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Interviews & Artikel

KMPFSPRT

Walter Schreifels widerspricht man nicht

Man könnte denken, dass man bei KMPFSPRT auf abgeklärte Typen trifft, die alles schon gesehen haben und die mit all dem in stoischer Manier umgehen. Und obwohl sie in der Vergangenheit mit anderen Bands einiges an Erfahrungen gesammelt haben, ist dies eine Fehleinschätzung. Stattdessen zeigen sie sich auf eine wunderbare Weise aufgeregt und voller Tatendrang, wie man es sich doch eben von einer neu gegründeten Punkband erhofft. Man darf also gespannt sein, was es von KMPFSPRT in Zukunft noch zu hören und sehen geben wird. In der Zwischenzeit kann man sich an der frisch geschlüpften EP „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ (Redfield Records) erfreuen und vielleicht mal bei Gitarrist David nachhorchen, wie das alles so passiert ist.

Wie kommt es, dass ihr nun mit deutschen Texten arbeitet? Sowohl bei FIRE IN THE ATTIC als auch bei DAYS IN GRIEF wurde auf Englisch gesungen. Wollt ihr euch damit von diesen Vorgängerbands distanzieren?


Distanzieren würde ich nicht sagen, auch weil ich als Einziger von uns vieren in keiner dieser Bands war. Die anderen wollen das aber, glaube ich, auch nicht. Sie sind stolz darauf, was sie mit den anderen Bands erreicht haben, meiner Meinung nach auch zu recht. Als das alles zu Ende ging, habe ich mit unserem Sänger Richard überlegt, was wir mit einer neuen Band machen wollen. Wir waren um vier Uhr morgens in der Kneipe. Diesen Gedanken, auf Deutsch zu singen, hatte ich schon lange, dachte aber, dass ich das eh vergessen kann und da höchstens mal bei einem anderen Projekt was versuchen könnte. Und auf einmal sagt Richard an diesem Abend, er fände das geil, mal auf Deutsch zu singen, und ich hab mich total gefreut. Wir zwei haben uns das dann alles so ein bisschen zurechtgelegt, aber auch gedacht, dass es vielleicht nicht leicht werden würde, die anderen beiden zu überzeugen. Die waren aber recht offen dafür. Trotzdem war das anfangs eher als Versuch angelegt. Wir machen halt nicht diesen typischen Punk, zu dem man super deutsch singen kann, wie FRAU POTZ oder MUFF POTTER. Ich finde, da klingen wir musikalisch sehr viel amerikanischer, und deswegen wussten wir nicht, ob das passt. Dazu kam, dass Richard vorher noch nie gesungen hat. Da ist viel Neues zugleich passiert und es war ein frischer Start für uns alle. Dass dann alles doch so gut klappt, hat uns selbst überrascht.

Würdest du sagen, dass KMPFSPRT eine politische Band sind? Ihr wurdet in einem anderen Interview gefragt, wogegen ihr kämpft, und da sprachst du von Rassismus und Ungerechtigkeit. In den Texten steckt das ja nicht so konkret drin.

Es ist schwierig zu sagen, dass man eine politische Band ist, weil man da schnell in einer Schublade landet, in die man gar nicht rein will. Wir sind vier Personen, die alle politisch denken, aber nicht unbedingt gleich. Deswegen würde ich bei KMPFSPRT nicht von einer politischen Band sprechen, die eine bestimmte Message vertritt. Natürlich vereinen wir uns gegen Rassismus und Sexismus, aber das sollte ja im Punk selbstverständlich sein, da muss man nicht weiter drüber reden. Wir sind aber nicht SLIME und haben keine Parolen. Unsere Texten sind aber auch nicht verklausuliert. Auf der EP ist zum Beispiel mit „Affengeld“ ein offensichtlich gegen Kapitalismus gerichteter Song und da sind auch Texte gegen das Töten von Tieren. Wir schreien halt nicht „Fleisch ist Mord!“, weil das schon hundertmal gemacht wurde, und ich glaube auch, dass man das sprachlich spannender verpacken kann. Jeder kennt diese Themen und wir positionieren uns da nur noch mal in der Punk-Szene und sagen, wir sind gegen Tiermord, wir sind gegen Rassismus und für ein freies Leben, in dem alle gleich viel haben. Ich weiß nicht, ob uns das zu einer politischen Band macht. Wir schreiben über das, was wir wollen, also kann es um alles Mögliche gehen.

Ist der Plattentitel „Das ist doch kein Name für ’ne Band“ ein Seitenhieb auf ewig gleiche Fragen, wie eben zum Beispiel nach der Entstehung des Bandnamens?

Das ist eigentlich eher ein Seitenhieb auf uns selbst und unser Umfeld. Wir hießen ja vorher LYON ESTATES und haben dann festgestellt, dass es in Italien schon eine Band gibt, die so heißt, und die sind sogar ganz cool. Wegen eines neuen Namens war ich wieder mal mit dem Richard in einer Kneipe und hab da KAMPFSPORT vorgeschlagen und dachte im nächsten Moment selbst, dass das ja einfach krass prollig klingt und man meinen könnte, wir wären die deutschen BIOHAZARD. Richard schlug dann vor, einfach die Vokale wegzulassen und diese crazy Hipster-Schreibweise zu benutzen. Davon mussten wieder die anderen beiden überzeugt werden, was in dem Fall auch nicht so einfach war. Inzwischen sind sie überzeugt. Es war natürlich klar, dass man diesen Namen auch mit Inhalt füllen muss, weil wir ja ganz lieb sind und keine Prolls. Dass gerade in dem Kontext KMPFSPRT funktioniert, find ich total super. Der Name der EP spielt eben genau auf diese Geschichte an. Und der kommt auch von Helge Schneider, da gab es die Textzeile „Das ist doch kein Name für ’ne Katze“. Wir hören häufig Sachen von Helge Schneider im Bandbus und darauf wird man auch künftig noch Verweise bei uns finden.

Ich finde, dass sich zwischen den Songtiteln und dem Inhalt eurer Texte manchmal ein kleiner Kontrast auftut, weil die Titel so ein Augenzwinkern besitzen, während die Inhalte gar nicht mal so lustig sind. Ist das absichtlich so?

Darüber machen wir uns gar nicht so viele Gedanken. Unsere Texte drehen sich um das, worüber wir gerade so nachdenken, und das ist dann schonmal ernsterer Natur. Wenn einem etwas wichtig ist, dann geht man auch ernst daran. Die Titel sind später entstanden. Die hießen vorher alle „der HOT WATER MUSIC-Song“ oder so etwas. Irgendwann kam die Ansage, dass wir noch zwei Tage haben, uns Titel auszudenken, damit die EP ins Presswerk gehen kann, und dann haben wir uns zusammengesetzt und überlegt.

... in der Kneipe?

Nee, diesmal tatsächlich vorm Rechner, das musste ja aufgeschrieben werden. Interessanterweise haben die Titel tatsächlich etwas mit den Songs zu tun, nur nicht immer so offensichtlich. In „Wie du bist schon fertig? Wir fangen gerade erst an“ geht es zum Beispiel darum, wie das ist, mit Mitte 30 noch mal eine neue Band aus dem Boden zu stampfen und das alles noch einmal mitzumachen. Viele Leute, die früher dabei waren, sind inzwischen Techno-DJs oder machen Indie und tragen komische Hüte – und wir sind nach wie vor Punk und Hardcore.

Merkt man im Bandalltag, dass bei euch schon einige Erfahrung dahintersteckt?

Ich finde, dass sich das extrem auswirkt. Ich bin, wie schon erwähnt, der Einzige, der nicht in diesen Bands dabei war, und ich komme da in ein sehr strukturiertes Umfeld rein. Wir umschiffen manche Anfängerfehler. Wir reden zum Beispiel nicht mit einigen Zeitschriften, wir spielen auch mal eine Show nicht, wenn man dafür sieben Stunden fährt, 30 Euro bekommt und vor 20 besoffenen Skinheads spielt. Früher hätte man das vielleicht gemacht. Es gibt einen Erfahrungsschatz und davon zehren wir schon. Auf der anderen Seite ist die Band für uns alle so neu und da ist bei allem, was wir machen, so ein euphorisches Gefühl dabei, das man das letzte Mal mit 18 hatte, als das erste Mal mehr als 20 Zuschauer bei deinem Konzert waren. Es ist bei uns eine Mischung aus Erfahrung und was Neuem.

Ihr habt ja vermutlich über die Zeit schon einiges an Kontakten gesammelt. Macht es das für euch einfacher, Fuß zu fassen und Shows zu kriegen?

Wir haben das große Glück, dass wir mit Creative Talent eine gute Booking-Agentur haben. Die supporten uns perfekt und diese ganzen Connections kommen natürlich dazu. Man tauscht sich mit anderen Bands aus. Wir spielen mit Freunden zusammen, bei denen in der Stadt, und dafür holen wir sie nach Köln. Auf der einen Seite ist das immer noch D.I.Y. und andererseits hilft uns die Konzertagentur, eine Tour auf die Beine zu stellen, und kann auch mal eine größere Show zu vermitteln. Die sind auf uns zugekommen, weil sie unsere Songs cool fanden, das war schön.

In was für einen musikalischen Kontext würdest du KMPFSPRT setzen?

In vielen Reviews stand etwas von MUFF POTTER und TURBOSTAAT. Das finde ich ja überhaupt nicht. Da sieht man einfach, wie wenig Referenzen es für eine Band gibt, die weder Deutschpunk ist noch diese Hamburger-Schule-Schiene fährt. Das Treffendste, was ich gehört habe, hat Walter Schreifels von den GORILLA BISCUITS gesagt, als wir mit denen zusammen gespielt haben. Er meinte, wir wären eine Mischung aus HOT WATER MUSIC und TITLE FIGHT. Das unterschreibe ich beides gern und Walter Schreifels widerspricht man auch nicht.

Das war für euch ohnehin ein Riesending, mit denen zu spielen, oder?

Klar, das war die Band überhaupt für mich. Als ich 15 oder 16 war, hab ich immer am Bonner Hauptbahnhof rumgehangen, Dosenbier gesoffen und SLIME und TOXOPLASMA und so was gehört. Da ging es auch wirklich bergab mit der Schule. Ich bin vom Gymnasium geflogen, von der Realschule geflogen und irgendwann hab ich die GORILLA BISCUITS-Platte in die Finger gekriegt. Die waren musikalisch hundertmal besser als diese ganzen schimmligen Punkbands. Textlich auch viel schlauer. Nach ein paar Monaten hat es klick gemacht und danach war ich sieben Jahre Straight Edge, Vegetarier bin ich durch die auch geworden. Mit denen zu spielen, das war einfach ein Traum.

Wie wird nach dieser EP das Album werden? Ist da mit Veränderungen zu rechnen?

Wir haben schon ein paar Songs fertig, aber das wird wohl noch bis nächstes Jahr dauern. Es bleibt melodisch und wird an manchen Stellen vielleicht sogar noch melodischer, aber die Extreme werden extremer. Die poppigen Parts werden noch poppiger und die harten Parts werden härter.

Bianca Hartmann

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #103 (August/September 2012)

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