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Interviews & Artikel

SLIME

Wieder da

Was für den US-Hardcore-Punk die DEAD KENNEDYS, sind für Punkrock in Deutschland SLIME: Die Band, auf die sich jeder einigen kann, die musikalisch wie textlich von 1979 bis 1985 und von 1990 bis 1994 Generationen von politisch interessierten Punks prägte, die sich aggressiv mit der Obrigkeit anlegte, die zensiert, genauer gesagt indiziert wurde, die dem Spießer, ob Bürger oder Szenegänger, den Daumen in die Wunde drückte, aber immer auch selbst kritisiert wurde, denn seine Heiligen hat der Punk gerne makellos. Nach 15 Jahren folgte 2009 die erneute Reunion, mehr oder weniger in Originalbesetzung, und es gab ein paar wenige Festivalauftritte, auf die im Herbst nun eine ausgiebige Tour folgt. Judith Richter, die zu jung ist, um die Band vor der Auflösung gesehen zu haben und die entsprechend frei ist von jeglichen nostalgischen Gefühlen, sprach mit Dirk „Dicken“ Jora (Gesang, seit 1979), Michael „Elf“ Mayer (Gitarre, seit 1979), Christian Mevs (Gitarre, seit 1980) und Schlagzeuger Alex Schwers (seit 2010) – nur Bassistin Nici (seit 2010) war abwesend. Das Interview fand in Bremen im Rock’n’Roll-Couchclub Auszeit statt, und als unsere Reporterin ankam, standen da auch zwei Kameramänner und erklärten, dass sie das Interview filmen werden.

Mit der Kamera habt ihr mich überrumpelt. Soll es eine neue DVD geben oder macht ihr das nur zum Spaß?

Christian: Es gibt schon die Idee, eventuell mal einen Film zu machen. Wir haben aber gesagt, wir gehen erst mal wieder auf die Bühne und spielen ein paar Konzerte, und daraus entsteht dann vielleicht mal ein Film.

Das macht ihr dann quasi, weil es keine neue CD geben wird.

Dirk: Nein, nicht „DVD statt CD“. Wir haben uns eigentlich geärgert, dass wir das in all den Jahren vorher nie gemacht haben. Man hätte so schöne Bilder einfangen können, hätte man eine Kamera dabei gehabt.

Christian: Es geht vielleicht auch ein wenig darum, dieses Punk-Phänomen in Deutschland anhand von uns ein bisschen zu beleuchten.

Elf: Das wird keine Live-DVD in dem Sinne, es ist auch viel Gequatsche backstage dabei, und auch nicht nur von uns, sondern auch von anderen Leuten.

Ein paar Konzerte habt ihr ja hinter euch, wie sieht euer erstes Fazit aus, wie sind die Reaktionen der Fans?

Dirk: Natürlich versucht man vorher, sich ein Bild zu machen. Man weiß, dass es noch alte Fans gibt, die wohl kommen werden, und genauso gibt es wohl auch junge Fans, die, als wir das letzte Mal auf der Bühne standen, noch gar nicht geboren waren. Und die Reaktionen waren einfach überwältigend. Da stehen 18- bis 19-Jährige, die können bei jedem Song jedes einzelne Wort mitsingen! Eine Mischung aus jung und alt ...

Christian: Dem kann ich nur zustimmen. Aber ich finde es auch unglaublich, dass SLIME 2010 offenbar noch eine große Relevanz im Leben mancher Leute hat. Wir lassen immer etwas aufleben, das früher in den Achtzigern oder Neunzigern stattfand. Aber wenn ich auf der Bühne stehe und ein Stück wie „Bullenschweine“ spiele, entbehrt das, wie ich finde, nicht einer gewissen Ironie. Und dann gibt es einfach Leute, für die ist das nicht so, die betrachten uns als eine ganz wichtige Band, und zwar im Hier und Jetzt. Das hätte ich nicht gedacht.

Dirk: Da gibt’s eine Parallele zwischen TON STEINE SCHERBEN und uns. Ich bin mit den Scherben groß geworden und die Generation danach ist mit uns groß geworden. Und die Scherben haben für mich heute immer noch eine Relevanz, die Texte sind eben zeitlos, für mich hat sich die Welt da draußen nicht zum Positiven geändert. Somit sind die Texte durchaus übertragbar, die haben nicht nur 1984 eine Bedeutung gehabt. Und genauso gibt es tatsächlich eine neue Generation von Leuten, für die SLIME noch heute etwas bedeutet.

Ihr sagt selbst, dass ihr auch nicht mit dieser Resonanz gerechnet habt. Hattet ihr ein bisschen Angst, dass die Reunion in die Hose geht?

Elf: Wir haben das im Prinzip ja bereits zweimal gemacht, es ist also schon das dritte Mal, insofern haben wir die Erfahrung bereits gemacht. Wobei das natürlich auch anders war, denn da war die Mauer gerade weg, als wir noch einmal losgelegt haben.

Auch wenn euch die Frage verständlicherweise zum Hals raushängt: Was hat es mit den Gerüchten um eure hohen Gagenforderungen für die Festivalauftritte auf sich? Gebt doch mal ein kurzes Statement ab.

Christian: Kurzes Statement? Gern. Wir verdienen natürlich Geld. Ich finde aber, solche Dinge gehören nicht in die Öffentlichkeit. Bezogen auf die Gerüchte kann ich nur sagen: Der Boulevardpresse geben wir grundsätzlich keine Interviews. Deshalb muss dazu hier auch nichts gesagt werden.

Aber dann erzählt mal, wie genau es zur Reunion kam.

Elf: Irgendwann hatten wir halt die Möglichkeit, den Vertrag mit unserer alten Plattenfirma AGR Modern Music zu kündigen, die später von Sanctuary eingekauft worden war. Das war eh schon merkwürdig, dass wir da unter Vertrag waren, das passte gar nicht richtig zusammen. Und die haben eben den einzigen Fehler gemacht, der es uns ermöglichte, aus dem Vertrag herauszukommen, nämlich eine fristgerechte Abrechnung zu verschlafen. Wir haben das dann direkt angemahnt, aber sie haben es immer noch nicht hingekriegt und dadurch konnten wir aus dem Vertrag raus. Dadurch konnten wir unsere alten Platten dann auf dem eigenen Label rausbringen, das wir 1993 gegründet haben, um „Schweineherbst“ zu veröffentlichen, unsere erste Platte auf dem eigenen Label. Der Gedanke war ja, alle Platten mal auf dem eigenen Label rausbringen. Das haben wir vor zwei Jahren endlich geschafft und dadurch entstand die Idee, wieder eine Tour zu machen. Die Platten kamen alle neu raus mit schönem Cover und so weiter, da bietet sich das ja an. Ich hab die Jungs gefragt und nach einem Jahr und einigem Hin und Her sind wir uns einig geworden, und dann hat es sich so ergeben.

Ihr seid nicht mit dem Original-SLIME-Line-up unterwegs, sondern habt mit Nici und Alex zwei neue Mitglieder dabei.

Dirk: Es ist so, dass Stephan Mahler, der alte Schlagzeuger, nicht wollte und Eddi, der alte Bassist, einfach nicht konnte. Eddi hat schon ewig mit einer Sehnenscheidenentzündung zu kämpfen, der wäre sehr gerne dabei gewesen. Ich habe mich auch mit einigen Leuten über die neue Besetzung unterhalten und die meinten: Was macht ihr euch eigentlich so viele Gedanken, sucht euch doch einfach richtig korrekte Leute, die musikalisch und auch menschlich passen, und macht euch deshalb nicht so einen Kopf. Außerdem gibt es jede Menge andere Bands, da ist vielleicht noch einer aus der Originalbesetzung dabei. Bei uns sind es noch drei, plus zwei geile neue Leute. Und mir war auch ziemlich schnell klar nach den ersten Proben: Das sind nicht zwei eingekaufte Leute – das ist SLIME!

Aber wie ist es für dich, Alex, fühlst du dich auch richtig als Teil von SLIME? Oder überwiegt doch das Gefühl, früher nicht dabei gewesen zu sein?

Alex: Die Fragen vorher hätte ich zum Beispiel gar nicht beantworten können, denn das ist einfach nicht meine Lebensgeschichte. Aber es ist erstaunlich, wie schnell wir zusammengewachsen sind. Ich habe schon den Eindruck, dass wir eine homogene Gruppe sind.

Musstet ihr euch, im Gegensatz zu den Proben früher, jetzt besonders vorbereiten? Wahrscheinlich braucht man ein bisschen länger ...

Christian: Nein, im Gegenteil. Wir hatten uns ja zum ersten Mal getroffen, um zu schauen, ob wir es überhaupt noch draufhaben, und ich hatte den Eindruck, dass nach vier Takten das alte Feuer wieder da war. Das war dann auch ein Grund zu sagen: Das ist geil, das passt!

Dirk: Ja, darum geht es sowieso hauptsächlich, um den Adrenalin-Kick, und da stimmt ja auch alles. Wie gesagt, die Texte sind zeitlos, die haben auch heute noch Relevanz, aber uns selbst geht’s noch einmal um den Kick, der dabei entsteht, live zu spielen. Wir marschieren ja nicht auf die Bühne und spielen unseren Scheiß runter, nein, den Spaß sieht man uns auf der Bühne sehr deutlich an.

Elf: Wenn der Spaß gefehlt hätte, hätten wir das auch nicht gemacht. Wenn irgendjemand gesagt hätte, das ist nicht mein Ding, so wie Stephan es wahrscheinlich gesehen hat, hätten wir das auch sein lassen. Wir haben uns das im Übungsraum auch erst mal angehört, ob es authentisch klingt. Bei der ersten oder zweiten Probe von „Deutschland muss sterben“ oder „Bullenschweine“, die man auf der Bühne einfach bringen muss, war alles sofort wieder da. Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man auch nie.

Glaubt ihr, dass eine junge Punkband in der heutigen Zeit noch mal so groß rauskommen könnte wie ihr damals?

Elf: Wenn da wirklich was kommen würde, was im Prinzip mit uns vergleichbar wäre, vielleicht schon.

Dirk: Dass die wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit der richtigen Musik und den richtigen Texten wären, das wage ich zu bezweifeln.

Christian: Keine deutsche Punkband wird den Stellenwert erreichen wie wir damals, weil sich die Koordinaten, gesellschaftlich gesehen, verschoben haben und unser Molotow-Cocktail aus Musik und Kritik heute so nicht mehr zünden würde.

Ja, es ist eben eine andere Zeit. Es gibt viele Jugendliche, die von sich sagen, sie wären „Punk“, jedoch nur auf der Straße sitzen und saufen, da ist nichts mit „Rebellion“.

Dirk: Das gab es früher auch schon. Die haben etwas Grundsätzliches, etwas ganz Essentielles nicht verstanden. Dieses „no future“, was die SEX PISTOLS gesungen haben, damit war nicht gemeint „no future for us“, es hieß: „no future for you“ und war an die Queen gerichtet. Ich meine, wir sind der einen oder anderen Droge sicherlich nicht abgeneigt, glaube ich, haha, aber wir haben immer etwas auf die Beine gestellt, sei es Fanzines machen, Bands gründen, T-Shirts drucken, Demos organisieren, wir haben Häuser besetzt. Nicht nur irgendwo gesessen und uns den restlichen Verstand auch noch weggeballert.

Ich persönlich finde allerdings, dass es dieses Engagement der Jugend, so als eine große Gemeinschaft heute nicht mehr gibt, sondern nur viele kleine Grüppchen.

Christian: Ja, mehr noch als damals, wobei es auch da einzelne Gruppen gab. Rückblickend kann man vieles vereinfachen und sagen: Das war die Punk-Szene. Aber wenn mich jemand fragen würde: Wo ist Punk entstanden? Dann könnte ich entweder drei Tage reden oder gar nicht, das ist ganz schwer.

Elf: Man kann vielleicht sagen: Wie ist Punk in Hamburg entstanden? Oder in Düsseldorf. Es gab damals eher auf Städte konzentrierte Szenen, die für sich auch ganz verschiedene Sachen gemacht haben.

Auf eurer Internetseite schreibt ihr: „Unsere Texte sind aktueller denn je, denn geändert hat sich die Welt höchstens zum Negativen“, wie gerade schon angesprochen wurde. Worin seht ihr heute politisch das größte Problem?

Dirk: Das „Schweineherbst“-Album war zwar kein Konzeptalbum, aber die wichtigen Songs darauf beziehen sich auf die Brandanschläge damals in Hoyerswerda oder Mölln. Es ist es zwar kein riesiges Medienthema mehr, dennoch passiert, glaube ich, jeden Monat irgendwas in irgendeiner umliegenden Stadt, aufgrund von Problemen mit der Hautfarbe oder der politischen Einstellung. Das Thema ist noch nicht vom Tisch. Es ist quasi Alltag, aber nichtsdestotrotz ist die Problematik ja noch da. Deshalb kann man sagen, dass gerade „Schweineherbst“ sehr aktuell ist. Oder nimm einen Song wie „Viva la muerte“, der sich mit der 500-jahrigen Ausbeutung der Indios in Südamerika im Namen des Herren beschäftigt. Da unten ist auch nicht viel passiert, da herrschen immer noch ähnliche Verhältnisse. Du kannst viele Texte von uns nehmen, ins Jahr 2010 transportieren und stellst fest, die sind noch genauso aktuell.

Gibt es etwas, wo ihr früher gesagt hättet „So will ich nie werden“, und heute ist es doch so? Oder eben nicht? Sind die Werte von früher die gleichen geblieben?

Elf: Ja, man relativiert schon einiges im Leben, so dass man langsam denkt: Eine saubere Wohnung ist auch ganz schön. Nach und nach hat man auch eine Plattensammlung angelegt und sagt nicht mehr: Ach was, ich nehme mir Tapes auf bei einem Kumpel oder klau mir mal eine LP im Laden. Irgendwann sammelst du den Scheiß und auf einmal hast du 1.000 Platten herumstehen und 2.000 CDs, und fragst dich, ob du jetzt ein blöder Plattensammler bist. Auto fährt man dann natürlich auch irgendwann.

Dirk: Aber es wohnt ja keiner von uns in einer Villa und es hängt keiner von uns an einem bürgerlichen Leben fest. Ich bin lange Taxi gefahren, Elf schlägt sich irgendwie durch, Nici hat eine eigene Kneipe, Alex ist Konzertveranstalter, Christian macht immer noch seine Toningenieur-Geschichten. Keiner von uns ist in dem Sinne bürgerlich geworden.

Christian: Aber es gibt auch so Veränderungen. Ich hätte zum Beispiel mit 16 oder 17, als ich die ersten Griffe auf der Gitarre gelernt habe, nicht gedacht, dass ich irgendwann mal beim Norddeutschen Rundfunk oder Deutschland Radio Kultur landen und Hörspielmusik komponieren würde. Oder wenn es um Schiller und solche Sachen ging, habe ich gedacht, das ist eigentlich alles so bürgerliche Scheiße und damit will ich nichts zu tun haben. Ich will alles neu, alles anders machen. Das sind Ansichten, die man solange hat, bis man feststellt, dass man doch nur gegen die Wand rennt. Wenn man etwas durchsetzen will, braucht man einen langen Atem und eine richtig feste Überzeugung. In gewissen Bereichen schleift es ab und in anderen eben nicht. Und ich finde das, was ich heute mache, super. Darüber hätte ich damals gedacht: „So’n Scheiß.“

Und wie sieht’s mit dem privaten Musikgeschmack aus?

Dirk: Ich höre tatsächlich ganz wenig Neues, aber ich habe schon immer Musik gehört, für die mich die Punk-Polizei verhaften würde. Ich mag Pink, NO DOUBT, ich höre ab und zu richtigen Mainstream, aber auch SOCIAL DISTORTION, SKA-P, immer noch DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN, und dabei werde ich mein Leben lang bleiben.

Christian: Für mich muss Musik auf jeden Fall Intensität haben, das Mäntelchen, in das sie dann gepackt ist, ist eigentlich gar nicht so wichtig. Zum Beispiel ist bei einigen Klassikern, Bach oder auch Beethoven, genau die gleiche Energie in der Musik drin wie auch im Punk. Die Frage ist natürlich immer, welche Überzeugung noch mit drinsteckt.

Elf: Ich höre das alte Zeug auch gerne, aber auch neue Bands. Ich bin ja auch DJ, da besorgt man sich auch neuere Sachen, von neuen Punkbands. RUBBER CITY REBELS habe ich gerade neu entdeckt, das ist eine super geile Band. Am liebsten höre ich Musik, wenn ich Auto fahre, da kann man richtig schön laut drehen. Und dann sind es meistens doch die alten Sachen ...

Christian: Musik ist ja auch immer der Ausdruck eines Lebensgefühls. Mit 15, 16 Jahren habe ich bestimmte Dinge zum ersten Mal gemacht, wie mich verlieben oder Bier trinken, dazu gehört immer auch eine bestimmte Musik. Und die vergisst man sein ganzes Leben lang nie wieder.

Was ist das Lustigste oder Schlimmste, das euch mit SLIME passiert ist und das ihr nie im Leben vergessen werdet?

Dirk: Das war wahrscheinlich bei einem Konzert in Berlin. Da habe ich vor der Show einen Trip geschmissen und der hat genau auf der Bühne gezündet. Da hatte ich gar keinen Bock mehr zu spielen, sondern wollte die ganze Zeit nur labern. Das endete dann damit, dass ich die Band und alles andere verloren habe und stundenlang in der Stadt herumgeirrt bin, ohne zu wissen, wo ich bin.

Elf: Ja, und weil du der Einzige warst, der wusste, wo wir pennen sollten, wussten wir auch nicht wohin und haben in irgendeinem Hausflur übernachtet – das war mitten im Winter!

Ihr habt kürzlich ein Konzert gespielt für einen Film über den FC St. Pauli, wie hat sich das ergeben? Was ist genau passiert?

Elf: Tarek Ehlail, der Regisseur von „Chaostage“, hat uns gefragt, ob wir für die Titelmusik von seinem zweiten Film „Gegengerade – Niemand siegt am Millerntor“ einen neuen Song schreiben könnten, da hat er bei uns natürlich genau ins Schwarze getroffen. Wir haben also ein neues Stück komponiert, aufgenommen und dann hatte Tarek auch noch die Idee, dass wir bei einer Szene, die am Tag des Aufstiegs vom FC St. Pauli in die erste Liga spielt, die Band sein sollten, die im Jolly Roger auftritt, der Fankneipe beim Stadion. Diese Szene, in die auch zwischendurch Dialoge der Hauptdarsteller eingebaut sind, haben wir mit etwa 60 Statisten zu einem extra dafür aufgenommenen Playback gedreht. Unglaublich, wie die Leute da abgegangen sind. Riesenstimmung und Pogo wie Ende der Siebziger im legendären Hamburger Laden Krawall 2000. Nachdem wir das so fünf- bis sechsmal wiederholt hatten, war die Szene im Kasten und dann haben wir noch 45 Minuten richtig live gespielt und das setzte dann dem Ganzen die Krone auf. Eine der geilsten Shows ever.

Was passiert nach SLIME, geht ihr dann einfach wieder eurem vorherigen Leben nach?

Elf: Ob und wie wir weitermachen, lassen wir erst mal offen. Das kommt darauf an, ob es uns nach dem letzten Konzert dieses Jahres im Dezember beim „Punk im Pott“ immer noch Spaß macht. Wenn wir aufhören sollten, machen wir natürlich mit dem bisherigen Leben irgendwie weiter, was sonst?! Wir machen ja jetzt auch nicht nur SLIME, sondern haben zwischendurch auch normale Jobs.

Judith Richter

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #92 (Oktober/November 2010)

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