige mich schon einiger Zeit damit, mit Kuba und so (zeigt auf seine angepinte China-Flagge mit Mao-Schriftzug) Es ist also von Mao Tse Tung beeinflußt und es bezieht sich auf all das, was wir in den letzten Monaten so gemacht haben. Vielleicht sind´s 14, vielleicht auch nur 13 oder 10 Songs."

Wann wird es rauskommen?

"Vielleicht im Juli oder irgendwann im Sommer, auf jeden Fall werden wir sehr bald wieder hier unterwegs sein. Wir gehen erst nach Japan, dann im Sommer touren wir in den Staaten und im Oktober geht´s nach Australien und danach wahrscheinlich wieder Europa."

Wird die nächste Tour dann wieder von den selben Leuten organisiert?

"Ja, unser deutscher Booker erzählte mir von diversen Bands, mit denen er über Jahre zusammenarbeitete und die dann zu groß geworden sind und sich eine andere Booking-Agentur suchten. Eigentlich ist es traurig, und ich weiß nicht wie es kommt, denn für mich ist das hier Luxus. Ich bevorzuge es, auf diesem Level zu bleiben, einige größere Shows sind schon ok, eine Woche große Shows vielleicht. Aber ich mag es auch, so wie es jetzt ist, ich schlafe immer noch gerne auf dem Fußboden, ich werde wohl nie den großen Sprung wagen, ich glaube auch nicht, dass ich je vor der Möglichkeit stehen werde. Es sind schon eine Menge verrückte Dinge in der letzten Zeit geschehen. So kam Iggy Pop ins Studio und sang mit uns einen Song unserer neuen Platte. Ross produzierte nämlich auch seine neue Platte und er rief ihn an: "Hey Iggy, ich habe hier eine Band und die mögen dich ganz gern...", und wir meinten "Nein, sei ruhig!", Iggy sagte: "OK, kommt vorbei !" Wir trafen ihn, er ist verdammt nett, er mochte den Song, wir hatten noch ein paar Ideen, gingen nochmal ins Studio und nahmen den Song auf. Er steuerte einen Phonecall und den Gesang zur neuen Platte bei."

Was war deine erste selbstgekaufte Platte?

"Äh, die hab´ ich nicht gekauft, sondern meine Eltern kauften sie für mich, es war KISS´ "Destroyer", und erst verboten sie mir die Platte zu hören. Sie hatten nämlich einen Film, ich glaub es war "Helloween" in den 70ern kam er raus, ich war ein Kid und ich sagte: "Wer ist denn das ?!", und mein Dad meinte, ich dürfe das nicht sehen, aber irgendwann gaben sie dann auf und kauften mir "Destroyer". Später, als ich dann wußte, was Geld war, kaufte ich mir DURAN DURAN, das Album, und als ich nach Hause kam, sagte mein Vater, dass wir keinen Plattenspieler hätten, und ich fluchte, "Verdammt!". Also brachte ich sie zurück und tauschte sie gegen eine Kassette, und das war OZZY OSBORNEs "Blizzard of Ozz"."

Wer ist bei euch für die Texte zuständig?

"Ich, und bei "Hourglass" schrieb Toni den Text."

Speziell auf der "Vaya"-10" fielen mir diese seltsamen Songtitel auf, und bei einem Song klingt es, als würdest du im Trance vor dich hinbrabbeln, was hat es damit auf sich?

"Ach, du meinst "300MHz", das ist lustig, da alle meinten ich würde da deutsch oder französisch singen. Aber es ist nichts weiter als den Text der erste Strophe rückwärts abgespielt. Und dann auf "198d" schrieb Toni den Text, wie er überhaupt einige Texte schrieb, wo ich dann erstmal einige aussuchen und sie zu Songs verarbeiten muß, weil er sie nicht als Songtext schreibt. Aber die meisten anderen Texte habe ich geschrieben, einige sind auch auf spanisch, so zum Beispiel "Vaya" als Titel der Platte..."

Aber so Texte wie "Proxima Centauri" klingen doch ziemlich kosmisch?

"Ja, bei dem ist es so..."

Worüber handeln die Songs so?

"Der erste Song, heißt "Rascuache". Das ist ein spanisches Wort und bedeutet soviel wie geschmacklos oder schäbig. Dieser Song handelt von El Paso, und warum es da soviel Klatsch und Tratsch und Dummgeschwätz gibt. Wir sind eine der wenigen Bands von da, die überhaupt mal hier rüber gekommen sind, das heißt, wir sind schon etwas erfolgreicher. Da gibt es auch diesen Song von MORRISSEY "We hate it when our friends become successful", und der Song handelt davon, was für Scheisse man über Leute reden kann. Erst hatten wir jede Menge Freunde in El Paso, und inzwischen kann ich die echten unter ihnen mit den Fingern meiner linken Hand zählen, da sie jetzt erst zeigen, obwohl es die selben Leute sind, wie neidisch und blöd sie sind. Die meisten anderen Songs handlen aber schon von Science Fiction. Ich mag sowas wie "Dr.Who" oder "StarTrek"..."

Was denkst du über die ganze Emo-Geschichte? Würdest du deine Band als Emoband bezeichnen?

"Zuerstmal sollte jede Musik "emotional" sein. Auf die Szene und die Leute, die sich selbst Emo nennen, bezogen, nur so viel: Ich sah einige DeepElm-Bands und Bilder von ihnen, wo sie doch tatsächlich EMO auf ihre Amps geschrieben hatten. Ich mußte lachen und dachte nur; alles was die noch brauchen, ist eine Kleenex-Box dazu. Für mich ist Emo schon lange tot, er starb, als die erste FUGAZI-Platte rauskam. RITES OF SPRING, EMBRACE und FUEL kannst du Emo nennen, aber heute!? Da ist nichts mehr da, es geht nur noch ums Geld. Jeder will wie PROMISE RING, SUNNYDAY REAL ESTATE oder vielleicht REFUSED, die am ehesten noch danach klingen, sein. Leute haben uns unterstellt, wie REFUSED zu sein, aber wir wollen nicht dieses ganze NATION OF ULYSSIS-Ding wiederholen. Man vergleicht uns mit NATION OF ULYSSIS, aber die haben das Bewegen zur Musik auch nicht erfunden. Die Themen, über die wir singen, sind Wirklichkeit, wogegen sich die meisten Emobands nur irgendwelche Probleme aufbauschen. Wir hatten Freunde, die gestorben sind und haben Songs darüber geschrieben, auch über andere Dinge, die wirklich passiert sind. Auch, dass unsere Heimat El Paso ist, macht das ganze wirklicher, als sonst allgemein. Ich denke Emo ist tot, er starb vor langer Zeit, und alles was heute so umher ist, ist nur des Geldes wegen."

Was sind eure Haupteinflüsse?

"BJÖRK und Kathleen Hannah von BIKINI KILL, wegen ihrer großartigen Stimme und ihrer Bühnenpräsenz. Sie kann einen ganzen Saal mit einem Ausbruch ihrer Stimme in die Knie zwingen, einfach großartig. Außerdem mag ich Fela Kuti, diesen Nigerianer, der so Afrobeat-Funk spielte, und dann noch jede Menge Salsa und Drum´n Bass."

Ich hab schon oft gelesen, dass man euch als eine Mischung aus AVAIL, FUGAZI und SONIC YOUTH bezeichnet hat - siehst du das auch so?

"AVAIL eher nicht, vielleicht ein wenig alte SONIC YOUTH und besonders Jim, aber eigentlich auch wir alle, wuchsen mit der Musik von FUGAZI auf, was wir auch nicht verleugnen können. Ich hoffe, dass die Leute nicht denken, wir würden versuchen, sie zu kopieren oder gar auszuschlachten. Wenn überhaupt, dann sind sie einer unserer Einflüsse und wir lernen von ihnen. Wir waren noch Kids, als sie begannen."

Magst du Britney Spears?

"Als Scherz: Ja. Als Sticker auf meinem Notizbuch zum Spaß: Ja. Aber ich billige niemanden, der von Walt Disney produziert wird, also definitiv: Nein!"

Wie ist es überhaupt um die Jugendkultur in den Staaten bestellt?

"Traurig eigentlich, da gibt es zu viele Vocal-Boy-Groups wie z.B. N´SYNC oder die BACKSTREET BOYS, das ist totaler Bullshit, Mist! Ich hasse das total, das ist alles nur ein Scherz. Vor Jahren hatten wir NEW KIDS ON THE BLOCK, und das ist immer noch genau das selbe Ding."

Was sagst du zu diesem ganzen New-Metal-Zeug?

"Dazu kann ich im Moment nichts sagen, außer, dass es bald sterben wird. Respect für das, was sie machen, aber ich mag es einfach nicht. Ich sage nicht "Fuck You !" zu dem, aber es ist einfach nicht mein Ding."

OK, das wär´s dann, alles gute noch und danke für´s Interview.

Frank Nice

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #39 (Juni/Juli/August 2000)

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