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Interviews & Artikel

BIERSPECIAL: John Wright (NOMEANSNO)

B.Y.O. – Brew your own

In den USA gibt es eine lange Tradition des „Homebrewing“, weitaus mehr Menschen als hierzulande stellen in Badezimmer oder Keller ihr eigenes Bier her. Zutaten und Ausrüstung sind leicht zu bekommen, und der „Druck“, sich selbst mit leckerem Bier zu versorgen, war angesichts der laffen Plörre aus dem Supermarkt von jeher größer. John Wright von der kanadischen Band NOMEANSNO ist begeisteter D.I.Y.-Brauer und das ist auch im Bonusmaterial einer DVD seiner Band dokumentiert. Je nach Bundesstaat dürfen mehrere hundert Liter Bier pro Person ohne Besteuerung und rein zum Eigenkonsum gebraut werden, in Deutschland sind bis 200 Liter pro Haushalt erlaubt, zudem muss der Brauvorgang dem zuständigen Zollamt vorab angezeigt werden. Und bitte, kein Witz, die „Biersteuererklärung“ nicht vergessen ...

Wann und warum hast du begonnen, selbst Bier zu brauen?


Ich habe damit 1990 angefangen. Nachdem ich durch das Reisen und Touren in Europa eine Vorliebe für gutes Bier entwickelt hatte, wollte ich einfach nicht für importiertes Bier so tief in die Tasche greifen müssen, denn einen Großteil des Preises machen Steuern aus. Also sagte ich: Fuck the system! Und da ich so sparsam bin, dachte ich mir, dass ich doch genauso gut für wenig Geld selbst Bier brauen könnte. Es ist nicht nur billig, sondern es gibt in Kanada auch keine Steuern für Nahrungsmittel wie Getreide, Hopfen und Hefe. The system was fucked!

Im Interview in Ox #89 hast du gesagt, dass du ungefähr 35 Liter pro Monat braust und nur noch Bier kaufst, wenn du unterwegs bist. Bist du nach über 20 Jahren im „Homebrewing-Business“ immer noch so leidenschaftlich dabei?

Auf jeden Fall. Ich habe sogar ein Rezept für eine Brauerei in Quebec entwickelt. Das basiert auf dem Rauchbier aus Franken mit meiner eigenen kleinen Geheimzutat, die gegen das Reinheitsgebot verstößt. Noch einmal: Fuck the system!

Welche kleinen deutschen Brauereien kannst du empfehlen? Ich erinnere mich daran, dass du die fränkische Region rund um Bamberg für ihrer vielfältige „Brauerei-Szene“ liebst ...

Fuck the scene! Oh Verzeihung, ja. Ich bin ein Fan der Bamberger Brauerei Fässla. Ich habe es geschafft, Bamberger Pils-Malz zu bekommen, um mein eigenes Kellerbier zu entwickeln, ein Triumph! Tatsächlich trinke ich gerade eins beim Schreiben in meiner Hütte an der Sunshine Coast von British Columbia. Kurz bevor ich ankam, wurde ein Puma in meiner Auffahrt erschossen. Zwei Schüsse haben das Biest erledigt. Man muss immer zwei Mal schnell hintereinander schießen, denn man will es nicht nur verletzen und dann dafür büßen müssen. Ich mag dennoch keine Schusswaffen, lieber bringe ich die kleinste aller Kreaturen dazu, die süße Stammwürze in den Nektar der Götter zu verwandeln.

Braucht man zum Homebrewing ein bestimmtes Vorwissen?

Ein Sinn für die Qualität einfacher Zutaten und Spaß am D.I.Y. sind ein guter Anfang. Bier ist sehr versöhnlich, man kann brauen, wenn man die kleinsten Details beachtet oder auch wenn man gar nichts weiß. Man muss nur an eines denken: Respektiere die Hefe, gib ihr, was sie braucht, und sie wird ihre Arbeit machen.

Sind die Kosten für ein Homebrewing-Set und die Zutaten niedriger als Bier zu kaufen?

Man kann für das Equipment sehr wenig, aber auch sehr viel bezahlen, je nachdem, wie sparsam man ist. Aber wenn man dann einmal angefangen hat und langfristig sein eigenes Bier macht, dann ist das viel billiger, als das Bier im Geschäft zu kaufen. Das ist natürlich relativ, alkoholische Getränke sind hier viel teurer als in Europa.

Was macht ein gutes Bier für dich aus?

Kleine Mengen, ungefiltert. Nachgegoren, wenn es angebracht ist, und frisch, wenn es notwendig ist. Natürlich gegoren, ohne Zusätze. 6,5% Alkoholanteil nicht überschreitend, mit ein paar belgischen Ausnahmen.

In Deutschland bekommt man fast nur Bier der großen Markenkonzerne, wenn man ausgeht. Wie sieht die Situation diesbezüglich in Kanada aus?

Es gibt hier viele kleine Brauereien, die gutes Bier machen. Normalerweise sind es englische, irische, schottische und belgische Sorten, richtiges Lagerbier ist schwer zu finden. Wenn sie mal ein Pils brauen, dann meist nach tschechischer Art. So gut deutsches Bier auch ist, keiner hier schafft es, das nachzumachen, es ist ein Rätsel. Hefeweizen ist eine Biersorte, die hier oft „falsch“ interpretiert wird, aber es ist hier die gängigste deutsche Biersorte. Verdammt, in meinem Bier schwimmt eine Fliege ... Gerade heute habe ich eine neue Brauerei in Powell Rover an der Westküste von British Columbia besucht. Sie haben dort einen belgischen Braumeister und ihre Bierauswahl sieht so aus: „Blonde“ – ein irgendwie undefinierbares helles Bier, das wohl für Leute ist, die leicht einzuschüchtern sind und etwas „Unkompliziertes“ trinken wollen. Ich verstehe das nicht. Dann „Pale Ale“ – englischen Ursprungs und vermutlich die geläufigste Biersorte, die von kleinen Brauereien hergestellt wird. Das machen sie ziemlich gut. Sehr gut gegoren, intensive Farbe, 5% Alkoholgehalt und sehr vom Hopfen geprägt. „India Pale Ale“ – eine trendige Sorte, die von Engländern für den Export, vor allem nach Indien, entwickelt wurde. Der Malz- und Hopfengehalt, infolge auch der Alkoholgehalt, wurde im Gegensatz zu einem normalen Ale verdoppelt, somit stiegen auch die im Hopfen enthaltenen Konservierungsstoffe an. Das verhinderte, dass das Bier während der langen Reise verdarb. Mittlerweile gibt es die Sorte in verschiedenen Stärken und Rezepturen. Auch dieses Bier hat die Brauerei gut gemacht. Dann noch ein „Porter“ – wieder eine englische Sorte aus dem späten 19. Jahrhundert, die für die Arbeiterklasse gemacht wurde. Dunkel geröstetes Malz und eine Menge Alkohol, dem Starkbier ähnlich, aber stärker und süßer. Wie man sieht also kein gutes deutsches Pils. Zwei der Fähren hier an der Küste wurden in den Werften von Flensburg gebaut, jedoch haben sie vergessen, das Bier mitzubringen.

Ist Homebrewing sehr verbreitet in Kanada?

Relativ. Auf jeden Fall verbreiteter als in Deutschland, was auch Sinn ergibt. Ihr habt einfach eine Tradition in Bezug auf gutes und günstiges Bier.

Ist es in Kanada legal, selbst Bier zu brauen und auch zu verkaufen?

Es ist erlaubt, es für den privaten Gebrauch zu machen, aber nicht, es zu verkaufen. Dieses System muss mal gefickt werden! Wie in Italien ... mein Freund in Rom hat seine eigene Brauerei eröffnet und niemand stört ihn dabei. Nun, da das System unsere Unterhaltung mit Sicherheit überwacht, könnte ich in Gefahr sein und diskutiere das Thema lieber nicht weiter.

Der Biermarkt ist im Endeffekt ja auch nur eine weitere Indie-versus-Major-Sache: Einerseits predigen Punker und Punk-Clubs immer einen antikapitalistischen und alternativen Lebensstil, andererseits kaufen sie meist nur das Bier der Markenkonzerne. Sollte die Szene unabhängige Brauereien mehr unterstützen?

Die Punks sollten selbst unabhängige Brauer werden!

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #104 (Oktober/November 2012)

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