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Interviews & Artikel

TRAP THEM

Wut, Energie und Cyborgs

Das Roadburn Festival in Tilburg ist das europäische Aushängeschild für Doom, Stoner und Artverwandtes. Hardcore spielt nur am Rande eine Rolle, um so erfrischender war der Gig der Amis TRAP THEM, die wüst und wild mit musikalischer Anlehnung an CONVERGE und ENTOMBED beinahe die ehrwürdige Bühne zerlegten. Wut und Intensität sind Stichworte, auf die Sänger Ryan einige Tage später in Hamburg im Interview ausführlich eingeht.

Ryan, ich habe euch vor ein paar Tagen auf dem Roadburn Festival gesehen. Ihr kamt mir wie vier Irre vor, die perfekt harmoniert haben.

Ha, die Show war ziemlich makellos. Eine Triebfeder von TRAP THEM ist unser konstanter Frust. Es ist immer intensiv, wenn wir spielen, aber an demTag waren wir besonders hart; wütend, direkt und heftig.

Bist du ein wütender Mensch?

Ich bin nicht wütender als andere Menschen in meiner Situation, ich lebe von Scheck zu Scheck, mit zu viel Rechnungen, kaputten Autos, eben das moderne Leben in der Unterschicht. Du hast immer diesen Kampf, diese Wut, diese Frustration. Da ist es einfach, das auf unsere Musik zu übertragen.

Es ist also deine eigene Wut? Du hast mal gesagt, TRAP THEM hätten nichts mit Politik zu tun.

Ich will nicht, dass wir den „Politische Band“-Stempel aufgedrückt bekommen. Das verschleiert den Blick auf die Musik. Wir sind sicher eine sozio-politische Band, wir fokussieren uns auf Verzweiflung, Entfremdung und Frustration über die heutigen Lebensumstände. Ich will nicht auf ein Thema reduziert werden, egal, ob man mir zustimmt oder nicht, ich lasse Dinge lieber offen, bevor ich jemandem sage, wie er zu leben hat. „Denke für dich selbst“ ist der richtige Ansatz, aber ich bin nicht dein Lehrer.

EMBRACE haben in den Achtzigern mal gesungen: „Your emotions are nothing but politics“.

Ja, das trifft es gut. Wenn der Hörer merkt, dass deine Musik wütend ist, soll er sich Gedanken machen, warum und wieso. Das ist der richtige Ansatz, nicht das Vorgeben von Lösungen, darum geht es im Punk eben gerade nicht.

Ihr kommt ja alle aus verschiedenen US-Bundesstaaten. Wie probt ihr?

Wir proben eigentlich nie, außer wenn ein Studiotermin anliegt. Dann ziehen wir das ein, zwei Wochen am Stück durch, doch vor einer Tour proben wir nur ein paar Stunden. Ich will gar nicht perfekt sein und nicht genau wie auf Platte klingen, und die ersten Nächte wundere ich mich immer, dass es überhaupt klappt.

Deshalb scheint ihr live auch nur an der Grenze zur Kontrolle zu sein.

Als Sänger habe ich den Vorteil, dass ich auch den Idioten geben kann. Ich kann machen, was ich will. Das ist das Geschenk, das der Sänger mitbekommt. Nicht, dass ich Chaos will, aber das sind unsere Punk-Tendenzen, auch wenn wir keine Punk-Musik machen. Ich will die Intensität und den „No Bullshit“-Ansatz vermitteln.

Wenn ihr keine Punk-Musik macht, was dann? Ihr hört euch ja schon etwas wie CONVERGE an.

Das sehe ich als Kompliment an. Beide Bands sind ja sehr wild, heavy und schnell und auch auf derselben Strecke unterwegs. Wenn es aber um das Songwriting und das Auftreten geht, nehmen wir unterschiedliche Abzweigungen vom eingeschlagenen Weg.

Live fehlt euch ja dieser Death-Metal-Touch, den „Darker Handcraft“ hat. Könnte das Album nicht diejenigen enttäuschen, die euch nur live gesehen haben?

Das ist ein interessanter Punkt. Jeder, der auf Shows geht, sollte sich klarmachen, dass es anders ist, wenn eine Band live spielt. Eine Aufnahme ist ein Beispiel für einen Song, eine sterile Angelegenheit, der aber auf der Bühne Leben eingehaucht wird. Wir spielen schon die Songs, nur eben jeden Abend anders. Das macht ja den Spaß aus.

Worum geht es bei „Darker Handcraft“ inhaltlich? Das Booklet besteht aus sechs schwarzen Seiten.

Es geht um die Grundelemente, die Punk- und Hardcore-Bands ausmachen. Frustration, Entfremdung, Depression und Verzweiflung. Das überwältigende Gefühl von Düsterheit und Wut. Sehen wir es realistisch: Alles, was über die negativen Aspekte des Lebens zu sagen ist, ist schon so gut wie irgend möglich gesagt worden, und zwar am Ende der Achtziger. Ich denke da an DISCHARGE, BLACK FLAG oder MINOR THREAT, die alle die Grausamkeiten des Lebens in stumpfer Art und Weise beschrieben haben. Es wäre unangemessen und belanglos, wenn ich all das zitieren würde. Mein Ansatz ist fiktiver Natur, aber eben tief in der Realität verwurzelt. Ich beschreibe aus der Sicht eines anderen. Desjenigen, der auf der Werft arbeitet und finanziell kaum durchs Leben kommt; des Phobikers, der das Haus nicht mehr verlässt; ich erzähle deren Geschichten.

Du hast dich als manisch-depressiv geoutet. Wie hast du das gemerkt?

Das habe ich gegen Ende der Highschool bemerkt, aber es noch nicht realisiert. Da stehst du ja am Schluss ziemlich unter Stress. In meinen Zwanzigern war es für mich normal, frustriert und wütend zu sein. Ob ich jemals 30 werden würde, war mir egal. Jetzt bin ich über 30 und habe das Gefühl, auch noch etwas länger zu leben. Ich habe mich dann entschlossen, den Kampf aufzunehmen, Gespräche, Medikamente. Wenn du jünger bist, sagst du: „Fuck the world, I’m angry“. Jetzt bin ich verheiratet, ich will meine Frau glücklich machen und soviel Freude am Leben haben, wie ich kann.

Nimmst du noch Medikamente?

Ja. Am Anfang fragst du dich natürlich, ob es wohl was bringt. Aber wenn du ein paar Mal gemerkt hast, dass du früher in derselben Situation ausgerastet wärest und ein Stuhl durchs Zimmer geflogen wäre, freust du dich, dass der Stuhl noch an seinem Platz steht.

Habt ihr Kinder?

Nein, ich glaube nicht, dass Kinder zu meinem Lifestyle passen. Ich glaube einfach nicht, dass ich ihnen genug Zeit und Aufmerksamkeit schenken könnte. Ich kann nicht viel anderes, als TRAP THEM machen. Ich bin nie wirklich zur Schule gegangen, ich habe keinen Beruf gelernt, ich bin auf Tour gegangen. In dieses Chaos kann ich kein Kind werfen, das wäre wahrscheinlich eine schlimme Form von Missbrauch. Meine Schwester kriegt im Sommer ihr erstes Kind, da bin ich dann lieber der verrückte Onkel. Ich höre es schon abends: „Mama, Onkel Ryan ist aber komisch.“ Das wird sicher lustig.

Ollie Fröhlich

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #96 (Juni/Juli 2011)

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