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Interviews & Artikel

FUCKED UP

Von Liebe und Verzweiflung

FUCKED UP aus Toronto, 2001 gegründet, sind ein Phänomen: Würden sie sich um einen Guinessbuch-Eintrag in der Rubrik „Band mit den meisten Plattenveröffentlichungen innerhalb von zehn Jahren“ bewerben, sie könnten die Auszeichnung wohl gewinnen. Um die 50 Singles haben sie seit 2002 gemacht, dazu kommen zehn 12“s – und „nur“ drei Alben: „Hidden World“ (2006, Jade Tree/Deranged), „The Chemistry of Common Life“ (2008, Matador), und jetzt „David Comes To Life“ (Matador), ein Konzeptalbum in Form einer Rock-Oper. Doch keine Angst, am melodiösen, mitreißenden Hardcore-Sound der Kanadier hat sich nichts geändert, auch live wird es kein Musical-Geträller geben, sondern weiterhin die schweißtreibende Show, in deren Rahmen sich Frontman Damian gerne halbnackt ins Publikum stürzt. Über all dies sprach ich mit Damian.

Damian, wie geht’s dir?

Hm, ich glaube, ich habe gestern irgendwas gegessen, was nicht mehr gut war.

Fleisch mit Salmonellen? Oder bist du Vegetarier?

Ich war zehn Jahre Vegetarier, dann bin ich aber 2007 rückfällig geworden. Ich esse aber immer noch so wenig Fleisch wie möglich. Mir ist natürlich klar, wie absurd es ist, Fleisch zu essen, doch ich bin ein Mensch mit einem sehr schwachen Willen. Ich unterstütze auch absolut die Anliegen der Animal-Rights-Bewegung, doch wenn es um Willenskraft geht, siegt immer wieder mein innerer Schweinehund.

Man spricht oft von einer „vegetarischen Diät“ – wie sieht es bei dir, verzeihe die Frage, mit einer Diät zur Gewichtsreduzierung aus?

Hahahahahaha, oh meine Güte, nein! Obwohl ... ich versuche seit Anfang des Jahres auf zuckerhaltige Getränke wie Cola zu verzichten. Ich hatte zuvor gemerkt, dass ich eine richtiggehende Sucht nach Pepsi-Cola entwickelt hatte. Jetzt halte ich mich an die Diät-Getränke mit Süßstoff, aber ich hasse deren Geschmack, mit der Folge, dass ich jetzt viel weniger von dem Zeug trinke. Und ich versuche auch, vor dem Schlafengehen nicht mehr so viel zu essen, weil ich dann später mit Bauchschmerzen aufwache. Eine Diät zum Gewichtsverlust steht also nicht auf meinem Plan, eher eine Änderung meines Essverhaltens, um mein Gewicht besser genießen zu können, haha.

Du hast die wundervolle Angewohnheit, dich bei Konzerten nur mit Shorts bekleidet und mit nacktem, verschwitztem Oberkörper ins Publikum zu stürzen – eine Situation, die eure Fans mit einer Mischung aus Begeisterung und „Oh nein, hoffentlich kommt er nicht in meine Richtung!“ erwartet wird. Freude und Schrecken halten sich da die Waage.

Je mehr das Publikum, das da steht, von einem Punk- oder Hardcore-Publikum entfernt ist, desto seltsamer sind die Reaktionen. Wenn wir in einem kleinen Punk-Club spielen und ich im Publikum herumrenne, erwarten die Leute so was, da überrascht das keinen. Aber wenn wir wie neulich mit ARCADE FIRE unterwegs sind, erwartet das niemand. Ich erinnere mich an eine Show auf dieser Tour in München, als eine Frau wirklich vor Angst schrie – ein Freund, der direkt daneben stand, erzählte mir das hinterher –, als ich da ins Publikum sprang. Die schrie, weil sie wollte, dass das aufhört, haha. Angst, Schrecken, Terror – sie wollte ganz entspannt ARCADE FIRE sehen und stattdessen bekam sie meinen fetten Arsch. Die Reaktionen der Leute sind seltsam, aber noch viel seltsamer wäre es für mich, ein ganzes Konzert lang auf der Bühne zu stehen. Ich finde es völlig bizarr, da oben zu stehen, und die Leute beobachten dich. Ich will Reaktionen! Ich gehe da von meinen eigenen Erwartungen an ein gutes Konzert aus, und am meisten in Erinnerung geblieben sind mir immer die Shows, bei denen es zu einem Austausch zwischen Publikum und Band gekommen ist. Ich kann mich zum Beispiel an die Hardcore-Band MK ULTRA – nicht die Alternative-Band – erinnern, beim Columbus Fest in Ohio, und deren Sänger Frank stagedivete mit gebrochenem Fuß, zigmal, immer runter von der Bühne, rauf auf die Bühne, und das ist eine sehr starke Erinnerung. Genau wie die an David Yow von JESUS LIZARD, das war eines meiner ersten Konzerte, auf das ich alleine gehen durfte, Lollapalooza 1994. JESUS LIZARD waren die erste Band, und das war ein Schock. Ich hörte damals NIRVANA, SONIC YOUTH und so weiter, aber ich war nicht vorbereitet auf einen Verrückten wie Yow, der sich immer wieder ins Publikum stürzte, der ist ein unglaublicher Performer. Solche Konzerterlebnisse haben sich mir eingebrannt, und wenn ich mit meinem Auftreten nur 10% der Intensität eines David Yow erreiche, bin ich zufrieden.

Und was ist mit dem Ausziehen? Dieser exhibitionistische Akt ist doch ein Aspekt, der psychologisch interessant ist.

Ach, das ... Also das hat sich im Laufe der Existenz der Band so entwickelt. Als wir anfingen, hätte ich mich niemals ausgezogen – ich zog ja mein Shirt nicht mal beim Sex aus! Ich schämte mich für meinen Körper, schon als Kind. Übergewichtig aufzuwachsen ist hart, man wird immer wieder als „fett“ bezeichnet, und obwohl ich nie wirklich gemobbt wurde, so schämte ich mich doch. Dann eines Tages, beim „Chaos in Tejas“-Festival in Austin, sagten mir Martin und Scott von LIMP WRIST, dass ich ohne Shirt echt cool aussähe. Ich dachte, die verarschen mich, aber die meinten das ernst, und als wir dann später auf die Band gingen und es so unglaublich heiß war, erinnerte ich mich an ihre Worte und zog mein Shirt aus. Und was soll ich sagen, es war ein unglaublich befreiender Akt, und gleichzeitig sehr angenehm, weil es so heiß war und ich nicht in einem schweißnassen Shirt singen musste. Ab da zog ich immer wieder mein Shirt aus, und es wurde zu Normalität. Manchmal ist das sogar schon so, dass mich die Leute anfeuern, dass ich mich endlich ausziehen soll, und ja, es stimmt schon, sich auszuziehen hat auch eine gewisse politische Konnotation.

Damian Abraham, das männliche Äquivalent zu Beth Ditto?

Haha, interessant, dass du das sagst, denn mich hat das früher genervt, wenn die sich bei einer Show ausgezogen hat, doch jetzt, da ich das auch mache, sehe ich das mit anderen Augen. Es macht mir Spaß, aber ich habe auch keine Lust, dass das irgendwie machomäßig rüberkommt.

All die toughen Hardcore-Typen, die mit bloßem Oberkörper auf Shows machohaft rumstolzieren, eigentlich total homophob sind, selbst aber sehr homoerotisch auftreten – ich verstehe das nicht.

Oh ja, das ein ganz seltsamer Hybrid aus homophobem und homoerotischem Auftreten. So will ich nie wirken, und sollte ich jemals so rüberkommen, höre ich sofort damit auf. Mir geht es darum, dass jede und jeder sich wohlfühlen soll so, wie er oder sie ist. Und unsere Konzerten sollen wild und verrückt sein, jeder soll Spaß haben, das soll keine Tough-Guy-Macho-Veranstaltung sein.

Und wie ist es mit Sport?

Außer Profi-Wrestling interessiert mich Sport nicht, schon gar nicht Eishockey, der kanadische Nationalsport. Leider sind drei Leute aus meiner Band mittlerweile zu besessenen Fans von europäischem Fußball geworden. Ich kam zur Musik, weil ich Sport hasste. „Sport sucks“ von 7 SECONDS hörte ich damals und war begeistert: Endlich eine Jugendkultur, die zu mir passt. Dabei war ich in der Schule bei Sport gar nicht mal der Letzte auf der Bank, ich wurde immer als einer der Ersten gewählt, weil ich so groß und mächtig bin und die dachten, das sei ein Vorteil. Aber ich hasste Sport schon damals, die Spiele an sich, das Trainieren, und Musik war dann ein sehr guter Weg raus aus dem Sport. Obwohl, zuerst kamen Marihuana und Acid, so von 14 bis 16 war meine Drogenphase, und dann wurde ich straight edge. Und da hatte ich dann auch die Musik gefunden.

Du erwähntest eben die Shows mit ARCADE FIRE – wie kam die zustande?

Die hatten uns einfach gefragt, ob wir mit ihnen auf Europatour gehen wollen, wir sagten ja, und es wurde eine einzigartige Erfahrung. Sie und ihre Crew waren total nett zu uns, die schauten sich jeden Abend unsere Show an, und wir stellten erst während der Tour im Gespräch fest, dass ein paar von denen aus der Punk- und Hardcore-Ecke kommen. Richard Parry kam mir dabei immer irgendwie bekannt vor, seine roten Haare, und wir stellten dann fest, dass wir früher in Toronto die gleichen Hardcore-Konzerte besucht hatten. Die Konzerte waren wirklich eine Erfahrung: Du gehst auf die Bühne, du hörst dieses laute, donnernde Schreien des Publikums, das Licht geht an, und dann merken die Leute, dass da nicht ARCADE FIRE stehen, sondern eine andere Band, hahaha. Wir haben es dann immer so kurz wie möglich behalten, und zum Glück wurden wir nie ausgebuht, wir wurden nicht mit Bierbechern beworfen oder so, also unterm Strich war es ein Erfolg.

Und, hat es euren Plattenverkäufen schon geholfen?

Haha, Labels interessiert so was immer, ich weiß, aber ich bezweifle, dass wir im Lager der ARCADE FIRE-Fans viele neue Fans gewonnen haben. Die meisten Leute haben uns freundlich ignoriert. Das Ding ist, dass wir einfach neugierig sind und alles ausprobieren, bei dem keiner zu Schaden kommt und das Spaß macht. Diese Tour war eine interessante Erfahrung, ganz anders als die Art und Weise, wie wir sonst touren. Wir fahren in einem kleinen Bus durch die Gegend, bei ARCADE FIRE dagegen sind es Lkw voller Equipment und mehrere Busse für Crew und Band, dazu ein eigenes Catering-Team. Das war irgendwie befremdlich, eine ganz andere Welt, und so schön die Erfahrung war, so hätte ich doch keine Lust, immer nur in Stadien und großen Hallen zu spielen.

Eine Erfahrung wie der ausnahmsweise Genuss eines Business-Class-Sitzes, weil Economy überbucht war?

Genau so! „Lass mich mal einen Eindruck gewinnen, wie die andere Welt aussieht, bevor ich mich wieder in meine Welt verkrümle.“ Wir sind übrigens immer noch in Kontakt mit ARCADE FIRE, und man merkt, dass sie für eine Band ihrer Größe wirklich versuchen, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben. Die spenden total viel Geld für echt gute Organisationen, die kümmern sich, die tun alles, um moralisch sauber zu bleiben. Die Tour war schön, aber jetzt freuen wir uns, wieder unsere eigenen kleinen, „echten“ Shows zu spielen.

Apropos klein: Ich wundere mich immer wieder, dass ihr einerseits nur gute Kritiken bekommt und euch scheinbar jeder mag, den ich kenne, eure Konzerte andererseits aber dennoch im Rahmen von plus/minus 200, 300 Besuchern bleiben. Und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass ihr auf einem unter Indie-Fans geschätzten Label wie Matador seid.

Der Hype ist der Grund, dass wir größer wirken, als wir sind. Manchmal bucht man uns in echt große Hallen, die wir gar nicht füllen können, weil der Veranstalter all die Artikel über uns gelesen hat und sich denkt, dass wir ja echt angesagt sind. Tja, wir sind aber nicht „echt angesagt“. Klar, wir können fast überall spielen, es kommen Leute, die unsere Lieder mitsingen, aber richtig groß sind wir nicht, und ich will das auch gar nicht. Irgendwie bringt das so viele negative Aspekte mit sich. Klar, finanziell wäre das cool, dann muss man sich keinen Kopf machen, wie man die Miete bezahlt, aber irgendwie wäre Erfolg für mich eher eine Bürde. Ich habe Freunde in Bands, die Zweitausender-Hallen spielen, und was die mir so erzählen, klingt nach einer ganz anderen Nummer als das, was wir so machen. Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass wir jemals so einen Status erreichen können, denn wir heißen FUCKED UP und haben einen fetten, kahlköpfigen Sänger, der nicht dem allgemeinen Schönheitsideal entspricht und brüllt anstatt zu singen. Ich habe schon oft gehört, dass jemand sagte „Ich mag ja eure Musik, bis auf das Geschrei.“ Haha, für mich ist das okay, ich finde die Vocals gut, wie sie sind, und selbst, wenn ich singen könnte, würde ich es nicht tun.

Ihr vermittelt auf jeden Fall den Eindruck, zu genießen, was ihr tut, dass ihr Spaß daran habt. Ihr seid ständig auf Tour, ihr bringt am laufenden Band neue Platten raus, ihr macht irgendwie alles richtig.

Spaß ist das Schlüsselwort, denn wir wissen alle, dass wir mit der Band nie genug Geld verdienen werden, um auf einen Nebenjob verzichten zu können. Aber das ist egal, die Band ist eine unglaubliche Erfahrung, auch weil wir nicht immer so richtig gut untereinander klarkommen. Also müssen wir es irgendwie hinbekommen, dass wir beim Konzert alle Spaß haben, und darum bemühen wir uns. Oder wenn es ans Aufnehmen geht, dann müssen wir das zu einer guten Erfahrung machen, anstatt uns zu streiten. Wir sind einfach eine Band von Nerds, Punk-Nerds. Ich verbringe mein halbes Leben mit Plattensammeln, dem Lesen von Reviews, stopfe mir unglaubliche Mengen von Informationen über Musik und Punk rein. Und so kommen wir auf neue Ideen, lassen uns von anderen Bands inspirieren, wie etwa POISON IDEA und MELVINS, die eine beeindruckende Diskografie haben. All diese Singles, das finden wir cool, und dann müssen wir das auch haben und versuchen, so viele Platten wie möglich zu veröffentlichen. Mike und ich sind zudem total besessen von den Veröffentlichung des Dangerhouse-Labels, weshalb wir versuchen, uns an deren Design zu orientieren. Überdies achten wir darauf, dass sich all unsere 7“s im Design ähneln – das macht uns großen Spaß und ist ein wichtiger Teil des Reizes unserer Band, der die „dunklen Zeiten“ im Leben des Mitglieds einer Band ausgleicht.

Euer neues Album „David Comes To Life“ ist als „Rock-Oper“ angekündigt, klingt aber nicht so. Was für ein Konzept verbirgt sich dahinter?

Das Konzept des Albums unterscheidet sich deutlich von dem, was wir sonst so machen. Auf dem Album sind fast nur wir zu hören, nicht wie sonst zig Gäste. In den Texten tauchen verschiedene Charaktere auf, es gibt sich durch das ganze Album ziehende Geschichten, und wir hatten nach der letzten Platte das Bedürfnis, uns was ganz Neues auszudenken, um nicht das gleiche Album noch einmal zu machen. Bei „The Chemistry Of Common Life“ bekamen wir so viel gute Presse, dass wir uns dachten, dass wir mit der nächsten Platte keinesfalls die Erwartungen an uns erfüllen dürfen. Nachdem wir schon lange immer wieder Witze über eine Rock-Oper gemacht hatten, setzten wir diese Idee mit „David Comes To Life“ um, wobei man nicht erwarten durfte, dass wir da mit zig verschiedenen Sängerinnen und Sängern im Musical-Stil aufwarten würden. Nein, ich singe, und wir setzten uns einfach ein ambitioniertes Ziel und versuchten es zu erreichen – wenn wir es verfehlt haben, haben wir es zumindest versucht.

Ist das auch der Versuch, die Musical-Gehversuche von GREEN DAY zu toppen?

Hahaha, versteh mich nicht falsch, ich mag die frühen GREEN DAY-Platten, aber ich halte unsere neue Platte für besser als „American Idiot“ – manche Leute mögen das anders sehen, die halten unsere neue Platte vielleicht für schrecklich –, denn das ist für mich eine schreckliche, langweilige Platte. Also ja, „David Comes To Life“ ist besser als „American Idiot“, und nein, sie kommt nicht an „Tommy“ von THE WHO ran.

THE WHO hatten aber auch ein größeres Budget.

Auch das stimmt. Der Typ, der uns bislang aufgenommen hat, hat uns vor den Aufnahmen gefeuert, denn es ist recht schwierig, mit uns zu arbeiten ... Wir alle, besonders aber Mike, tendieren dazu, sehr verbissen ans Aufnehmen heranzugehen, wirklich bis spät an die Nacht an irgendwas zu arbeiten, und Jon Drew hat das nicht mehr ausgehalten.

Ihr seid dem also richtig auf die Nerven gegangen?

Oh ja. Wir fingen an, bei ihm das neue Album einzuspielen, und auf Tour erreichte uns dann eine Mail, in der er uns mitteilte, er würde das nicht noch mal mitmachen, wir sollten uns einen anderen Produzenten suchen. Und so suchten wir uns Shane Stoneback, den wir mal auf dem „All Tomorrow’s Parties“-Festival getroffen hatten, er machte einen guten Eindruck auf uns – und er erwies sich als gute Wahl. Er hat kein Problem damit, sehr lange am Stück zu arbeiten, und er hat mit sehr vielen verschiedenen Bands gearbeitet –einerseits VAMPIRE WEEKEND, andererseits war er als Tontechniker bei Aufnahmen von Britney Spears dabei. Er fing seine Karriere im New Yorker Giants-Studio an, wo Britney Spears, BACKSTREET BOYS und so weiter aufnahmen, und so kommt es, dass er die seltsamsten Tricks kennt. Mit Shane aufzunehmen war eine ganz neue Erfahrung: Ich hatte am wenigsten zu tun und den meisten Spaß. Oh, und er spielt zusammen mit Jim Jarmusch in einer Band. Ich bin ein großer Fan von dessen Filmen, und eines Tages stand dann Jim im Studio und sang einen Song mit uns ein. Der ist zwar nicht auf dem Album, aber wir werden ihn auf einer 12“ veröffentlichen.

Hast du nicht direkt versucht, Jim eure Story als Drehbuch zu verkaufen?

Hahaha, super Idee! Ich versuchte ihn zu fragen, ob er nicht ein Video mit uns drehen wolle, aber er beantwortete nicht mal die Frage, sondern wechselte das Thema. Er war also sehr höflich.

Und du warst auch sehr höflich. Besten Dank für das Interview.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #96 (Juni/Juli 2011)

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