Interviews & Artikel : RASTA KNAST :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

RASTA KNAST

Sie leben noch!

Dass Deutschpunk unpeinlich, kämpferisch und „voll auf die Zwölf“ sein kann, das beweisen seit einer gefühlten Ewigkeit RASTA KNAST, an denen für Deutschpunk-Interessierte kein Vorbeikommen war, ist und gegen Ende des Jahres erneut sein wird. Denn nach einer Single und einem „Best-Of“ wird es definitiv ein neues Album geben, welches kürzlich im bandeigenen Studio aufgenommen wurde. Die Band braucht hier nicht weiter vorgestellt oder gepusht werden. Ihr kennt sie – oder macht generell einen größeren Bogen um den typischen Neunziger-Jahre-Deutschpunk, der eine Dekade später vom Prinzip her noch genauso klingt. Nur en detail ist er spielerisch besser geworden. Norddeutschlands Antwort auf den frühen Schweden-Punk wie etwa STREBERS oder ASTA KASK hat sich abseits von Freizeit-Punks und Ein-Hit-Wundern ihre kleine Punk-Welt bewahrt, auch im digitalen Zeitalter. Mit Martin, dem sympathischen Kopf der Band, sprach ich im Rahmen des Dresdner Atomsmasher-Festivals, um einen ersten Eindruck vom anstehenden Album zu erhaschen.

Martin, mit den Alben „Friede, Freude, Untergang“ und „Tercius Decimus“ habt ihr euch wieder so richtig warmgelaufen. Also: was habt ihr in der Pipeline, wie ist der Plan?

Plan ist immer gut! Was haben wir nicht schon alles geplant, hehe. Nach unserer kleinen Spanien- und Irlandtour ist jetzt jedenfalls wieder ein bisschen Zeit, um weiter an neuen Songs zu basteln. Angepeilt ist natürlich, endlich ein neues Album auf den Markt zu schmeißen. Früher ging das alles irgendwie schneller, aber da hatte man auch noch nicht so viel um die Ohren wie heute. Aber jammern nützt nichts, wir sind am Ball, dauert halt nur noch ein wenig.

Wie war sie denn, eure „kleine Tour“? Wie wurde euer „Schweden-Punk“ so aufgenommen und wie haben sich die jeweiligen Szenen, das Publikum unterschieden?

Die kleine Irlandtour war hammergeil! Angeleiert wurde das Ganze von LEFT FOR DEAD aus England und vor Ort in Irland organisiert von Conor, dem Sänger von FOUND ON THE FLOOR, die auch bei zwei Shows dabei waren – coole Band! Mit LEFT FOR DEAD unterwegs zu sein ist immer großartig. Nette Stimmung und „non stop cider on board“, was will man mehr? Die Gigs waren alle klasse. In Irland spielt sich alles eher in kleinerem Rahmen ab, so sind die Lokalitäten meistens irgendwelche Pubs oder mal ein „Social Center“. Kleine Räumlichkeiten, kleine Bühnen – aber Bombenstimmung! Die Iren hatten sichtlich ihre Freude mit unserem „Schwedenpunk aus Deutschland“, gleich zweimal die Exotenpackung. Pogo, Stagediving, alles am Start. Ich habe auch keine großen Unterschiede zur Punk-Szene hierzulande bemerkt. Die Szene ist halt insgesamt ein bisschen kleiner, aber es gibt sie in jeder Stadt dort. Noch zu erwähnen wären die leckeren Cider- und Biersorten und die atemberaubenden Dialekte. Bei einigen Iren versteht man wirklich kaum ein Wort, das klang teilweise für uns wie Außerirdische, vor allem bei zunehmendem Alkoholpegel. Voll geil! Irland war ein super Trip, nur nette Leute, coole Pubs, geile Partys und hammergeile, megagrüne Landschaft. Wir waren bestimmt nicht das letzte Mal dort.

„Da wird auch dein Herz sein“, so die Losung des jüngsten Evangelischen Kirchentages hier in Dresden. Wo ist dein Herz dieser Tage und empfindest du es als paradox, dass in unmittelbarer Nachbarschaft zum Atomsmasher-Festival christliche Events stattfinden?

Also mein Herz ist dieser Tage bei tausend Sachen, aber bestimmt nicht beim Evangelischen Kirchentag. Bei so viel Scheiße auf der ganzen Welt und um uns herum, finde ich es nach wie vor sehr verwunderlich, dass es immer noch so viele Knalltüten gibt, die an so einen Quark glauben und sich unter dem Deckmantel der Heiligkeit ihre Welt zurechtbiegen und schön lügen. Für mich ein großes Rätsel, dass die Kirche mit ihren Zaubergeschichten bei so vielen immer noch irgendwie funktioniert. Wie kann Theologie ein anerkanntes Studienfach sein? Studierte Märchenerzähler ... verrückte Welt! Nun kommt noch dazu, dass bei unserer Rückfahrt vom Festival die gesamte Autobahn so verstopft von den ganzen Kirchenheinis war, dass wir erstmal über zwei Stunden im Stau standen. Alleine aus diesem Grund sollte man das schon verbieten. Die können doch auch zu Hause ihren Käse zelebrieren, Gott ist doch überall!

Zur Gewährleistung der „Sicherheit“ gibt es immer mehr Überwachung und Kontrolle. Freiräume, auch unsere, werden weiter eingeschränkt und was ich als besonders fatal ansehe, ist, dass Links mit Rechts nahezu gleich gesetzt wird, ohne die direkten Zusammenhänge zu sehen. Hast du schon mal wegen einem eurer Texte oder wegen der Band generell Ärger mit der Staatsmacht bekommen?

Das sehe ich auch so, wieder gute Gründe am Start, um für die allgemeine Sicherheit mit Verschleierungstaktik unsere Freiheit zu beschneiden. So läuft das immer und so klappt’s leider auch, siehe Amerika. Auf ein Verbrechen folgt das nächste „legale“ Verbrechen. Wegen der Band oder Texte haben wir bislang aber noch keinen Ärger mit der Staatsmacht bekommen. Wir haben es meines Wissens auch noch nicht in den Verfassungsschutzbericht geschafft. Da sind uns unsere Kumpels ALARMSIGNAL mal ’ne Ecke voraus. Hut ab!

Glaubst du noch an das Gute im Punk oder siehst du die Sache mittlerweile nüchterner und realistischer?

Hm, was ist das Gute im Punk? Für mich hat Punk zu sein immer bedeutet, sich vom Mainstream abzusetzen und nicht jeden Scheiß zu glauben, der uns tagtäglich schön mundgerecht durch die Medien serviert wird. In der Politik, im Fernsehen oder in Zeitungen wird so viel belogen und betrogen, dass die Heide wackelt. Sich von diesem Rotz nicht einlullen zu lassen und dagegen anzugehen, das ist gut ... oder ein Gutes am Punk. Die Ideale von Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit – für Mensch und Tier – haben sich im Laufe der Zeit bei mir eher noch verstärkt. Fett feiern und schöne laute Musik machen ist nach wie vor geblieben und gut ...

Lass uns mal zu den neuen Aufnahmen kommen. Andeutungen deinerseits, dass ihr im Spätsommer ein neues Album am Start haben wollt, wurden von der Realität wiederlegt ...

Wir sind gerade dabei, die ersten neuen Songs bei mir im Studio aufzunehmen. Die Hälfte etwa ist schon nahezu im Kasten. Wir müssen allerdings immer checken, wie alle so Zeit haben, dann wird wieder weiter aufgenommen. Geht also nur step by step. Das Songmaterial ist bis auf ein paar Ausnahmen, an denen noch ein bisschen gefeilt werden muss, soweit fertig. Bislang sind wir sehr zufrieden mit den neuen Sachen und freuen uns volles Rohr auf das Endergebnis. Wenn alles gut läuft, kommt das Werk dann wieder über Destiny Records, auch als LP! Am typischen RASTA KNAST-Sound wird sich nach wie vor nix ändern – ein paar Überraschungen inklusive.

Meinst du in etwa so, wie auf der „Tertius Decimus“ schon angedeutet?

Wir haben zum Beispiel einen irischen Song! Wir haben das ja schon öfter so gemacht, wenn wir irgendwo auf Tour waren, bringen wir uns einen Song mit, quasi als Souvenir. Zum Beispiel gab es nach der Spanientour auch einen spanischen Song. Jetzt, weil es uns großen Spaß gemacht hat, eben einen irischen, sogar auf Englisch das Ganze. Obwohl wir das eigentlich sonst nicht so mögen.

Der Authentizität wegen?

Macht schon mehr Sinn so, wir hatten da einfach diese Laune und auf Deutsch zu singen schien uns da unpassend. Das Stück wird „The haunted house of Sligo“ heißen. Nach einer – fast – wahren Geschichte, die wir in Sligo in Irland erlebt haben. Spooky!

Auch wenn ihr unter dem Label „Schweden-Punk“ firmiert, gibt es ja bei euch auch diese starke Verbindung nach Südamerika. Wie ist da der Stand der Dinge und gibt es Pläne, mal wieder dort aufzutreten?

Ja, unbedingt! Leider sind die Flugtickets derzeit für uns nicht bezahlbar. Das Geld, was wir da unten bekommen würden, müssten wir sowieso auch dort wieder ausgeben, um über die Runden zu kommen, hängen bliebe also rein gar nichts. Aber wir wollen da unbedingt wieder hin, und dann aber auch nach Argentinien. Das Publikum ist verrückt dort. Wir hatten da kürzlich diesen wahnsinnigen Typen von BOOM BOOM KID getroffen und der wollte uns gleich nach Argentinien einladen. Der ist live eine Augenweide, mein Konzerttip! Außerdem stelle ich es mir romantisch vor, von Brasilien direkt „rüber“ nach Argentinien zu fahren – mit dem Bus, haha. Die Kontakte zu AGROTÓXICO sind bestens, also vielleicht wird es nächstes Jahr etwas.

Welchen Beitrag am Songwriting haben die anderen in der Band? Eine gewisse Fluktuation ist bei euch zweifelsohne zu verzeichnen.

Alle! Seit gut einem Jahr haben wir eine echt gute Konstellation, alle wohnen in Hannover, außer mir, haha. Daher können wir ohne großes Drama proben und nach Laune bei mir aufnehmen. Klar dauert es wesentlich länger, wenn man alles selber macht. Ich warte auch immer ewig mit neuen Sachen. Wenn ich das Gefühl habe, das ist ein Knaller, dann bringe ich den Song mit und wir machen was Schönes draus. Ich habe irgendwie 1000 Ideen irgendwo auf Tape und von Zeit zu Zeit krame ich die hervor. Man hat ja auch den Anspruch immer einen Hit zu schreiben. Außerdem mag ich keine Platten, die nur so, zwei, drei Hits hat, der Rest dann belanglos ist. Ich denke mal, dass Mitte Dezember Aufnahmen, Cover und Booklet im Sack sind. Das Album wird den Titel „Trallblut“ haben und es werden 13 Songs drauf sein.

Na, dann bin ich gespannt.

Lars Weigelt

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #99 (Dezember 2011/Januar 2012)

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