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Interviews & Artikel

MOTÖRHEAD

The Wörld Is Lemmy

Ich war nicht wirklich angetan von der Idee, Lemmy zu treffen. Bei zwei vorherigen Telefoninterviews merkte ich, dass er ein sehr geistreicher Mensch ist – aber bei der Vorstellung, mit ihm im gleichen Raum zu sitzen und ein Interview zu führen, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Nicht nur, weil er etwas furchteinflößend aussieht oder Songs schreibt, während er sich vorstellt ein Serienmörder, Wolf oder Sturmbannführer zu sein, sondern auch weil er ein extrem intelligenter, scharfsinniger Mann ist, und vor so einem möchte man sich nicht mit 08/15-Fragen blamieren.

Dennoch, es führte kein Weg daran vorbei: Als MOTÖRHEAD in Vancouver spielten, packte ich meinen miesen kleinen Kasettenrecorder, ein Drei-Dollar-Computer-Mikrofon und ein Notebook – die Sorte mit Papier drin – ein, und meine Ausrüstung in einer Plastiktüte tragend, fand ich schließlich den Tour-Manager. Nachdem ich etwas gewartet habe – Mickey Dee wurde kurz von Fans für Fotos und Autogramme überfallen –, wurde ich durch das Backstage-Labyrinth geführt und in Lemmys Zimmer gebracht, wo er auch schon saß, bedächtig Jackie-Cola trinkend. Ich musste ihn darum bitten, die Plätze zu tauschen, damit ich mein Bandgerät einstöpseln konnte; ich schüttelte seine große, rauhe Hand , baute meinen Kram auf, und präsentierte ihm mein Mitbringsel – eine Flasche Jack Daniels –, mit dem ich sehr zufrieden war, als ich bemerkte, dass die Flasche größer war als die, an der Lemmy gerade arbeitete. Wir plauderten um die zwanzig Minuten; und als ich gehen wollte, knurrte er kurz und ruppig „Gute Fragen!“ und ich errötete etwas, bevor ich den Raum verließ.

Nervt es dich, andauernd zum Thema Drogen- und Alkoholkonsum befragt zu werden? Ist das inzwischen langweilig für dich?

Ja, das ist es wirklich. Ich empfehle Alkohol und Drogen niemanden. Es ist nicht sonderlich gut für einen. Ich versuche nicht, deren Konsum zu fördern. Klar, da ist irgendwie was Lustiges dran, jedoch scheint es so, als ob manche Menschen mich in dieser Hinsicht für einen Übermenschen halten – Leute wollen dich als dieses heroische Fabelwesen sehen, welches alles nehmen kann, alles trinken kann ... Ja klar, diesen Aspekt gibt es, aber der hat nichts mit mir zu tun.

Spielautomaten magst du auch, wie man seit dem Dokumentarfilm „Lemmy“ weiß. Mir gefällt die Idee von Dave Vanian, es solle einen MOTÖRHEAD-Spielautomaten geben.

Haha, ja, aber das wird nicht passieren.

Hast du eine Strategie bei den Spielautomaten?

Ich denke nicht drüber nach – ich stecke einfach Geld rein. Manchmal verliere ich, manchmal gewinne ich.

Wettest du normalerweise um das Maximum?

Ja, immer. Würdest du den großen Treffer landen, ohne auf das Maximum gesetzt zu haben, wärest du doch richtig angepisst, oder nicht?

Du kannst auf diese Art viel Geld verlieren.

Na ja, aber du gewinnst auch manchmal.

Wie fühlst du dich in Bezug auf den Film? Hast du ihn gesehen?

Ja, er ist in Ordnung. Solange du nicht alles glaubst, okay? Haha.

Es steckt da sehr viel Heldenverehrung darin.

Ja, ich weiß – aber ich meine, du rasierst diesen Idioten jeden Tag, du denkst über ihn nicht als einen verdammten Helden nach, wenn du ihn im Spiegel anblickst. Es ist nur ein faltiger, alter Versager, der Glück hatte.

An dem Heldenmythos ist trotzdem was dran. Ich meine, du bist nunmal so eine Art Mann der alten Schule.

Ja, das bin ich. Ich mag die neue Schule nicht wirklich.

Warum nicht?

Weil die jungen Typen natürlich immer alles wissen und sie auch die ersten sind, die überhaupt die Idee zu irgendwas hatten. Und es ist wirklich ermüdend, da immer und immer wieder zuzuhören. Ich habe jetzt vier Generationen dieser Scheiße mitbekommen und es wird wirklich langweilig. Einmal hat jemand gesagt, ich solle mich zurückziehen und Platz für jüngere Bands machen. Es ist diese Art der Einstellung die mich ankotzt. Und „Alternative Music“-Typen, na ja — die sind so gekünstelt, weißt du, was ich meine? Sie sind sich so sicher, der neueste heiße Scheiß zu sein. Es ist Platz für jeden im Musik-Business und da sollte jede Art von Musik vertreten sein.

Hörst du im Moment irgendwelches neues Zeug?

Ja, sicher. Ich höre nur keinen HipHop, das kann ich nicht ab. Ich habe es versucht, ich habe viel davon angehört, doch soweit es mich betrifft, ist es Müll.

Was magst du dann?

Das meiste andere Zeug, außer Opern – ich war noch nie ein Opern-Fan. Ich war mal in einer in Italien, aber du verstehst da kein verdammtes Wort, und dann hast du diese vollbusige Frau da rumlaufen. Aber ich verstehe davon nunmal nichts, hehe.

Und was ist mit Wagner?

Der macht nicht wirklich Opern. Er ist nicht übel. Ich kann nicht wirklich was mit „Der Ring des Nibelungen“ anfangen. Aber ich mag die Musik, die Musik ist großartig.

In dem Film über dich gibt es eine Szene, in der du Panzer fährst. Ist das etwas, was sich die Filmemacher ausgedacht haben?

Ja, das haben sie. Es ist der kleinste Panzer, den die Deutschen im Zweiten Weltkrieg gebaut haben. Man nennt ihn Hetzer, aber er hatte eine der besten Waffen. Es ist ein Panzer-Killer, den sie im Boden vergraben haben, nur der Geschützturm blieb draußen. Dann warteten sie, bis der Feind die Straße lang kam. Das kostete einer Menge Leute das Leben. Mit den Panzern in diesem Dreh konnte man auch nicht rumschießen. Die hatten da auch ein großes deutsches Halbkettenfahrzeug und wir fuhren damit herum. Das hat eine verdammt riesige Kanone an der Vorderseite. Wir fuhren damit die Straße entlang zum verdammten Freeway, und du hättest mal die Reaktion der Leute in den Autos auf der Autobahn sehen sollen – das war echt witzig.

Kannst du dir solch bizarre Sachen erlauben, weil du eben Lemmy bist?

Oh ja, es ist großartig! Du kannst Dinge tun, wovon andere nur von träumen können. Als wir bei diesen Panzertypen ankamen, hatten alle Leute dort SS-Uniformen an ... Mein Kumpel Scotty durfte mit einem Maschinengewehr schießen, was auch im Film zu sehen ist. Ich wäre beinahe davongerannt, hahaha.

Ein Aspekt des Films ist der Mythos Lemmy, dass du ein Mann bist, der macht, was er will und wirklich hart arbeitet.

Ich mache das, weil ich es will – ich muss ja nicht! Als Band gehen wir raus auf die Bühne, weil wir es lieben vor einer Menschenmasse zu spielen, und das ist meiner Meinung nach auch der Moment, wo sich eine Band erst wirklich beweist. Sonst sind das nur ein paar Männer in einem Studio ... Du musst raus, du musst es den Leuten verkaufen. Du musst dazu fähig sein, die Erwartungen zu erfüllen.

Und andere coole Aktionen, die du gemacht hast, die nicht im Film zu sehen waren?

Einmal konnte ich in einer Dampflokomotive mitfahren. Das war großartig – ich liebe Dampflokomotiven. Und ich sage das ist nicht, weil ich altmodisch bin, sondern weil Dampflokomotiven lebendig sind, während Diesel-Loks eher wie ein Bus auf Gleisen sind. Ich mag keine Diesel-Loks, die haben keine verdammte Seele. Sie sind was ihre Sparsamkeit betrifft, brauchbar, aber ich habe nichts gesehen, was in seiner Sparsamkeit brauchbar war, dabei aber ästhetischer als Dampf. Und eine Dampfmaschine ist wirklich lebendig – du musst sie zum Leben überreden, dann meckert sie über dich, schießt Dampf hervor, knurrt, und wenn es die Schienen langgeht, bewegt sie sich im eigenen Takt, so wie sie es will, wohingegen ein Diesel nur leise brummt. Verdammt, das ist langweilig.

Hattest du schon einen Bezug zu Zügen, als du noch ein Kind warst?

In der Nähe von Stoke-on-Trent, wo ich geboren wurde, war in der Nähe in Crewe der Eisenbahn-Angelpunkt Englands. Dort waren alle großen Betriebswerke und all die großen Drehscheiben, ein verdammt riesiger Komplex. Nicht so groß wie er jetzt ist, aber du konntest die ganzen Dampflokomotiven da durchfahren sehen. Ich war nicht wirklich ein Trainspotter, weil die Nummern mich nicht interessiert haben – ich mochte einfach die Maschinen. Und in den alten Tagen waren die Bahnbetriebsgesellschaften der verschiedenen Regionen in Privatbesitz, und alle hatten ihre eigene Farbe für die Lokomotiven: London Midlands war rot, London Northeastern war blau und die südliche Region war grün, also konntest du sagen, wo sie herkamen. Sie fuhren alle durch Crewe, das war großartig, die ganzen verschiedenen Farben zu sehen. An meinem fünfzigsten Geburtstag schenkte mir meine damalige Freundin ein Modelleisenbahn-Set, haha.

Lass uns über das aktuelle Album „The Wörld Is Yours“ sprechen: „Brotherhood of man“ ist da mein Lieblingssong. Kannst du mir erzählen, wie dieser Song zustande gekommen ist?

Die meistens Songs schreibe ich im Studio. Wir nehmen etwas auf, bis der Mix zu einem anständigen Track geworden ist und dann setze ich mich hin, höre den Track ein paar mal und denke über die Pointe nach. Wenn ich sie habe, schreibe ich einen Song drumherum. „Brotherhood of man“ war recht einfach, weil es beinahe wie bei „Orgasmatron“ war. Also schrieb ich über diese Idee – es ist ein bisschen wie „Orgasmatron, Teil 2: I Married A Teenage Orgasmatron.“

Den Albumtitel „The Wörld Is Yours“ könnte man dahingehend interpretieren, dass er an junge Leute gerichtet ist ...

Nein, nicht wirklich. Die Welt ist eher dann gewillt, dir zu gehören, wenn du einer der alten Menschen bist.

Was die Lyrics von „Waiting for the snake“ betrifft: Ich habe mir die Making-Of-DVD angeschaut, und du sagst da, dass es eines der Lieder wäre, wo du mit Wörtern und Bedeutungen um dich schmeißt, diese aber nichts bedeuten.

So ist das eben mit Songs, du kannst mit ihnen machen, was du willst. Das ist der große Spaß daran, zu sehen, ob man es herausfindet. „Strawberry fields forever“, du kannst unzählige Dinge darüber sagen, aber Lennon meinte: „Ach, ich hab mir nur ein paar Sachen ausgedacht.“

Es gibt aber auch ein paar Songs, bei denen es scheint, als ob du dir ein bestimmtes Thema herausgesucht hast.

Normalerweise habe ich zuerst einen Titel und arbeite um ihn herum. Auf diese Art und Weise ist es leichter ,weil wenn du drei Verse unabhängig voneinander schreibst, passen sie nicht wirklich zusammen. Ich bin mit einem guten Vokabular gesegnet. Ich habe noch eine richtige Schule besucht, heutzutage ist die Schule ein Witz. In englischer Geschichte haben sie jetzt Winston Churchill aus dem Lehrstoff genommen. Ich meine, er hat England durch den Zweiten Krieg geführt Es ist lächerlich und dumm, und die Leute, die nach diesem Lehrplan lernen, werden auch dumm bleiben. Ich denke, aus diesem Grund machen die Politiker das auch. Sie wollen die Menschen dümmer machen, damit sie härter arbeiten müssen. Das ist die Strategie der Regierung, es ist ihr ideales Szenario, dass die Menschen die ganze Zeit arbeiten, bis sie tot umfallen, so musst du ihnen nicht die goldene Uhr zum 50. Dienstjubiläum schenken. Einfach nur arbeiten und arbeiten und arbeiten und sonst nichts, außer schlafen. Die Polizei schnappt dich, falls du nicht schläfst, sondern zu viel lächelst. Die „Smile-Polizei“, das wird die nächste Sache.

Lass uns zum Schluss noch über dein Lieblingsthema Religion reden. Hast du an Gott geglaubt, als du ein kleiner Junge warst?

Nein. Mein Vater verließ uns, als ich drei Monate alt war. Er wurde aus der Kirche geschmissen, weil er das heilige Ehegelübde gebrochen hat.

Also hat dich deine Mutter nicht religiös erzogen?

Meine Mutter war weder religiös, noch nicht religiös. Es hat sie einfach nicht interessiert; und bei mir ist es genauso. Ich glaube, Religion ist nur eine Art der Massen-Kontrolle. Es ist nur eine andere Art von Regierung. All die unterschiedlichen Arten eine Religion auszuüben wegen dem gleichen komischen Kauz, wo ist da der Sinn? Katholiken und Protestanten liegen sich seit hunderten Jahren in den Haaren. Sie verursachten manche der schlimmsten Ausschreitungen, Morde und Folterei. Wofür? Was bekommst du dafür? Einen Haufen toter Menschen, die schreiend in den Tod gegangen sind. Scheiß doch drauf! Du kannst mir diesen Quatsch nicht begründen! Scheiß auf Gott, sage ich und scheiß ebenso auf den Teufel! Ich brauche sie nicht. Ich bin selber verantwortlich für das, was ich tue.

Allan MacInnis

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #97 (August/September 2011)

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