Interviews & Artikel : LINEA ASPERA :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

LINEA ASPERA

Minimal Darkwave für Hobbyorthopäden

In den letzten Jahren gab es im Bereich Cold Wave, Minimal Wave und Minimal Synth zahlreiche herausragende Acts wie XENO & OAKLANDER, SIXTH JUNE, LEBANON HANOVER, TROPIC OF CANCER, TEARIST, TRUST oder COSMETICS. Das Londoner Duo LINEA ASPERA – der medizinische Begriff für eine Knochenleiste des Oberschenkelknochens – zählt mit seinem kürzlich veröffentlichen Debütalbum zu den packenderen Vertretern aus diesem Bereich und besticht durch den glasklaren Gesang von Alison Lewis und die elektronischen Soundscapes von Ryan Ambridge, die stark an die analoge Musik der frühen Achtziger erinnern. Kurz nachdem LINEA ASPERA vom „Grauzone Festival“ in Amsterdam zurückkehrten, bei dem sie gemeinsam mit Bands wie A CERTAIN RATIO, THE CHAMELEONS VOX, LEBANON HANOVER, ECHO & THE BUNNYMEN und FRANK (JUST FRANK) spielten, beantworteten sie meine Fragen.

Ihr spielt meiner Ansicht nach in einer Liga mit LEBANON HANOVER, XENO & OAKLANDER, SIXTH JUNE oder TROPIC OF CANCER. Sind das Referenzen für euch?

Ryan: Ich mag fast alle dieser Acts, die du erwähnst, und ich werte das als Kompliment, wenn LINEA ASPERA mit ihnen in einem Atemzug genannt werden, auch wenn ich glaube, dass sie alle doch sehr unterschiedliche Sounds und musikalische Spielarten aufweisen.

Alison: Ja, das sind durchaus Bands, die uns sehr nahestehen, und einige davon mag ich wirklich sehr.

Wie muss man sich eure sonstigen Einflüsse im London der Gegenwart vorstellen?

Alison: Meine Texte entstehen eher aus dem Unterbewusstsein und die gewählten Worte und sprachlichen Kompositionen sind oft an wissenschaftliche Disziplinen angelehnt, die ich in den letzten Jahren studiert habe. Ich bevorzuge hier eine prägnante und unmissverständliche Sprache, aber die menschliche Natur ist oft zu komplex, um deine Frage genauer zu beantworten.

Ryan: Die Musik, die ich schreibe, ist sehr stark durch analogen Synthie-Pop beeinflusst und von anderen Kunstformen und Spielarten, ungeachtet meiner Interessen an der Art von Kunst und Literatur.

Mitunter habt ihre diese dunkle Ausstrahlung von LINEA ASPERA verstärkt durch den „kühlen“ Gesang von Alison. Worin liegt der Reiz dunkler Soundscapes für euch?

Ryan: Um ehrlich zu sein, empfinde ich unseren Sound nicht wirklich als ausschließlich dunkel oder unterkühlt. Natürlich sind alle Songs irgendwie in Moll gehalten, aber gerade der Gesang von Alison verhindert nach meiner Wahrnehmung, dass die Songs zu melancholisch und dunkel wirken. Wir haben das Album hauptsächlich mit analogem Equipment aufgenommen und ich denke, die „Wärme“ dieser Instrumente in Verbindung mit Alisons Gesang verhindert eine wirklich kühle Distanz, sondern schafft eher eine teilweise warme Aura. Ich kann auch nicht ganz nachvollziehen, weshalb Musik, die auf Synthies basiert, ganz generell mit Attributen wie „kühl“ und „distanziert“ in Verbindung gebracht wird. Mir scheint das oft eine unreflektierte Wahrnehmung zu sein.

Alison: Es ist genauso, wie Ryan es angesprochen hat; ich versuche in meinen Texten auch alles andere als eine dunkle Stimmung zu erzeugen. Die meisten Songs haben sogar eher eine positive Message.

Ihr seid zuletzt auf dem Grauzone Festival in Amsterdam aufgetreten. Wie hat es euch gefallen?

Alison: Die großen Acts im Line-up haben wir nicht gesehen, da es auch ein wenig stressig und hektisch war, aber ich habe DAS DING und FRANK (JUST FRANK) gesehen, die ich wirklich großartig fand. Der Reiz des Festivals lag für uns auch eher darin, viele Bekannte und Freunde zu treffen.

London ist in den letzten Jahren für Musiker fast unbezahlbar geworden mit der Konsequenz, dass viele beispielsweise nach Berlin gezogen sind. Ist das eine Option für euch? Welche Pläne habt ihr?

Alison: Exakt das werde ich auch tun und künftig meine Zeit zwischen Berlin und Malaysia verbringen, da ich mich meinem Studium der Anthropologie und Primatologie widmen werde. Ich werde bald mit der Feldforschung im Regenwald von Borneo beginnen. Ich habe ursprünglich Archäologie studiert. Natürlich spielen auch finanzielle und persönliche Gründe eine Rolle, London zu verlassen. Aber ich habe hier viele Erfahrungen gesammelt und bin jetzt bereit, neue Sachen anzupacken und mich weiterzuentwickeln. Ich bin auch bereits mit einer neuen Band aktiv und wir planen die erste Veröffentlichung für den Sommer oder Herbst. Ich werde also auch nach LINEA ASPERA weiter Musik machen.

Ryan: Ich habe einige Zeit nicht in London gelebt, ziehe jetzt aber wieder zurück. So sehr ich Berlin mag und schätze, London ist doch meine Heimat. Hier sind meine Freunde und Bekannte. Natürlich ist Berlin gegenwärtig sehr aufregend und es passiert dort sehr viel, aber es käme mir nicht in den Sinn, nur deshalb nach Berlin zu ziehen, um Teil einer Szene zu sein. Ich werde in London auch weiter Musik machen und habe bereits mit einem Freund ein neues Projekt namens HETAERA.

Markus Kolodziej

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #108 (Juni/Juli 2013)

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