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Interviews & Artikel

RANTANPLAN

Natural born Altona

„Kein Schulterklopfen (gegen den Trend)“, „Köpfer“ und „Samba“ – das waren die Scheiben, mit denen ich RANTANPLAN vor über zehn Jahren kennen gelernt habe, alle randvoll gespickt mit Skapunk-Hits. Danach habe ich das Treiben der Band nicht weiter verfolgt und bin erst kürzlich wieder auf sie gestoßen, als ich mitbekam, dass ein neues Album namens „Pauli“ in der Mache ist. Darüber, was in der Zwischenzeit geschah, wie sich Hamburg als Wohnort entwickelt und woher RANTANPLAN die Inspiration für ihre extrem guten Texte nehmen, habe ich mit Sänger und Gitarrist Torben an einem winterlichen Samstagvormittag Ende März gesprochen.

Nach eurer EP „Liebe minus null“ von 2005 habe ich euch etwas aus den Augen verloren. Was ist seitdem bei euch passiert?

Nach der „Liebe minus null“ haben wir in New York mit Don Fury das Album „20359“ aufgenommen. Danach haben wir noch ein Live-Album veröffentlicht und „Unleashed“, eine Zusammenstellung von Samplerbeiträgen und Singletracks. Das letzte „richtige“ Album liegt also inzwischen schon länger zurück. Gründe dafür waren personelle Umstrukturierungen in der Band und künstlerische Krisen, da einem ja nicht jeden Tag ein gutes Lied einfällt. Manchmal macht man eben auch mal ein halbes Jahr nur Bockmist, was man dann erst später merkt. Um 2008/09 rum gab es einen ziemlichen Bruch, weil es zu dieser Zeit einige Intrigen innerhalb der Band gab. Wir hätten damals fast ganz aufgehört. Da wir aber mittlerweile um RANTANPLAN herum einen so großen Kreis an Leuten haben, die uns unterstützen und es nicht gut fänden, wenn wir uns auflösen würden, haben wir dann doch weitergemacht.

Es war für euch also nicht schwierig, in Hamburg neue Musiker zu finden?

Ich denke, es ist grundsätzlich zur Zeit nicht schwierig, für diese Art Musik Leute zu finden, weil es gerade sehr viele Zwanzig- bis Dreißigjährige gibt, die fit am Instrument und auch Punkrocker sind. Das ist aber eine allgemeine Entwicklung in den letzten zehn Jahren. Da es uns als Band jetzt seit 18 Jahren gibt, haben wir einen großen Freundeskreis an Leuten, die schon mal Bandmitglied waren oder es auch zwischendurch immer mal wieder sind. Wir sind da mit acht bis neun Leuten so ein bisschen aufgestellt wie ein Fußballteam. Wenn einer nicht kann, dann springt ein anderer ein.

Wie war es, mit Don Fury in New York aufzunehmen?

Ich war der totale Hardcoreler Mitte der Neunziger. AGNOSTIC FRONT und INSIDE OUT habe ich zum Beispiel damals viel gehört. Don Fury hat meine ganzen Lieblingsscheiben produziert, zum Beispiel die erste von QUICKSAND. Ich hörte irgendwann dann wieder mal eine von ihm produzierte Platte von THE WORLD/INFERNO FRIENDSHIP SOCIETY, bei der ich dachte: Wow, guter Sound! Ich habe ihm dann einen Fanbrief geschrieben, und er machte uns ein Angebot, das wir nicht ablehnen konnten. Die Aufnahmen mitten in Brooklyn in Don Furys Studio waren inklusive der Flüge genauso teuer wie Aufnahmen in irgendeinem No-Name-Studio in Hamburg. Da war dann klar, dass wir das machen müssen. Wir hatten nur wenig Zeit, 18 Tage, und haben dann im Aufnahmeraum gelebt und auf Luftmatratzen geschlafen.

Hattest du weiche Knie vor den Aufnahmen mit so einem legendären Produzenten?

Beim Hinfliegen eher weniger, wobei man natürlich schon etwas aufgeregt war. Weiche Knie habe ich gekriegt am ersten Abend im Studio. Da gab es im ersten Stock so eine kleine Fensterglasfront, wo dann solche Gangstertypen zu uns reingeguckt haben. Die haben auf mich gezeigt und mit den Händen diese Kopf-ab-Geste gemacht. Das war wie im Film. Ich dachte: „Okay, 18 Tage aufnehmen, aber ich geh hier nicht raus.“ Don Fury meinte aber nur: „Nimm die nicht ernst, das sind nur irgendwelche Flohmarkt-Piraten, die machen nix.“ Womit er dann auch Recht hatte. Am Ende haben wir uns in Brooklyn völlig frei bewegt, obwohl wir vor manchen Ecken gewarnt worden sind. Wir haben festgestellt, dass diese Ecken oft friedlicher waren als manche Gegenden in Hamburg.

Apropos Hamburg: Der erste Song auf eurer neuen CD „Natural Born Altona“ handelt von der Wohnsituation in eurer Stadt ...

Ja, im Text geht es gegen die Gentrifizierung, den Mietwucherwahnsinn und die „Yuppieisierung“. Wir haben hier die Schanze, die derzeit zu Stahl- und Glasfassaden umgebaut wird. Auch auf der Reeperbahn wohnen nur noch Leute, die viel Geld haben und keiner normalen Arbeit nachgehen, sondern irgendwelche hoch bezahlten Positionen haben. Die merken gar nicht, wie die Jugend langsam durchdreht. Die Ursache dafür ist, dass diese Leute uns hier das Viertel verbauen und wir uns hier nicht mehr wohl fühlen. Das sieht hier bald so aus wie die Frankfurter Innenstadt. Und das will hier keiner. Das muss die Politik mal kapieren, dass uns hier die letzten Freiräume weggenommen werden, die diese Gesellschaft noch bietet. Das ist insgesamt eine schlimme Entwicklung zur Zeit. Entweder du hast ein Haus, vermietest es und kannst deinen Arsch in die Sonne halten, oder du musst Miete zahlen und immer mehr arbeiten, nur um ein Dach über dem Kopf zu haben. Miete wird langsam zum Raubthema. Das ist nicht mehr normal. Unter anderem deswegen halte ich den Humanismus und unsere so genannte Demokratie für völlig gescheitert. Es muss möglich sein, dass jeder sich nach seinen Bedürfnissen entfalten kann. Und es darf nicht sein, dass ein paar wenige Leute die Mieten erhöhen und die Produkte, die wir kaufen, teurer und schlechter machen.

Du spielst auf Nahrungsmittel an, oder?

Ja, genau. Wenn ich in den Supermarkt gehe, möchte ich am liebsten kotzen. Was da in den Tiefkühltruhen für ein Müll angeboten wird, das ist unglaublich. Und wir müssen ja damit irgendwie umgehen, da wir diesen Dreck ja mal mehr, mal weniger essen müssen. Und es macht mich wütend, wenn ich so etwas als Essen angeboten bekomme.

Die Leute wollen eben alles immer zur Verfügung haben, und das alles so billig wie irgend möglich.

Wir werden immer mehr verarscht. Überall steht drauf: „Frei von Geschmacksverstärkern“, dabei ist Hefeextrakt drin, was im Grunde das Gleiche ist. Laut Gesetz muss es aber nicht als Geschmacksverstärker deklariert werden. Der normale Deutsche ist der übelste Auftragskiller, den es gibt, weil er jeden Tag ein Steak für zwei Euro haben will und nicht darüber nachdenkt, wie für zwei Euro dieses Tier heranwachsen soll. Das geht nur in der Box ohne Tageslicht und mit Fischmehl! Und sich dann über diese Tatsache wundern, halte ich für moralisch total verkommen.

Ich selbst esse sehr wenig Fleisch. Wenn die Leute wenigstens nur einmal die Woche Fleisch essen würden, wäre in puncto Massentierhaltung viel getan.

Ja, genau so bin ich groß geworden. Sonntags gab es ein Schnitzel und sonst unter der Woche Gemüse. Und so versuche ich auch, meine Kinder zu erziehen. Es gibt ab und zu mal ein Bio-Steak, aber nicht jeden Tag, weil das eben teuer ist. Aber das soll es meiner Meinung nach auch sein.

Was mir bei RANTANPLAN schon immer gefallen hat, sind die sehr guten Texte, die ja nicht nur politisch und gesellschaftskritisch sind, sondern auch viel Zwischenmenschliches oder sogar eher Lustiges verarbeiten.

Danke. Das ist eine Menge Arbeit, gute Texte zu schreiben. Es ist mir dabei wichtig, mich nicht zu wiederholen und den 38. Anti-Nazi-Song zu schreiben. Dass in den Texten die eigene Haltung transportiert wird, darauf lege ich ebenfalls viel Wert.

Schreibst du die Texte alle alleine?

Nein, auf dem neuen Album sind auch jeweils zwei Texte von unserem Bassisten Kay und unserem Trompeter Ulf dabei. Teilweise haben wir bei den Songs auch zu dritt gearbeitet, was oft sehr schnell gegangen ist, weil einer ein Riff hatte, der andere noch einen Text rumliegen hatte und der dritte gemerkt hat, dass das sehr gut zusammenpasst.

Wer hat dich als Texter beeinflusst? Immerhin habt ihr ja auch schon mal einen Rilke-Text verarbeitet in dem Song „Der Panther“.

Also vor allem Ulf und ich lesen sehr viel. Mittlerweile tauschen wir die Bücher auch untereinander aus. Literatur ist also auf jeden Fall ein großer Einfluss. Wir sind beispielsweise Hemingway-Fans und mögen Rainer Maria Rilke oder Joseph von Eichendorff sehr gerne. Zur Zeit der Bandgründung 1995 habe ich gerade fast das ganze Lebenswerk von Nietzsche gelesen und auch dementsprechend zerstörerische Texte geschrieben. Heute ist das etwas weiter gefächert. Die Bibel habe ich mehrmals gelesen, den Koran habe ich noch nicht ganz durch. Beides interessiert mich, weil das letzten Endes der Ursprung der Literatur ist. Mit der Thora habe ich mich noch nicht beschäftigt, aber da ist wiederum Ulf der Experte. Ich kriege jedenfalls definitiv Entzugserscheinungen, wenn ich kein neues Buch habe. Ich brauche immer zwei bis drei Bücher, die ich dann auch gleichzeitig lese. Eins liegt auf der Toilette, eines in der Tasche für unterwegs und eins auf dem Sofa. Ich lese im Übrigen auch sehr gerne Comics.

Ist deine ehemalige Band ... BUT ALIVE ganz vom Tisch oder ist es denkbar, dass ihr mal wieder was zusammen macht?

... BUT ALIVE haben sich im November 1999 aufgelöst. Ich für meinen Teil wäre jederzeit zu einer Reunion bereit. Man müsste mir nur sagen, wann es losgeht. Ich würde kommen. Das war eine super Zeit damals.

Hannes Baral

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #108 (Juni/Juli 2013)

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