OPPOSITION

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My room is white

Die britische Post-Punk-Band OPPOSITION (früher THE OPPOSITION) – gegründet 1979 in South London – gehört mit unter anderem AND ALSO THE TREES zu den ältesten Bands ihres Genres, die kontinuierlich ohne Auflösung existiert haben, aber mit einem etwas überschaubaren Output gesegnet ist.

Speziell auf ihrem Debüt „Breaking The Silcence“ (1980) und dem Album „Promises“ (1984) – das mit „I dream in colour“ und „My room is white“ zwei exzeptionelle Songs der Band enthält – perfektionierten sie einen dunklen, mit sphärischen Synthies unterlegten, Post-Punk und New Wave, der in nichts dem Sound von THE COMSAT ANGELS, SHRIEKBACK (ex-GANG OF FOUR/XTC), den SAD LOVERS & GIANTS oder der ebenso in Vergessenheit geratenen New-Wave-Formation FASHIØN aus Birmingham nachstand. Ihre erste Single „Very Little Glory“ von 1979 wurde vom NME zu Recht als „a song recorded before its time“ kategorisiert. Die Band konnte in den frühen Achtzigern auch in Frankreich Erfolge feiern und so erstaunt es nicht, dass die beiden heute noch existenten Gründungsmitglieder Marcus Bell und Mark Long (die 1988 auch ein Album unter dem Projektnamen SO einspielten) seit vielen Jahren in Paris ihr Domizil aufgeschlagen haben. Marcus Bell, der zudem unter dem Namen Mrs Jones eine kleine Produktionsfirma und ein eigenes Label betreibt (auf dem unter anderem der Franzose Damien Saez veröffentlicht, der elektrisierenden Pop Noir spielt), nahm sich einige kurze Momente Zeit, um den Status quo in Sachen OPPOSITION zu skizzieren. OPPOSITION haben 2004 mit „Blender“ ein fast elegisches Pop-Album veröffentlicht und sind gegenwärtig bei den letzten Aufnahmen für ihr neues Album „Love & Betrayal“, das vermutlich im Frühjahr 2011 veröffentlicht wird.

Marcus, ich war ziemlich überrascht, als ich zufällig erfahren habe, dass es OPPOSITION immer noch gibt und es nie zu einem offiziellen Split kam. Eine seltene zeitliche und personelle Konstellation, die ihr beispielsweise mit AND ALSO THE TREES teilt. Habt ihr noch Kontakt zu Bands aus dieser Zeit?

Um ehrlich zu sein, habe ich es nie verstanden, warum sich Bands auflösen, wenn beispielsweise Musiker aus familiären Gründen ein neues und anderes Leben beginnen wollen. Die Exklusivität einer solchen Entscheidung zugunsten, sagen wir mal, einer anderen Form des Privatlebens, reduziert meiner Auffassung nach generell die persönliche Entwicklung. Dennoch habe ich den Eindruck, dass wir uns, nach gängiger Auffassung, nach jedem Album und der dazugehörigen Tour – wenn du so willst „geistig“ – aufgelöst haben, wenn auch nicht offiziell. Aber nach einer bestimmten Zeit wuchsen der kreative Druck und Antrieb wieder, etwas auf die Beine zu stellen und sich wieder musikalisch neu zu definieren und positionieren. Nein, ich muss sagen, dass ich eigentlich mit all den von dir zitierten Bands schon damals nicht im Austausch stand. Obwohl ich in der gleichen Kleinstadt wie Robert Smith von THE CURE aufgewachsen bin und wir mit THE CURE auf den gleichen Festivals gespielt haben, zur gleichen Zeit auf Tour waren und uns sogar das gleiche Studio bei den Aufnahmen geteilt haben, habe ich mit Robert Smith nie gesprochen.

Profitiert ihr in irgendeiner Weise von der Post-Punk-Renaissance und dem Umstand, dass Bands wie INTERPOL und BLACKLIST musikalisch massiv eure Zeitgenossen THE COMSAT ANGELS und THE CHAMELEONS zitieren?

Mich erstaunt es eher, dass dieser typische Achtziger-Sound mit den breiten Snare Drums und dem mitunter wirklich schlechten Drum-Computer-Programming heute noch so viele Anhänger findet. Uns betrifft dieses ganze Post-Punk-Revival ohnehin nicht, weil wir nur noch Studioalben veröffentlichen und nicht mehr auf Tour gehen, aber klar, ich kann diese Einflüsse auch heute noch überall heraushören, selbst bei einer Band wie RADIOHEAD.

Ich hatte mitunter den Eindruck, bei euren aktuellen Veröffentlichungen spielt Jazz als Einfluss eine Rolle.

Um ehrlich zu sein, hoffe ich nicht, dass wir uns nur ansatzweise nach Jazz anhören. Ich höre gegenwärtig eigentlich eher den französischen Komponisten des Impressionismus Claude Debussy, den englischen Komponisten William Edgar Elgar, der unter anderem „Pomp & circumstance march no. 1“ komponierte, dessen Trioteil der Hymne „Land of hope and glory“ entlehnt ist, die unter anderem jedes Jahr bei der Londoner „Last Night of the Proms“ gespielt wird, und Frédéric Chopin. Hauptsächlich höre ich Musik, die ohne Worte respektive Gesang auskommt und im letzten oder vorletzten Jahrhundert komponiert wurde.

Du bist vor vielen Jahren nach Paris gezogen und hast ein eigenes Label ins Leben gerufen. Verfolgst du das Geschehen der aktuellen französischen Post-Punk-Szene mit Bands wie JOY/DISASTER und 1984, zumal auch ältere Bands wie FRUSTRATION eine fulminantes Comeback feiern?

In der Tat hat Frankreich eine sehr lebhafte und interessante Musikszene, was genau der Grund ist, warum ich das Label Mrs Jones gegründet habe, mit der klaren Ausrichtung ausschließlich lokale Künstler und Bands unter Vertrag zu nehmen, die in ihrer Muttersprache singen und nicht wie die meisten – eben auch französischen Labels – nur englischsprachige Bands zu promoten. Es ist eigentlich eine Schande, wenn französische Bands nicht bei französischen Labels unterkommen. Musik sollte immer Lokalkolorit und die eigenen kulturellen Wurzeln, eben auch die sprachlichen, reflektieren. Ich habe beispielsweise den Gitarristen Damien Saez unter Vertrag genommen, der wunderbaren französischen Pop Noir mit Chanson-Hintergrund spielt. Er trägt den französischen Singer/Songwriter-Esprit in sich. Die von dir zitierten Bands kenne ich gar nicht, werde mich aber mal schlau machen. Mein Label ist in erster Linie die Basis für meine Tätigkeit als Produzent für andere Bands und die Heimat von OPPOSITION.

Ihr seid gerade bei den Aufnahmen zu eurem neuen Album, das in Kürze erscheinen wird. Was beeinflusst dich in Sachen Songwritting?

Ich habe keine spezifischen Inspirationsquellen in dieser Hinsicht und die Songtexte schreibt ja primär Mark Long. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich auch noch nicht so viel sagen, wie die Songs in ihrer Endversion klingen werden, da ich aber – im Gegensatz zu früheren Aufnahmen, wo ich primär Bass und Keyboards bei OPPOSITION gespielt habe – beim neuen Album auch die Gitarrenparts einspiele, wird es wohl sehr gitarrenlastig sein. Ich habe zuletzt auf dem Album von Saleya, einem französischen Songwriter, der ebenfalls auf Mrs Jones veröffentlicht, die Gitarrenparts gespielt, insofern ist es nicht ganz neu für mich.