Interviews & Artikel : EISENPIMMEL :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

EISENPIMMEL

Asis mit Niveau

Obwohl sie es niemals zugeben würden, ist die Duisburger Band EISENPIMMEL ein wichtiges Urgestein der deutschen Punk-Szene. Nachdem sich EISENPIMMEL bereits Mitte der 80er Jahre gründeten, in jenem Jahrzehnt aber gerade einmal zwei Konzerte spielten, änderte sich die Strategie der Band, um von einer größeren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, zehn Jahre später radikal. Nun spielten sie gar keine Konzerte mehr, dafür erschienen die ersten Platten. Erst 2005 traten EISENPIMMEL wieder live auf, allerdings lag zu diesem Zeitpunkt ihre letzte Studioplatte „Sexmaschinen tanken Super“ bereits fünf Jahre zurück. Nun ist mit „Füße hoch, Fernsehn an, Arschlecken“ tatsächlich ein neues Album der Band erschienen. Die vollmundige Ankündigung aus dem Presseinfo, dass für das Jahr 2016 eine Nordrhein-Westfalen-Tournee geplant sei, verstehe ich daher einfach mal als Witz, aber sicher bin ich mir nicht.

Ich traf mich mit Bärbel Rotzky (voc), Wolle Pannek (git), Siggi Katlewski (voc) und dem Bassisten Karl Arsch in einer ranzigen Ruhrorter Kneipe, in der zwar das Klo kaputt war, das Glas Bier aber nur 80 Cent kostete. Man kann EISENPIMMEL durchaus für besoffene Trottel halten – aber immerhin haben sie einen Sinn für das passende Ambiente. Da ich ihre Ausdrucksweise so entzückend finde, habe ich die Antworten im O-Ton belassen.

Warum nach neun Jahren jetzt ein neues Studioalbum?

Wolle: Super, dat hätt ich getz auch gefracht.

Bärbel: Ich nich. Ich wär ersmal auf die Leute eingegangen, bissken wat Privates, bissken wat Bisiness, Stück Polletik dabei und fertich is die Laube.

Wolle: Häh, wie bis du denn drauf? Polletik ...

Karl: ... macht Weiber dick.

Siggi: Eben, du willz doch nur wieder wat zu sabbeln haben ...

Bärbel: Zähne zeicht, wer dat Maul aufmacht!

Siggi: Haha, du Blödkopp, du hass doch gar keine Zähne mehr!

Bärbel: Doch, hinten sind doch noch zwei, daneben auch und dat Teil, wo die Brücke dranhängt, hier, kuck!

Siggi: Komm, lass stecken, ich nehm ja allet zurück.

Karl: Ja, also, weshalb wir die Platte gemacht haben, war ...

Bärbel: Ach so, unten links hab ich noch’n halben Zahn, der zählt auch, is noch mit Wurzel!

Wolle: Wurzeln sind wichtich.

Bärbel: Genau. Wat is getz mit die Frage? Wolltse dich nich mal äußern dazu?

Danke, ich meine, mal ganz direkt gefragt: In der heutigen Zeit, wo in jedem Monat hunderte Platten erscheinen, macht da eine neue EISENPIMMEL-Platte überhaupt noch einen Sinn?

Karl: Dat stimmt. Man geht da echt unter. Und jede Gruppe heißt auch noch anders!

Siggi: Echt abgefahren, Mann.

Bärbel: Dat gibt ja auch immer weniger Bands, die sich ähneln, gerade im Oi!-Punk. Deswegen ham wir getz ’ne Platte gemacht, die sich total gleich anhört. Um dat Ganze wieder zu vereinen.

Wolle: Dat Doowe is nur, dat gibt so viele Pissbands heutzutage, da fallen wir gar nicht mehr auf.

Wer zum Beispiel?

Siggi: Keine Ahnung. Wat mich betrifft, ich kenn echt keine einzige Band. Außer wir.

Bärbel: Dat stimmt, er is’n wandelndes Entwicklungsland.

Meinst du jetzt nur die letzten zwanzig Jahre?

Bärbel: Nee, nich nur Kongo, Somalia und so – allet! Dat ganze Elend musse mal global betrachten.

Siggi: Global? Wat hier zählt, is wichtich getz ersmal. Der Typ will wissen, ob ich keine einzige Band kenne, und ich sach, ich kenn wirklich keine einzige Band, ich hör ja auch keine Musik, weil dat zu Lasten vonner Eigenständichkeit geht, ich mein, Elvis oder so, der hört sich auch nix mehr an.

Das ist wohl wahr.

Siggi: Die letzte Band, die ich gehört hab, waren die SEX PISTOLS, da waren die gerade mal 12 oder wat, ich war auch 12, wir ham uns so’n bissken gegenseitig geprächt, dat war damals so üblich. Und dann immer Protest, verstehsse, nix mit Bier, dat kam erst später. Wenn man sich mal’n bissken mit Punk beschäftigt, dann is Protest eine von unsere Wurzel, würd ich sagen, dann is auch klar, wo wir herkommen und wo wir hingehen mit unserm Rock gegen Teile der Gesellschaft.

Welche Teile?

Siggi: Et gibt alle, denk ich mal. Auf unserer neuen Platte kann sich jeder wiederfinden, der irgendwie inne Gesellschaft is.

Karl: Dat is aber nur ’ne Vorübergangslösung mit der Platte, wir sind ja eher auf dem Weg zur Seite.

Zur Seite?

Karl: Ja, im Sinne von nich nach oben, is klar, dat is schon ziemlich wat Eigenes, immer schon, wir machen ja Punk mit Geschmacksverstärker. Manchmal frag ich mich: Wie gehn wir denn ab? Gerade getz mit die neue Platte: Jeder Ton ein Knaller, aber auch gleichzeitich ein schwarzes Loch. Ich bin da übrigens auch maßgeblich dran beteiligt, wenn ich dat mal sagen darf ...

Wolle: Dat stimmt: Karl Arsch hat die ganze Zeit Bass gespielt.

Karl: Und einmal Tröte.

Blöde Frage, wieso wählt man sich einen Künstlernamen wie Karl Arsch?

Karl: Wieso Künstler? Ich bin Bassist!

Bärbel: Er kann aber auch Gitarre!

Karl: Ich hab halt viel mit Arbeit zu tun.

Seit es EISENPIMMEL gibt, gibt es auch Sexismusvorwürfe.

Bärbel:Hab ich noch nie gehört.

Siggi: Wo und wat?

Wolle: Irgendeiner hat auch mal gesacht Satire. Satire und Sexismus. Oder war dat umgekehrt? Irgendwat mit S ... Kerl, sach doch mal!

Bärbel: Stratokumulus?

Wolle: Nee!

Bärbel: Silifikation?

Wolle: Nee, irgendwat Negatives...

Siggi: Egal, wat et is, et is auf jeden Fall ’ne Frechheit von die Leute! Weisse, du stehs da als Künstler, machst dir Gedanken, verstehsse, reißt dir den Arsch auf und gibs den Leuten wat mit auf den Weg und alles, wat man kricht, is Vorwürfe.

Bärbel: Singular, du Dämlack, dat is für ’ne Zeitung!

Siggi: Singular am Arsch, dat is ja auch wieder so’n Ding, dat die Leute, und grad die Olle hier, immer am rumhacken tun wegen unser Deutsch. Ich weiß, dat is nich so gut wie Möllemann oder wat, aber geh du mal rotzbesoffen inne Schule und versuch, dich wat zu behalten!

Karl: Musse dir Zettel machen!

Siggi: Getz, wa? Ich geh doch gar nich mehr inne Schule, du Follfosten. Aber getz, wo du dat sachz, wunder ich mich, wie gut ich unsere Texte behalten hab die ganzen Jahre.

Bärbel: Und die ganzen Namen von uns!

Siggi: Geil, wa?

Wolle: Also, ich hab mit Pferden nix am Arsch.

Ihr habt ja seit zwei Jahren auch eine eigene Modefirma.

Bärbel: Klar, wir ham ja sonnz nix zu tun. Gut, manchmal besprech ich Tassen, aber ...

Du machst was?!

Bärbel: Ich besprech Tassen. Und Kugelschreiber. Da kommt dann einer vorbei, nimmt meine schöne Stimme auf und ich sach dann „Ich liebe Heidelberg“, „Lang lebe Tohstbrot“ oder so’n Scheiß. Und dann werden davon 50.000 Tassen gemacht, die de dann bei Penny-Markt oder so kaufen kannz.

Ist ja irre! Hast du eine dabei?

Bärbel: Klar, ich schlepp die Scheiße auch überall hin mit, wa?

Karl: Ich hab eine Wahge mit ihre Stimme drauf, aber die hab ich auch nicht mit.

Bärbel: Ist dat die mit „Nimm ab, du fette Sau“?

Karl: Ja, dat is besser wie jede Diät, sach ich dir.

Kann ich mir vorstellen. Aber zurück zu eurer Klamottenfirma ...

Bärbel: Eisenpimmel-Streetwear, ja, da gibbet nix Großes zu erzählen von. Wir haben da ein Pariser an der Hand, der unsere Ideen voll umsetzt.

Karl: Ich hab kein Pariser an der Hand.

Bärbel: Du hass auch keine Ahnung von Kunst.

Ich hab mir mal ein Teil aus eurer Kollektion gekauft und mich gefragt: Wieso Streetwear? Gibt es da nicht genug andere Anbieter?

Bärbel: Nee, gibbet nich, Streetwear is absolut einzichartig, dat musse auch mal so sehn.

Karl: Ich glaub, der Typ meint, dat Streetwear ausgrenzt, so im Groben.

Wolle: Klar, dat wissen wir selber. Deshalb fangen wir ja nur mit der Straße an, aber wir arbeiten daran, dat man die Klamotten auch zu Hause tragen kann. Die Ulligen von unserm Schlachzeuger tragen dat auch, zum Teil sogar schon indoor, wie wir Fachleute sagen.

Wo sind die überhaupt, ihr seid doch sechs Leute?

Karl: Mütze und Addi können heute nich, die ham Kinder, So wie ich dat sehe, is dat Verantwortung. Vier Stück glaub ich. Ich hab auch welche, aber ich seh dat locker. Zwei.

Dafür, dass ihr bis vor ein paar Jahren so gut wie nichts auf die Kette bekommen habt, seid ihr jetzt ganz schön aktiv. Ihr habt ja früher sogar die Interviews immer von anderen Leuten machen lassen!

Wolle: Ja, aber irgendwann is dat rausgekommen, weil sich so’n paar Sachen im Laufe der Zeit widersprochen haben, und die Leute ham dat dann gescheckt, aber dat war schon cool von uns. Da hieß et dann: Interview mit Intro oder Spex oder wat weiß ich, jo, alles klar, wir den Termin klargemacht und dann immer irgendwelche Leute von der Trinkhalle hingeschickt, wa?

Siggi: Wir haben denen natürlich vorher ein paar Sachen erzählt, wie die Gruppe heißt, in der se getz sind, wie geil Punk is, wat wir so essen und so weiter.

Bärbel: Aber jetzt machen wir dat alles selber. Die Originale, verstehsse? Hier, willze mal anfassen?

Wolle: Wir spielen getz auch wieder selber auf Konzerte.

Karl: Genau. Wo EISENPIMMEL dran steht, is auch EISENPIMMEL drin.

Siggi: Sogar die EISENPIMMEL REVIVAL BAND, die wir seit zwei Jahren machen, is von uns selber. Zu oft verarscht worden.

Und wie war das früher? Ihr habt ja in den Neunziger Jahren selbst kein Konzert gegeben, wenn ich richtig informiert bin.

Siggi: Nee, wir nich persönlich, aber die andern. Vor zehn Jahren oder wat, da gab et ’ne zeitlang ja drei Gruppen, die alle EISENPIMMEL heißten. Wir ham uns gesacht – schön und gut, lass die mal machen, hasse keine Arbeit mit, kannze in der Zeit schonmal wat trinken, hasse dat auch schonmal vonne Backe.

Bärbel: Dat konnten die allerletzten Hänger sein, aber solange die nur EISENPIMMEL-Lieder und nich irgendwie Bluesrock gespielt haben, war dat in Ordnung.

Ich hab gehört, dass zu der Zeit auch EA80 mal als EISENPIMMEL gespielt haben, dachte immer, das wär nur ein Gerücht.

Bärbel: Neenee, auf ’ner Plastic Bomb-Party in den Neunzigern war dat so. Martin hat sich auch dafür bei mir entschuldigt.

Da scheint es ja eine langjährige Verbindung zu geben, zumal im September in Duisburg ein Konzert zusammen mit EA80 stattfinden sollte ...

Siggi: Ja, weil dat einfach super gepasst hat, is ja beides Punk.

Wolle: Wir versuchen, Punk zurück im Punk zu bringen.

Karl: Aber Martin hatte Mandelprobleme, ging nich. Mussten wir alleine spielen. Paar Lieder von der neuen Platte, paar alte dabei, so gemischt, wa?

Siggi: Wir holen dat aber nächstes Jahr nach.

Wird das dann wieder so eine Geheimveranstaltung? Mit Öffentlichkeitsarbeit läuft ja bei euch ohnehin nicht so viel. Ihr habt ja nicht einmal eine eigene Homepage!

Siggi: Dat is aber nich meine Schuld. Mir hat ja erst vor einem Monat so’n Schecker erklärt, wat dat überhaupt is, Homepage.

Wolle: Ich sach mal, noch sind wir nich bei Null. Et gab sogar mal eine Homepage von uns, nämlich echtepunkbandshabenkeinehomepage.de, verstehsse, dat war purer Protest gegen die eingefahrenen Strukturen.

Bärbel: Wir sind nämlich vonne Straße.

Wolle: Und wat hat ’ne Homepage mit Bahnhof zu tun?

Siggi: Nix. Aber ich weiß wenichstens, wat dat is.

Das heißt, man kann euch nicht erreichen?

Karl: Doch, unser Label macht dat getz für uns. Homepageses sind ja kein Punk, aber dat sind die vom Label auch nich, von daher geht dat okay für mich.

Wie heißt sie denn, die Homepage?

Wolle: Ach, dat is ’ne ganz normale Homepage, nix mit tiefergelegt oder wat, aber wie die jetzt heißt, dat kann ich dir auch nich sagen.

Siggi: Dat is ’ne ganz normale Homepage.

Karl: Ganz normal.

Wolle: So zum anklicken.

Siggi: Obwohl, ich glaub, da brauchse’n Computer für.

Karl: Oder’n Zugang zum Computer.

Wolle: Dat der quasi in ein Raum is mit einen, dene gut kennz.

Bärbel, was sagst du dazu?

Bärbel: Ich muss mir im Kopp erstmal ein Bier trinken.

Christian Wollschlegel

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #87 (Dezember 2009/Januar 2010)

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