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Interviews & Artikel

HOLA GHOST

Psychotic Flamencore from Copenhagen

Anfang 2010 stieß ich zufällig auf HOLA GHOST mit dem ehemaligen NEKROMANTIX- und MAD SIN-Gitarristen Peter Sandorff, als ein Kumpel und ich auf gut Glück ins Berliner Wild at Heart gingen. Dort sollten drei dänische Psychobilly-Bands spielen, von denen mich nur HOLA GHOST nachhaltig beeindruckten. Dieses Duo mit seinem Stilmix – Psychobilly trifft auf mexikanische Klänge trifft auf Drumcomputer – und der obercoolen Performance als mexikanische Banditen ließen mich mit offenem Mund vor der Bühne staunen. Ich legte mir ihr Album „The Man They Couldn’t Hang“ zu, das ich seitdem regelmäßig höre. Anlässlich der aktuellen Veröffentlichung des Albums auf Vinyl führte ich mit Peter dieses Interview via Video-Skype. Bassist Jeppe konnte aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht teilnehmen.

Peter, warum seid ihr in Deutschland nahezu unbekannt, obwohl du durch die NEKROMANTIX und MAD SIN kein unbeschriebenes Blatt bist und eure Platte wirklich exzellent ist?

Ich komme zwar auch aus der Psychobilly-Szene, aber die hat ein Problem mit uns, weil wir keinen Standbass und keinen richtigen Drummer haben. Außerdem spielen wir keinen richtigen Psychobilly und die Szene ist eben sehr engstirnig. Dazu kommt die Tatsache, dass wir weder ein deutsches Label noch einen deutschen Vertrieb haben. Aber ich stimme dir zu, es ist eine Schande, dass man uns kaum kennt, haha. Außerdem sind viele Leute abgeschreckt, wenn sie hören, dass wir mit einem Drumcomputer arbeiten. Sie wollen uns dann nicht einmal mehr anhören, weil sie denken, dass wir keine Rock-Band seien.

Aber es war gerade der Drumcomputer, der HOLA GHOST für mich so besonders gemacht hat, denn das hat mich, und das soll jetzt keine Beleidigung sein, sehr an die ganz frühen SISTERS OF MERCY erinnert.

Da hast du schon Recht. Jeppe und ich waren in den Achtzigern große Fans von THE SISTERS OF MERCY und unser Song „Six bullets“ ist massiv von der ganzen Dark-Wave-Szene beeinflusst. Unser Drumcomputer gehört zu einer Generation, die klingen sollte wie echte Drums, wobei sie es aber nie so wirklich hinbekommen haben, was wir irgendwie niedlich fanden.

Ein Vorteil dürfte doch sein, dass ihr ohne Drumkit mit einem Pkw auf Tour gehen könnt, oder?

Ein Geheimnis unseres Tourplans, der uns schon mehrfach in die USA, einmal nach Brasilien und quer durch Europa geführt hat, ist, dass zwei Flugtickets und ein Hotelzimmer ausreichen, um eine ganze Band zu buchen. Außerdem können wir auf jeder Bühne spielen, weil wir kaum Platz benötigen. Es dauert nur Sekunden, um die Bühne zu räumen, und das mögen Veranstalter gerne. Es ist oftmals sehr praktisch, aber das war nicht unsere Absicht, als wir damals mit dem Drumcomputer anfingen.

Ein Song von euch heißt „Ausweis“ und hat teilweise einen deutschen Text. Warum?

Das ist auch ein Relikt aus den SISTERS OF MERCY-Tagen, die das bei „Marian“ ja auch machten. Wir haben ihn 1986 geschrieben, als ich in einer New-Wave-Band spielte, bei der Jeppe später einstieg. Wir waren in der Schule gelangweilt vom Deutsch-, Französisch- und Englischunterricht, da fiel uns der Text ein. Wir haben zu der Zeit auch viel Interrail gemacht und es gab das Schengener Abkommen noch nicht, so musste man an jeder Grenze seine Papiere vorzeigen und an der deutschen Grenze schrien die Grenzbeamten eben immer „Ausweis!“ durch den Zug, haha.

Ich habe gelesen, dass du einige Zeit bei MAD SIN gespielt hast.

Ja, ich kenne die Jungs seit 1988 oder 1989. Die NEKROMANTIX kamen vor etwa zehn Jahren bei Epitaph beziehungsweise Hellcat unter und zogen nach Amerika, aber ich konnte dort aus verschiedenen Gründen nicht leben, also verließ ich die Band und zog zurück nach Kopenhagen. Etwa zur gleichen Zeit wollte der MAD SIN-Gitarrist Tex Morton mehr Zeit in seine Soloprojekte stecken, so kamen wir zusammen. Ich hatte auch ernsthaft überlegt, nach Berlin umzusiedeln, doch dann habe ich geheiratet und wurde Vater, daher hat es dann doch nicht sein sollen.

Also hast du MAD SIN wegen deiner Heirat verlassen?

Nein, nicht wirklich. Ich habe damals ernsthaft darüber nachgedacht, nach Berlin zu ziehen, aber meine Frau hatte einen festen Job und es waren eher die gleichen Gründe, aus denen ich nicht in den USA leben wollte. Ich bin Däne und lebe verdammt gerne hier. Ich bin eine Zeit lang fast jedes Wochenende nach Deutschland geflogen oder mit der Bahn hingefahren. Sonntagabends kam ich zurück und musste montags früh raus, um zur Arbeit zu gehen, das konnte auf Dauer nicht gut gehen. Die MAD SIN-Jungs wissen, wie man Party macht, und wenn man drei von vier Wochenenden mit ihnen um die Häuser zieht, ist es wirklich schwer, einem Vollzeitjob nachzugehen. Wir werden alle nicht jünger. Die Jungs können sich danach zwei oder drei Tage ausruhen, ich konnte das leider nicht. Aber ich liebe die Burschen immer noch. Ich habe das Jubiläumsalbum „20 Years In Sin Sin“ mit eingespielt. MAD SIN waren damals sehr viel auf Tour und es gab leider kaum Zeit, neue Songs zu schreiben, was bestimmt sehr gut geworden wäre. Meine ganzen Songideen aus dieser Zeit sind dann bei HOLA GHOST eingeflossen, die es ja auch schon gab.

Deine Art Gitarre zu spielen ist ja bei all deinen Bands sehr unterschiedlich.

Ich entdecke immer neue Stile für mich und versuche, diese umzusetzen. Wenn ich seit 25 Jahren immer nur den gleichen Stil spielen würde, wäre ich zu Tode gelangweilt. Als ich bei den NEKROMANTIX einstieg, mochte ich Carl Perkins, Elvis und Punk. Das war mein Zugang zu Psychobilly und mein Stil unterscheidet sich schon von anderen Psychobilly-Gitarristen. Als ich 1992 das erste Mal NIRVANA hörte, war ich begeistert, denn ich war vom Psychobilly-Bass-Sound genervt, du weißt schon, dieses andauernde Tuketuketuk. Ich wollte wieder einen richtigen E-Bass in der Band haben. Nach drei Alben mit SCHWARZWALD LIBRARY bin ich wieder bei den NEKROMANTIX eingestiegen und wir wurden von Hellcat gesignt und unsere Träume wurden wahr. Wir waren plötzlich in Los Angeles und dort gab es viele Bands, die einen mexikanischen Einfluss hatten. Und bei HOLA GHOST versuche ich, den alten Rockabilly-Stil mit dem mexikanischen zu verbinden, den ich von den Hispanics in Los Angeles übernommen habe.

Wie lange hast du in Los Angeles gelebt?

Ungefähr ein halbes Jahr. Wir sind immer um die 30 bis 40 Tage getourt und sind wieder zurückgeflogen. Kim, der NEKROMANTIX-Bassist, zog dann fest in die USA, ich hatte das auch geplant, wollte dort sogar heiraten, was dann aber doch nicht sein sollte, was übrigens ein Hauptgrund dafür war, warum ich wieder fest nach Dänemark gegangen bin. Vorher bin ich immer für etwa eine Woche nach Dänemark geflogen, um meine Steuern zu machen und Dinge zu regeln und dann wieder zurückzufliegen.

Wie würdest du den HOLA GHOST-Sound bezeichnen?

Psychotic Flamencore trifft es eigentlich ganz gut. Ich komme vom Psychobilly, deshalb wollte ich es Psycho-Irgendetwas nennen, aber ich bin mir bewusst, dass es kein reiner Psychobilly ist. In den USA habe ich auch gerne Flamenco gehört, und die Kombination dieser beiden Stile klang witzig.

Was bringt einen jungen Mann in Dänemark dazu, sich für Psychobilly zu interessieren?

John Lennon hat mal gesagt, dass es vor Elvis nichts gegeben hätte. Also kam ich über die BEATLES zu Elvis, bemerkte, dass beide zum Teil die gleichen Songs spielten, die aber von Carl Perkins geschrieben wurden. So kam ich zum Rockabilly, obwohl ich damals dachte, es sei einfach nur alter Rock’n’Roll. Zur gleichen Zeit hörte ich auch SIOUXSIE AND THE BANSHEES, dann DEAD KENNEDYS und Punk. 1988 bin ich dann vom Land nach Kopenhagen gezogen und die ganzen Straßenmusiker trafen sich in der gleichen Kneipe, weil alle anderen schon geschlossen hatten. Dort gab es dann eine Session, bei der „Twist and shout“ mit einem Standbass von irischen Straßenmusikern gespielt wurde. Die spielten den Song auf der Gitarre so beschissen, dass ich mich hinstellte und ihnen zeigte, wie es zu klingen hatte. Danach kam der Bassist auf mich zu und fragte, ob ich in einer Rockabilly-Band spielen wollte. Dieser Jemand war Kim von den NEKROMANTIX, der damals aber noch Schlagzeug spielte. So kam ich zu den NEKROMANTIX. Und später bin ich dadurch an die unmöglichsten Orte gekommen, um Musik zu machen. So kam ein 19-Jähriger zum Psychobilly.

Warum hat es zwei Jahre gedauert, bis jetzt die Vinylversion eures Albums veröffentlicht wurde?

Mir fehlte einfach das Geld. Wir wurden von einer Plattenfirma über den Tisch gezogen, aber das möchte ich nicht vertiefen, denn eigentlich hat ein Steuerbüro in einem anderen Land Mist gebaut. Wir haben die Aufnahmen für 666,- Euro für Vinyl mastern lassen, damit es auch amtlich klingt, zusätzlich noch für mp3s und tatsächlich auch für Kassetten, denn wir wollten ganz oldschoolmäßig Kassetten anbieten, was aber eher ein Witz sein sollte. Das Label kam dann in finanzielle Schwierigkeiten und uns wurde klar, dass wir das Mastering selber bezahlen mussten. Sechs Monate lang haben wir die Kosten abgestottert und dann noch sechs Monate gespart, um die Pressung bezahlen zu können.

Was für einen Job machst du, wenn dir keine Zeit fürs Songwriting bleibt?

Keine Zeit ist vielleicht etwas übertrieben. Ich bin Architekt und arbeite für ein Architekturbüro. Dank der Finanzkrise ist es ihnen egal, wenn ich hin und wieder einen Tag frei mache, denn die Auftragsbücher sind nicht so voll im Moment, haha.

Ein anderes Thema: sind gedruckte Magazine und Fanzines im Internetzeitalter noch von Bedeutung?

So wie ich große, schwere LP-Cover liebe, so mag ich auch gedruckte Magazine. Ein Onlineartikel ist in deinem Browser geöffnet und du bist meist zufällig dorthin gekommen, indem du irgendwelche Links angeklickt hast. Dann klingelt dein Telefon und der PC entscheidet sich derweil dazu, ein Update zu machen oder sich aufzuhängen. Oder deine Frau oder dein Kind schalten ihn aus oder drücken einen interessanten Knopf und – zack! – die Seite ist weg und du hast keine Ahnung, wie du sie wieder finden sollst. Es ist viel einfachen und schöner, wenn man den Artikel auf Papier herumliegen hat, bis man Zeit und Lust hat, ihn zu lesen.

Guntram Pintgen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #100 (Februar/März 2012)

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