Interviews & Artikel : CREEPSHOW :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

CREEPSHOW

The Times They Are A-Changin‘

Sarah „Sin“ Blackwood, die Sängerin von THE CREEPSHOW, ist nicht nur eine durch und durch sympathische und auskunftsfreudige Gesprächspartnerin, sie ist auch ehrlich und diskussionsfreudig. Insgesamt tauschten wir uns aber in einer sehr angenehmen Art und Weise aus, unter anderem über das neue THE CREEPSHOW-Album „They All Fall Down“, das der Anlass für unser Interview war. Das Album begeistert aufgrund der kreativen Mischung aus Punkrock, Psychobilly und Rockabilly. Darüber hinaus ist es auch textlich anspruchsvoller und persönlicher, denn die Band singt nicht mehr über Standardthemen wie Ghouls und Monster, die ihr Debütalbum „Run For Your Life“ noch dominierten.

Sarah, auf eurem Debütalbum „Run For Your Life” geht es fast nur um Ghouls, Monster und sonstige typische Psychobilly-Themen. Die sind auf „They All Fall Down“ komplett verschwunden. Woher der Sinneswandel?

Ich muss leider zugeben, dass wir nur deswegen solche Ghoul- und Monster-Texte geschrieben haben, weil die Szene das von uns erwartete. „Run For Your Life“ war wie gesagt unser Debütalbum und wir waren in einer verzwickten Situation. Auf der einen Seite wollten wir uns in der Psycho-, Rockabilly- und der Punkszene etablieren. Auf der anderen Seite wussten wir überhaupt nicht, wie diese Szenen auf uns reagieren würden. Uns war klar, dass du als junge Band einfach eine gewisse Art von Musik, Auftreten und Songtexten haben musst, damit die Leute dich überhaupt wahr nehmen. So fühlten wir uns von verschiedenen Seiten unter Druck gesetzt und haben schließlich über Dinge gesungen, die uns eigentlich gar nicht so wichtig waren: eben Ghouls und Monster. Glaub mir, die Jungs und ich mögen diese Themen eigentlich nicht besonders. Wir erzählen viel lieber persönliche Geschichten, zu denen der Hörer eine richtige Beziehung aufbauen kann.

Wie habt ihr euch von diesem Druck befreit und schließlich Texte über die Dinge geschrieben, die euch wichtig sind?

Wir haben durch unser Debüt und die zahlreichen Touren viel gelernt und unseren Platz in der Szene gefunden. Ebenso haben wir viel über die Symbolik und das allgemeine Verhalten in der Szene gelernt und unseren Weg gefunden, damit professionell umzugehen. Das bedeutet, dass wir den Druck und die Erwartungen, die ich dir vorhin beschrieb, nach und nach vergessen konnten. Heute ist es mir ziemlich egal, was die Szene über mich und meine Band denkt.

THE CREEPSHOW haben Fans aus der Psychobilly-, Rockabilly- und Punkszene. Nun sprachst du von der speziellen Symbolik innerhalb der Szenen. Meiner Erfahrung nach ist das Zur-Schau-Stellen von Frauen fester Bestandteil davon – etwa auf Merchandising-Artikel. Allerdings werden Frauen hier meistens vulgär dargestellt beziehungsweise ihnen werden mehr oder weniger traditionelle Rollen zugewiesen. Wie nimmst du diese Dinge wahr?

Meine Meinung dazu ist ein gutes Beispiel dafür, wie THE CREEPSHOW und ich uns in den letzten Jahren entwickelt haben. Ich sagte ja, dass es mir mittlerweile egal ist, was die Leute über mich denken. Ich bin eine Frau und ich lebe in dieser Szene. Ich achte gar nicht auf die vielen Kerle, die halbnackte Girls auf ihren Shirts haben, und diese Shirts geben mir auch nicht das Gefühl, minderwertig zu sein. Ich weiß, dass ich eine Frau bin. Aber ich weiß auch, was meine Ziele sind. Mir ist es wichtig, diese zu verfolgen und dabei meine Integrität zu bewahren. Der Rest ist mir egal.

Das klingt sehr abgeklärt ...

Was hast du erwartet – romantische Kampfansagen? Sieh es mal so: Die Symbolik dient letztlich kommerziellen Zwecken. Überall auf der Welt verwenden Leute Symbole, um ihre Produkte zu verkaufen. Ob nun O2 mit einem angenehmen Blau eine Wasser-Assoziation herstellen will, oder ob irgendeine Rockabilly-Band halbnackte Frauen auf ihre T-Shirts druckt – das Ziel ist identisch: Produkte verkaufen. Damit sage ich nicht, dass die Band das nicht mit Herzblut und Hingabe macht. Man muss nur verstehen, dass dahinter meist das Interesse steht, Geld zu verdienen. Deswegen sehe ich die Darstellung von Frauen auf diversen Merchandise-Artikeln derart nüchtern. Wie man es dreht und wendet, es ist und bleibt ein Geschäft.

Welche Rolle spielt die geschäftliche Seite für THE CREESPHOW?

Auch hier will ich ganz ehrlich sein: Es ist uns extrem wichtig, das Geschäftsleben der Band geschickt zu managen und so die finanzielle Tragfähigkeit der Band sicher zu stellen. Das klingt jetzt erst einmal sehr uncool, ich weiß. Aber man muss verstehen, dass Kreativität und Geld verdienen Hand in Hand gehen, wenn man von einer Band leben will. Für uns bedeutet das, dass unsere Musik natürlich an erster Stelle steht. Wir würden die Songs nie wegen des Geldes schreiben. Im Gegenteil, wir schreiben die Stücke so, wie wir sie mögen. Sobald du aber ein Album veröffentlicht hast, musst du die geschäftliche Seite mit dem Label klären und sicher stellen, dass du deine Touren schlau planst und damit genug Geld verdienst, um deine Rechnungen zu bezahlen. Ich denke, dass wir dieses Zusammenspiel aus Songwriting und Geld verdienen bisher sehr gut hinbekommen haben und THE CREEPSHOW sonst niemals da wären, wo wir heute sind, wenn wir nicht von Anfang an an eine sinnvolle Gestaltung der kaufmännischen Seite gedacht hätten. Ich bin überzeugt davon, dass sehr viele Bands nicht wissen, wie sie sich selber managen sollen. Wenn du aber halbwegs professionell arbeiten willst, musst du so was unbedingt wissen.

Kannst du ein konkretes Beispiel dafür geben, wie die „sinnvolle Gestaltung der kaufmännischen Seite“ bei THE CREEPSHOW aussieht?

Gerne: wir planen akribisch im Voraus und machen sehr langfristige Tourpläne. Wir verdienen ja quasi kein Geld mehr mit Plattenverkäufen, sondern unser Einkommen generieren wir nur über Tourneen – „if we are not on tour, we don’t make any money. It’s as simple as that“. Deswegen haben wir aber auch folgendes Problem: wir dürfen nicht zu viel touren, um nicht zu häufig pro Jahr in derselben Stadt aufzutreten. Deswegen haben wir ein ganz gutes System entwickelt, mit dem wir acht bis zehn Monate im Jahr auf Tour sein können und dabei maximal zweimal pro Jahr in derselben Stadt auftreten.

Macht es dich nicht stutzig, gar kein Geld mehr mit Plattenverkäufen zu verdienen?

Nein, die Zeiten haben sich geändert und wir möchten uns dem nicht verschließen. Das bedeutet nun mal, dass sich die meisten Leute deine Alben gratis aus dem Netz saugen, auch wenn man noch ein wenig mit legalen Downloads verdient. Damit musst du als Band fertig werden und jeder, der sich darüber beschwert und von den guten alten Zeiten redet, hat nicht verstanden, dass diese Zeiten nie wieder kommen werden.

Lauri Wessel

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #93 (Dezember 2010/Januar 2011)

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