Interviews & Artikel : JUSTIN TOWNES EARLE :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

JUSTIN TOWNES EARLE

Vom Junkie zum neuen Hank Williams

Als Sohn des legendären Steve Earle hatte der junge Justin Townes Earle das denkbar schlechteste Vorbild, das ein Teenager nur haben kann. Singer/Songwriter-Ikone Steve Earle sorgt mit seinen sieben Ehen, unzähligen Gefängnisaufenthalten und Drogenexzessen immer wieder für Schlagzeilen. Anfangs schien es, dass auch Sohn Justin Townes Earle ihm auf diesem Pfad folgen würde. Nachdem Justin eine Überdosis Heroin nur knapp überlebte, gelang ihm der Neuanfang. Er wurde clean und veröffentlichte 2007 seine Debüt-EP „Yuma“, kurz darauf unterschrieb er bei Bloodshot Records in Chicago seinen Plattenvertrag. Mit seinem aktuellen Album „Midnight At the Movies“ geht Justin Townes Earle konsequent seinen Weg fernab von Mainstream-Trends und Country-Charts. Seine Musik ist zeitlos und verbindet Elemente von Blues, Hillbilly, Country und Bluegrass. Nicht nur Townes Van Zandt, von dem Justin seinen Namen hat, sondern auch Hank Williams und Charlie Poole gelten ihm als musikalische Vorbilder.

Justin, auf dem aktuellen Album „Midnight At The Movies“ findet sich der Song „Mama’s eyes“. Da singst du die Zeile „I still see wrong from right“. Was meinst du damit?

Mein Vater gab mir viel Schlechtes mit auf den Weg, als ich klein war. Steve Earle war mit Sicherheit nicht das Vorbild, das man sich für ein Kind wünschen würde. Es war vor allem meine Mutter, die mir erklärt hat, was richtig und was falsch ist. Ihre Vorstellungen haben mich von klein auf geprägt. Später hat mir dann auch mein Großvater in Texas viel beigebracht. Mit „Mama’s eyes“ wollte ich meiner Mutter sagen, dass ich ihr immer zugehört habe, auch wenn ich mich ab einem gewissen Zeitpunkt abseits aller Normen zu bewegen begann. Ich wurde damals von sehr destruktiven Kräften magisch angezogen. Ich wuchs in einer Kleinstadt auf. Es war dort sehr schwer, an Heroin zu kommen, und wenn, dann war es sehr teuer und grauenhaft in der Wirkung. Ich lebte in dieser Zeit hauptsächlich von Schmerzmitteln und Ähnlichem. Dann zog ich nach Chicago, wo es Heroin im Überfluss gab und noch dazu extrem billig zu kriegen war. Das war nicht gerade gut für mich. Der Song „Mamas eyes“ ist ein Dankeschön an meine Mutter, weil ich es ihr zu verdanken habe, dass ich heute hier bin. Zu meinem Vater hatte ich nie eine richtig tiefe Beziehung. Aber das macht auch nichts. Heute kommen wir ganz gut miteinander aus. Wir sind auf alle Fälle beide durch Zeiten gegangen, wo wir am Ende waren und wo es kaum Hoffnung gab.

Was hat es mit dem REPLACEMENTS-Coversong „Can’t hardly wait“ auf sich? Wieso gerade die REPLACEMENTS?

„Can’t hardly wait“ ist ein Song, der mich seit Jahren begleitet. Nebenbei bemerkt ist es auch der einzige REPLACEMENTS-Song, den ich auswendig kann. Es machte Sinn, diesen Song auf dem neuen Album zu haben, er war und ist so lange schon ein Teil von mir und meinem Leben. Ich bin 1982 geboren. Von 1986 bis 1992 waren die REPLACEMENTS eine der wichtigsten Bands im Underground- und College-Radio. „Can’t hardly wait“ wurde in den USA in den Achtzigern in unzähligen Werbespots verwendet und kam auch im Abspann einiger Kinofilme, meist Liebeskomödien, vor. Ich wuchs mit diesem Song auf. Wenn deine Eltern auch nur ansatzweise cool waren in den späten Achtzigern, dann hatte sie eine REPLACEMENTS-Platte zu Hause.

Dein Album trägt den Titel „Midnight At The Movies“. Was für eine Bedeutung hatte Kino für dich damals und heute?

Mit 18 Jahren begann ich mich mehr und mehr mit den Außenseitern der Gesellschaft zu beschäftigen. Ich war fasziniert von Leuten wie Jack Kerouac, Herbie Hancock und Gregory Corso. All diese Persönlichkeiten, die in den Vierzigern und Fünfzigern im Dunstkreis des Times Square existierten, gewannen plötzlich Bedeutung für mich. Viele Szenen in den Romanen der Beat-Literaten spielen in den Kinos am Times Square. Damals waren Kinos ein Zufluchtsort für Junkies, Prostituierte und Kriminelle. Prostituierte kauften sich für 15 Cent eine Kinokarte, um dort ein wenig Schlaf und Ruhe zu finden. Es war also eine ganz eigene Atmosphäre, die man dort antraf. Diese teils düsteren Geschichten waren eine große Inspirationsquelle für mich. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, ein Junkie zu sein und kein Dach über dem Kopf zu haben. Nur wie sich das am Times Square in den Vierzigern angefühlt hat, das haben mich diese Romane gelehrt. Als ich an „Midnight At The Movies“ arbeitete, waren es diese Bilder und Geschichten über die dunkleren Seiten des Lebens, die mich beeinflussten.

Viele Punkrock-Fans können etwas mit Country-Musik anfangen, vor allem mit der rebellischen Attitüde eines Johnny Cash kann sich manch einer identifizieren. Hat Country in deinen Augen etwas mit Punk zu tun?

Was die Attitüde betrifft, haben beide Genres viel gemeinsam. Ich sehe durchaus Parallelen zwischen Johnny Cash und Sid Vicious. Country-Musiker haben oft eine ähnliche Botschaft wie Punkrocker, nur sterben sie keinen grauenhaften frühen Junkie-Tod, sondern sie leben meist länger und gehen mit einem Lächeln ihren Weg. Der Spirit beider Genres ist sich in einem gewissen Punkt sehr ähnlich, vor allem wenn es Richtung Rockabilly geht. Wobei ich auch sagen muss, dass mir vieles, was heute als Rockabilly gilt, viel zu nahe am Punkrock ist.

Viele verbinden mit Country-Musik aber auch das, was in den USA als Mainstream-Country gilt und heute die Radio-Charts dominiert. Wird der „gute“ Country irgendwann mal wieder die Oberhand gewinnen?

Dazu müsste sich erst einmal das amerikanische Publikum ändern. Es ist faszinierend, wie sich in den USA die Wahrnehmung von dem, was als Mainstream oder Pop-Musik gilt, über die Jahrzehnte hin verändert hat. Als Hank Williams noch am Leben war, da war er der größte Pop-Star aller Zeiten. Als George Jones am Höhepunkt seiner Karriere war, war er der Pop-Star schlechthin in den USA und führte die Charts an. Heute hören die Menschen in der USA die schrecklichste Variante an Pop-Musik, die überhaupt vorstellbar ist.

Robert Buchmann

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #89 (April/Mai 2010)

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