Interviews & Artikel : BONECRUSHER :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

BONECRUSHER

Flucht aus der bitteren Realität

Arschtritte verteilen BONECRUSHER nur zu gerne, sehen sie doch ihre Aufgabe darin, mit ihrer gut geölten Maschine eine Möglichkeit zur Flucht vor all dem Scheiß zu bieten, der einen wieder und wieder umgibt, seien es Arbeitslosigkeit, Armut, Wohnungsnot, Gewalt oder die politische Situation. Dabei versuchen sie weniger, in predigender Manier zu palavern oder die Heilung der Welt mittels ihrer Mission anzupreisen, sondern sprechen in der Sprache, die sie selbst auf der Straße und in ihrem Leben erfahren haben. Während dieser Satz bei zahlreichen anderen vermeintlich harten Jungs vor allem dem Klischee des Tough-Guy-Daseins zum Verkauf von Tonträgern dient, kommt dieses Gefühl bei BONECRUSHER zu keiner Zeit auf, wissen sie doch tatsächlich, wovon sie reden. Das war schon anno 1996 so, als sie ihre erste Siebenzollgranate „The Animal“ in den Punkrock-Schützengraben warfen und hat sich über die Jahre bis heute zu „Blvd. Of Broken Bones“ so gehalten. Dass sie es dabei leicht gehabt hätten, kann man kaum sagen, war doch der Ausstieg von Frontman Raybo 2001 nur einer der Schicksalsschläge, den die Band zu verkraften hatte und dem sie mit der Umbesetzung von Drummer Noah Lysek begegnete. Ein Schachzug, der damals nicht bei allen Verehrern der Band Anklang fand und immer wieder für Gesprächsstoff sorgte. 2012 schließlich kehrte Raybo aus dem hawaiianischen Exil zurück, um bei der aktuellen Platte mitzuwirken, die viele für die beste seit dem Jahrhundertepos „Working For Nothing“ halten, woraufhin Noah die Band verließ. Warum sich BONECRUSHER dennoch oder gerade deshalb noch immer von nichts jemals stoppen lassen werden, erzählte mir Mike Kanel.

Mike, BONECRUSHER haben in den letzten Monaten wieder stark an Fahrt aufgenommen, die neue Platte bekommt überall großartige Reviews, ihr habt eine erfolgreiche Deutschlandtour hinter euch und nicht zuletzt ist auch Raybo wieder an Bord. Wie blickt ihr auf diese Zeit zurück und was ist eure Meinung über die neue Platte, die viele als das ansehen, was sie eigentlich von „Followers Of A Brutal Calling“ erwartet hatten?


Es ist großartig, seit Raybo zurück ist, er ist einfach unser Sänger und war es auch immer. Die neue Scheibe lieben wir, da sie die Geschichte der Ereignisse in den vergangenen Jahren erzählt und wie sich diese Dinge heute darstellen, außerdem hat Raybo wie immer sein ganzes Herz in jeden einzelnen Song gesteckt. Ich bin nicht ganz sicher, was du bezüglich „Followers Of A Brutal Calling“ meinst, aber wir lieben auch diese Platte, da sie die Band zum damaligen Zeitpunkt dokumentiert und für das steht, woran wir glauben.

Inwiefern würdest du sagen, dass euer momentaner Erfolg auch der Rückkehr von Ray zu BONECRUSHER geschuldet ist, was entgegen der Gerüchte, die es diesbezüglich kurz davor gab, ja doch keiner wirklich erwartet hätte?

Na ja, Ray war für gute zehn Jahre von der Bildfläche verschwunden und wir haben als Band einfach versucht, so gut wie möglich ohne ihn weiterzumachen. Jetzt, da er wieder da ist, hat die BONECRUSHER-Music-Machine wieder zu ihren vollen Kraft zurückgefunden und wir haben das stärkste Line-up aller Zeiten. Es spielen momentan nur Leute in der Band, die schon immer zu BONECRUSHER gehört haben, weshalb wir bei jeder Probe wirklich Spaß haben und eine großartige Zeit miteinander verbringen.

Habt ihr euch jemals Gedanken darüber gemacht, was passiert wäre, wenn sich das Album als halbherzig und unfertig präsentiert hätte?

Ich denke nicht, dass man es verunsichert nennen kann, wenn man 13 Songs in zwei Tagen aufnimmt, ich denke also nicht. Wie immer standen wir zu 100% hinter dem, was wir getan haben und jeder, der das anders sieht, muss sich die Platte ja nicht anhören. Als Band machen wir uns niemals Gedanken darüber, was andere darüber denken könnten. Wir schreiben und spielen die Songs so, wie wir uns fühlen und es wollen, außerdem werden die Songs mit genau derselben rauhen Power aufgenommen, wie wir sie auch live spielen, es gibt keine Illusionen. Das, was du bekommst, ist das, was es ist, der Real Deal und kein Haufen Studiotricks.

Habt ihr, als Ray die Band 2001 verließ, jemals darüber nachgedacht, das Handtuch zu werfen, denn immerhin machen nicht viele Bands weiter, nachdem ihr Frontmann sie verlassen hat?

Niemals, BONECRUSHER ist eine Maschine, und hätte Noah nicht den Gesang übernommen, dann wäre ich an seine Stelle getreten. Jemanden von außerhalb der Band ans Mikro zu stellen, das wäre unser Tod gewesen, aber so haben wir die Band in der Hoffnung am Laufen gehalten, dass Raybo irgendwann zurückkehren würde, was ja nun auch letztendlich passiert ist.

Es gab damals viel Gerede über persönliche Differenzen, die einen unüberbrückbaren Graben zwischen euch und Ray geschaffen hätten, weshalb er nicht weitermachen wollte. Um was ging es dabei wirklich und wie habt ihr diese Differenzen beigelegt?

Es gibt da keine Geschichte. Es gab viele Missverständnisse darüber, was wirklich vor sich ging und wie mit bestimmten Dingen umgegangen wurde. Wir haben das aber alles hinter uns gelassen und geklärt. Jeder, der etwas anderes behauptet, weiß überhaupt nichts.

Was hat es damit auf sich, dass Raybo vor seinem Wiedereinstieg in der Band erst mal einige Zeit in den Knast musste?

Es gab einige Sachen, um die sich Ray erst einmal kümmern musste, die aber kein Hinderungsgrund für ihn waren, wieder in die Band zu kommen. Da es allerdings schwierig ist, Touren zu buchen oder das Land zu verlassen, wenn die Cops auf der Suche nach dir sind, war es in seinem eigenen Interesse, diese Dinge erst einmal zu erledigen. Jetzt ist alles wieder in bester Ordnung.

Um das Thema zu einem Abschluss zu bringen: Was waren die Gründe für Noah die Band zu verlassen? Seid ihr heute noch in Kontakt mit ihm oder gab es bei der ganzen Geschichte böses Blut zwischen euch?

Noah verließ die Band, nachdem wir ihm mitgeteilt hatten, dass Ray zurückkommen würde, obwohl wir wollten, dass er wieder an die Drums geht. Seitdem haben wir nicht mehr mit ihm gesprochen und ich habe auch keine Ahnung, was er momentan so treibt. Ich denke, dass er sich wünscht, immer noch in der Band zu sein, denn er war ja viele Jahre ein Teil von uns und hat uns auch durch die harten Zeiten begleitet, wofür wir ihm noch immer dankbar sind, denn ansonsten hätte die Band bei Raybos Rückkehr wahrscheinlich überhaupt nicht mehr existiert.

Soweit ich weiß, plant ihr, für euren alten Kumpel Rick Hostage eine neue 7“ aufzunehmen, gibt es da schon etwas Konkretes zu sagen?

Wir haben schon darüber gesprochen, es wird also wahrscheinlich bald ein Hostage-Release geben. Geplant ist außerdem, etwas für Longshot Records aufzunehmen, etwas mit Knock Out Records zu machen und mit einigen raren BONECRUSHER-Songs auf diversen Compilations vertreten zu sein.

Ich nehme an, dazu zählt dann auch das COCKNEY REJECTS-Cover „Where the hell is Babylon“, das ihr in seiner Surf & Destroy Radioshow gespielt habt?

Um ehrlich zu sein, habe ich die Show, glaube ich, noch nie gehört, aber der Song sollte im Dezember 2012 auf der „Respect Your Roots“-Compilation vertreten sein, welche von Roger Miret und Onno Cromag zusammengestellt wurde und bei Strength Records erscheint. Viele große Bands werden dort vertreten sein, weshalb es sich sicher lohnt, sich das Teil zu besorgen. Weiterhin werden wir auch auf einer Compilation, die Matt von NOISE zusammenstellt, vertreten sein, die eigentlich auch bis Ende 2012 erschienen sein sollte.

Ein passenderes Cover als die COCKNEY REJECTS hättet ihr ja kaum wählen können, denn zusammen mit dem CHELSEA-Cover „Right to work“ auf der „Working For Nothing“-LP sind damit eure Einflüsse und Ideale recht gut zusammengefasst. Obwohl ihr nicht direkt wie diese Bands klingt, bleibt das Gemeinsame doch das Arbeiterdasein, sich durchboxen müssen, rücksichtslos für die eigenen Werte eintreten ...

Diese Bands repräsentieren die Musik, mit der wir aufgewachsen sind und nach der wir unser Leben gestaltet haben. Was gibt es schon Besseres als einen guten alten Oi!-Song, der Spaß macht und dafür sorgt, dass du dich gut fühlst, auch wenn man so manchmal dazu angestachelt wird, Scheiße zu bauen und Krawall zu schlagen, haha, unschlagbar. Du musst das, was du tust, einfach lieben, das ist alles.

Da ist es nicht überraschend, dass das Oi!-Label auch für euch regelmäßig Verwendung findet. Denkt ihr, dass das passend ist für BONECRUSHER?

Ich bin seit ungefähr 1980 ein Fan des Oi!-Sounds, und wenn du dann noch einfachen Rock’n’Roll spielst und über die ständigen Kämpfe und Anstrengungen des Lebens singst, dann hört es sich einfach so an. Die Welt muss immer eine Schublade finden, in die sie dich sicher einsortieren kann, und ich denke, dass wir in diese Schublade passen. Wir lieben es, über die alltägliche Frustration zu singen und den Leuten mit unseren Worten Hoffnung zu geben, ihnen zu zeigen, dass sie eine gute Zeit haben können, ganz gleich, was sich ihnen in den Weg stellt. Es geht um das Überleben, denn unser Leben ist das, was es ist, gut oder schlecht. Lass es Oi! sein und lass es Rock sein ...

Was die Rücksichtslosigkeit betrifft, so waren BONECRUSHER eine ganze Zeit lang für ihre Shows gefürchtet, da es bei diesen immer wieder zu Gewalt kam, weshalb ihr auch Spielverbot in diversen Läden in O.C. erhalten habt. Wo seht ihr die Gründe dafür?

Deine Aktionen und die Musik hinter ihnen werden immer auch eine Reaktion nach sich ziehen, die sich in Gewalt oder Freude äußern kann. Ich habe mich ursprünglich einmal von Punk und Oi! angezogen gefühlt, weil es sich wie mein Leben anhörte und ich mich in den Songs wiederfand. Musik ruft bei Menschen die unterschiedlichsten Emotionen hervor und manche unserer Songs sind halt stark durch das Gefühl von Wut geprägt, weshalb die Leute darauf mitunter entsprechend reagieren, um sich für diesen einen Moment besser zu fühlen und Spaß zu haben.

Denkst du, es ist ein Zeichen der Zeit, dass die Leute aufgrund des zunehmenden Gefühls von Ausweglosigkeit immer mehr Wut anstauen, die sie irgendwie rauslassen müssen, mit euch als Soundtrack dafür?

Ja, absolut, es ist wirklich für die Leute gedacht, die das verstehen und nachvollziehen können. BONECRUSHER haben viele unterschiedliche Fans aus allen Bereichen, aber die eine Sache, die sie alle gemeinsam haben, ist, wie sie sich fühlen. In der heutigen Zeit zu leben, heißt mit einer katastrophalen Beschäftigungssituation zu leben, mit miserablen Wohnbedingungen, mit wenig Geld und mit einer weltweiten politischen Lage, die sich immer mehr in Scheiße verwandelt. Wenn du dich in einer solchen Situation befindest, dann brauchst du einen Soundtrack, der dir dabei hilft, all dem für einen Moment zu entfliehen, und wir hoffen, dass wir das bieten können, eine zeitweise Flucht aus der bitteren Realität.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands hat man bei euch nicht das Gefühl, dass einem diesbezüglich etwas vorgemacht wird, denn eure Songs handeln alle von Geschichten, die auch die dunklen Seiten nicht ausblenden, von denen ihr auch in eurem eigenen Leben mehr als genug erfahren habt. Seid ihr dadurch gewachsen oder würdet ihr euch manchmal wünschen, diese wären euch erspart geblieben?

Bands sollten denjenigen, die sie hören, niemals etwas vormachen. Wir werden nicht dadurch angetrieben, dass wir in einer Band und berühmt sein wollen, für uns geht es um Musik als Weg und Ventil für deine alltäglichen Frustrationen, und man kann dabei hören, ob jemand die Wahrheit erzählt, da sich das auf die Songs und die Musik überträgt. Ich selber würde auch an meiner eigenen Vergangenheit nichts ändern wollen, was, so denke ich, auch für den Rest der Band gesagt werden kann. Die Erfahrungen, die du im Leben sammelst, machen dich zu dem, was du bist. Es ist dumm, zu verleugnen, wer du bist und woher du kommst, auch wenn es in unserem Fall verblüffend ist, dass wir bei all dem, was wir durchgemacht haben, überhaupt noch am Leben sind.

[b]Wird man denn aber, wenn man, wie der Großteil von euch, langsam auf die fünfzig zugeht, nicht irgendwann müde, ständig wütend zu sein, oder denkst du, dass das einfach dazugehört, dass es notwendig ist?[b]

Diesbezüglich habe ich schon gewonnen, denn ich bin fünfzig und fühle mich wirklich gut, was die meisten Dinge meines Lebens angeht. Das Leben wird dir aber immer einen Teller mit Scheiße servieren, um dich anzupissen, und ich glaube auch nicht, dass das irgendwann mal aufhört. Diese einfache Tatsache treibt mich auch an, wenn ich Songs schreibe oder sie auf der Bühne spiele, denn wer will schon irgendwelchen überladenen Scheiß hören, haha.

Dirk Klotzbach

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #106 (Februar/März 2013)

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