Interviews & Artikel : Bad Afro Records :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Bad Afro Records

So läuft´s halt: kommerziell hat White Jazz Records, das Stammlabel von HELLACOPTERS und GLUECIFER, den Rahm des Skandinavien-Rock-Hypes abgeschöpft. Aber den Riecher, dass was ist, was gross werden könnte, hatten andere zuerst, nämlich Lars Krogh und seine Kollegen vom dieses Frühjahr eingestellten Moshable-Fanzine. Doch so tot das Moshable ist, so lebendig ist Bad Afro Records, das sich seit geraumer Zeit mit geschmackvollen Releases cooler Bands nordeuropäischer Herkunft einen Namen gemacht hat. Bad Afro-Boss Lars Krogh stand mir Rede und Antwort.

Zuerst eine obligatorische Frage: Wo, wann und von wem wurde Bad Afro ins Leben gerufen?


"Ich habe das Label 1986 gegründet, als ich gerade aus dem Norden Dänemarks nach Kopenhagen gezogen war. Zuerst fragte ich die Jungs und Kollegen von Moshable, ob sie nicht Bock hätten, das Label mit mir zusammen zu führen, aber sie hatten nicht genug Kohle und waren auch nicht sonderlich interessiert. Heute bin ich irgendwie stolz darauf, dass Bad Afro es als ein "Ein-Mann-Label" zu etwas gebracht hat. Im Nachhinein denke ich, dass die Sache wohl sowieso schiefgelaufen wäre und es in der Auswahl der Bands, Veröffentlichungspolitik und vielen anderen Dingen sicherlich Probleme gegeben hätte, besonders in Anbetracht der Tatsache, dass sich vier Typen die ganzen Entscheidungen hätten teilen müssen."

Warum und wie kamst du überhaupt auf die Idee, ein eigenes Label zu starten?

"Zu diesem Zeitpunkt gab es natürlich schon die "grossen" und bekannten Bands wie THE NOMADS oder TURBONEGRO, aber die "neue Generation" stand mit den HELLACOPTERS und GLUECIFER schon in den Startlöchern und es war abzusehen, dass noch viele Bands folgen würden, von denen bis zu diesem Zeitpunkt allerdings noch keine eine Platte veröffentlicht hatte. Ich spielte schon lange mit dem Gedanken, ein Label zu gründen und nun schien es die richtige Zeit dafür zu sein."

Welche Beziehung gab und gibt es zwischen Moshable und Bad Afro?

"Ich glaube nicht, dass Bad Afro ohne Moshable überhaupt möglich gewesen wäre. Moshable war eines der ersten Fanzines, das sich vorwiegend mit skandinavischen Punkrock befasst hat. Schon 1992 hatten wir z.B. ein grosses Special über dieses Thema mit TURBONEGRO auf der Titelseite und waren wahrscheinlich die ersten, die die HELLACOPTERS oder GLUECIFER überhaupt interviewt haben. Weil ich diese Bands also von Anbeginn ihrer Karriere kannte, war es auch kein grosser Schritt, ihre ersten 7"es zu veröffentlichen. Heute arbeite ich hauptsächlich mit Peter Markham zusammen, einem der Herausgeber des Moshable, er ist für die meisten Covers von Bad Afro-Platten zuständig und bringt sich gelegentlich auch durch Ideen für neue Platten ein."

Warum hat Bad Afro überlebt und das Moshable nicht?

"Das Moshable wurde eingestellt, weil wir alle an einem Punkt angelangt waren, an dem wir nicht mehr den genügenden Enthusiasmus für ein Fanzine verspürten. Zu dem Zeitpunkt hatten wir das Heft bereits vierzehn Jahre gemacht, wie üblich bei einem Fanzine aus Liebe zur Musik und immer mit dem Gedanken, dass man dies nur aus Spass macht, weil nicht viel Geld dabei herausspringt. Ich merkte, dass diese Beschäftigung anfing mich zu langweilen und so beschloss ich, damit aufzuhören bevor die Leser merkten, dass man von seiner Tätigkeit nicht mehr überzeugt ist und nicht genügend dahintersteht. Für mich war es sehr wichtig, an einem Punkt aufzuhören, an dem man seinen Job noch gut macht und nicht erst, wenn du den Leuten schon auf den Nerv gehst. Bad Afro besteht weiterhin, weil ich mir bewusst geworden bin, dass es mehr Spass macht, Platten zu veröffentlichen als über sie zu schreiben. Ich hatte nie geplant, das Label zu meinem Lebensunterhalt zu machen und betrachtete es nur als Hobby, aber mittlerweile versuche ich es und es langt zum Essen, aber nicht für viel mehr."

Würdest du sagen, Bad Afro steht für einen bestimmten Stil?

"Eigentlich nicht, ich habe von Punkrock, 60er und 70er Garage Rock, Surf, Glam Rock´n´Roll, Noise und abgefahrenem Zeug wie LARRY AND THE LEFTHANDED eigentlich alles im Programm. Trotzdem versuche ich, meine Releases in einem gewissen Bereich zu halten. Ich weiss, dass viele Leute den Namen Bad Afro mit der Bezeichnung "Action Rock" assoziieren weil ich viele Sachen von TURBONEGRO, HELLACOPTERS, GLUECIFER, PEEPSHOWS, den BACKYARD BABIES usw. veröffentlicht habe, aber diese Leute werden in naher Zukunft sehen, dass dieser Gedanke falsch ist. Gerade habe ich THE INTERNATIONAL NOISE CONSPIRACY herausgebracht und die sind weit entfernt vom sogenannten "Action Rock" und auf die kommenden Veröffentlichungen von THE FESTERMEN, THE CRONICS und THE FLAMING SIDEBURNS trifft diese Bezeichnung auch in keinster Weise zu."

Nach welchen Kriterien suchst du deine Bands aus?

"Schwer zu sagen: manche der Bands kenne ich schon lange, manche entdecke ich bei Konzerten, bei manchen werden aber auch aus ursprünglich geplanten Demos reguläre Platten. Oberste Priorität bei der Bandauswahl hat allerdings mein persönlicher Geschmack: ich nehme die Bands, die mir am besten gefallen und hoffe, dass sie dem Publikum genauso gut gefallen und es sich meiner Meinung anschliesst. Die Persönlichkeit der jeweiligen Band ist aber auch ein ausschlaggebender Faktor, ich will einfach nicht mit Arschlöchern zusammenarbeiten, man sollte sich schon zumindest gegenseitig respektieren."

Gab es schon mal Ärger wegen des Labelnamens oder des Bad-Afro-Logos?

"Nein, erstaunlicherweise nicht. Als ich am Konzept für Bad Afro werkelte, fragte ich viele meiner farbigen Bekannten, ob sie sich durch das Logo angegriffen fühlten und sie alle beneinten die Frage. Ich meine, der Typ vom Logo sieht ja auch ziemlich cool aus und es wäre mehr als abwegig, es in irgendeiner Form mit rassistischen Elementen in Verbindung zu bringen. Die Inspiration stammt übrigens von Filmen wie "Superfly", "Shaft" oder "Dolemite", welche alle von schwarzen Vorbildertypen erzählen."

Und was ist mit der häufigen Verwendung von Bildern schwarzen Frauen im Bad-Afro-Artwork?


"Nun, ich sehe die Sache nicht so eng und mache mir keine grossen Gedanken darum. Ich mag einfach Afros, dunkelhäutige Frauen und den 70er-Jahre-Stil und verwende diese Dinge deshalb sehr gerne. Ich bin absolut für Gleichberechtigung, unterstütze den Fortschritt in der Frauenrechtsbewegung vollstens und sehe keinen Anlass, meine Sachen als "sexistisch" zu bezeichnen. Unsere Umwelt und die Medien sind gefüllt von Pornos und ähnlichem, im Vergleich dazu ist unser Artwork doch wirklich harmlos. Bis jetzt hat sich noch nie jemand bei mir darüber beschwert, also gehe ich davon aus, dass die Leute wohl verstanden haben, dass man unser Artwork auch nicht allzu ernst nehmen sollte."

Am Anfang ist Bad Afro ein kleines Sammlerlabel gewesen, in der Zwischenzeit ist es aber ganz gut gewachsen - oder wie siehst du das?

"Bad Afro startete als "Bad Afro Hustler Singles Club", dem man beitreten konnte und kann, wenn man mir $36 schickt. Dafür erhält man dann die nächsten sieben Singles, die bei uns erscheinen. Anfangs ging ich von drei oder vier Singles pro Jahr aus, mittlerweile hat sich die Zahl aber auf sieben bis acht erhöht. Dann erschien die FLAMING SIDEBURNS-10" und ein neues Format war geboren, nebenbei erwähnt mein Lieblingsformat. Die erste CD wurde im September letzten Jahres veröffentlicht. Ich glaube allerdings, dass der Name "Bad Afro" viel mehr Leuten vom Hörensagen bekannt ist und weniger Leuten, die schon Platten von uns im Schrank stehen haben. Natürlich hoffe ich, dass sich daran etwas ändert und arbeite jeden Tag darauf hin."

Erzähl´ uns was über die Beziehung zu Voices Of Wonder. Wer sind sie und was machen sie?

"Als ich mit Bad Afro anfing, hatte ich 2500 DM, das war alles. Als ich mich entschloss, CDs zu veröffentlichen wurde mir klar, dass ich mir mehr als eine oder vielleicht zwei pro Jahr nicht leisten konnte. Also entschied ich mich dazu, Voices Of Wonder für den Vertrieb zu verpflichten. Sie sind jetzt für den Export zuständig, bezahlen einige Rechnungen und sitzen auch hier im Büro. Wir arbeiten zusammen, wobei ich die Freiheit habe zu entscheiden, welche Platten ich rausbringen will. Diese Freiheit hat ihren Preis, denn da ich mit Bad Afro im Moment noch nicht allzu viel Geld verdiene, muss ich mich immer noch mit einen Nebenjob über Wasser halten."

Wer steht heute hinter dem Label und wessen Miete wird dadurch finanziert?

"Bad Afro besteht immer noch nur aus mir, wobei ich von Peter Markham in Designfragen und von einem Typen namens Anders unterstützt werde, der gelegentlich vorbeikommt und mir beim Packen und ähnlichem hilft. Derzeit bezahlt das Label allerdings noch keine Miete, nichtmal meine."

Was hältst du von Plattensammlern? Unterstützt du sie, indem du limitierte Versionen von einigen Platten veröffentlichst?

"Hmm, man könnte sagen, dass Bad Afro den Plattensammlern durch die verschiedenen Vinylfarben einen weiteren Kaufanreiz bietet. Es ist ja auch kein grosses Geheimnis, dass viele Plattenfirmen ihren Erscheinungen einfach den Stempel "limited edition" geben weil sie wissen, dass sie davon nicht gerade Stückzahlen in Millionenhöhe verkaufen werden und so versuchen, sei es nun durch farbiges Vinyl oder kleine Auflagen, in der Menge aufzufallen. Ich persönlich sehe die Sache jedoch etwas anders, ich bin nämlich hauptsächlich daran interessiert, von einerPlatte möglichst viele zu verkaufen. Ich möchte, dass eine Menge Leute die Sachen hören, das ist nunmal der verdammte Hauptgrund, Platten herauszubringen. Ich wähle verschiedene Farben, damit man erkennen kann, ob man die Erst-, die Zweit- oder die Drittauflage gekauft hat. Die erste Pressung ist immer in schwarzem Vinyl gehalten, die zweite grün und die dritte immer rot, ansonsten mache ich mir keine grossartigen Gedanken darum. Ich selber bin auch Plattensammler, mir ist es allerdings wesentlich wichtiger, dass ich eine Platte besitze, egal ob es sich jetzt um die Erstpressung oder sonstwas handelt. Ich finde es ziemlich schwachsinnig, sich nur wegen der Vinylfarbe verschiedene Versionen von einem Album in den Schrank zu stellen."

Die Frage des bevorzugten Formats: warum CDs, warum LPs, warum 7"es?

"Ich bevorzuge wegen dem Sound, der Qualität des Covers die Vinylversion, ausserdem habe ich zu LPs ein viel cooleres Gefühl, verglichen mit der CD. Es klingt schon ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, dass ich bisher von keinem auf Bad Afro erschienenen Album eine Vinylversion gemacht habe. Der Grund dafür ist, dass ich ein sehr kleines Label mit sieben bis acht Singles im Jahr betreibe, dazu kommen eine oder zwei 10"es und vier bis sechs CDs, insgesamt sind es mittlerweile immerhin mehr als eine Veröffentlichung pro Monat und bisher habe ich es noch nicht geschafft, ein weiteres Format hinzuzufügen. Glücklich darüber bin ich aber nicht, da ich mir schon bewusst bin, dass ich mit zur Vernichtung meines Lieblingsformates beitrage, es ist wohl eine Ironie des Lebens. Die "It´s Time To Testify ... Brothers And Sisters"-CD der FLAMING SIDEBURNS wird beispielsweise in Australien über Corduroy auch als LP erscheinen. Ein paar hundert davon werden auch nach Europa gehen. Was 7"es betrifft, liebe ich dieses Format genauso und werde den Bad Afro Singles Club mindestens so lange fortführen, bis die magische Grenze von 50 Veröffentlichungen erreicht ist. Ich hoffe, das geschieht bevor mir die Bands ausgehen, aber das war bislang noch das geringste Problem."

Welche war deine erste Platte und welche hältst du für die drei besten Punkrock-Platten aller Zeiten?

"Die erste Single war irgendwas von GIRLSCHOOL, der Titel ist mir leider entfallen und mein erstes Album war von TYGERS OF PAN TANG, einer längst vergessenen Heavy Metal-Band. Ich bin aber schon so alt, dass meine ersten musikalischen Eigentümer Cassetten waren und ich erinnere mich noch, dass ich mir mit sieben Jahren "Sweet Fanny Adams" von THE SWEET zulegte, gefolgt von etlichen AC/DC-Tapes. Ich denke, das hat meinen weiteren Musikgeschmack immens geprägt und den Rest meines weiteren Lebens extrem beeinflusst. Die drei besten Punkrockplatten - was für eine unmöglich zu beantwortende Frage! Vielleicht von den RAMONES "Rocket To Russia", THE NEW BOMB TURKS´ "Destroy, Oh, Boy" und "Fresh Fruit ..." von den DEAD KENNEDYS. Aber es gibt noch so unendlich viele mehr ..."

Wie definierst du Punkrock?

"Für mich hatte Punkrock schon immer was mit Einstellung und nicht mit einem gewissen Aussehen oder einem bestimmten politischen Standpunkt zu tun. Für mich sind PUBLIC ENEMY genauso viel Punk wie beispielsweise die NEW BOMB TURKS oder was auch immer. Es geht einfach darum, rebellisch zu sein, weltoffen und dieses DIY-Feeling zu haben. Dass ich mir darüber Gedanken gemacht habe, ist schon sehr lange her, deswegen habe ich leider keine richtige Definition von Punkrock. Nebenbei höre ich übrigens auch viel andere Arten Musik, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, z.B. alten Soul wie SAM AND DAVE, BOOKER T AND THE MG´s oder Ike und Tina Turner. Hinzu kommen noch Sachen wie die ROLLING STONES, Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Herb Alpert, Lee Hazelwood, Nancy Sinatra und etliche mehr."

Welche Erscheinungen kann man als nächstes von dir erwarten? Welche Pläne hast du für die Zukunft? Machst du dir schon Gedanken oder hast du ein Ziel, wo du mit Bad Afro in einem oder sogar in drei Jahren stehen willst?

"Der nächste Release wird von THE FESTERMEN sein, eine wilde Band aus den tiefen Wäldern Finnlands, die einen typisch finnisch-schnellen und abgefahrenen Rockabilly-Sound machen, also mal wieder etwas sehr Kurioses und genau das Gegenteil von dem, was die Leute von Bad Afro erwarten. Danach erscheint ein Mini-Album von THE INTERNATIONAL NOISE CONSPIRACY im September, eine Split-MCD von den HELLACOPTERS und den FLAMING SIDEBURNS im Oktober und dann ist es Zeit für das Debüt der nordschwedischen Garageband THE CRONICS, meiner Meinung nach übrigens die beste neue Garage-Band aus Schweden. Anfang nächsten Jahres geht es dann mit dem ersten kompletten Album der FLAMING SIDEBURNS los und zwischen alledem gibt´s neue Singles von THE FLAMING SIDEBURNS, THE MAGGOTS und den ULTRA BIMBOOS. Und, ja, ich habe sehr viele Ziele, auch wenn ich das besser nicht in einem Interview sagen sollte. Aus verschiedenen Gründen ist es verpönt, Ziele und Erwartungen zu haben wenn du dich im Underground bewegst. Erstes Ziel: von dem Ertrag des Labels leben zu können, eine faire Sache wenn man die ganze Zeit und Arbeit addiert, die ich hier reinstecke. Zweites Ziel: so viele Platten verkaufen, dass ich machen kann, was ich will, und alle Platten veröffentlichen kann, auf die ich Bock habe und mich genauso viel um Events und Merchandise kümmern kann. Normalerweise gebe ich als Ziel immer nur an, möglichst high zu werden, Platten zu verkaufen und von schönen Frauen umgeben zu sein, wovon immerhin der erste Teil sehr leicht realisierbar ist."

Es scheint, als würde der "skandinavische Punkrock-Hype" mittlerweile schon den ersten Leuten auf den Nerv gehen. Wie stehst du dazu und wie sind deine Zukunftsprognosen für diesen Stil und seine Bands?

"Ja, das merke ich auch. Manche Leute sind genervt von dem enormen Zuspruch, den diese Art Musik in den letzten Jahren gefunden hat. Das kann ich auch bestens verstehen aber es kotzt mich an, dass im Moment alles, was aus unserer Ecke kommt, in einen Topf geschmissen wird. Ich meine, die HELLACOPTERS klingen ja nunmal nicht wie die BURNOUTS, ROYAL BEAT CONSPIRACY, TURBONEGRO oder was weiss ich was. Ich finde nicht, dass sich diese Sachen alle gleich anhören, und ich finde es zum Kotzen, wenn Rezensenten den Platten schlechte Bewertungen geben, weil sie aus Skandinavien kommen und die Schnauze voll von dem ganzen Hype haben. Es gibt keinen bestimmten Stil in Skandinavien! Ich muss zugeben, dass ich viele Promos von HELLACOPTERS- und BACKYARD BABIES-Kopien bekomme, aber auch immer wieder versuche, diese Kopiererei zu vermeiden. Das ist einfach langweilig und Fakt ist, dass die Zahl von schlechten Bands in letzter Zeit rapide gestiegen ist, was aber daran liegt, dass viele ausländische Labels ganz scharf auf skandinavische Bands sind und es somit sehr leicht geworden ist, mit derartiger Mucke einen Plattenvertrag zu bekommen. Die Leute sollten sich lieber die Mühe machen, den Schrott von den guten Veröffentlichungen zu trennen, anstatt alles über einen Kamm zu scheren und zu sagen, dass alles aus Skandinavien beschissen ist. Deswegen versuche ich auch immer, mit neuen Sounds zu überraschen."

Du lebst in Kopenhagen. Wie ist das Leben dort, ist es für dein Label von Vorteil dort zu wohnen - in einer Stadt, die nicht gerade bekannt für ihre überragenden Kick-Ass-Bands ist? Gibt es dort überhaupt welche?


"Nun, Kopenhagen ist ein merkwürdiger Ort. Es gibt viele Veranstaltungen und eine Menge Bands sind hier auf Tour, also kann man sich auch viele Inspirationen holen, trotzdem ist die hiesige Szene sehr klein und es gibt nicht sehr viele gute Bands, was natürlich mit der Zeit sehr langweilt. Das fällt vor allem im direkten Vergleich mit Schweden auf, wo ständig neue und coole Bands entstehen. Ich denke, die BURNOUTS sind eine sehr gute Punkrockband und es gibt noch einige andere wie TREMOLO BEER GUT, HOT ROD MOSES, COLUMBIAN NECKTIES, DEFECTORS und weitere. Aber Tatsache ist, dass Dänemark nie ein Rock´n´Roll-Land war und es auch nie sein wird. Wir sind ein Pop-Land mit wenigen Fanzines, guten Radiosendern oder ähnlichem. Es klingt etwas dämlich, aber ich mag Kopenhagen, weil es eine schöne Stadt ist, und ich lebe gerne hier. Auf der anderen Seite ist es natürlich einer der unpassendsten und vielleicht sogar der schlechteste Ort, um ein Label oder ein Fanzine zu gründen, es gibt nur wenige Menschen hier, die sowas interessiert. Bad Afro ist wohl auch in anderen Ländern bekannter als hier."

Letzte Frage: Spielst du selbst auch in einer Band?

"Mitte der 80er habe ich das gemacht. Eine Band hiess THE AIDS und eine weitere GROSSFRITES. Wir haben aus gutem Grund nie live gespielt oder sonstwas und ich merkte schnell, dass ich kein Talent hatte und rief dann recht bald Moshable ins Leben."

Danke!

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #40 (September/Oktober/November 2000)

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Punk-Schublade auf, Band rein, Schublade zu. 2018 taugen bestenfalls die abgegriffenen Blaupausen für die alten Kategorien, denn die meisten Bands haben sich schon lange aus ihren starren Korsetts befreit. So auch die Kölner KMPFSPRT, die ihrem ... mehr