Interviews & Artikel : KASSIERER :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

KASSIERER

Wundervolle Wattenscheider

Ich gebe eigentlich nichts auf Vorurteile über die Bewohner einer bestimmten Region, von wegen fröhliche Rheinländer, sture Schwaben, mufflige Berliner oder schweigsame Westfalen. Doch dass sowohl die LOKALMATADORE wie die KASSIERER als Vertreter einer sehr spaßorientierten und die Körperlichkeit betonenden Fraktion des Punkrocks aus dem Ruhrgebiet kommen, ist vielleicht kein Zufall, wird den Menschen dort doch gemeinhin eine offene, direkte Art des Ausdrucks nachgesagt – und euphemistischer kann man die Texte beider Bands wohl nicht beschreiben. 1985 gegründet, ist die Band aus dem Bochumer Vorort Wattenscheid bis heute aktiv, wobei die Albumveröffentlichungsfrequenz in den letzten Jahren stark abgenommen hat. Doch regelmäßige Konzerte beruhigten die Fans, mit einem Dahinscheiden der für ihre expressive Lyrik berüchtigten Band um den einstigen APPD-Kanzlerkandidaten Wolfgang Wendland war und ist nicht zu rechnen, und ein neues Album gibt es anlässlich des 25. Geburtstages auch noch. „Physik“ heißt das, und ist da erschienen, wo die anderen Platten auch rausgekommen sind, auf Teenage Rebel Records aus Düsseldorf.

Ich hatte jahrelang eine Physiklehrerin, die sah aus wie Miss Krabappel von den „Simpsons“, war Kettenraucherin und extrem dürr. An was von eurem Physikunterricht könnt ihr euch noch erinnern?

Volker: An Stöchiometrie. Ach nein, das war Chemie.

Wölfi: Der ph-Wert ist der negative Exponent zu Basis 10 der Wasserstoffionenkonzentration in Gramm pro Liter. Ach nein, das war Chemie.

Mitch: Ich hatte einen Physiklehrer namens Herrscher und dieser Name war Programm. Sein Lebensmotto lautete: „Ich habe keine Bonbons zu verteilen.“ Seitdem läuft mir beim Wort Physik ein sanfter Schauder den Rücken runter.

Die Physik ist die grundlegende Naturwissenschaft in dem Sinne, dass die Gesetze der Physik alle Systeme der Natur beschreiben. Was will uns das sagen in Bezug auf euer neues Album?

Volker: Warum nicht mal physikalische Themen? Warum immer Sex, Drugs & Rock’n’Roll? Physik ist interessant.

Wölfi: Es gibt keine grundlegende Naturwissenschaft, da erstens die grundlegende Wissenschaft die Philosophie ist, zweitens Naturwissenschaften immer einer Grundlegung bedürfen, der so genannten Axiomatik, die aber als nicht beweisbar außerhalb der jeweiligen Wissenschaft liegt. Im Falle der Physik ist es sogar so, dass das alles Quatsch ist, da der Begriff der Masse von den Physikern erfunden wurde, um die Welt berechenbar zu machen.

Ich weiß, Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, aber die Atombombe beispielsweise hatte auch viel mit Physik zu tun und war schon nach drei Jahren ein echter Kracher. Euer neues Album ist zwar auch bombig, aber sieben Jahre?! Was habt ihr so lange gemacht?

Volker: Die sieben Jahre sind so schnell ins Land gegangen, das habe ich gar nicht gemerkt. Aber im Ernst, ich glaube, wir sind faul.

Wölfi: Die Zeit ist nicht linear, sondern steht im logarithmischen Verhältnis zum Alter des erlebenden Menschen. Aus unserer Sicht sind die Abstände zwischen den Platten gleich geblieben.

Und in welchem „The nutty professor“-Labor habt ihr die Fotos gemacht?

Niko: Bei einem Freund, der alte Röhrengeräte sammelt und repariert.

Volker, der Wikipedia-Eintrag der KASSIERER definiert explizit, dass du Schlagzeug und „Jazzgitarre“ spielst. Ein wichtiger Unterschied für die KASSIERER und die Welt?

Volker: Da gibt es nichts Hervorhebenswertes. Ich interessiere ich mich nun mal fürs Schlagzeug und für die Jazzgitarre, insbesondere für die Musik von Django Reinhardt, dem legendären Gitarrenvirtuosen, dem zwei Finger der linken Hand fehlten. Hin und wieder kann ich auch bei KASSIERER-Musik diese Vorliebe unterbringen. Umgekehrt geht es nicht: Bei den Jazz-CDs, die ich schon gemacht habe, konnte ich nie ein Punk-Stück unterbringen, was im Grunde für die ideologische Verblendung der Jazz-Szene spricht und für die Offenheit der Punk-Szene. Hier kann man auch mit Kotze werfen und anschließend eine mixolydische Tonleiter mit erhöhter Quarte spielen.

Punkrock wird völlig überbewertet, weshalb auch auf eurem Album viel andere Musik zu hören ist. Was ist wichtiger als Punk?

Wölfi: Wenn man von religiöser Musik absieht, gibt es nur die drei Musikrichtungen Mainstream, Klassik und Punk. Ich habe den Eindruck, dass Mainstream in den Medien überbewertet wird und die Klassik bei öffentlichen Förderungen. Wieso Punk überbewertet wird, ist mir nicht klar.

Ihr habt eine famose Website, in deren Gästebuch sich eine Menge sehr wahrer Aussagen und wichtiger Fragen finden. Ich möchte euch bitten, diese zu kommentieren respektive zu beantworten, wobei ich Fehler im Original nicht korrigiert habe. „ich find eure lieder ganz witzig doch eins würd mich intressieren: weshalb ihr nur so widerliche sachen singt?“

Volker: Wir sind widerlich

„Also dankeschön und das Ihr noch lange durchhaltet und nich schon zwischen 50 und 60 den Löffel abgebt.“ Genau, ihr macht das ja schon seit 25 Jahren. Wie hält man die KASSIERER durch und aus?

Volker: Mit viel Alkohol.

„FISTEN FISTEN IMMER NUR FISTEN“; „Ich würde so gerne mal Euer Urin und eure Kacke probieren. Die reicht und schmeckt bestimmt nach Vanille!“; „Ich bin hackebreit und zieh mir immer wieder eure Scheißevideos rein! Könnt ihr bitte auch mal bei mir auf die Türschwelle scheißen? Ich würde euch echt gern dabei zusehen! Und am liebsten wüde ich eure Kacke danach auf meinem Bauch spüren und darin baden!“ Wie steht ihr zu Koprophilie, Urophilie und Koprolalie?

Volker: Ein entfernter Verwandter von mir war Koprophage. Das wurde in unserer Familie als heißes Thema behandelt. Niemand wollte sich offen zu diesem Problem äußern, dass ein Verwandter von uns Kot ... äh ... isst. Möglicherweise ist unsere Musik Ergebnis dieser Verdrängung.

„Euer Konzert in der Essigfabrik hat mir gut gefallen. Wölfis respektvoller Umgang mit seinem Publikum sollte uns allen Vorbild sein.“ In der Tat, ihr seid immer sehr zuvorkommend zu euren Konzertbesuchern, wie auch diese nett zu euch sind. Love, Peace and Understanding als KASSIERER-Grundkonzept, kann man das so sagen?

Volker: Die Freundlichkeit ist nur Getue. Wir sind hinterhältig, abgefeimt und versaut. Aber auch religiös.

„Eure Musik regt mich immer zum Saufen und Ausziehen an“; „DAS SCHLIMMSTE IST WENN DASS BIER ALLE IST!!!!“ Ja, der Alkohol. Schmeckt es euch immer noch so gut?

Volker: Ja

„Man war das ein geiles Konzert!!!!! Entlich mal wieder Party ohne Regeln!!! Furzen bis die Hose platzt wo kann man(n) das noch!!!“ Ich frage euch: Wo kann man das noch?

Volker: Stimmt. Deutschland wird immer lebensfeindlicher. Zum Beispiel diese ganze Raucher-Hatz. Wir sollen nicht leben, wir sollen funktionieren! Erbärmlich ist das.

„Also so langsam könnten sie ja schon ein neues Album auspacken. Ich mein so nach gut sechs Jahren mit dem gleichen Album auf Tour ist schon übel. Wobei das letzte Album auch Scheisse war.“ Genau. Sieben Jahre mittlerweile, aber endlich. Eure Erwiderung auf den letzten Satz dieses Herrn?

Volker: Eine KASSIERER-CD ist wie ein Spiegel. Schaut ein Affe herein, kann kein Apostel herausschauen.

Wölfi: Ich lese keine Gästebucheinträge.

Zum Schluss noch ein Satz aus einem der neuen Songs, der mir irgendwie autobiografisch vorkommt und für die Zukunft eurer Band etwas Angst macht: „Ich war ein Spinner, doch jetzt bin ich seriös“. Wirklich?

Volker: Wir waren schon immer seriös.

Wölfi: Einstein galt auch als verrückt, zumindest hätte man ihn für verrückt gehalten, wenn er sich so wie wir benommen hätte.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #92 (Oktober/November 2010)

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