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Interviews & Artikel

CELESTE

C’est la vie, morte(s) et née(s)

CELESTE sind erschreckend. Nicht nur mit ihrer brachialen, Mark und Bein durchdringenden Musik, dem düster-mysteriösen Coverartwork oder dem Spiel mit spirituell-religiöser Symbolik – vor allem stellen sie ihr Publikum auf eine extreme Art und Weise auf die Probe. Man könnte ihnen vorwerfen, dass sie schreckliche Musik machen, dass alle Alben gleich klingen und dass zu viel (Death) Metal im Hardcore nichts zu suchen hat. Und doch schaffen es die vier Franzosen, mit ihrer Poesie des schwarzen Lochs immer wieder zu begeistern. Aus Anlass ihres vierten Albums „Morte(s) Née(s)“ sprach ich mit Sänger Johan über die Faszination des Dunklen, über Vergangenheit und Fortschritt und natürlich über die Philosophie von Plattentitel(s).

Die Gründung von CELESTE steht im Zusammenhang mit der Auflösung der Screamo-Band MIHAI EDRISCH im Jahr 2006. Benoit, der Drummer, gründete die relativ melodischen DAITRO, ihr dagegen strebt von Anfang an nach einem viel dunkleren, doomigeren Hardcore-Sound. Führten Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung der Musik zur Auflösung von MIHAI EDRISCH?

Eigentlich gab es überhaupt keine direkten Zusammenhänge. DAITRO gibt es schon viel länger als CELESTE, und auch CELESTE wurden schon zwei Jahre vor der Auflösung von MIHAI EDRISCH gegründet, allerdings war ich auch nicht von Anfang an in der Band. Doch unsere Erwartungen an MIHAI EDRISCH unterschieden sich immer, so verließ erst Flo, der Bassist, und dann auch Gitarrist Remi die Band, woraufhin wir beschlossen, MIHAI EDRISCH aufzulösen.

Der Begriff „celeste“ bedeutet „himmlisch“, wie im Paradies. Auch für eure Albumcover und Webseitenlayouts verwendet ihr christliche Symbole wie das Kruzifix, sowohl in der christlichen Richtung als auch umgedreht. Warum faszinieren euch solche Symbole und mit welcher Intention betreibt ihr das Spiel damit? Ist es „das Böse“, was uns junge Musikliebhaber so begeistert?

Menschen müssen sich immer auf Symbole beziehen, sie geben uns ein Gefühl von Sicherheit und Zusammengehörigkeit. Für uns war das Ganze nie so eine ernste Sache, sondern viel mehr eine Referenz an diese Metal-Attitüde. Außerdem mögen wir die grafische Ästhetik dieser Symbolik. Schon ziemlich früh wurden diese visuellen Aspekte direkt mit der Band assoziiert. Aber da wir mit der Zeit eine immer härtere Herangehensweise entwickelten, glaube ich, dass das umgedrehte Kreuz ziemlich gut zu unserer Musik passt. Und außerdem: was ist schon böse? Ich weiß nicht, irgendwie hat ja alles auf seine Art diesen folkloristischen Anschein. Das Böse als ein Symbol, das Böse als ein überbeanspruchtes Attribut. Also ja, das Böse zieht uns an, wie eine Werbeanzeige uns anziehen kann. Wir machen dunkle Musik, das ist alles. Böse oder nicht, wer weiß das schon?

In meinem Review zu eurem letzten Album „Misanthrope(s)“ schlug ich als Titel für die folgenden Alben „Athéiste(s)“, „Dépressive(s)“ oder „Sceptique(s)“ vor. Mit „Morte(s) Née(s)“ habt ihr euch für einen noch besseren Titel entschieden, der eine zugleich positive wie negative Seite hat, was in der Geschichte eurer Band einer bemerkenswerten Umkehr gleichkommt. Was bedeuten die Plattentitel für eure Musik und wie kam es zu dieser Neuerung?

Ich wollte keine logische Schlussfolgerung liefern. Ich weiß, dass sich immer viele Leute über die kommenden Titel Gedanken machen. Bei „Misanthrope(s)“ erwartete jeder ein „...iste(s)“ und bei „Morte(s) Née(s)“ fragten sich die Leute noch mehr, was als Nächstes kommen könnte. Es war sehr schwierig, eine originelle und noch extremere Bezeichnung zu finden. Glücklicherweise führte mich die Wahl eines Themas für das Album direkt zu diesem Titel, und ich mag ihn wirklich sehr. Titel bedeuten mir enorm viel, sie sind genauso wichtig wie das Artwork oder auch die Musik. Sie haben einen wichtigen Anteil unserer Wahrnehmung durch das Publikum. Und du hast absolut Recht, wenn du von einer positiven und negativen Konnotation sprichst. Dies war eines meiner Ziele, ich wollte etwas richtig Dunkles erschaffen, das aber zugleich noch poetischer und kontrastierender ist als jemals zuvor. Ich hoffe, der Titel trägt dazu bei, dass das Album noch mal dunkler wirkt.

„Morte(s) Née(s)“ scheint sich vom „klassischen CELESTE-Sound“ des langsamen, doomigen und durchdringenden Hardcore abgewendet zu haben, um sich noch mehr einer Death-Metal-Attitüde mit mehr Doublebass zuzuwenden. Siehst du diese Tendenz genauso und war das ein bewusster Schritt?

Grundsätzlich ist es so, dass keiner von uns denkt, dass wir ein bestimmtes Schema verfolgen. Wir mussten ziemlich viel Kritik einstecken, wie zum Beispiel, dass wir „immer das Gleiche machen“. Glücklicherweise gibt es aber auch viele Leute, die unsere Arbeit und auch unsere Weiterentwicklung verstehen. Für mich war jedes Album ein neuer Schritt, aber ich gebe zu, dass der Schritt von „Pessimiste(s)“ zu „Nihiliste(s)“ riesig war, und von „Misanthrope(s)“ zu „Morte(s) Née(s)“ scheint er auch enorm. Aber wenn ich ehrlich bin, dachten wir beim Schreiben an „Misanthrope(s)“ auch, dass es ein großer Schritt werden würde, aber nach der Aufnahme änderte sich unsere Sichtweise ein bisschen ... Für „Morte(s) Née(s)“ machten wir einfach, was wir immer schon taten, versuchten, noch dunkler und noch extremer zu werden, und das Ergebnis könnt ihr selbst hören. Darüber gab es eigentlich keine großen Diskussionen, wir wollen generell alle das gleiche Ding durchziehen und haben auch fast immer die gleichen Erwartungen an unsere weitere Entwicklung.

Ihr bietet alle Alben zum kostenlosen Download über die Denovali-Webseite an. Dort wurde „Morte(s) Née(s)“ innerhalb der ersten 48 Stunden fast 2.000 Mal heruntergeladen, was für eine sehr aktive Fanbase spricht. Welche Idee verfolgt ihr mit diesem Angebot und wie können – wunderschön designte und produzierte – Schallplatten gegenüber kostenlosen Downloads bestehen?

Ich bin absolut glücklich mit der Art und Weise, wie wir unsere Musik unters Volk bringen. Ich bin nicht sauer, dass so viele Leute unseren Kram herunterladen, während vielleicht gerade mal 10% auch die CDs oder LPs kaufen. Ich glaube, ich werde wütender, wenn wir mehr T-Shirts als Platten verkaufen, aber vielleicht bin ich da auch ein bisschen zu Oldschool. Ich werde auch wütend, wenn Leute nach Text- und Artwork-Previews fragen oder einfach nur kostenlose CDs wollen. Wir sind coole Typen, aber eben auch keine Goldesel. Ich kann unsere Taktik nicht mit anderen vergleichen, keine Ahnung, ob wir mehr verkaufen würden, wenn wir uns mehr wie herkömmliche Bands und Labels verhielten. Was ich dir sagen kann, ist, dass wir uns wirklich nicht beschweren sollten. Wir werden viel für Shows angefragt, wir müssen beim Touren nicht draufzahlen und es kommen auch immer ein paar Leute zu unseren Konzerten. Mehr kann und will ich nicht erwarten. Über den „Kampf“ zwischen echten Alben und den mp3s: Es wird immer echte Liebhaber geben, die mich zu gutem Artwork und das Label zur Investition in hohe Produktqualität bewegen werden. Vielleicht werden die Kids eines Tages nur noch mit mp3s hantieren, was ich nicht glaube, aber auch wenn es so kommen sollte, wird es mich nicht kümmern. Denn alles muss sich irgendwie weiterentwickeln, c’est la vie!

Christoph Schulz

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #90 (Juni/Juli 2010)

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