Interviews & Artikel : Max Power (MONTREAL) :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

Max Power (MONTREAL)

My Little Drummerboy – Folge 17

Gute Schlagzeuger gibt es ja wie Sand am Meer und umso schwieriger ist es da, am hinteren Bühnenrand vom Publikum noch irgendwie bemerkt zu werden. Ein klasse Timing genügt schon lange nicht mehr, denn der tollen Drumtechnik wegen wenden nur die wenigsten Besucher eines Gigs ihre Aufmerksamkeit von den Frontakteuren einer Band ab. Was also tun, wenn man als Drummer mehr sein möchte als nur der Motor im Hintergrund? Max Power von MONTREAL hat da seine ganz eigene Mischung aus Show-Elementen und beeindruckendem Trommelstil entwickelt, so dass er ohne Frage ein würdiger Nachwuchskandidat für unsere Serie ist.

Bist du schon als kleines Kind deiner Mutter auf die Nerven gegangen, weil du überall auf allem herumgetrommelt hast?


Wie viele andere auch, wurde ich in der Kindheit zur Teilnahme am Blockflötenunterricht genötigt, schaffte aber immerhin irgendwie den Absprung, bevor es mit der Altflöte losging. Spätestens da war für mich klar, dass Musikinstrumente und ich lieber getrennte Wege gehen sollten. Ab und an sammelte ich aber trotzdem draußen ein paar Eimer und einen Lampenschirm zusammen und haute im Garten mit Stöcken darauf herum. Sobald mich jemand bemerkte, hörte ich schnell auf, weil mir das peinlich war. Insofern bin ich meiner Mutter damals eher nicht auf die Nerven gegangen. Das kam dann später.

Wie und wann bist du zu deinem ersten Schlagzeug gekommen?

So etwa mit 14 Jahren sahen sich meine Eltern aufgrund überhandnehmender Aktivitäten im örtlichen Fußballverein, mit mäßigem Erfolg natürlich, gepaart mit unterirdischen schulischen Leistungen, zum Handeln gezwungen. Die Idee war, mich durch das Erlernen eines Instrumentes vom Fußball wegzubekommen und meine schulischen Leistungen zu verbessern. Genial. Auf die Frage, ob ich nicht noch einmal ein Instrument lernen möchte, antwortete ich, dass das einzige Instrument, das ich jemals lernen würde, das Schlagzeug sei. Ich sagte das, weil ich mir sicher war, dass meine Eltern da nie mitmachen würden. Sie stimmten sofort zu. Bei der Suche nach einem geeigneten Instrument blätterte ich mich durch einige Hochglanzkataloge und hatte mir im Geiste schon das passende Instrument in „light blue“ zurechtgelegt. Wenn schon, denn schon ... Mein Vater konterte eiskalt mit einem Zeitungsinserat: „Gebrauchtes Schlagzeug zu verkaufen. VB 400 DM.“ Na ja, was wir vorfanden, war eine ahnungslose ältere Frau und einen Haufen Schrott in der dunklen Ecke eines Kellers. Der Frau war das unangenehm, für so etwas Geld zu nehmen, und schenkte uns schließlich den Krempel. Mein Vater gab ihr Anstandsweise 50 Mark und ich hatte ein eigenes Instrument.

Wie lange kann man sich für ein Schlagzeug begeistern, ohne schon eine eigene Band zu haben, oder hast du zunächst erst mal Unterricht genommen?

Das ist ein bisschen wie mit der Masturbation. An sich eine tolle Sache, macht Spaß, aber irgendwann willst du dann halt auch mal Sex oder zumindest Petting. Ich hatte zuerst circa ein Jahr Unterricht und habe dann mit einem Schulfreund versucht, so etwas wie Musik zu fabrizieren. Später wurde irgendwann eine

Welche Platten haben dich als Jugendlicher dazu gebracht, unbedingt trommeln zu wollen, und welchen älteren Kollegen hast du damals nachgeeifert?

„Dookie“ von GREEN DAY und „Smash“ von THE OFFSPRING waren gerade total angesagt und haben mir entschieden geholfen, von Marusha und MO-DO wegzukommen. Natürlich haben wir neben „Smells like teen spirit“ und „Creeping death“ überwiegend Songs dieser Bands gecovert. Mir ging es da aber eher um die Musik an sich als um irgendwelche Personen. Mein Schlagzeuglehrer schleppte mich damals zu einem Schlagzeuger namens Terry Bozzio. Sein Schlagzeug wirkte so groß wie ein Einfamilienhaus und er spielte, als hätte er acht Arme. Ich wollte direkt hinschmeißen. Bei einem METALLICA-Konzert sah ich dann diesen etwas zu kurz geratenen Typen in Calvin-Klein-Unterhose, der eher durch Hyperaktivität als durch sein Schlagzeugspiel auffiel. Die Richtung stimmt, dachte ich mir.

War dir damals schon klar, in welche musikalische Richtung deine Band mal gehen sollte?

Meine Lieblingsbands kamen überwiegend aus dieser California-Pop-Punk-Ecke und ich wollte eigentlich immer Musik in dieser Richtung machen. Es gab aber mal eine kurze Zeit, in der ich davon träumte, in einer Heavy Metal-Band zu spielen. Mit großem Schlagzeug und dem ganzen Kram. Aber das hat sich ja zum Glück zerschlagen.

Wie lange hat es von der Gründung deiner ersten Band gedauert, bis du dich das erste Mal auf eine Bühne getraut hast?

Kurz nachdem ich mich der Band angeschlossen hatte, sollten wir auf dem Schulfest auftreten. Da ging mir schon die Düse, zumal der Gedanke, selber auf einer Bühne zu stehen, jenseits meiner Vorstellungskraft lag. Der Auftritt wurde zum Glück abgesagt. Nach etwa einem Jahr bekamen wir dann einen Proberaum im Keller des Jugendzentrums und mussten somit nicht mehr in der Schule proben. Eine der Bands, die dort auch einen Proberaum hatten, suchte zufällig noch eine Vorband für ein anstehendes Konzert. Sie standen plötzlich in der Tür und uns blieb nichts anderes übrig als zuzusagen.

Heute ist dir auch das Show-Element bei den MONTREAL-Auftritten sehr wichtig. Wolltest du schon immer mehr sein als nur der unscheinbare Motor im Hintergrund?

Als ich anfing, Konzerte zu spielen, habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass es mich langweilt, die ganze Zeit nur auf einem Hocker zu sitzen und den Kram einfach herunterzuspielen. Eines Tages hab ich dann angefangen, beim Spielen und zwischen den Songs spontan aufzustehen oder irgendwelche Aktionen zu starten. Ein Schulfreund zeigte mir, wie man einen Schlagzeugstick in der Hand drehen kann, das habe ich dann tagelang geübt, um es in die Show einzubauen. Mit der Zeit hat sich das alles verselbstständigt. Für mich hat das Spielen eines Konzertes auch etwas von Theater oder Zirkus. Heimlich träume ich übrigens von einem Trampolin oder einer Menschenkanone auf der Bühne.

Hast du manchmal den Wunsch, ganz vorn im Rampenlicht zu stehen und deine eigenen Songs zu singen?

Ich denke, es reicht, mich nahezu talentfrei auf Felle schlagen zu lassen und mit einer Band durch die Lande zu scheuchen. Da sollte man mal die Kirche im Dorf lassen und den Spatz nehmen. Ehrlich gesagt, fällt mir aber auch kein anderes Instrument ein, das mich reizen würde. Es ist mir bis heute unbegreiflich, wie man mit fünf Fingern irgendwelche Bünde greifen kann, ohne das es aussieht, als ginge es um Leben und Tod. Viel zu anstrengend. Vom Singen will ich gar nicht erst reden. Das Einzige, was mich am Singen reizen würde, ist der schnelle Abbau. „Die Welt ist noch nicht für dich bereit“, haben die bei „Voice of Germany“, glaube ich, mal zu jemand gesagt.

Inwieweit bist du als Drummer in das Songwriting bei MONTREAL eingebunden?

Selbstverständlich habe ich alle Songs alleine geschrieben, das weiß aber keiner. Theoretisch könnte ich mir auch vorstellen, dass man sich im Proberaum trifft, der Gitarrist oder der Bassist eine Melodie dabeihat und man daraus dann gemeinsam einen Song bastelt. Äh, wie war das doch eben noch mit den Bünden und den fünf Fingern?

Musst du immer noch deine Sticks, Felle und zerdroschenen Becken selbst neu kaufen oder hast du mittlerweile einen guten Endorsement-Vertrag?

Das Endorsement ist eine wirklich sehr angenehme Nebenerscheinung des Ganzen. Im Laufe der Zeit hatte ich das Glück, Kontakt zu einigen netten Menschen zu erhalten, die mir vieles, was ich so brauche, zu einem guten Kurs besorgen. Ich bin denen wirklich sehr dankbar. Wenn ich an mein erstes Schlagzeug denke, ist es schon komisch, wenn man sich heutzutage sein Instrument einfach bauen lässt.

Nachdem du früher viel Metal und California-Zeugs gehört hast, wer sind für dich heute die Schlagzeuger, deren Fähigkeiten dich begeistern beziehungsweise dich verzweifeln lassen?

An Travis Barker von BLINK-182 führt da sicherlich kein Weg vorbei. Ich mag seine Spielweise sehr und wahrscheinlich hat er mich auch ein Stück weit beeinflusst. Mir fällt allerdings kein Schlagzeuger ein, der mich zur Verzweiflung bringen würde. Sehr gute Schlagzeuger gibt es wie Sand am Meer und alle haben wohl auch Anerkennung verdient. Für mich ist es allerdings viel wichtiger, ob jemand Ausstrahlung hat und beim Spielen so etwas wie Leidenschaft und Emotionen vermittelt.

Live und Studio sind ja zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. Wo liegen für dich die Unterschiede, was liegt dir mehr am Herzen?

Im Studio muss möglichst alles perfekt sein, denn das Ergebnis soll ja gut werden. Du sitzt alleine in einer Kabine und trommelst so lange an einem Song, bis alles passt. Dabei weißt du nicht, wie der fertige Song dann letztendlich klingt. Alles dauert ewig. Das erwähnte „Show-Element“ kommt auch relativ kurz, denn wenn du irgendwas verstellst, bekommst du den blanken Hass des Produzenten zu spüren. Live passiert vieles spontan, es geschehen unvorhergesehene Dinge und im Idealfall hast du ein Publikum. Darüber hinaus kommt man viel herum, lernt viele Leute kennen und braucht sein Bier nicht zu bezahlen. Beides ist natürlich wichtig. Live zu spielen macht uns allen aber wesentlich mehr Spaß und ist der Grund, warum wir Musik machen. Die Arbeit im Studio gilt eher als notwendiges Übel. Alle sind froh, wenn es vorbei ist und man mit den neuen Songs auf die Bühne kann.

Gibt es neben dem Punkrock Marke MONTREAL noch andere Musikstile, die du gerne mal ausprobieren oder aufnehmen würdest?

Grundsätzlich habe ich da keine genauen Vorstellungen. Solange es Spaß macht, könnte ich mir erst mal vieles vorstellen.

Max, vielen Dank für deine Zeit und wir wünschen dir viel Spaß bei der Umsetzung der „menschlichen Kanone“.

Christoph Lampert

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #106 (Februar/März 2013)

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