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Interviews & Artikel

NEW YORK DOLLS

Glückliche alte Männer

Die NEW YORK DOLLS sind zusammen mit THE STOOGES und MC5 die heilige Dreifaltigkeit des US-Proto-Punks. Ohne diese Bands wäre Punk 1976/77 in England nicht möglich gewesen, hätte Malcolm McLaren, der sich als Manager der Dolls versuchte, nie die SEX PISTOLS erfunden. 1971 in New York gegründet, nahm die Band, bestehend aus Sänger David Johansen, den Gitarristen Johnny Thunders und Sylvain Sylvain, Bassist Arthur Kane und Drummer Billy Murcia (nach dessen Tod ersetzt durch Jerry Nolan), mit „New York Dolls“ (1973) und „Too Much Too Soon“ (1974) gerade mal zwei Alben auf. Die aber waren angefüllt mit Hits respektive Klassikern wie „Personality crisis“, „Vietnamese baby“, „Lonely planet boy“, „Jet boy“, „Trash“ oder „Who are the mystery girls?“, gespielt im eigenwilligen, snotty Glam-Rock-Sound der Band aus der Lower East Side, die schon rein optisch eine Provokation darstellten: bunte Frauenkleidung und hochhackige Schuhe gehörten damals nicht gerade zum normalen Erscheinungsbild einer Rockband, Männer hatten hart zu sein und nicht auf Drag Queen zu machen.

1975, noch bevor Punk in England sein mit Irokesenfrisur geschmücktes Haupt erhob, waren die Dolls am Ende, verfolgten Johnny Thunders, Sylvain Sylvain und David Johansen eigenständige Karrieren, doch die von vielen erhoffte Reunion schien mit jedem neuen Todesfall in weitere Ferne zu rücken: Nachdem Murcia einen frühen Rock’n’Roll-Tod gestorben war, folgten ihm 1991 bzw. 1992 Thunders und Nolan, und kurz nachdem die verbliebenen Originalmitglieder Sylvain, Johansen und Kane sich 2004 von ihrem großen Fan Morrissey zu einem Auftritt beim Meltdown-Festival hatten überreden lassen, schlug das Schicksal erneut zu: Arthur Kane starb überraschend an zu spät diagnostizierter Leukämie. Johansen und Sylvain ließen sich nun aber nicht mehr aufhalten, und mit neuer Besetzung entstand das im Juli 2006 veröffentlichte dritte Album „One Day It Will Please Us To Remember Even This“ , dem 2009 das kaum beachtete „Cause I Sez So“ folgte und im Frühjahr 2011 nun „Dancing Backward In High Heels“. Ich sprach mit Sylvain Sylvain, der eigentlich Sylvain Mizrahi heißt und 1951 in Kairo geboren wurde.

Sylvain, als wir uns 2006 das letzte Mal sprachen, war jeder erstaunt, dass die NEW YORK DOLLS es geschafft hatten, tatsächlich ein neues Album aufzunehmen auf ihre alten Tage. Seitdem habt ihr zwei weitere Alben eingespielt – an Motivation und Kreativität scheint es euch nicht zu mangeln.

Nein, ich liebe es einfach, Songs zu schreiben, und David und ich sind zusammen ein richtig gutes Team. Es macht großen Spaß, und aus wütenden jungen Männern sind glückliche alte Männer geworden. Ich sage zu David immer, dass wir in Rock’n’Roll-Jahren schon 300 sind, haha. Nach all den Jahren ist es immer noch ein schönes Gefühl, ein gutes Lied zu schreiben, besonders dann, wenn die Aufnahme so gut gelingt wie diesmal. Daran hatte auch Jason Hill einen großen Anteil, der das Album nicht nur produzierte, sondern auch Bass spielt.

Wie kam es, dass ihr die Platte in England aufgenommen habt?

Unser neues Label Demolition Records sitzt in England, und sie haben ein eigenes Studio, das wir vier Wochen lang nutzen konnten, und das war sehr angenehm – und hatte auch interessante Nebeneffekte. Sie hatten eine Cateringfirma für uns engagiert, die brachten jeden Tag leckeres Essen, und eines der Mädels, die uns belieferten, erwies sich als echt gute Sängerin, und so fragten wir sie, ob sie nicht mit ein paar Freundinnen auf unserer Platte singen wolle. Und so kam es dann auch.

Fällt euch die Arbeit an einer neuen Platte heute als glückliche, alte Männer leichter als damals, als ihr noch jung und wütend wart?

Ach, es hat seine Vor- und Nachteile, man muss das Beste daraus machen, denn das Leben verzeiht nichts, es wirft dir ständig neue Knüppel zwischen die Beine. Mit Humor ist aber alles leichter zu ertragen, und ich fühle mich heute rundum wohl, das macht mich glücklich. Was nicht bedeutet, dass wir uns nicht auch wie wütende junge Männer aufführen können: Jason warf mir ein paar Mal vor, ich verhielte mich wie ein 18-Jähriger ... Ich nahm das als Kompliment, haha. Dass wir nun noch eine neue Platte aufgenommen haben, das hat sich eher zufällig ergeben. Ich hatte hier in meinem Keller in Atlanta, Georgia einige neue Songs geschrieben, das war die Ausgangsbasis, auch wenn es davon kaum einer auf die Platte geschafft hat, nur „End of the summer“. Das war aber mein erster Song, und der bestimmte die Stimmung des Albums. Ich schreibe die Songs auf dem Keyboard, auf einer Orgel, manchmal auch auf der Gitarre. Im Studio machten wir dann weiter, und dabei galt die Regel „The song is king“, was immer er will, wird gemacht. Frank Infante, der früher mal bei BLONDIE war und jetzt bei uns Gitarre spielt, trug viel bei zum Album bei, und Jason nahm ihn auf eigenwillige Weise auf: Frank spielte zwar eine elektrische Gitarre, die aber ohne Verstärker aufgenommen wurde und ihren speziellen Sound durch verschiedene alte Effektgeräte wie Echoplex erhielt. Jim hat wirklich gute Arbeit geleistet, immer wieder Neues ausprobiert mit uns, und was gefiel, das behielten wir.

Das Ergebnis hat mich überrascht: Es ist keine direkte Fortsetzung des klassischen Dolls-Sounds, es ist ein echtes Sixties-Pop-Album.

Wir hielten uns einfach an die Regel, dass der Song alles bestimmt. Wir legten es nicht bewusst darauf an, dass die Platte anders klingt als die davor, die Zutaten sind die Gleichen wie ganz zu Beginn 1973. Unser Spirit ist immer noch da, der ist ungebrochen. Diesmal lag mir daran, neue Sounds auszuprobieren, ich mache Platten, die eigenwillig und schräg sind, wobei sich das ergeben muss und nicht erzwungen sein darf. Außerdem ist ein Album eben ein Album, und kein Konzert. Es geht nicht nur um die Vergangenheit und die Zukunft, es ist eine Mischung aus all dem. Und so ergab sich das neue Album ganz natürlich, falls es jemanden überrascht, dass wir heute anders sind. Es sollte auch keiner glauben, dass ich in den Klamotten von Anfang der Siebziger heute noch gut aussehen würde.

Man hört dem Album an, dass ihr die gleichen Einflüsse habt wie die RAMONES, die ja auch Pop-Musik aus den Sechzigern in eine schärfere Form brachten.

Nun, um genau zu sein haben die RAMONES diese Vorliebe von uns abgeschaut – denn wir waren zuerst da. Und wir wiederum bedienten uns bei Bo Diddley, wir coverten seinen Song „Pills“ auf unserer ersten Platte, und es wurde zu einer regelrechten Hymne. Wir coverten auch die SHANGRI-LAS und zig andere, die Liste der von uns als Band und als Solomusiker gecoverten Bands ist endlos. Letztlich haben all die Bands aus unserer Zeit in New York sich auf ähnliche Weise bei den Gruppen bedient, die sie liebten. Es macht einfach Spaß, neben den eigenen Songs von Zeit zu Zeit auf solche zurückzukommen, die einen inspirierten. In den Achtzigern war ich mal in London auf einem Blues-Festival, da spielten vor allem so BLUES BROTHERS-mäßige Bands, ich zog jeden Abend von Club zu Club, und immer wieder hörte ich „Pills“ – aber nicht in der Bo Diddley-Version, sondern so, wie wir das gespielt hatten. Das fand ich erstaunlich, ich habe mich sehr darüber gefreut.

War euer Punkrock damals vor dem Hintergrund dieser musikalischen Verwurzelung in der Musik der beiden vorherigen Jahrzehnte wirklich etwas so radikal anderes?

Die NEW YORK DOLLS wussten damals doch gar nicht, was sie da machten – wir fingen bei Null an. Es war neue Musik, die später mal Punk, mal New Wave genannt wurde und an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten populär wurde. Man muss ganz klar sehen, dass es in den USA nie eine echte größere Punk-Welle gab wie in England, das kam erst Anfang der Neunziger mit NIRVANA und GREEN DAY! Punk war zu Beginn also eine britische Angelegenheit, die sich dann über die ganze Welt ausbreitete. Punk lässt sich immer wieder auf eine ganz simple Attitüde zurückführen: Ich habe keinen Bock auf die Welt, wie sie ist, und mir ist es egal, was du von mir denkst. Ich mach’ mein eigenes Ding, auch wenn ich kein Talent habe, und wenn es reicht, dass die Girls deshalb anfangen zu schreien, dann ist es gut genug, dann bist du im Geschäft. So ist das in jeder Generation, das ist eine Grundeinstellung. Hätten Elvis Presley und Ronnie Spector von den RONETTES ein gemeinsames Kind gehabt, es wäre Johnny Thunders gewesen. Johnny hatte keine schöne Kindheit, sein Vater war nicht gerade nett zu ihm, und ich tröstete ihn immer mit den Worten: „Johnny, Elvis und Ronnie sind deine wahren Eltern!“

Johnny starb 1991 – wer hat ihn beerbt, an wen fließt das Geld, das bis heute mit seinen Aufnahmen verdient wird? Er hat ja vier Kinder und eine Ex-Frau.

Ich habe kürzlich erst mit seiner Tochter Jamie Genzale gesprochen, die in Stockholm lebt. Sie ist die Tochter seiner größten Liebe Susanne, und sie machte Johnny letztes Jahr zum Großvater. Wir redeten auch über Geld, und bei ihr kommt nichts an. Johnny hat ja noch ein paar andere Kinder, einer seiner Söhne soll sogar im Knast gewesen sein – und nein, ich weiß nicht, wo das Geld landet, das Johnny zusteht. Der arme Johnny war ja in einem schrecklichen Gesundheitszustand, als er starb, und ich denke nicht, dass er sich um seine Angelegenheiten gekümmert hat damals. Entsprechend ist das alles ein Fall für Anwälte und Gerichte.

Neben den NEW YORK DOLLS hast du zusammen mit Cheetah Chrome von den DEAD BOYS und ROCKET FROM THE TOMBS noch eine zweite Band, THE BATUSIS. 2010 erschien eine erste EP – was sind die weiteren Pläne?

Die Band gibt’s noch, und im Juni kommt auch das erste Album der BATUSIS raus – wie schon die EP auf Smog Veil Records aus Chicago. Die Band entstand auf Initiative von Frank von Smog Veil, der bereits mit Cheetah zusammenarbeitete und mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zusammen eine Platte zu machen. Das war im November 2009. Cheetah wohnt in Nashville, also fuhr ich nach Nashville und da nahmen wir direkt ein paar Songs auf, mit Thommy Price am Schlagzeug und Enzo Penizzotto am Bass – die beiden spielen sonst in der Band von Joan Jett. Produziert hat Ken Coomer, der mal bei WILCO war. Ich kenne Thommy schon ewig, der spielte in New York schon in zig Bands, unter anderem mit Mink DeVille. Und er war immer hinter meinen Freundinnen her, so habe ich ihn kennen gelernt, hahaha. Im März 2010 kam die EP dann raus, darauf neben zwei Instrumentals – das eine ist „Blues theme“ von DAVIE ALLAN & THE ARROWS – zwei eigene Songs. Der Name der Band ergab sich rein zufällig: Ich tanzte im Studio herum und hatte irgendwas mit Batman im Sinn, und Cheetah suchte dann gleich im Internet und kam auf den Batusi-Tanz, der in den Sechzigern extra für die Batman-Fernsehserie erfunden wurde. Und so nannten wir uns THE BATUSIS, traten 2010 bei der SXSW-Musikmesse in Austin auf und spielten eine Tour in England. Im November 2010 waren wir dann noch mal im Studio, nahmen zehn Songs auf, und die sind jetzt auf unserem Album, das wahrscheinlich „Pow!“ heißen wird.

Ich hoffe, das neue Dolls-Album geht nicht so unter wie das Dolls-Album „Cause I Sez So“ 2009. Davon bekam in Deutschland niemand was mit, euer Label schaffte es nicht mal, ein Interview mit euch für mich zu arrangieren. Was ging da schief?

Ich glaube, die dachten, das Album verkauft sich sowieso nur in England, also haben sie auch nur in England was dafür getan. Da waren wir einer großen TV-Show, das half durchaus, aber das war es auch an Medienpräsenz für den Rest des Planeten. Dabei haben wir auch in Frankreich, Deutschland, Spanien und Skandinavien eine Menge Fans. Diesmal wird alles besser, da bin ich mir sicher, und wir werden auch wieder richtig auf Tour gehen, sowohl in Europa, wie in den USA und auch in Japan. Auf die US-Tour bin ich gespannt, da spielen wir zusammen mit MÖTLEY CRÜE und POISON. Mit C.C. DeVille und Rikki Rockett von POISON bin ich schon lange befreundet, und wann immer die in Atlanta spielen, bin ich für einen Gastauftritt mit ihnen auf der Bühne. Als ich die das erste Mal traf, sagte ich, sie hätten ja alles nur bei den NEW YORK DOLLS geklaut, und blickte in erstarrte Gesichter. Ich lachte los, sie mussten lachen, seitdem sind wir Freunde. Und die Königin von England hat auch bei uns geklaut, hahaha.

Die Queen of England? Du meinst Morrissey?

Keine Witze über Morrissey, bitte. Der ist mein Lebensretter, das ist wirklich ein Guter. Es ist immer wieder verblüffend festzustellen, was wir mit unserem Fernsehauftritt 1973 angerichtet haben: Ich stelle erst nach und nach fest, wer uns damals alles gesehen hat und wessen Leben sich dadurch geändert hat. Ich habe erst vorhin erzählt bekommen, dass sogar Ray Davis von den KINKS uns damals gesehen hat und beeindruckt war – und das ist ein Kerl, der mich musikalisch beeinflusst hat! Und die NEW YORK DOLLS sind längst ein generationenübergreifendes Phänomen, ich rede mit Leuten, die uns als Kind gesehen haben und jetzt mit ihren Teenager-Kindern zu den Konzerten kommen. So was macht Spaß, das hält mich bei der Sache – und das Songwriting. Viele Leute hatten mich völlig aus den Augen verloren seit den frühen Achtzigern und waren dann vor ein paar Jahren ganz überrascht, dass ich immer noch Musik mache. Dabei war ich nie weg, aber es gab Zeiten, da wussten nicht mal Menschen aus meinem direkten Umfeld, dass ich noch Musik mache. Ich habe da eben nur für mich Songs geschrieben, und Songs schreiben ist echt hart, da muss alles stimmen. Und es ist oft schmerzhaft.

Syl, zum Zeitpunkt dieses Interviews dauert die Revolution in Ägypten an. Verfolgst du, was in deinem Geburtsland gerade geschieht?

Diese Bilder brechen mir echt das Herz! Da kommen all die Erinnerungen hoch, wie meine Familie von der Geheimpolizei verfolgt wurde, die uns „Jude, Jude!“ hinterher riefen, bevor wir dann letzten Ende aus dem Land gejagt wurden und meine Eltern alles verloren, was sie besaßen, die Wohnung, die Autos, die Firma. Und jetzt sehe ich diese Typen da in den Straßen, wie sie wieder Menschen verfolgen. Das Regime dort ist eine Diktatur, heute und damals. Ich habe eine dunkle Erinnerung an die Ereignisse 1956, als die Ägypter den Suezkanal verstaatlichten, woraufhin Engländer, Franzosen und Israelis Ägypten angriffen. Wir lebten damals in einem Penthouse, wir konnten am Horizont die Angriffe sehen und saßen wegen des Fliegeralarms völlig im Dunkeln. Das war eine harte Zeit, es gab kaum was zu essen, die ganze Familie versammelte sich im Haus meiner Großeltern. Und bald darauf, 1959, mussten wir das Land verlassen, weil wir Juden waren, und uns wurde damals in Frankreich Asyl gewährt. 1961 ging es dann weiter in die USA. Es war zuvor immer härter geworden in Ägypten, meine Eltern durften zum Schluss nicht mehr arbeiten. 2007 waren die Dolls zum ersten Mal in Brasilien, da traf ich das erste Mal meinen Cousin Lucien und meine Cousine Vivian wieder, deren Familie es damals nach Brasilien verschlagen hatte. Das Lustige war, dass mein Neffe in Brasilien einen CD-Laden hat und da natürlich NEW YORK DOLLS-Platten verkaufte – der wusste gar nicht, dass er mit dem Kerl aus der Band verwandt ist, haha. Ich denke, ich würde schon gerne nach Ägypten reisen, aber erst, wenn es da wieder sicher ist. Ich fühlte mich ja schon in Israel unsicher, als ich da 2008 erstmals war, weil wir mit den Dolls da ein Konzert zusammen mit Morrissey spielten. Bei der Einreise führten die mich am Flughafen erst mal zum Verhör ab, weil denen in meinem US-Reisepass der Nachname Mizrahi und der Geburtsort Kairo nicht gefielen. Da stellte mir dann so ein Typ in Uniform und mit Gewehr irgendwelche Fragen. Konsequenterweise blieb ich anschließend die ganzen drei Tage in meinem Hotelzimmer und kam nur für das Konzert raus. Nein, in Israel hat es mir überhaupt nicht gefallen. Diese Behandlung war echt übel, ich hatte richtig Angst! Und worum geht es? Wie damals in Ägypten: um Religion! Ich hasse es! Ich hasse Religion, und deshalb habe ich meinen Sohn so erzogen, dass er ruhig an Gott glauben soll, aber nicht an Religion.

Syl, besten Dank für das Interview.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #95 (April/Mai 2011)

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