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Interviews & Artikel

EMSCHERKURVE 77

Die Punkrock-Macht aus Oberhausen

Aus der Nummer komme ich einfach nicht heraus. Seit über 20 Jahren verbindet Sänger Spiller und mich eine Freundschaft, und wir haben uns nie aus den Augen verloren, obwohl wir in verschiedenen Städten leben. Wir kommen beide aus dem Norden, aus Delmenhorst, einer kleinen Stadt bei Bremen, die den meisten wahrscheinlich nur durch Pop-Sternchen Sarah Connor und den unsäglichen Streit um das „Nazi-Hotel“ von Fascho-Arsch Jürgen Rieger bekannt sein dürfte. Diese Stadt hat Spiller schon lange hinter sich gelassen, zumindest als Wohnsitz, und ging in den Achtzigern in den Ruhrpott, nach Oberhausen. Ende der Neunziger fing er an, seine Liebe zum SC Rot-Weiß Oberhausen und das Lebensgefühl „Ruhrpott“ mit seiner Band EMSCHERKURVE 77 in Musik zu verpacken. Mittlerweile steht ein neues Album ins Haus und mit „Dat soll Punkrock sein“ ist der Band der beste Wurf seit ihrer Gründung gelungen – vielleicht abgesehen vom genialen Cover-Album „Lern ma deutsch“. Die neue Scheibe sprudelt über vor Energie und ist mal wieder ein Album von einer deutschsprachigen Band, bei dem man merkt, da stecken keine Anfänger hinter, sondern gestandene Herren, die das leben, worüber sie singen. Mal schauen, was die EMSCHERKURVE uns dazu erzählen kann und möchte. Charmant und rumpelig wie der Ruhrpott schnappte ich mir die EMSCHERKURVE 77 und fühlte ihnen auf den Zahn.

Der Titeltrack des neuen Albums hört sich an wie eine Abrechnung mit eurem alten Sänger.

Daniel: Ja, da liegst du nicht ganz falsch. Mir war es einfach wichtig, noch ein paar abschließende Worte zu finden. Ich denke, das ist uns gut gelungen mit dem Song. Es war einfach nicht mehr möglich, in der alten Konstellation zusammenzuarbeiten. Wobei man im letzten halben Jahr, bevor Böhle rausgeschmissen wurde, nicht mehr von Zusammenarbeit sprechen kann. Er hat immer wieder irgendwelche Alleingänge gemacht, die dann irgendwann in der Veröffentlichung einer eigenen RWO-CD gipfelten. Sein Plan war, unser Fundament zu untergraben und EMSCHERKURVE 77 bei Rot-Weiß Oberhausen auszubooten und selbst zu kassieren. Das ist ihm wohl nicht ganz gelungen, da unser neuer RWO-Song sowie „Die Macht vom Niederrhein“ beide im Stadion gespielt werden. Aber es ist schon richtig, Marcel und ich hatten großen Spaß beim Song- und Texteschreiben. Es war wie eine Wiedergeburt und ich denke, es klingt alles sehr frisch.

Wenn ihr „den Punk verstanden“ habt, dann erklärt ihn mir einfach mal. Die Definition von „Punk“ ist ja für jeden eine andere.

Daniel: Genau das möchte ich nicht tun, das wäre ja vermessen. Wie du es schon selbst gesagt hast: Jeder definiert das anders. Und das ist gut so. Darum zeigen wir bei dem Song ja auch nicht den erhobenen Zeigefinger, so nach dem Motto: Wenn du Punk sein willst, musst du so oder so sein. Es geht einfach darum, so zu leben, wie man es für richtig hält, ohne Szenediktat und Einschränkungen. Wenn man es dann „Punk“ nennt, ist das okay.

Spiller, durch deine langjährige Szenezugehörigkeit bist du nicht nur als Sänger von EK77 jemand, den die Leute kennen. Im Prinzip hast du alles schon gemacht, vom Fanzine über ein Plattenlabel bis Konzerte veranstalten etc. Darüber hinaus ist die Lebendigkeit der Szene etwas, das dir anscheinend sehr am Herzen liegt. Hast du noch dieselbe Aufbruchstimmung und den Enthusiasmus wie vor 20 oder 30 Jahren?

Spiller: Ich war schon immer eher derjenige, der selbst an den Hebeln sitzt und was macht, als jemand, der nur konsumiert. Egal, ob es Fanzine, Label, Konzerte oder sonst was war. Irgendwie hatte ich immer Hummeln im Arsch, wollte etwas leisten oder erschaffen, das der Szene zugutekommt. Aber sobald dann jemand anders das Gleiche gemacht hat, habe ich mich wieder etwas Anderem, Neuen gewidmet. Ich war zum Beispiel relativ früh mit einer Videokamera auf Konzerten unterwegs und war somit einer der ersten, der Live-Aufnahmen von COCK SPARRER und anderen Bands gefilmt hat. Als dann andere anfingen, ebenfalls zu filmen, wanderte die Kamera in irgendeine Ecke, da es für mich auch reicht, wenn ein anderer solche Konzerte für die Nachwelt festhält. Aus dem gleichen Grund habe ich seinerzeit mein Label Final Vinyl gegründet und auch wieder eingestellt. Wenn keiner die Platten rausbringt, die ich haben will, mache ich sie eben selbst, und wenn dann jemand daherkommt und es genauso oder besser macht, kann ich das Label auch wieder zu Grabe tragen. So oder so ähnlich lief das meistens ab. Und da hier im Moment keiner gute Gigs für kleines Geld macht, veranstalte ich derzeit mit Bobby Konzerte in der Punkeria in Duisburg-Ruhrort.

Ursprünglich wart ihr eine „Fußball-Band“, habt ihr den SC Rot-Weiß Oberhausen besungen und supportet, zum Teil auch mit der Band SONDASCHULE. So nach und nach hat sich das dann zu einer Band entwickelt, die nur eher am Rande noch was mit Fußball zu tun hat. Lag es an den Besetzungswechseln, dass der RWO nicht mehr Kern des Ganzen war, oder wie wurde EK77 zu der Band, die man heute kennt?

Daniel: Ja, genau, aber das machen wir immer noch. Klar ist nicht der komplette Fokus auf den RWO ausgerichtet, aber ich würde nicht sagen, dass das mittlerweile ein Randthema ist. Auf der neuen Scheibe sind kaum Fußball-Songs drauf, das stimmt, aber unser Herz schlägt nach wie vor für den Fußball. Und für den RWO. Von daher war es uns wichtig, wieder einen neuen Song zu machen, der auch mittlerweile im Stadion gespielt wird. Darauf sind wir wirklich stolz.

Spiller: Als Entwicklung würde ich das nicht mal bezeichnen. Denn es war seinerzeit lediglich unser erster Tonträger, der hauptsächlich das Thema Fußball beziehungsweise den RWO behandelte. Alles, was danach kam, hatte nur noch am Rande mit diesem beliebten Ballsport zu tun. Klar gehört der RWO zu den wiederkehrenden Themen, so wie auch der Ruhrpott, aber ich denke schon, dass es zu einfach wäre, uns nur in diese eine Schublade zu stecken.

Auf der neuen Platte besingt ihr Louis de Funès, den großen kleinen Mann der französischen Filmkomödie. Bud Spencer habt ihr auch schon ein Denkmal gesetzt, seid ihr diesbezüglich Nostalgiker? Und wann besingt ihr Tegtmeier alias Jürgen von Manger, das 1994 verstorbene Ruhrpott-Original?

Daniel: Es gibt einfach Leute, die es verdient haben gewürdigt zu werden, und Louis ist einer davon. Für mich war er ein großartiger Schauspieler und Humorist. Eigentlich wäre Tegtmeier auch ein Kandidat für einen Song, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Jedenfalls gibt es noch viele Kandidaten, die wir erwähnen müssen. Wir reden da ständig drüber, wer es noch verdient hätte, einen Song zu bekommen. Vielleicht hast du ja den entscheidenden Hinweis gegeben.

Ihr singt „Keine Lieder gegen Nazis“, erklärt uns das mal. Habt ihr auf Konzerten schon Stress von der rechten Seite bekommen? Inwieweit seid ihr eine Band, die politisch Stellung bezieht?

Daniel: Ich denke, erklären müssen wir da nicht viel. Der Text spricht für sich und genau so ist das auch gemeint. Politik ist nicht unser Thema, das soll auch gar nicht großer Bestandteil von EMSCHERKURVE sein.

Spiller: Jeder sollte wissen, wo wir stehen, und da müssen wir auch nicht 100 Lieder drüber schreiben, die dann doch nichts daran ändern. Eigentlich ist das Lied auch genauso gegen die selbsternannten Moralapostel, die im Internet gerne mal den Finger erheben, aber wenn es vor Ort drauf ankommt, die Ersten sind, die einen flotten Schuh machen. Da kann man Lieder schreiben und Parolen nachbeten, wie man will, wenn man dafür dann aber nicht aufsteht und die Fresse aufmacht, wird sich nichts ändern.

Sebastian Walkenhorst

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #99 (Dezember 2011/Januar 2012)

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