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Interviews & Artikel

NICHTS

Tango 2011

2009 interviewten wir Michael „Meikel“ Clauss zum ersten Mal anlässlich der Reunion von NICHTS, jener Band, die er 1981 nach einem kurzen Gastpiel als Gitarrist bei der Düsseldorfer Ur-Punkband KFC um Tommi Stumpf zusammen mit dem Ex-KFC-Drummer Tobias Brink, Bassist Christopher Scarbeck und Sängerin Andrea Mothes gründete. NICHTS entwickelten sich in kürzester Zeit zu einer der beliebtesten Band der boomenden „Neuen Deutschen Welle“, beim Neusser Indie-Label Schallmauer erschien im Juni 1981 die LP „Made in Eile“, im Herbst des Jahres kam beim Major CBS die Single „Radio“, die zum Hit wurde. Im März 1982 dann das zweite Album „Tango 2000“, auf dem sich mit dem Titelsong und „Ein deutsches Lied“ zwei weitere herausragende Stücke fanden, doch die Band in dieser Form zerbrach bald danach, Clauss und Scarbeck stiegen aus, Mothes und Brink machten weiter und nahmen mit „Aus dem Jenseits“ noch ein drittes Album auf, das aber nicht an den Erfolg von „Tango 2000“ anknüpfen konnte.

Im August 2009 dann spielten NICHTS auf einem Stadtteilfest in Düsseldorf in neuer Besetzung (Meikel Clauss, Sabine Kohlmetz, Ufo Walter, Bazooka Joe Kirschgen) ein respektables Konzert, weitere folgten, und es entstand der Plan, ein neues Album aufzunehmen. Anfang Februar ist nun „Zeichen auf Sturm“ auf Electrique Mud erschienen, und ich bat Meikel, mir ein paar über das Interview in Ox #87 hinausgehende Fragen zum neuen Album zu beantworten – ein Album, zu dem sich der Songwriter und Gitarrist, der als Heilpraktiker mit eigener Praxis eigentlich genug zu tun hat, selbst kritische Fragen stellte: „Warum so viel Stress? Wozu was Neues machen? Wozu ein Risiko eingehen? Wozu soll das gut sein? Wer braucht das 2009? 2010? 2011? Ist das nicht total peinlich? Und dazu noch ohne Originalbesetzung? Und dann nicht mal der Originalsound? Wozu das alles? Wen interessiert das?“

Meikel, du hast NICHTS seinerzeit vor dem letzten Album verlassen. 2009 dann die Wiederbelebung der Band. Siehst du dich als legitimen Nachlassverwalter und Erben?

Ich habe sehr viel nachgedacht über das Thema. Ich sehe mich keineswegs als legitimen Nachlassverwalter oder Erben, sorry, Tote und Legenden soll man ruhen lassen! Ich bin weder, noch will ich dies sein, eine „wichtige“ Persönlichkeit , noch war ich jemals wirklich ein Punk, ich bin einfach ein Gitarrist aus Düsseldorf, und ein mittelmäßiger bis lausiger Songschreiber. Punkt. Und das weiß eigentlich auch so gut wie jeder von damals, haha. Mir gehen derlei Gedanken auch vom Prinzip her schon gegen den Strich, sowohl was das Thema KFC betrifft, als auch NICHTS.

KFC spielten im Februar 2008 unter Federführung von Tommi Stumpff in Düsseldorf auf seiner Geburtagsparty ein Konzert – ohne dich.

Hier wurde unter dem Namen KFC einiges an Nachlass „verwaltet“, was mir viele wütende bis empörte, aber zumindest total enttäuschte Stimmen zu Ohren brachten. Ich finde das sehr, sehr schade, die eigene Legende sinnlos zu beschmutzen. Ich distanziere mich hiervon und habe auch nichts damit zu tun. Das ist auch der Grund, warum ich mich mit meinen bis dahin besten Freunden überworfen habe, die wollten das so „larifari-is doch eh nur Punk, das machemer doch mit links“-mäßig durchziehen. Ohne mich! Mir gehen fast alle Leichenfledderer total auf den Sack, die haben diese Einstellung „Hey wir sind doch so tolle Punkrock-Ikonen, die Leute da draußen, die fressen auch 30 Jahre später jeden Scheiß von uns, wozu sich anstrengen oder sogar noch zeitgemäße Musik machen?“

Harte Worte.

Ja, und ich bin ebenfalls dagegen, wie einige Leute versuchen, die (Punk-)Geschichte für sich umzuschreiben, nach dem Motto „der erste Punk“, „die erste Punkband“, „die Wichtigste“, „die Erfolgreichste“, „Wichtige Persönlichkeiten des Punkrock“, „wichtige Protagonisten des Punkrock“ – da wird mir schlecht. Oder wie bei Wikipedia irgend ein Scheiß geschrieben wird, ja die Geschichte umgeschrieben wird, gar zum eigenen Vorteil. Das ist mir jetzt passiert bei Wikipedia, da hat so ein Möchtegenschreiberling zugeschlagen, wie erbärmlich!

Im letzten Interview fragten wir nach dem Status der drei alten Alben und ob es Neuauflagen geben werde. Gibt es da jetzt konkretere Pläne?

Es wäre leicht für mich, die Platten schon längst neu aufzulegen, da ich zusammen mit Tobias Brink Rechtsnachfolger bin. Warum habe ich das nicht getan, wenn sich da doch gutes Geld verdienen lässt? So einen Reunion-Revival-Scheiß braucht doch keine Sau! Trotzdem: Die alten Platten auf Vinyl, das werde ich wohl angehen, wenn der richtige Moment gekommen ist.

Alte Fans von NICHTS werden sich über das Album freuen, die Meckerer werden meckern. Dennoch: Welche Begründung verwendest du vor dir selbst, weshalb NICHTS 2011 sein müssen?

Da gibt es nur eine einzige Antwort, und und die ist nicht logisch, ich kann’s dir auch nicht vom Kopf erklären. Ich spreche da ganz bewusst den Bauch an, denn es kommt eben nur aus dem Bauch heraus: Es ist so passiert und es fühlt sich einfach gut an – Live! Hier! Jetzt! Zusammen! Das ist der einzige Grund, so einfach ist das. Wie ein Seitensprung mit der Putzfrau, haha. Es war weder geplant, noch durchdacht, noch von irgendeiner logischen Erwägung inspiriert. Wenn wir live spielen, fegen wir zuerst uns selbst weg, das ist wie ein Rausch, und irgendwie springt dann wohl der Funke über und dann fegen wir bisher (fast) jedes Publikum weg. Zu unserem ersten Gig in Düsseldorf kam kein Schwein wegen uns, zum zweiten etwa 80 Leute (allerdings aus ganz Deutschland), zum dritten ins Zakk 380 Leute, zum vierten etwa 800 Leute, und immer war’s geil. Wenn mir jemand aus dem Freundeskreis sagen würde „Meikel, mal ehrlich, dein Versuch mit NICHTS ist echt kontraproduktiv, lass die alten Sachen lieber so stehen“, dann würde ich mir das schon sehr zu Herzen nehmen, dann würde ich das Ganze lieber aufgeben, die Sache ruhen lassen. Das meine ich ernst, sehr ernst. Also wenn du ein Problem hast, sag es mir lieber geraderaus ins Gesicht. Ansonsten gab es in den letzten Monaten mal zwei Situationen, wo es sich nicht gut angefühlt hat, und da hätte ich fast den Kram hingeschmissen. Aber es gab dann auch Konzerte, die werden mir wohl immer im Kopf oder im Herzen bleiben, denn das waren Sternstunden, das hast du in den Augen der Leute gesehen.

Wie war’s im Studio? Ihr habt ja kurzfristig umdisponiert und euch Vom Ritchie von DIE TOTEN HOSEN angeheuert.

Unser Drummer Josef hatte in einem Anfall von Keine-Ahnung-was den Studiotermin einen Tag vorher abgesagt. Also haben wir Vom von den Hosen angerufen, der kam am nächsten Tag und hat sein Schlagzeug aufgebaut. Zu Voms Überraschung hatten wir gar keine fertigen Songs, nur Fragmente, zwei bis drei waren allerdings auf dem besten Wege zu einem Song. Ich schlug aus dem Bauch heraus vor, einfach ein Gitarren-Riff von mir mal durchzujammen, quasi zum warm werden. Wir hatten in dieser Konstellation noch nie zusammen gespielt, also Ufo, Vom und meine Wenigkeit, und dann kam dieser Moment: Unbeschreiblich, wir spielen das erste Mal die erste Version, und besser konnte es einfach nicht mehr werden. Wir nahmen diesen ersten Track dann auch unverändert auf die Platte, es ist „Die Gottesanbeterin“. Keiner von den Anwesenden hatte so was schon mal erlebt, es waren noch ein paar Zufalls-Zaungäste da, wir alle waren wie hypnotisiert, noch Minuten später. Ich kann das alles nicht logisch erklären, es ist einfach passiert. Es war wie ein Rausch. wir nehmen einen Track nach dem Anderen auf, selten dauert dies länger als 15 Minuten. Einiges wird unverändert genommen, „Chaostheorie“, „Das Leben ist schön“, „3-Käse-Hirn-Boy“, „Zeichen auf Sturm“, „Nur das eine Mal“, „Feierstarter“, alles war in so etwa 3 Stunden fertig und kommt jetzt eben als Platte raus.

Eine unkonventionelle, sehr direkte Herangehensweise.

Ja, aber was soll man machen? Den Kopf einschalten? Doch alles in die Tonne kloppen, weil es irgendjemand blöd finden könnte? Der Punkt mit der Sängern war auch so eine Sache. Sabine ist einfach ein Phänomen, und das sagt selbst Andrea, die alte „richtige“ NICHTS-Sängerin – einfach unglaublich, wie NICHTS-mäßig die klingt. Die singt, als hätte sie nie was anderes gemacht. Denn ganz ehrlich, keiner war so wirklich begeistert von der Idee mit der neuen Sängerin, bis zum ersten Live-Konzert. Du siehst, manchmal passiert es einfach, ich weiß, das klingt platt, ist so gar nicht pressemäßig interessant und so hoffnungslos altmodisch, aber so ist es nunmal. Wir sind halt Musiker und bestenfalls denken wir nicht groß nach, das ist eh nicht die Stärke von Musikern, glaube ich. Und ich nehme mich ja auch nicht so ernst. Von allem, was ich über Punkmusik je gehört habe, war ein Satz immer präsent und in jedem Interview auf die eine oder andere Art der wichtigste Faktor: „Wir haben nicht nachgedacht, wir haben einfach gemacht.“

Zum Schluss bitte noch deine drei Lieblings-Reunions alter Helden.

Also die SONICS, die können einem doch noch die Augen öffnen, Jello Biafra, der schafft das auch noch, und unter Umständen auch die UNDERTONES. Aber letztlich ist das alles, wir inklusive, nicht der Rede wert, wenn man WIRE gesehen hat.

Was sind die weiteren Pläne? Im Februar ist ja eine kleine Tour geplant. Und sonst?

Es gibt kaum Pläne, die Platte kommt raus, wir spielen ein paar Gigs, solange es sich gut anfühlt. Es gibt nur das Jetzt. Ich war gerade in Costa Rica, und mitten in der Wildnis im Überlandbus habe ich einen alten Song gehört, der bringt es auf den Punkt, da singt John Lennon „Imagine, all the people, living for today“.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #94 (Februar/März 2011)

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