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Interviews & Artikel

BLOOD TSUNAMI

A blackened thrash assault

Thrash Metal ist seit einiger Zeit wieder im Aufwind. Neben einigen älteren Kapellen, die mit erstaunlich guten neuen Werken aufwarten können, gibt es auch eine regelrechte Welle von neueren Bands, von denen die Norweger von BLOOD TSUNAMI mit „Thrash Metal“ und „Grand Feast For Vultures“ zwei Perlen des Genres veröffentlicht haben. Ich kontaktierte die Band und stellte ihnen ein paar Fragen, bei denen es neben eher allgemeinen Themen auch um die unrühmliche Vergangenheit ihres Drummers und um den Breivik-Prozess ging.

Stellt euch bitte vor.

Pete: Wir einen neuen Bassisten namens Carl Janfalk. Er ist Schwede, lebt aber in Oslo. Er hat früher bei der Punkband SPEEDERGARBEN Gitarre gespielt, sich für uns aber den Bass umgeschnallt und fügt sich bestens neben uns alten Säcke ein. Leadgitarre spielt Kristoffer „Dor“ Sørensen, der seit dem ersten BLOOD TSUNAMI-Demo im Jahre 2004 in der Band ist. An den Drums haben wir mit Bård „Faust“ Eithun jemanden, den eigentlich jeder kennen sollte, der sich für Metal interessiert. Er hat früher mal bei EMPEROR gespielt und ist heute auch Mitglied der italienischen Industrial Black-Metal-Band ABORYM. Und dann gibt’s noch mich, Peter „Pete“ Vegem. Bevor ich BLOOD TSUNAMI gründete, war ich bei HELLRIDE, die einige Alben veröffentlichten und gegen Ende der Neunziger auch etwas in Deutschland getourt sind. Wir waren auch auf einer Ox-Compilation, das muss so 1998 oder 1999 gewesen sein.

Gibt es für Thrash Metal noch beziehungsweise jetzt wieder eine Szene?

Pete: Ja, definitiv. Aber es ist gut, dass der Party-Thrash-Trend endlich abklingt und eine neue Oldschool-Welle von dreckigem Nekro-Thrash auf uns zurollt. Norwegische Bands wie NEKROMANTHEON, DEATHHAMMER und CONDOR versuchen ernsthaft, so authentisch wie möglich nach den Achtzigern zu klingen, und die Jungs wurden alle nach der Veröffentlichung von „Reign In Blood“ geboren. Ich ziehe den Hut vor ihnen. Ich bin davon überzeugt, dass diese neuen Bands so viel mehr zu bieten haben, als die polierten, getriggerten Plastik-Thrash-Bands, die in den letzten Jahren so gehypet wurden. Okay, ich gebe zu, dass BLOOD TSUNAMIs erstes Album eine äußerst moderne Produktion hat, aber wir waren nie wirklich glücklich damit. Auf unserem zweiten Album haben wir einen wesentlich schmutzigeren Sound, der aber dennoch zu brav klingt. Auf unserem aktuellen Demo klingen wir endlich wie etwas, das aus dem Abfluss gekrochen kam. Wir entwickeln uns in die falsche Richtung, haha.

Wie seid ihr zum Thrash Metal gekommen?

Pete: Wir sind damit aufgewachsen. Ich begann, mich für Thrash Metal zu interessieren, als ich 13 Jahre alt war. Das war 1986. Ich mochte vorher KISS, MOTÖRHEAD, JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN und so weiter, aber es war ein Wendepunkt meines Lebens, als ich das erste Mal METALLICA, SLAYER, TESTAMENT, EXODUS, KREATOR, SODOM und DESTRUCTION hörte. Seit damals ist Thrash Metal ein wichtiger Teil meines Lebens.

Was steckt hinter eurem Bandnamen?

Pete: Als wir uns den Namen gaben, wenige Monate bevor der große Tsunami 2004 Südostasien heimsuchte, kannte in Norwegen kaum jemand das Wort „Tsunami“, aber dann ... Boom! Plötzlich war „Tsunami“ das am häufigsten verwendete Wort der Welt, was uns tatsächlich eine Menge Aufmerksamkeit brachte. Aber wir sahen die Kombination dieser beiden Wörter zuerst im Text von TURBONEGROs „Drenched in blood“, wo Hank singt: „It’s a tidal wave/It’s a tsunami of blood“. Ich mochte das. Ich mochte den visuellen Aspekt des Namens, eine gigantische, brechende, alles zerstörende Welle aus Blut.

Warum verwenden Metal-Bands häufig diese gewalttätigen Fantasy-Cover?

Pete: Vielleicht weil ein reales Foto mit dem gleichen Inhalt eine Menge Ärger bedeuten würde, haha. Nein, ich weiß es nicht, aber wenn du diese Art von Musik spielst, dann möchtest du auch ein Artwork, welches die Brutalität der Musik widerspiegelt. Unser Grund, solche Cover zu wählen, war der, dass wir die guten alten Zeiten vermissen, in denen Cover eben so aussahen. Phil Lawveres Artwork für KREATORs „Endless Pain“ und „Pleasure To Kill“ waren die Haupteinflüsse, als wir unser erstes Cover in Auftrag gaben. Es sah dann aber leider mehr nach MANOWAR aus, haha. Auf „Grand Feast For Vultures“ haben wir das Conan-artige weggelassen und uns für einen schlichten verrottenden Leichnam entschieden. Zukünftige Cover werden sicherlich wesentlich düsterer ausfallen.

Wie seid ihr mit dem Künstler Alex Horley Orlandelli in Kontakt gekommen?

Pete: Ich habe seine Arbeiten in Marvel-Comics gesehen und ihn einfach kontaktiert. Er ist ein netter Kerl und er hat beide Cover so gestaltet, wie wir es vorgeschlagen hatten. Er ist wirklich sehr talentiert und kann den schrägsten Kram malen.

Moderierst du eigentlich noch die TV-Musiksendung „Headbanger’s Ball“?

Pete: Nein, und ich bin froh, dass diese Zeit vorbei ist. Ich habe es nur zwei Jahre gemacht. Das erste Jahr war super, aber dann bekam ich einen Produzenten, der alles versaut hat. Es war immer noch cool, alte Helden wie Kerry King, Eric Peterson, Dan Lilker, Tom Gabriel Fisher, Mille Petrozza, Tom Angelripper und so weiter zu treffen und zu interviewen, aber den ganzen MTV-Zirkus vermisse ich wirklich nicht. Das war alles beschissen und ich habe mich nie wohl damit gefühlt, aber ich brauchte das verdammte Geld, und sie zahlten richtig gut. Ich bereue es nicht, eine kleine Hure gewesen zu sein.

Eine schwieriges Thema ist die Vergangenheit eures Drummers Bård, der 1992 in Lillehammer einen homosexuellen Mann ermordet hat, dafür im Gefängnis war und dort, so ein Wikipedia-Artikel, in Interviews nazistische und rassistische Statements abgegeben haben soll, so dass ihn Teile der deutschen Neonazi-Szene für sich vereinnahmen wollten.

Pete: Ja, lass mich versuchen, das zu erklären. Es ist kein Geheimnis, dass Bård 1992 Magne Andreassen getötet hat. Und ja, das Opfer war homosexuell, aber Bård ist weder homophob noch ein Faschist oder Rassist. Und er war es auch nie. Ich versichere dir, dass er einer meiner besten und engsten Freunde ist. Ich kann verstehen, dass seine Vergangenheit dir verdächtig erscheint, aber an den Gerüchten ist nichts dran. Es ist aber wahr, dass er 1992 als Jugendlicher einen schrecklichen Fehler begangen hat. Seine Strafe dafür hat er verbüßt. Bård ist ein ruhiger Musiker, mit dem man gut arbeiten kann, und zusätzlich ein hingebungsvoller Familienmensch, der weder Interesse noch Verbindungen zu Politik hat. Was ihn bewegt, sind seine Familie, seine Freunde und seine Musik, die Hautfarbe oder Sexualität anderer Menschen kümmern ihn nicht. Ich hoffe, dass du mir glaubst, dass dies die Wahrheit ist.

Und wie steht Bård selbst dazu?

Bård: Es ist sehr selten geworden, dass ich Menschen treffe, die meine Vergangenheit nicht kennen. Aber egal, es ist so, wie Pete es schon zusammengefasst hat. Ich war ein verhaltensauffälliges Kind, das vor 20 Jahren einen verhängnisvollen Fehler begangen hat. Ich hatte niemals rassistische oder homophobe Ansichten. Viele meiner Freunde kommen aus verschiedenen Kulturen und haben verschiedene sexuelle Neigungen. Meine Frau ist Brasilianerin und die eine Hälfte ihrer Familie ist schwarz, die andere Hälfte braun. Warum sollte ich mit ihr verheiratet sein, wenn ich Sympathien für irgendwelche weißen Überlegenheitsideologien hätte?! Es stimmt, dass ich einmal Kontakt zu Hendrik Möbus von ABSURD hatte, aber das war rein musikalisch. Innerhalb der norwegischen Black-Metal-Szene war es lediglich Varg Vikernes, der eine eindeutig rechte Einstellung hatte. Wir anderen konnten uns damit nie identifizieren. Es ist ein für mich lange abgeschlossenes Kapitel meines Lebens und alles, was ich möchte, ist mit meiner Familie in Frieden zu leben, Musik zu machen und meiner täglichen Arbeit nachzugehen. Die Probleme, die andere mit mir haben mögen, sind ehrlich gesagt nicht mein Problem. Wie dem auch sei, ich danke dir für dein Interesse an unserer Band und hoffe, dass ich einige Dinge klarstellen konnte.

Verfolgt ihr den Breivik-Prozess?

Pete: Nein, absolut nicht! Dieser verdammte Geisteskranke verdient nicht eine Sekunde meiner Aufmerksamkeit. Alles, was er will, ist in den Medien zu sein, und er betrachtet seinen Prozess als das große Finale seiner „Mission“. Er will, dass die ganze Welt seine verworrenen Gedanken hört, aber ich will das nicht hören. Aber es ist auch wichtig, dass wir seine schrecklichen Taten niemals vergessen und sicherstellen, dass wir daraus lernen.

Zum Abschluss noch ein kleines Fragespiel. METALLICA oder MEGADETH?

Pete: METALLICA! Ohne jeden Zweifel. METALLICA wurden in den Neunzigern zwar richtig beschissen, aber ich liebe ihre ersten drei Alben und höre sie auch heute noch regelmäßig. Sie begleiteten mich durch meine Jugendjahre und das nostalgische Gefühl, welches es mir gibt, sie zu hören, ist absolut atemberaubend. Ich war nie ein großer MEGADETH-Fan, obwohl ich „Peace Sells ...“ mag. Ich bewundere Dave für seine Fähigkeiten an der Gitarre, aber kann seinen Gesang nicht ertragen. Lustig ist, dass ich immer dachte, er sei ein Riesenarschloch, bis ich ihn selbst interviewte. Man kann über ihn sagen, was man will, aber zu mir war er absolut nett.

ANTHRAX oder S.O.D.?

Pete: Ich habe „Speak English Or Die“ von S.O.D. unzählige Male gehört, aber die ersten drei ANTHRAX-Alben sind kostbarer für mich.

EXODUS oder SLAYER?

Pete: Ich fahre ziemlich auf EXODUS ab und Gary Holt ist einer der coolsten Gitarristen weltweit, aber nur „Bonded By Blood“ bedeutet mir etwas. Mit Paul Baloff haben sie einen wichtigen Teil verloren und waren nie mehr so gut. Ich mag „Fabulous Disaster“ zwar auch, aber es ist nicht das Gleiche. SLAYER hingegen bedeuten mir ungleich mehr und haben mein Leben auf vielfältige Weise bereichert. Glück, Aggressionen, Freude, Traurigkeit, Höhen und Tiefen, SLAYER haben mir immer den passenden Soundtrack zu meinen Emotionen angeboten. Die ersten fünf SLAYER-Alben sind extrem wichtig für mich und sie stehen neben JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN als den wichtigsten Bands. Ich habe ihr Logo mit dem Pentagramm aus Schwertern auf meinem Rücken tätowiert.

Guntram Pintgen

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #102 (Juni/Juli 2012)

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