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Interviews & Artikel

BURNING LOVE

Songs for burning lovers

LEFT FOR DEAD, RUINATION, THE SWARM ... viele bekommen bei dieser Aufzählung feuchte Hände. Als Nebenprojekt von CURSED und OUR FATHERS begonnen, wurde BURNING LOVE nach dem Ende von CURSED zum Fulltimejob. Dreckig und laut ist die neue Band, man nennt als Referenzen HOT SNAKES, TURBONEGRO, KYUSS und BLACK FLAG. Ich sprach mit einem hyperaktiven, redseligen Chris Colohan, kanadisches Szene-Urgestein und BURNING LOVE-Sänger.

Sag mal, bist du ein hyperaktiver Typ?

Das kann man sagen. Als Kind bekam ich Ritalin. Sie gaben mir den Scheiß, es hat aber nicht so gut funktioniert. Es hat mich noch mehr ausflippen lassen.

In „HRVST“, einem Buch mit Texten von verschiedenen Musikern, hast du geschrieben, dass du ein Buch namens „Nine Lives“ veröffentlichen willst, was ist damit?

Oh ja, ich bin gerade dabei, es zu schreiben. Es sind neun kleine Geschichten über wahre Begebenheiten. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten meines Lebens habe ich mich ganz anders gefühlt, als andere Person. Eine Geschichte handelt zum Beispiel davon, wie es ist, ein Kind zu sein, eine andere vom Tod meines Cousins, eine andere von China.

Du beschreibst in „HRVST“, wie du an der Totenmesse deines Cousins teilgenommen hast. Ich hatte das Gefühl, es war keine angenehme Erfahrung für dich.

Es war meine erste Berührung mit dem Tod. Mein Cousin und ich waren die besten Freunde und wir waren gleich alt. Es war ein ganz komisches Gefühl, nicht nur, weil du jemanden siehst, der tot ist, sondern weil du jemanden siehst, der du sein könntest. Meine Tante hatte sich für einen offenen Sarg entschieden. Ich bin echt panisch geworden. Ich glaube, Kinder haben ein besseres Einfühlungsvermögen für so etwas. Deine Reaktionen, wenn du jung bist, sind viel ehrlicher als im Verlauf des Älterwerdens. Man erzählt kleinen Kindern „Er schläft, er ist wunderhübsch ...“, und du denkst nur: „Scheiße, nein! Das ist ein totes Kind.“ Man sollte Kindern eher sagen, wie es in der Realität wirklich läuft, damit sie wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Und kannst du mit dem Verlust von Menschen mittlerweile besser umgehen? Ein Freund von mir sagte vorhin, dass er sich irgendwie daran gewöhnen würde.

Kann das jemand? Ich weiß nicht, ob es einfacher wird. Es ist schwer für jeden. Diesen Sommer ist ein Freund an Krebs gestorben. Aber es lehrt dich, deine Freunde mehr zu schätzen, während sie da sind. Denn sie werden es nicht immer sein. Du wirst es auch nicht immer sein. Das ist auch das Beängstigende daran, jemanden beim Sterben zu begleiten. Du könntest es nämlich irgendwann selbst sein.

In einem anderen Interview habe ich gelesen, dass du vorsichtig bist bezüglich der Dinge, die du schreibst oder publizieren möchtest, weil du nicht weißt, wie das Ganze auf dich zurückfällt ...

Ich habe für ein Jahr in Montreal gelebt und habe ein Buch geschrieben. Ich hatte eine schwierige Zeit und es ging um Sex in Verbindung mit Moral. Ich bin aufgewachsen mit einer bestimmten Vorstellung davon, was richtig für deinen Körper ist und was nicht, es war sehr explizit. Ich habe es geschrieben und war sehr glücklich damit. Es war kurz davor, veröffentlicht zu werden, aber dann dachte ich, das Ganze sei doch zu privat. Es hätte vielleicht auch viele Freundschaften kompliziert gemacht oder die Beziehungen von anderen Leuten. Das war noch ein Grund, warum ich das nicht veröffentlicht haben wollte.

Du arbeitest in einem Video- und Buchladen. Was für ein Buch würdest du empfehlen?

Kennst du William T. Vollmann? Er war einer der ersten bei McSweeney’s. Oder kennst du Dave Eggers? Er ist ein amerikanischer Schriftsteller, von ihm stammt „Ein herzzerreißendes Werk von umwerfender Genialität: Eine wahre Geschichte“. Er schreibt sehr emotionale Bücher und ihm gehört der Verlag McSweeney’s. Dort veröffentlicht auch Vollmann seine Bücher. Darin geht es um Drogen, Prostituierte, Kultur. Er ist einfach ein ganz normaler, hässlicher Typ, aber schreibt so ehrlich. Ich konnte gar nicht aufhören, ihn zu lesen, ich kann ihn definitiv empfehlen.

Klingt ein wenig nach Bukowski ...

Nein, ist mehr wie Henry Miller.

Henry Miller habe ich nie verstanden.

Dann lass uns über Henry Miller reden. Ich bin ein Henry Miller-Apologet. Viele Menschen mögen ihn nicht, weil er aus einer männlichen Perspektive schreibt und sie es daher für chauvinistisch halten, aber unter diesem ganzen Gerede über Sex ist viel mehr. Es geht um die Liebe zum Leben und die Liebe zu Menschen. Er wirkt vielleicht sehr misanthropisch, wütend und grausam. Aber manchmal kommt er zu einem Punkt, durchbricht diese Atmosphäre und klingt dann unglaublich weich.

Kat Haze

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #94 (Februar/März 2011)

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