Interviews & Artikel : KYLESA :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

KYLESA

Der offene Himmel als Grenze

„Short, hard and sweet“ werde der Gig trotzdem, prophezeite Laura Pleasants von KYLESA auf meine Frage nach dem obskuren Veranstaltungsbeginn um 18:30 Uhr an einem Freitag im Hamburger Grünspan. Und so war es auch. Im Gegensatz zum Groove-Monster CLUTCH, das der Headliner des Abends war, waren KYLESA die Band für das Grobe, laut, brachial und hypnotisch zugleich, die legitimen Nachfolger von Bands wie NEUROSIS einerseits und PINK FLOYD andererseits, denn diese beiden Extreme vereinigen KYLESA in ihrem Sludge-Metal-Crust-Punk-Psychedelic-Hardcore-Doom-Gebräu, welches live dank zweier Drummer noch heftiger wirkt als auf Konserve.

Fangen wir mal mit etwas Grundlegendem an. Wie spricht man euren Bandnamen nun wirklich aus? Von „Keilisa“ bis „Keilessju“ ist mir alles untergekommen.

Man spricht es einfach „Keilessa“ aus, irgendwie tun sich die Europäer damit schwer. KYLESA ist an den buddhistischen Begriff „Kilesa Mara“ angelehnt, das heißt soviel wie „Dämonen der Schändung“ und beinhaltet alles, was dich davon abhält, den Zustand des Nirwanas oder der Erleuchtung zu erreichen, also Neid, Verwässerung oder Aversion. Diese düstere Bedeutung hat uns gefallen. Alle anderen coolen Bandnamen waren außerdem schon vergeben.

Was hätte ich verpasst, wenn ich „Static Tensions“, eure letzte Scheibe, nicht kannte?

Ich würde sagen, dass „Static Tensions“ eine Zusammenfassung aller unser Experimente der letzten Jahre ist, aber in verkürzten Songstrukturen. Alles ist verdichtet und trotzdem verfeinert. Ich glaube, es ist unsere bisher kompakteste und beste Platte.

Und es ist auch die erste, auf der man eure beiden Drummer gut hört. Das war auf „Time Will Fuse Its Worth“ noch nicht so.

Auf „Time Will Fuse Its Worth“ hatten wir ja zum ersten Mal zwei Schlagzeuger. Die Aufnahmen waren schwierig, wir hatten noch keine Ahnung, wie wir das beim Aufnehmen und im Mix am besten machen sollten. Dann ist noch unmittelbar vor den Aufnahmen die Großmutter eines Drummers gestorben und er musste alles nachträglich einspielen. Das war großer Mist mit viel Schneiden und Basteln. Wir haben schon darüber nachgedacht, die ganze Platte noch mal neu zu mischen, weil wir eigentlich mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Diesmal haben beide live eingespielt, das ging wesentlich besser.

Woher kommt die Idee mit den zwei Schlagzeugen? NEUROSIS sind euch ja ähnlich und haben live dieses Tribal-Drumming gemacht.

Ja, aber es gab schon eine ganze Reihe anderer Bands mit zwei Trommlern, etwa BUTTHOLE SURFERS, GRATEFUL DEAD oder die ALLMAN BROTHERS. Wir wollten von Anfang an zwei Schlagzeuger haben, um mehr Dynamik und Heavyness zu haben. Schließlich sind wir eine sehr rhythmische Heavy-Band. Live gibt es uns außerdem sehr viel mehr Power.

Eure erste Scheibe war noch Standard-Hardcore, die „A 100° Heat Index“-EP Lichtjahre weiterentwickelt und die Split-LP mit CREAM ABDUL BABAR noch mal anders.

Ja, das stimmt, die Split-LP war so etwas wie ein Wendepunkt in unserer Geschichte. Damals hat niemand Psychedelic mit Hardcore vermischt, vielleicht NEUROSIS oder ISIS, aber niemand hat Hardcore-Songs mit Trip-Gefühl in drei Minuten verpackt. Die Songs haben wir aber schon unmittelbar nach unserem Debüt aufgenommen.

Du hast in einem anderen Interview gesagt, ihr wollt mit dieser Tour in der Metal-Szene bekannter werden. CLUTCH sind da zwar sehr angesehen, aber auch nicht wirklich eine Metal-Band.

Unsere Wurzeln sind ganz klar im Punk oder Hardcore, aber wir haben schon immer in beiden Szenen gespielt. Wir wollen uns nicht musikalisch limitieren lassen, indem wir nur Punk oder Metal oder Sludge spielen. Wir wollen, bildlich gesprochen, den offenen Himmel als unsere musikalische Grenze, weil wir eben von so vielen Stilen beeinflusst sind. Deshalb haben wir auch nicht den typischen Fan, es ist eine gesunde Mischung von Leuten. CLUTCH sind keine Metal-Band, wir aber auch nicht, nur weil wir einige Metal-Elemente übernommen haben. CLUTCH haben uns einfach gefragt, ob wir dabei sein wollen, und im Grunde war es das.

Wie fühlst du dich so als Frau in der Metal-Szene, der ja oft Sexismus nachgesagt wird?

So krass würde ich das nicht sagen. Metal ist sicher mehr von Männern dominiert, Sexismus habe ich aber in allen Szenen kennen gelernt. Grundsätzlich ist es natürlich eine schwierige Frage für mich, weil ich ja schon immer eine Frau war und mir deshalb die Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Wahrscheinlich wäre es schon anders, wenn ich ein Mann wäre. Ich betrachte aber auch nicht alles aus dem Geschlechterblickwinkel. Ich gehe da raus auf die Bühne und spiele und bin kreativ.

Um mal bei den Standardvorurteilen zu bleiben: Gitarre spielen ist für Frauen ja ungewöhnlich. Normalerweise müsstest du singen oder Bass spielen.

Oh nein, normalerweise bin ich der Tourmanager. Und wenn nicht, dann vielleicht Bassist. Es gibt eben nur ein paar Gitarristinnen. Aber ich bekomme großen Respekt entgegengebracht, gerade von Frauen und jungen Mädchen, die auf einer Show das erste Mal eine Frau Gitarre spielen sehen. Da fungiere ich als positives Image, gerade weil Metal ja so männerdominiert ist.

Aber du hast eigentlich kein Image im klassischen Sinne. Du bist nicht die „Bitch“ oder das Gothic-Girl am Gesang.

Das stimmt, ich passe nicht in das Buch der Standards, das ja viele Frauen interessanterweise für sich selbst benutzen. Ob von sich aus oder gezwungenermaßen, sei mal dahingestellt. Viele Frauen und Musikerinnen werden ja unter rein sexuellen Aspekten betrachtet, damit wollte ich nie etwas zu tun haben. Auch für uns als Band kam es nie in Frage, in diese Richtung zu gehen. Das ist aber auch ein wichtiger Punkt für die jüngeren Frauen, die auf der Bühne eine Gitarristin sehen, die nicht unter sexuellen Gesichtspunkten vermarktet wird oder agiert. Du brauchst kein Fick-mich-Outfit auf der Bühne, wenn du Rock’n’Roll spielst. Es tut mir gut, in diesen von Image geprägten Szenen nicht so kategorisiert zu werden.

Ihr habt aber immer diesen wütenden Gesang, auch von dir. Bist du ein wütender Mensch?

Sicher ist in unserer Musik viel Wut, aber ich bin eigentlich kein wütender Mensch. Einer der Gründe, Musik zu machen ist für mich ganz klar Katharsis, das ist ein guter Weg für mich, den Dreck aus mir herauszulassen. Wir spielen eben keine nette Musik.

Ollie Fröhlich

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #88 (Februar/März 2010)

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