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Interviews & Artikel

BABOON SHOW

Nieder mit der Bourgeoisie!

Vor Kurzem ist mit „People’s Republic Of The Baboon Show Formerly Known As Sweden“ das mittlerweile fünfte Album der schwedischen Rabauken THE BABOON SHOW erschienen. Grund genug für ein Gespräch mit Gitarrist Håkan Sörle, in dem es um feiernde GIs, verlorene Zähne, Politik, Wochenenden in schwedischen Ferienhäusern, Fernet Branca und die BEATLES ging.

Håkan, ich bin ja ehrlich gesagt erst mit eurem vierten Album „Punkrock Harbour“ auf euch aufmerksam geworden. Euch gibt es aber bereits seit 2003 und ihr habt zuvor schon drei Alben in Schweden veröffentlicht. Wie ist es um euren Status in eurer Heimat bestellt?


Ich denke, dass die meisten Punkrocker in Schweden THE BABOON SHOW kennen, aber Schweden ist ja auch ein kleines Land, haha. Unsere Debütsingle „Boredom Boredom Go Away!“ ist damals direkt nach dem Release vom schwedischen öffentlich-rechtlichen Radio gespielt worden, und in den Jahren danach hatten wir noch drei weitere Songs, die regelmäßig im Radio gespielt wurden. Den richtigen „Durchbruch“ hatten wir allerdings erst mit „Punkrock Harbour“. Damit wurden wir vom öffentlich-rechtlichen Radio für eine Auszeichnung mehrerer schwedischer Indielabels als „bester Rock-Act“ nominiert. Gut, am Ende haben wir zwar nicht gewonnen, aber was soll’s. Mit dem neuen Album sieht es auch schon recht gut aus: Wir bekommen gute Reviews und die Anfrage nach Shows, die wir spielen sollen, ist auch gestiegen.

Ich persönlich bin ja ein wenig in euren Song „Dancehall killers“ verliebt. Ich frage mich, um was es in dem Song geht? Die Textzeile im Refrain „How can we dance when the dancefloor is filled with killers“ lässt vermuten, dass es um „violent dancing“ auf Konzerten geht.

Schön, dass dir die Nummer gefällt. Aber es geht nicht um „violent dancing“, vielmehr handelt der Song vom Ausgehen und Spaß haben in einer Disco. Leider endet die Party sehr plötzlich an dem Punkt, an dem US-Soldaten die Disco betreten und ihre „Erfolge“, nämlich die Anzahl ihrer Tötungen des Tages, feiern.

Na, da habe ich wohl gehörig daneben gelegen. Dennoch: Welche Erfahrungen habt ihr mit aggressivem Verhalten auf Konzerten gemacht?

Es kann schon manchmal zum Problem werden, wenn Fans auf die Bühne kommen und tanzen. Meistens geht allerdings alles gut, zumindest unsere Fans sind nicht sonderlich aggressiv. Allerdings hat Cecilia bei einem solchen Vorfall mal ein paar Zähne verloren, als ihr ein Mikro ins Gesicht gekracht ist.

Ihr seid ja eine ausgewiesen „politische Band“ und äußert euch in euren Texten kapitalismuskritisch. Wie ist es aktuell um den Sozialstaat Schweden bestellt? Ihr habt derzeit eine konservative Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Fredrik Reinfeld, die rot-grüne Opposition scheint mir jedoch im Aufwind zu sein. Wie positioniert ihr euch da als Band? Würdet ihr Wahlkampf für einen Regierungswechsel machen?

Was ist Schweden? Wer ist Fredrik Reinfeldt? Alles Vergangenheit. Der Name des neuen Staates lautet „People’s Republic Of The Baboon Show Formerly Known As Sweden“. Haha. Nein, im Ernst: Auf Schweden muss man zur Zeit nicht stolz sein. Unsere Regierung ist derzeit dabei, das ganze Land nach und nach an ausländische Investoren zu verkaufen. Schweden ist inzwischen der am meisten deregulierte Staat der Welt. Unser Albumtitel ist daher als Witz über die derzeitigen schlimmen Verhältnisse in Schweden zu verstehen, insoweit als dass unser Heimatland inzwischen tatsächlich einen anderen Namen haben sollte, zum Beispiel „Capitalist’s Monopoly Of Fredrik Reinfeldt’s Friends Formerly Known As Sweden“. Zu deiner weiteren Frage: Wir fühlen uns von keiner Partei in Schweden richtig vertreten, hassen aber die aktuelle bürgerliche Regierung und wünschen sie zum Teufel. Das ist übrigens das Problem von Demokratie oder besser: liberaler Demokratie: Die Regierung wurde zwar gewählt, aber sehr viele Schweden sind nicht mit ihrer politischen Arbeit zufrieden. Dafür sehen Reinfeldt und seine Schergen gut aus in den Medien – genau wie Arnold Schwarzenegger seinerzeit in den USA, haha. Manchmal unterstützen wir sympathische politische Parteien oder spielen bei Veranstaltungen zum 1. Mai. So sind wir als Band zum Beispiel schon aufgetreten auf Veranstaltungen der Vänsterpartiet, der größten Linkspartei Schwedens, und der Kommunistiska Partiet, also einer kommunistischen Partei.

Generell scheint es den skandinavischen Staaten ja finanzwirtschaftlich noch einigermaßen gut zu gehen. Dennoch habt ihr in Schweden auch mit einer relativ hohen Arbeitslosenquote von circa 8% zu kämpfen. Betreibt ihr die Band in „Vollzeit“ oder geht ihr noch normalen Jobs nach?

Die sozialwirtschaftliche Lage in Schweden ist leider längst nicht mehr so rosig wie einst. Ein Beispiel: Wenn du ernsthaft krank bist und operiert werden musst, wird dir noch geholfen. Bei kleineren Erkrankungen hingegen bekommst du kaum noch Leistungen beziehungsweise Unterstützung aus der staatlichen Krankenversicherung. Leben können wir von der Band natürlich nicht. Hör mal, wir sind eine Punkband in Schweden! Es ist unmöglich, davon zu leben. Wir haben also alle noch „normale“ Jobs, die Band hat trotzdem die höchste Priorität. Und wir sind natürlich froh, dass wir dank der Unterstützung der Fans in Schweden und im übrigen Europa regelmäßig Platten aufnehmen und touren können.

Zurück zur Musik: Es fällt euch offenbar recht leicht, neue Songs zu komponieren: fünf Alben in acht Jahren sind absolut beeindruckend. Insbesondere dann, wenn es niveautechnisch keine Ausfälle gibt.

Danke fürs Kompliment. Um ehrlich zu sein, der Songwritingprozess für „People’s Republic ...“ hat dieses Mal wesentlich länger gedauert als in der Vergangenheit. Wir waren mit den Songs auf „Punkrock Harbour“ derart glücklich, dass wir ernsthaft darüber nachgedacht haben, kein weiteres Album aufzunehmen. Wir haben uns monatelang mit der Frage beschäftigt, ob wir in der Lage sein würden, unser Songwriting noch einmal zu verbessern. Die damit einhergehende Unsicherheit hat uns letztlich dann doch besser gemacht, würde ich sagen, wenn ich mir die neue Platte anhöre, haha. Ich hoffe, die Hörer der Scheibe werden das genauso sehen. Wir freuen uns schon sehr, die neuen Songs live zu spielen. Die anstehende Deutschlandtour im April wird für uns das Highlight des Jahres 2013.

Beeindruckend finde ich insbesondere euer Gespür für Ohrwurmrefrains. Bei der Bandkonstellation zwei Männer/zwei Frauen könnte man euch insoweit glatt als die ABBA des Glampunk bezeichnen. Wie schreibt ihr eure Songs: Gemeinsam im Proberaum?

Als damals das Songwriting für „Punkrock Harbour“ anstand, haben wir erstmalig versucht, die Songs für diese Platte zusammen zu komponieren. Dazu haben wir uns für ein Wochenende im Ferienhaus von Cecilias Mutter außerhalb von Stockholm einquartiert. Aber das hat nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten. Einzig der gemeinsame Konsum von Bier und Wein hat geklappt, sonst haben wir an dem Wochenende nichts auf die Reihe bekommen. Für die neue Platte haben wir das wieder probiert, aber das Ergebnis war das Gleiche. Ich glaube, die Idee, Songs gemeinsam „workshopmäßig“ zu schreiben, hat sich damit erledigt, haha. Normalerweise komme ich mit einem Riff oder auch schon einem ganzen Song, ohne Lyrics, im Proberaum an und wir arrangieren das Ganze dann zusammen. Was die Lyrics betrifft: Manchmal habe ich einige Textideen, die Cecilia und/oder Niclas dann verwenden und komplettieren. Die meisten Texte schreibt allerdings Cecilia.

Auch eure Qualitäten als Live-Band werden gemeinhin gelobt. Ich habe mich selbst noch nicht davon überzeugen können. Seid ihr auf Tour nach den Shows eher zurückhaltend oder durchaus Party-Sympathisanten?

Unsere Party-Ambitionen nach einer Show sind eigentlich immer abhängig von unserer Verfassung und Stimmung. Da wir das Tourleben jedoch lieben, sind wir meistens bester Stimmung, so gesehen gibt es schon eine Menge Party auf Tour, haha.

Was tut Cecilia während einer Tour für ihre Stimme? Ihr Gesangsstil scheint mir ja durchaus belastend für die Stimmbänder zu sein.

Cecilia klingt eigentlich immer heiser, das ist schlicht ihre normale Stimme. Ob sie spricht oder singt, macht keinen Unterschied. Einmal, vor einer Show in Umeå, hat sie tatsächlich zum ersten Mal ihre Stimme verloren – wenige Stunden vor dem Konzert. Es kam nur noch Luft aus ihrem Mund, wenn sie versucht hat zu sprechen. Sie hat es dann mit Fernet Branca versucht ... und schwups kehrte ihre Stimme zurück. Das war wie ein kleines Wunder. Seitdem haben wir immer Fernet Branca auf unserem Tourrider. Im Übrigen kommt es wesentlich häufiger vor, dass Niclas und ich während einer Tour unsere Stimmen verlieren, weil wir dem guten deutschen Bier und Schwarzer-Krauser-Tabak zu sehr zugesprochen haben.

Was ist die dämlichste Frage, die dir je in einem Interview gestellt wurde?

Aus eigener Erfahrung fällt mir gerade keine dumme Frage ein. In einer schwedischen TV-Show wurde Cecilia aber mal gefragt, wie sie zu ihrer ungewöhnlichen Stimme gekommen ist. Bevor die Gute antworten konnte, fügte die Moderatorin noch hinzu, dass Cecilia klinge wie Bengt Magnusson, ein bekannter, über sechzigjähriger schwedischer TV-Moderator. Daraufhin wusste Cecilia nicht mehr, was sie sagen sollte, und saß ziemlich sprachlos im Studio, haha.

Und welche Frage beziehungsweise welches Statement würdest du gern einmal hören?

Hm, ich weiß nicht so recht ... Ich würde ich mich freuen, wenn mich mal jemand fragen würde, ob ich die BEATLES mag. Ich mag sie nämlich überhaupt nicht – zu nett, zu viel Hirn, keine Eier. Einzig John Lennon war okay. Als Statement über THE BABOON SHOW würde mir Folgendes gefallen: Die Band hat härter gearbeitet als viele andere und sie hat mehr zu sagen, als nur plump über Liebe zu singen.

Christian Krüger

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #107 (April/Mai 2013)

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