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Interviews & Artikel

CROWD OF ISOLATED

„Musik hat nichts mit Spaß zu tun.“

Wir schreiben das Jahr 1987 und vor gut einer Stunde traf das erste jemals von mir bestellte Mailorder-Päckchen (damals aus dem Hause X-Mist) bei mir zu Hause ein. Darin befanden sich die erste SO MUCH HATE-LP, eine MDC-LP und „I Try To Tell About A Way“ von CROWD OF ISOLATED. Alle drei Platten waren auf ihre eigene Art großartig, aber das Debütalbum dieser jungen Burschen aus dem Saarland schaffte ohne Umwege einen zweiten Durchlauf auf meinem Plattenteller. Erfrischende Hardcore-Songs und ehrliche – weil sehr persönliche – Texte zogen mich in ihren Bann und ließen schnell das gewöhnungsbedürftige Englisch des Sängers vergessen. Nach einer längeren Pause tauchten CROWD OF ISOLATED 2007 wieder aus der Versenkung auf und Sänger Michael Kammer – formerly known as Gurke – nahm sich gern die Zeit, sich mit mir in ein E-Mail-Duell zu stürzen.



Von Ende der Achtziger bis in die Neunziger hinein waren CROWD OF ISOLATED ziemlich aktiv. Ihr habt zwei LPs veröffentlicht und seid landauf, landab viel auf Tour gewesen. Dann wart ihr plötzlich verschwunden und erst seit 2007 wieder am Start. Wo seid ihr in der Zwischenzeit gewesen?

Es gab eigentlich niemals den festen Entschluss, COI aufzulösen, wurde von uns auch nie so untereinander kommuniziert, beschlossen oder nach außen getragen. Fest steht auf jeden Fall: die Luft war etwas raus, auch musikalisch. Vieles nervte am standardisierten Bandgeschehen: proben, Songs schreiben, fahren, Gigs checken. Es war einfach so eine Entwicklung, und jeder, auch eine Band als Einheit, ist letztendlich in seiner Entwicklung das Ergebnis von äußeren Einflüssen, Konstellationen und von mir aus auch Lebensentwürfen. Wenn ich jetzt 2010 darüber nachdenke und die Zeit zu erfassen versuche, sehe ich eben vier junge Kerle vor mir, die gerade die Welt für sich entdecken. Wir waren verdammt jung, als wir mit CROWD OF ISOLATED anfingen. Als wir die ersten Gigs spielten, waren Claus und Jürgen gerade 16 geworden. Ja, und da prasselt eben noch so manches andere auf dich ein, was dich in dieser Lebensphase erfasst, Beziehungen, Studium, Ausbildung, die Suche nach Unabhängigkeit vielleicht. Ich glaube, es war 1992, als wir unseren letzten Gig spielten, ohne zu planen, das sei nun der letzte. Claus und ich spielten mittlerweile auch bei der Band TOUCH DOWN und steckten alle Energie in dieses Projekt. Hinzu kam mein Ortswechsel wegen Studium im 300 Kilometer entfernten Siegen, so dass die Zeit zum Proben immer knapper wurde und irgendwann die Sache unausgesprochen versandete.

Und was geschah in der Zwischenzeit?

Auf dem Programm standen Dinge wie Studium, Jobs, Nachwuchs, Projekte, ständiges Ändern der Wohnsituation und und und ... Ich kann jetzt nur für mich reden: Ich arbeite als Pädagoge in der Jugendarbeit, unterstütze selbstverwaltete Jugendzentren und versuche mich ständig in Sachen Jugendkultur. Ich habe viele Jahre lang Konzerte organisiert in kleinen wie großen Läden, hauptsächlich im Bereich Punk, Indie, Hardcore. Klar, haben wir auch alle weiterhin mehr oder weniger in Bands gespielt. Claus und ich spielten, wie schon erwähnt, bei TOUCH DOWN, einer Math-Frickel-Jazz-Core-Kapelle, die meist missverstanden wurde, so bis 1994, glaube ich. Jürgen und Guschtel gründeten die Hardcore-Band BUSHFIRE mit etwas größerem Erfolg – heute teilweise bei STEAKKNIFE. 1996 kam dann JACK ANAPES aufs Tableau, bei denen ich wieder den Gesangspart übernahm. Eine CD erschien 1997 auf Short Egg Records. Die Band ging so Richtung DC-like und löste sich dann irgendwann in den 2000ern wieder auf.

Als ihr damals mit der Band Schluss gemacht hattet, habt ihr euch da schon gesagt, wenn es wieder Spaß macht, können wir ja irgendwann wieder was zusammen probieren?

Ja und nein. Der Unterschied war hierbei nur, dass wir das niemals für uns oder untereinander so formuliert hatten. Für mich war immer klar, dass die Band einer der wichtigsten Parts in meinem Leben war und ist und deshalb dieses Kapitel auch nicht immer während geschlossen sein kann. Irgendwie war uns immer klar, dass es zu einem späteren Zeitpunkt eine Fortsetzung geben wird. Natürlich hat jeder von uns – und auch wir gemeinsam – sich die Frage gestellt, was man damals im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten hätte „anders“ oder gar „besser“ machen können. Hätte man „mehr“ aus der Sache rausholen können? Was letztendlich aber keine Rolle mehr spielt, da alles so gelaufen ist, wie es sich eben zu jener Zeit realisieren ließ und unserer damaligen Motivation und Willen entsprach. Punkt und aus! Die Band war immer eine der wichtigsten Phasen in meinem Leben, auch in den 15 Jahren dazwischen, ohne diese gemeinsame Zeit und Erlebnisse wären wir alle nie zu den Personen geworden, die wir heute sind. Existenzielle Grundeinstellungen, so denke ich, manifestieren sich oft erst durch gelebte Politik oder kulturelle Ausdrucksformen, insbesondere in der Lebensphase, in der wir jene Erfahrungen sammeln durften. Genau: der richtige Zeitpunkt musste gefunden werden, wir haben ja Zeit. Für alle vier war auch über die lange Durststrecke klar: CROWD OF ISOLATED hat sich nicht aufgelöst, irgendwann tun wir uns sicherlich wieder zusammen und machen weiter, in der einen oder anderen Form. Alles ist möglich, time will tell.

Was war das für ein Gefühl, als ihr dann nach 15 Jahren Pause wieder auf der Bühne standet?

Kurz gesagt, würde wahrscheinlich „befremdlich und doch vertraut“ das Gefühl in der Situation am treffendsten beschreiben. Spannender fand ich fast die erste gemeinsame Probe nach all den Jahren. Und plötzlich stehst du dir im Ü-Raum gegenüber und hast Angst wie der Torwart vorm Elfmeter. Geht das noch, wie klingt das, kommen wir musikalisch noch miteinander aus? Fragen über Fragen und dann: alte Songs und Gänsehaut, klingt wie gestern erfunden und dir fällt es wieder ein: Ja, genau, das ist ein Teil von uns – und umgekehrt. Was folgte, waren fast zwei Jahre Stücke schreiben und Ideen umsetzen, bis wir uns dann doch entschlossen, wieder live zu spielen, was eigentlich gar nicht so geplant war, sprich: unsere Hauptintention war. Im Vordergrund stand für uns der Spaß am gemeinsamen Songs basteln, einfach so, einmal die Woche treffen und rumlärmen, ohne Druck: „Wir haben ja Zeit.“ Nachdem dann doch einige Veranstalter auf uns aufmerksam geworden sind, trudelte die eine oder andere Anfrage bezüglich Shows ins Haus. Schließlich entschlossen wir uns, zusammen mit REAGAN YOUTH im August 2009 in Saarbrücken aufzutreten. Klar stellst du dir mit über 40 dann schon die Frage: Wie kommt das so rüber? Früher waren wir doch recht agil on stage, wollen wir das noch, ist das authentisch oder doch nur Farce, wer will das überhaupt sehen? Das kribbelte dann schon irgendwie. Weniger wegen so etwas wie Lampenfieber, sondern eher aus der Spannung heraus, wie das letztendlich auf uns wirkt und wie du damit umgehst. Aber es war eine feine Sache, ab dem ersten Ton knallt es dich weg und du bist in dem Ding drin, als hätte es nie die lange Zeit dazwischen gegeben. Viele alte Bekannte waren gekommen, um vielleicht alte Erinnerungen aufzufrischen und die neuen Songs zu hören, auch Leute, die uns nur – weil zu jung – aus Erzählungen kannten. Eine lustige Sache.

Die Situation hat sich ja auch in „unserer Szene“ über die Jahre sehr geändert. Denkt ihr, dass die Leute noch zuhören, was ihr zu sagen habt, und inwieweit sind eure alten Texte heute noch relevant?

Da hat sich wohl einiges getan in den letzen 20 Jahren. Nur kurz mein persönlicher Eindruck: Durch das Organisieren von Konzerten bin ich in den letzten 15 Jahren vielen Bands und auch vielen jungen Bands begegnet, die wohl irgendwie in den Zusammenhang mit Underground, Punk, Indie, HC, irgendwas zu bringen waren. Oft war ich sehr erstaunt oder überrascht, wie wenig „subkultureller Background“ bei den Leuten vorhanden war, den ich eigentlich vorausgesetzt hatte. Deren Musik quasi völlig isoliert den luftleeren Raum füllt, will sagen: losgelöst vom Kontext, also nur Kulisse ohne Unterbau. Allein die Musik mit passendem Outfit und Habitus als Eintrittskarte in die schöne bunte Welt des Underground. Mittlerweile ist vieles zur Farce geworden. Eine Euphorie jagt die nächste, völlig sinnentleert und inhaltslos, just fashion. Und das als vollständig zu reproduzierendes Schnittmuster und wir alten Säcke sind mal wieder am stänkern und gehen mit so konservativen Tugenden hausieren wie etwa Individualität zu entwickeln oder auch nur zuzulassen. Doch zurück zu COI, die bei weitem nicht die Absicht hatten, die Besucher der Punk-Oldie-Abende und Ü40-Punker-Partys dieser Republik mit ihren alten Songs zu quälen. Als wir uns entschlossen, uns nun wieder öfter zu treffen und zu proben, stand sogar die Frage im Raum: „Heißt das jetzt wieder COI, oder suchen wir uns einen neuen feschen Namen?“ Wir blieben dann aus Bequemlichkeit beim alten Namen, macht ja auch nichts. Natürlich stand auch die Frage nach den alten Songs im Raum. Da wir schon immer lieber an neuem Material arbeiteten, als die fertigen Sachen einzustudieren, hielten wir uns auch nur kurz mit dem Spielen der alten Crowd-Stücke auf. Wir haben wirklich lange diskutiert, bis wir uns dazu durchgerungen hatten, überhaupt das eine oder andere alte Stück dann live zu spielen. Viele der alten Texte passen halt einfach nicht mehr zum Kontext, zur Zeit und zu unserem Alter. So ehrlich sollte man dann schon sein. Es war uns von Anfang an klar, dass wir keine Titel mehr spielen können beziehungsweise Texte singen, die wir im Alter von 18 Jahren geschrieben haben, gerade die persönlichen Sachen, weniger die politischen. Die Texte haben für uns immer noch den gleichen Stellenwert wie vor 20 Jahren, und wenn ich nichts zu sagen habe oder erzählen möchte, stelle ich mich nicht auf eine Bühne. Früher haben wir es immer scherzhaft und zynisch formuliert: „Musik hat nichts mit Spaß zu tun.“ Da steckt auf jeden Fall ein Stück Wahrheit drin. Ob die Leute das nun hören möchten oder generell an Inhalten interessiert sind, kann ich schlecht beurteilen und nur hoffen. Wer war das noch, der sich etwa so äußerte: „Kunst ist nur Kunst, wenn man sie als Waffe gebraucht!“ Ich hoffe, man spürt bei uns noch was davon.

Wie reagieren Freunde und Bekannte, wenn sie euch jetzt wieder auf der Bühne sehen?

Da gibt es einmal die Fraktion von früher, die damals auch schon zu unseren Gigs kam. Die haben sich alle mächtig gefreut, uns nach all der Zeit mal wieder in trauter Runde zu treffen, viele waren einfach gespannt, wie COI 2009 klingen und aussehen. Das hat ja sicherlich für viele was Nostalgisches, das ist ja auch okay soweit, und nach meiner Einschätzung haben die meisten das recht positiv aufgenommen. Dann gibt es noch die Gruppe, die uns eben Ende der Achtziger nicht gesehen hat, wegen Alter, anderen Interessen, etc. Die waren dann natürlich noch bedeutend mehr gespannt, weil sie die Band ja nur von Konserve oder auch Fotos kannten, fanden das aber alle durchweg spannend. Es war dann schon teilweise lustig, von der Bühne in die Gesichter von Freunden zu schauen, die uns bislang nur als braven Papa, oder eben als auf jeden Fall deutlich gealterten Punkrocker kannten.

Du hast viele neu geschriebene Songs erwähnt. Werden diese in absehbarer Zeit auch von jemandem veröffentlicht werden?

Wir haben jetzt gerade über die letzten Wochen einige Songs in unserem eigenen kleinen Studio eingespielt. Die Aufnahmen müssen jetzt noch vervollständigt werden. Ich denke, das ist ganz gut geworden, mal sehen ... und hören. Was daraus wird? Auf jeden Fall was für die Website und zum Verschicken an Veranstalter. Wir können uns auch was in Eigenregie vorstellen, D.I.Y.-USB-Stick oder so was, oder auch Vinyl. Ich denke, CD ist wohl nicht mehr das Medium der Zeit, mochten wir eh noch nie so recht. Wenn sich allerdings jemand findet, der uns auf seinem Label veröffentlichen will: um so besser.

Wie hat sich dein eigenes Konsumverhalten in dieser – auch musikalisch – schnelllebigen Zeit verändert?

Ja, greifen wir das Thema D.I.Y. auf. Das war für uns stets eine wesentliche Komponente und ist es auch heute noch. Die verbliebene Auswahl an Tonträgern, die in diesem Kontext noch eine Rolle spielen, ist doch recht überschaubar. Tapes waren da immer das Sinnbild der D.I.Y.-Kultur, da greifen auch einige Labels und Bands wieder drauf zurück. Es ist aber im Grunde sehr speziell geworden und wohl letztendlich doch nur so ein Spartending und manchmal nistet sich bei mir da so der Verdacht von Aufteufelkommraus-Retro-D.I.Y.-Nostalgie ein. CD würde sich natürlich auch anbieten, doch welchen Stellenwert hat die noch? Begreift man die Band hier als Künstler und den Tonträger als Kunstwerk, bleibt der üble Beigeschmack von Eins-zu-eins-Reproduzierbarkeit für den so genannten Konsumenten oder auch Liebhaber. Will heißen: War es früher noch ganz was Besonderes, seinen „Output“ auf den „Markt“ zu bringen, ist das heute ohne große technische und organisatorische Bemühungen leistbar, hat also seinen Reiz und an kultureller Einzigartigkeit eingebüßt. Was bleibt? Für mich ganz klar die Schallplatte, die weiterhin den gewissen Sonderstatus als „Kunstmedium“ innehaben wird. Bekanntlich ist die Herstellung recht teuer, vor allem, wenn man bei einer Auflage XY nicht sicher sein kann, ob die Nachfrage sich bei Veröffentlichung derart gestaltet, wie erhofft.

Der Familien wegen ist es für euch sicherlich schwierig, ausgiebig auf Tour zu gehen, oder könnte euch das noch mal reizen?

Du sagt es, Touren lässt sich aufgrund von familiären Backgrounds und festen Jobs nicht mehr so einfach realisieren, ist auch in extremem Maße nicht mehr beabsichtigt. Ab und an mal übers Weekend weg, schön reisen, nette Leute treffen, viel Kaffee – statt Bier – trinken, Spaß beim Spielen haben, das ist okay für uns. Alles andere wäre reine Illusion, und bei weitem nicht unsere Absicht. Reizen würde mich das auf jeden Fall noch mal, wie gesagt, wenn eben sämtliche Interessen besser unter einen Hut zu bringen wären. Einfach mal abwarten, was passiert. Wer uns in seiner Stadt sehen möchte – einfach melden und dann organisieren!

Christoph Lampert

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #89 (April/Mai 2010)

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