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Interviews & Artikel

BIERSPECIAL: POGORAUSCH

2004 wurde die Pogorausch GbR gegründet mit dem Ziel, Bier von Punks für Punks zu machen. Nach sieben Jahren musste das Unternehmen 2011 allerdings aufgrund fehlender Betriebsstrukturen und finanzieller Probleme die Segel streichen, als klar wurde, dass man sich als kleines, quasi Ein-Mann-Unternehmen nicht am Markt behaupten kann. Geschäftsführer und Lieferant Erich, Online-Shop-Betreuer Peter und Marcel aus dem Kreativteam sprachen mit uns über ihre Motivation, ihren damaligen Arbeitsalltag und darüber, warum das Projekt „Pogorausch“ nicht erfolgreich war.

Wer steckte hinter Pogorausch, wie kam es zur Gründung und welche Idee steckte dahinter?

Erich:
Es steckte eine Schnapsidee dahinter. Zehn Besoffene investierten 500 Euro und gründeten drauflos. Die Idee war, eine Biermarke für Punker zu haben, und wenn alle saufenden Punker mittrinken, von dem verdienten Geld Freikonzerte zu geben und irgendwelche Punkertreffen zu unterstützen. Chaos schaffen ohne Waffen, quasi.

Peter: Einige von uns waren in den Neunzigern Funktionäre der APPD, und als sich diese auflöste, suchten wir nach neuen Aktionsformen. Flugblätter, die man nach dem Lesen austrinken kann, das wollten wir haben. Für die Aktion „Saufen gegen die CSU“ im oberpfälzischen Schwandorf – wo die CSU das Trinken auf öffentlichen Plätzen verbieten wollte – habe ich Flugblätter auf Beck’s-Dosen geklebt. Die waren sehr beliebt. Also haben wir uns gedacht: das können wir auch richtig, gründen wir doch eine Firma. Das Ziel war für mich aber mehr politisch-satirisch als geschäftlich.

Marcel: Einige Gründungsmitglieder kamen aus dem Eck der fanatischen Einpeitscher der bayerischen APPD, andere stießen eher zufällig dazu und nicht alle kannten sich wirklich. Der Zufall und die Bekanntschaft mit Erich, der Schlüsselfigur, spielte eine große Rolle. Am Anfang waren wir zu acht, aber das dezimierte sich dann schnell, als klar wurde, dass manche das wirklich voll durchziehen wollen und es noch dazu mit Arbeit verbunden ist. Die Idee am Anfang war naiv und geil zugleich: Warum irgendwelche Konzerne mit der schier unendlichen Sauferei von Punks reich machen? D.I.Y.-Bier von Punks für Punks, mit Aktionen, Anarchie, Politkram und so weiter, so geisterte das auf jeden Fall in meinem Kopf herum, und der Versuch, das auch so zu machen, stand am Anfang, scheiterte dann allerdings an der Motivation samt Realität im Schlepptau.

Ihr hattet keine eigene Produktion, wo und von wem wurde euer Bier also gebraut?

Erich:
Das Bier wurde in einer kleinen Brauerei in Waldsassen gebraut.

Peter: Es handelt sich um die Ziegler-Brauerei.

Marcel: Hier lag schon der erste schwerwiegende Knackpunkt in unserer D.I.Y.-Kette: Wir haben das Bier zwar von einer kleinen Brauerei bekommen, aber eben nicht selbst gebraut, ein schwerwiegender Fehler im System. Noch dazu haben wir in unserem Größenwahn von einem deutschlandweiten Vertriebsnetz geträumt und vor allem Erich hat schwer versucht, dieses aufzubauen. Deshalb die strategisch günstige Lage von Waldsassen zwischen München und Berlin. Hahaha ... Dass man dafür das Bier erst einmal 490 Kilometer durch die Gegend kutschieren muss, um es überhaupt von Waldsassen in München zu haben, hat niemand wirklich durchgerechnet. Verdient haben an Pogorausch deshalb in erster Linie die Mineralölindustrie, Erichs Automechaniker, die Autoindustrie, die Brauerei in Waldsassen, der Staat – über die Steuern – und die Menschen, die die Rechnungen nicht bezahlt haben. Dabei haben wir mit der Rumfahrerei sehr viel für die Klimaerwärmung getan. Ich bin ja aus Altötting, da gibt es in den meisten Städten noch kleine, lokale Brauereien, die einen regionalen Markt versorgen, und das ist im Endeffekt tausendmal anarchistischer, manchmal sogar mit mehr Punkrock verbunden, als eine Marke auf den Markt zu werfen. Für mich ein sehr großer Hauptwiderspruch, der sich mit der Dauer von Pogorausch immer deutlicher herauskristallisiert hat. Und als Gegner des Lastenverkehrs ging es einfach gar nicht, für einen weiteren Kleintransporter auf der Straße verantwortlich zu sein.

Was macht für euch ein gutes Bier aus, warum habt ihr euren Bierlieferanten ausgewählt?

Erich:
Ein gutes Bier muss schmecken und seitens der Brauerei darf dort keine Ausbeutung betrieben werden. Wir nahmen die Brauerei wegen des Biers und weil die auch am Rande des Abgrunds standen. Wie bei uns wurde dort der Betrieb von wenigen Leuten ohne Geld geführt.

Marcel: Ich trinke regionales Bier, mittlerweile am liebsten das Steiner obergärige Weißbier. Das ist noch dazu alkoholfrei, hahaha. Die Sauferei geht mir bei einigen Leuten dermaßen auf den Sack. Wer zuviel säuft, wird bescheuert, das war mit Anfang 20 so für mich noch nicht abzusehen.

Was war „punk“ an eurem Bier, vom Etikett mal abgesehen?

Erich:
Wir haben es einfach getan, Struktur war keine vorhanden, aber dafür mehr Chaos, als es bei Punk üblich ist.

Peter: Das Etikett war ja gar nicht so punk, jedenfalls nicht das erste. Da wird zwar ein Punk mit Iro in Pogohaltung gezeigt, aber das Bild wirkt eher wie ein Clipart, nicht so original Punk-Style. Das ist mit dem zweiten Etikett, eine Netzstrumpf-Punkette mit Molli, schon viel besser geworden. Die ursprüngliche Idee, eine politische Message zu transportieren, wurde vom ersten Geschäftsführer abgelehnt, da der befürchtete, dann doch keinen Profit machen zu können. Obwohl der bald ging – es war schnell klar, dass man mit Pogorausch nichts verdient –, waren bereits unzählige Etiketten gedruckt, die als einzige politische Message den Spruch „Saufen gegen Rechts“ beinhalteten. Die Idee, verschiedene Motive auf die Kronkorken zu drucken und so Button-Bastelmaterial anzubieten, ist an den hohen Kosten für so etwas gescheitert. Man muss immer riesige Mengen bestellen. Sehr schnell also haben die wirtschaftlichen Realitäten uns den Punk-Zahn gezogen. Trotzdem würde ich sagen, dass wir von der internen Organisierung her punk waren. Wir waren nämlich gar nicht organisiert – weder eine betriebswirtschaftliche oder militärische Stab-Linien-Organisation noch eine hippiemäßige Plenum-Gelaber-Kultur. Natürlich gab es so eine „Tyrannei der Strukturlosigkeit“ – weshalb zum Beispiel Erich viel mehr arbeiten musste als die anderen, die man ja zu nichts zwingen konnte –, aber so ist das in der Punk-Szene ja auch oft.

Marcel: Punk waren wir und einige Aktionen, die wir gemacht haben, etwa der Pogorausch-Transporter auf der SiKo-Demo in München. Punk war auch, dass wir dabei nix verdient haben, sondern andere an unserer, in erster Linie Erichs Arbeit. Selbstausbeutung wird in manchen Punkrock-Kreisen ja groß geschrieben. Da waren wir gut drin.

Wie viel Arbeit war der „Pogorausch“, wie sah euer Arbeitsalltag aus?

Erich:
Täglich klingelte vielfach das Telefon wegen Bierbestellungen, waren genug Bestellungen für einen Laster da, habe ich geladen und das Bier ausgefahren. 10.000 Kilometer im Monat war anfangs der Schnitt. Dazwischen immer wieder zur Brauerei fahren und Nachschub holen. Dazu die Lager-Action, im Winter alles rein in die volle Bude, im Sommer wieder durchlüften. Alles ohne Stapler, Sackkarre oder irgendwas und in meiner Wohnung beziehungsweise Garten und Schuppen.

Peter: Nachdem der erste Geschäftsführer gegangen war, blieb die ganze Arbeit an Erich hängen. Im Grunde hat er den Laden alleine aufgebaut. Ich habe die Homepage gemacht und eine zeitlang auch den Online-Shop. Das hieß für mich nach der Arbeit an der Uni am Feierabend noch mal eine Stunde T-Shirts, Haarfarben und anderen Kram verpacken, Einzahlungen überprüfen, Kundenanfragen beantworten etc. Ich fand das schon anstrengend, obwohl Erich mehr Arbeit damit hatte. Marcel und Hubi haben Buttons und T-Shirts entworfen und zum Teil selbst hergestellt. Ann Dee hat die Buchhaltung gemacht. Aber außer Erich haben wir alle andere Beschäftigungen neben Pogorausch gehabt.

Wie schwer war es, ein neues Bier am Markt einzuführen und sich gegen die großen Konzerne durchzusetzen?

Erich:
Der Markt waren die Punks und an die Konzerne hatte ich nie gedacht, erst recht nicht an die Möglichkeit, da was zu reißen.

Peter: Es ist schon aufgefallen, dass gerade in München viele Läden an eine bestimmte Brauerei gebunden sind und unser Bier entweder gar nicht oder nur zu höheren Preisen als die Hausmarke verkaufen durften. Oft wurde unser „Pralles Pils“ in einer Kneipe nur dann verkauft, wenn man es als Gast explizit bestellte – wer ein Pils bestellte, bekam automatisch Beck’s. Selbst in ganz anarchistischen Läden, die uns im Grunde sehr sympathisch fanden und wohlgesinnt waren, gab es das Problem, dass Konzernbier für die auch billiger und schneller einzukaufen war. Bei Solikonzerten zum Beispiel blieb für die gute Sache mehr Geld beim Veranstalter, wenn er möglichst billiges Bier verkaufte. Damit wir so richtig billig hätten werden können, hätten wir auf Masse setzen müssen, und das setzt gigantische Investitionen voraus. Der Biermarkt ist stark umkämpft; dass man sich da nicht leicht halten kann, davor hatte uns die Brauerei schon bei der ersten Verköstigung gewarnt.

Zeitweise gab es euer Bier ja in vielen verschiedenen deutschen Städten zu kaufen. Wie habt ihr euch dieses Netzwerk aufgebaut?

Erich:
Ich bin einfach überall hingefahren, wo bestellt wurde. Jeder wollte das Bier haben, um sich ein Fläschchen ins Regal zu stellen. Dauertrinker gab es nur wenige, da musste man ja was dafür tun und das waren in jeder Stadt immer höchstens zwei Leute, die auch mal in die Hände spuckten. In Hamburg waren es mehrere, da klappt der Zusammenhalt am besten.

Peter: Ich kenne nur wenige der Verteilpunkte, die es im Norden gab, zum Beispiel in Hamburg oder in Berlin. Dort waren super Leute, die das Bier weiterverteilt haben. In Köln muss es das auch gegeben haben und anderswo, aber dort war ich selbst nicht. Das Netzwerk war ziemlich klein, wenn man es mit den Netzwerken der Plattenverkäufer oder Konzertveranstalter vergleicht, die den Kern der D.I.Y.-Szene ausmachten.

Zu welchem Zeitpunkt wurde euch klar, dass Pogorausch ein Minus-Geschäft war?

Marcel:
Sehr früh. Hahaha. Richtig durchgerechnet hat das eh niemals jemand. Aber es war sonnenklar.

Erich: Bei jedem Kassensturz war das klar. Wir hätten das schon schaffen können, aber nicht mit einem Fahrer und einem Lager. Unsere Kreativabteilung und unsere Ersatzfahrer schafften die Symbiose nicht mit der anstehenden Arbeit.

Peter: Da hat Erich schon Recht. Die Ideen und die Planung für Pogorausch fanden zu einem Zeitpunkt statt, als ich gerade etwas ziellos an der Doktorarbeit herumwurschtelte und viel Zeit hatte. Nur wenige Monate nach der Gründung von Pogorausch bekam ich dann die Chance, Vollzeit an der Uni zu arbeiten. Das wollte ich schon immer machen und habe es auch getan. Für Pogorausch blieben dann nur noch die Feierabende. Der Einzige, der sich ganz reinhing, war der Erich. Aber alleine lässt sich so eine Firma nicht stemmen. Allerdings glaube ich, dass mehr Fleiß unsererseits auch nichts geholfen hätte.

Warum konnte eure Firma nicht überleben? Stellt sich die Szene da selbst ein Bein, indem keine Rücksicht auf so kleine Marken genommen wird?

Erich:
Punker sind auch nur Konsumenten, das wurde schnell klar. Denen ist es doch egal, von welchem Stoff die Birne weich wird. Wir wurden innerhalb der Szene auf verschiedenste Weise auch direkt angegriffen. So waren wir für die Frankfurter Autonomen sexistisch, die Berliner wollten uns nicht reich saufen, die sahen immer nur das Geld – wir leider nicht –, dann mutierten wir irgendwann mal zu Nazis und was sonst noch an schwachsinnigen Gerüchten rumging. Der Weg zur Tanke oder dem Discounter war auch näher, und man konnte sich dort einzelne Flaschen sofort besorgen. Bestellungen wie „Liefer mir bitte morgen eine Kiste nach irgendwo“ bekam ich massig. Am Hirn hat es leider sehr gemangelt. Beck’s wurde weitaus besser angenommen und das trotz der Klage gegen die Band BECK’S PISTOLS. Die Norddeutschen wollen es herb, die Süddeutschen mild und überhaupt trinkt man das, was am billigsten ist und immer greifbar. Nicht mal alle Pogorauschler tranken unsere eigene Marke, auch da war bei einigen die eigene Karriere das Ziel.

Peter: Bier in der Gegend herumzufahren ist nicht sehr gewinnträchtig, vor allem, wenn man kleine Mengen auf eine große Gegend verteilt. Bier ist verderblich, flüssig, schwer, die Flaschen sind zerbrechlich, die Kästen teurer als der Pfand etc. Keiner von uns hat jemals einen genauen Überblick darüber gehabt, wie es finanziell steht – immer nur den Verdacht: nicht so besonders gut. Damit sich Bierhandel lohnt, braucht man eine gewisse Mindestgröße, oder einen regional stark eingeschränkten Handelsbereich. Später haben wir auch den Norden nicht mehr beliefert, am Schluss nur noch die Achse München–Stuttgart. Das sind die Szene-externen Faktoren. Dazu kommt, was Erich sagt: Punker sind auch nur Konsumenten. Die richtigen Hardcore-D.I.Y.-Typen brauen sich ihr Bier halt selbst. Ist vielleicht auch gescheiter, als bayrisches Bier nach Rostock zu liefern.

Marcel: Na ja, das lag weniger an der Szene als an unserem Konzept, das eben viel zu viele unpunkige, unökologische, unanarchistische Widersprüche in sich hatte.

Mit welchem Gefühl habt ihr eure Firma dann aufgelöst? Wart ihr enttäuscht von der Szene?

Erich:
Ich habe die Auflösung mit einem guten Gefühl empfunden. Endlich wieder mehr Freizeit und weniger Finanzsorgen. Von der Szene bin ich nicht enttäuscht, schließlich ist Arbeit doch scheiße. Ich habe einige klasse Leute kennen gelernt – die Stützen jeder Szene –, aber noch viel mehr Vollhorste, die nicht gerade mit Intelligenz gesegnet sind. Mit diesen Leuten schafft man kein übergeordnetes Projekt, und das ist eine Tatsache, keine Enttäuschung.

Peter: Ich hatte schon bei der APPD und in anderen Kreisen den Eindruck gewonnen, dass es in der Punk-Szene immer ein paar fähige Leute gibt und viele Mitläufer. Die APPD war im Grunde ein künstlerisch-subversives Projekt, dem es nicht geschadet hat, dass nur wenige wirklich kreativ waren und es getragen haben. Dass sie nicht so viel Profit gemacht hat, wie sie es als Kommerz-Partei offiziell wollte, hat zumindest den grandiosen Aktionen rund um die Bundestagswahl 1998 nicht geschadet. Als Firma hätte aber Pogorausch Gewinn machen müssen. Durchmogeln gibt es im Kapitalismus auf Dauer nicht. Und gerade als Alkoholverkäufer braucht man viele Leute, die sich schön langsam kaputt machen – oder schnell, mit unserem „Spirit of ’77“-Absinth. Das sind dann aber nicht die Checker, die es auf die Reihe kriegen, Szeneprojekte auch dann zu unterstützen, wenn es ein bisschen teurer ist oder man zwei Wochen auf ein paar Kästen Bier warten muss. Es würde mich zwar freuen, wenn auch der rauschorientierte Teil der Szene politischer und egalitärer wäre – aber ich gestehe auch jedem das Recht auf Faulheit und Nicht-Mitmachen zu, vor allem in der Punk-Szene. Und ein paar fanden uns ja auch aus politischen Gründen schrottig – allein die gebrochene Schrift auf dem Etikett und das T-Shirt mit den weiblichen Schamhaaren waren für manche echt unmöglich. Also enttäuscht bin ich eigentlich nicht, obwohl es besser hätte laufen können.

Wie schätzt ihr die Marktsituation heute ein? Muss man sich damit abfinden, nur Bier der großen Konzerne zu bekommen, wenn man ausgeht?

Erich:
Ja.

Peter: Zumindest in Bayern gibt es viele relativ kleine lokale Brauereien. Und es soll ja auch möglich sein, selbst Bier zu brauen. Man könnte also schon an anderes Bier kommen als an das der ganz großen Konzerne. Ob das aber für Konzertläden attraktiv ist, ist die andere Frage. Alle müssen aufs Geld schauen, und das Bier der Größten ist billig und überall erhältlich. Mit dem Essen ist es aber genauso: Brot kriegt man hauptsächlich von riesigen Konzernen, obwohl auch ein Bäcker um die Ecke es backen könnte – doch der kann mit Mietkosten etc. nicht mit dem Supermarkt mithalten. Und selber backen ist sehr zeitaufwändig. Wir leben im Konzentrations-Kapitalismus. Den müssen wir erst einmal zerschlagen, dann sehen wir weiter ...

Marcel: Nein. Braut es selber. Macht eine D.I.Y.-Brauerei, braut es in der Badewanne. Kauft bei der kleinen Brauerei eures Vertrauens. Und schaut vor allem, dass es in den Läden regionales Bier gibt. Niemand muss Konzern-Plörre saufen. Außerdem gibt es hervorragenden anarchistischen Wein und anderes Zeug. Gründet ein Kollektiv oder eine Genossenschaft – so was waren wir auch nie! – und kriegt den Arsch hoch.

Beschäftigt ihr euch nach der Auflösung von Pogorausch noch irgendwie mit dieser Thematik?

Erich:
Nein.

Peter: Ich trinke jetzt wieder die Biermarke, die schon meine Eltern tranken.

Marcel: Ich trinke täglich eine Flasche Steiner alkoholfreies Weißbier, obergärig, und schreibe gerade an einem Drehbuch, wo eine Gruppe Punks mit ihrer Bierfirma scheitert und dann die feindliche Übernahme einer Kleinstadt plant!

Christina Wenig

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #104 (Oktober/November 2012)

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